Fast geschafft

Auch wenn mich die Kortisonmenge ziemlich geschafft hat juble ich innerlich. Es kann weiter gehen mit den Antikörper. Jedenfalls so lange, wie sie wirken. Irgendwann ist’s vorbei mit der Wirkung – ist wie bei Antibiotika, der Körper gewöhnt sich daran, und die Zellen werden immun dagegen – dann beenden wir dies. Aber so lange machen wir noch weiter – brav alle drei Wochen zur Therapie.

Onki meinte, wenn die Antikörpertherapie nichts mehr nützt, kann man evtl. wieder eine Chemo in Erwägung ziehen. Das werden wir noch sehen, ob wir „erwägen“…

Kortison ist ein körpereigenes Stresshormon. Führt man nun dem Körper dieses künstlich zu wird die Produktion eingestellt. Man ist aufgedreht und kann nicht schlafen. Nach ein paar Tagen, wenn der letzte Rest ausgeschieden ist und die internen Kanäle noch nicht wieder in Schwung gekommen sind, ist man müde. So müde, dass ich es fast nicht schaffe, vom Schlafzimmer in die Küche. Der Parkplatz ist von meinem Büro ca. 7, 8 Minuten Fussweg entfernt – flach wie in Holland. Diese paar Minuten schaffe ich nicht ohne Pause. Macht sich bestimmt gut, wenn ich meinem Vorgesetzten sage, ich komme nicht zur Arbeit, ich sei müde….

Obwohl ich ein synthetisch hergestelltes Produkt einnehme, bei welchem man die Einlagerung von Wasser als Nebenwirkung angeblich unterbinden kann, kriege ich einseitig einen richtigen Elefantenfuss. Ich war nie mit Gazellenbeinen gesegnet – aber dass muss es ja auch nicht sein.

Was mache ich in solchen Lagen? Onki fragen. Und zwar via Mail. Er ist da ziemlich zackig mit seinen Antworten. Er meint, vielleicht müsste man mal auf Thrombose kontrollieren. Ne, oder? Mir reicht mein Krustentierchen, was soll ich da noch mit einer Thrombose? Meinen kleinen Mann im Hinterkopf lässt der Gedanken nicht los – und so trabe ich am nächsten Tag vor der Arbeit noch schnell zum Hausarzt.

Mein Hausarzt nimmt mich als „Notfall“ rein. Einmal mehr mache ich ihm den Vorschlag, mich als Hypochonder (in Sachen Thrombose) davon zu jagen. Nein, er kenne meinen Befund. Manchmal habe ich echt das Gefühl, diese Ärzte treffen sich regelmässig bei Kaffee und Kuchen und tratschen über ihre Patienten….

Es wird geultraschallt, ich liege auf dem Bauch,  auf den Rücken, und wieder auf den Bauch – und Volltreffer. Eine tiefe Beinvenenthrombose. Hat es sich wenigstens gelohnt, das frühe aufstehen und der Weg zum Arzt.

Tumorzellen können den Gerinnungwert des Blutes ändern, lerne ich.

Es gibt mehrere Blutverdünner, die meisten in Tablettenform, und einmal darf gespritzt werden. Natürlich – ich darf spritzen. Alles andere verträgt sich nicht so gut mit meinem Krustentierchen und dessen Medikamente, drei Monate lang darf ich nun täglich meine Oberschenkel durchlöchern.

Erwähnte ich schon, das Kortison – gemäss Internet – angeblich den Knochenabbau fördert? Auch mal Onki fragen, ob dies stimmt – andererseits, ohne Kortison keine Antikörpertherapie – Pest gegen Cholera. Will heissen, wenn es auch so ist – dann ist es so.

Mittlerweile nehme ich täglich Calzium mit Vitamin D ein – um meinen Knochenmetastasen noch ein paar Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Manchmal frage ich mich, wie es in so einem Körper aussieht? Liegen die Organe rum, und warten auf Arbeit? Bei meiner Leber kann ich mir nicht vorstellen, dass sie sich in der Gegend rum räkelt und ruft „Wo bleibt denn der Alkohol, hab‘ ja überhaupt nichts mehr zu tun hier“. Ich glaube auch ohne trinken bis zum Verlust der Muttersprache halte ich sie zeimlich auf Trab – und noch arbeitet sie brav und schmerzfrei – trotz Metastasen. Und ich hoffe, das bleibt noch lange so.

 

 

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