Noch etwas klären

Mein Profischlitzer holt mich im Wartezimmer ab. Ob er mich auch MIT Kleider wieder erkennt? Die letzten zwei Mal war ich spärlich bekleidet – einemal auf dem OP Tisch, und einmal in der Dusche. Doch, er kommt direkt auf mich zu. Erleichternd kommt vielleicht noch der  Umstand dazu, dass ich alleine im Wartezimmer sitze.

Noch während er mir die Türe aufhält strahlt er mich richtiggehend an und  meint, er hätte eine gute Nachricht, die Zyste war gutartig, also ein Tumor, ein gutartiger – ich werde sie als meinen Zystenfussball in Erinnerung behalten. Fussball deshalb, weil mein Profischlitzer mehr als einmal meinte, er wäre in etwa diese Grösse gewesen.

Er will sich die Narben noch ansehen. Ein schiefer Blick meinerseits – die seien in Ordnung. Trotzdem will er schauen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass er das letzte Mal auch „mal schauen wollte“ – und ich bin mit einem OP Termin raus spaziert. Sag‘ ihm dies auch. Er lacht, und meint, er will trotzdem kucken. Man, ist der stur.

Also auf die Liege – und er schaut. Er sieht auch meine Bemalungen – für die Bestrahlung die Markierungen – und natürlich will er es wissen. Ich meine sein lassen, dass seien Positionsmarkierungen. Ich weiss noch von der Brust – OP her, wie gerne er Pflaster entfernt – hier bremse ich ihn. Es sieht für ihn alles zufriedenstellend aus und ich darf von der Liege runter.

Eigentlich hätte das ganze eine viertel Stunde gedauert. Nur, irgendwie kommen wir ins plaudern. Weil ich ja nicht weiss, ob hier ein Krankenkassemensch mitliest schreibe ich nicht, wie lange unser Kaffeekränzchen dauerte. Ja, Kaffee wäre sich ausgegangen – mit einem 4-Gänger davor – zeittechnisch gesehen.

Er erzählt mir von schrägen Fällen in seiner Laufbahn,, wie er sich fühlt, wenn er – wieder Mal – eine unheilbare Diagnose überbringen muss, wie sich die Arbeit in den letzten Jahren verändert hat. Er erzählt mir von Falschdiagnosen, Krustentierchen die jahrelang als „Entzündung“ behandelt wurden. Im Stillen danke ich meinem Hausarzt für den bei mir hingelegten Blitzstart.

Ich erzähle ihm wie es mir mit meinem Krustentierchen ergangen ist, von den Tips, welche ich – und nicht nur ich – als Erkrankte erhalten habe. Zum Teil schüttelt er den Kopf, zum Teil kann er mir logische Erklärungen geben, manchmal lachen wir Beide über die zum Teil vorherschende Naivität.

Und irgendwann erzähle ich ihm auch von meinem Kampfgespräch mit der widerborstigen Narkoseärztin. Ich meine zu sehen, dass er auf den Stockzähnen grinst. Hallo? Ich stelle ihn zur Rede, wenn er lächelt – möchte ich auch mitlachen. Ja, er meinte, ich hätte ein paar Killerargumente in’s Feld geführt, die die Ärztin zweifelsohne in die Ecke getrieben hat, und natürlich hat niemand gerne – auch ein Arzt nicht – wenn das Gegenüber mehr weiss. Wobei, ein guter Arzt hört auf den Patienten – immerhin kennt jeder seinen Körper am besten.

Ich teile ihm mit, das mir aufgefallen ist, dass ich eigentlich – trotz allgemeiner Versicherung – von Beginn an immer bei den Chefärzten der betreffenden Abteilung  gelandet bin. Er sieht mich an und meint,  dies sei in einem guten Spital so. Es hat nicht – wie von mir vermutet, oder soll ich schreiben erhofft? – mit meinem netten Wesen zu tun sondern mit meinem ausgewachsenen Krustentierchen. Ich meine, auf diese Sonderstellung hätte ich gerne verzichten können, und das ich ihm damit nicht zu nahe treten möchte. Darauf fällt ihm nichts ein, er lächelt.

Zum Schluss fragt er mich, wo ich den jetzt zur Kontrolle gehe. Ich verweise auf die folgende Bestrahlung, bei welcher ich wöchentlich ein Arztgespräch habe und zusätzlich meine drei-wöchentliche-Antikörpertherapie, die mir erhalten bleibt, so lange die Dinger helfen. Das heisst, auch Onki werde ich noch regelmässig sehen. Dann sei ich in guten Händen meint er.

Wir verabschieden uns mit einem Handschlag. Ich bedanke mich bei ihm – und habe das Gefühl, nie zu vergessen, wie er mich dabei angesehen hat.

 

 

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