Gespräche

Nach drei Wochen steht wieder Mal meine Antikörpertherapie in der Onkologie an. Ich schlage tatsächlich zuerst den Weg Richtung Bestrahlung ein. Macht der Gewohnheit…..

Mein Onki bestätigt mir, dass Kortison grundsätzlich die Knochen angreift. Aber nur alle drei Wochen einnehmen  – dann geht das schon. Muss auch, sonst wäre nix mit Antikörpertherapie. Ich frage ihn, wie ich merken werde, wenn es  los geht. Das kann er bei mir nicht sagen – die vielen Ableger rundherum lassen alles offen.

Trotzdem hat er einen ganz wunderbaren Satz von sich gegeben.

Während er mir bei meiner Diagnose mitteilte, dass ich lebensbedrohend krank sei meinte er heute, davon sind wir nun Lichtjahre entfernt. Ich finde, dass ist doch was.

Erkundige mich bei ihm, wie lange ich meine Reizwäsche noch tragen muss? Man kann richtiggehend sehen, wie seine Gedanken in eine Richtung abschwenken, aus die man nur mit sehr viel Fingerspitzengefühl – oder eben auch gar nicht  – wieder heraus kommt. Ich schiebe erklärend „meine Kompressionsstrümpfe“ hinterher. Er lacht, ich lächle – er überlässt mir die Entscheidung. Wenn es gut geht ohne, keine Schwellung am Abend, kann ich sie weg lassen. Also versuchen….

Irgendwann erheben wir uns, und wünschen einander schöne Ferien.

Am Ende der Therapie sitz die Leiterin der Chemo Damen noch ein wenig zu mir – wir plaudern. Onki setzt sich dazu. Nicht nur um zu plaudern – meine Calciumwerte sind trotz täglicher Tablette im Boden, macht ihm Sorgen.  Er schlägt mir noch ein Mineralwasser mit sehr hohem Calcium Werten vor – und – Milchprodukte – vor allem Hartkäse. Ich trinke zu Hause immer Hahnenburger, nun gehe ich also einkaufen. Mal sehen, dass sollte ich doch hinkriegen mit diesen Werten.

Mein dritter Antikörper soll die Knochen aufbauen, sprich er zieht Calzium im Körper ab und führt es denn Knochen zu. So weit so gut. Nur braucht der Körper auch sonst noch Calcium, für was, hat mir Onki wohl gesagt, ich hab’s vergessen. Also muss da mehr ran.

Ein Huhn hat es einfacher – dem gibt man getrocknete Eierschalen, und schon passt es.

Die Spur meines Autos ist wieder wie sie sein sollte. Auf dem Weg zum Getränkeladen ruft mich der Garagist an – habe meine Medis in der Werkstatt vergessen – also 180 Grad gewendet.

Lachend meine ich zum Werkstattmenschen, nun wisse er dies auch von mir. Ja, er habe gesehen, seien keine günstigen Medikamente. Ich kläre ihn auf. Und mit einer einzigen Frage zeigt er mir, dass er versteht, wie es mir geht. Wie ich es psychisch verkrafte, man merke mir nichts an. Nicht die köperlichen Beschwerden sind es, die einem zu schaffen machen, es ist das tägliche, bewusste ankämpfen gegen die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

Er erspart mir die ansonsten ungefragten üblichen guten Radschläge. Erzählt von seiner Familie, in welcher auch schon mehrere Angehörige daran erkrankten. Eigenartig, gestern lernte ich diesen Menschen kennen, und nun habe ich das Gefühl, einer, der mich versteht…..

Manchmal helfen einem Menschen, die es gar nicht merken.

 

 

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