Ärgerlich

ist das nun mit der Bestrahlung. Da denkt man sich voller Unschuld, jetzt hat man es hinter sich, und nun spielt meine Haut verrückt. Offene Stellen. Und die Dinger wollen und wollen nicht heilen. Vielleicht auch, weil sie bis gestern mit nicht gerade wachstumsfördernden Photonenstrahlen beschossen wurden.

Es wird geschmiert wie Blöde, Gaze drauf, und rumlaufen wie ein Bodybuilder, also, wie ein einseitiger Bodybuilder. Die halten doch die Arme auch immer vom Körper weg, oder? Sieht ein bisschen dämlich aus, aber es tut gut, wenn der Arm nicht immer an den offenen Stellen reibt.

Vorgestern trabe ich zur Bestrahlung, und habe mich doch tatsächlich im Tag geirrt. Also mache ich mich unverrichteter Dinge auf den Heimweg. Der Herr am Empfang ist super hilfreich und organisiert mir doch ein Termin bei meinem Speedmaster. Wie immer, alle sind sehr, sehr nett.

Ein alter Bekannter ist im Spital eingeliefert – also noch ein Schlenker gemacht über sein Zimmer. Er ist schon ziemlich betagt, aber im Kopf noch immer rege. Wir haben uns rund zwanzig Jahre nicht mehr gesehen, kommen wir zum Schluss. Er freut sich riesig – nachdem ihm klar wurde, wer ich bin. Er hat das Gleiche wie ich, (nicht Brust – nein, Prostatakrebs) und muss in rund einer Stunde in die Bestrahlung. Er erzählt es auch gleich jeder Schwester, wer ich bin, und dass ich gerade von der Bestrahlung komme.

Er hat ziemliche Schmerzen. Was bei ihm genau bestrahlt wird weiss er gar nicht, ich tippe auf die Knochen. Er hat nur fünf Termine mit dem Speedmaster, und nach meinen Schulmädchenwissen in Sachen Tumorbehandlung komme ich auf Knochenmetastasen. Auch das weiss er gar nicht so genau. Ich verstehe ihn. Es braucht viele Gespräche und noch mehr nachfragen, um zu erfassen, was mit einem passiert. Wie soll man dies in so hohem Alter noch auf die Reihe kriegen?

Als es los geht zur Bestrahlung gehe ich den Schwestern zur Hand – schiebe den Christbaum mit (Infusionsständer mit dem üblichen NcLa = Kochsalzlösung), hole den Bettenlift und laufe mit dem Bett mit, weiss ja, wo es hin geht. Wie ein alter Profi – ein Wissen, auf dass ich nicht stolz bin.

Komme ins plaudern mit der Krankenschwester, sie hatte vor acht Jahren mit einm Krustentierchen zu kämpfen. Ziehe ich solche Leute an, oder wie? Wir erzählen uns  unserer Geschichten. Ich denke mal, für einen Laien war das ganze schon ziemlich mit Fachausdrücken gespickt – so weiss man aber auch schneller, wovon das Gegenüber spricht. Sie ist evtl. BCRA1 oder 2 Träger, wird es aber nicht abklären lassen. Denn, was dann??

Gestern nun die letzte Bestrahlung. Mit einer Pralinenschachtel bewaffnet mache ich mich das letzte Mal auf den Weg. Ich verabschiede mich, überreiche mein kleines Present, bedanke mich für die stets höfliche und respektvolle Behandlung. Mir wird Glück und Kraft gewünscht. Hier werde ich erst wieder landen, wenn die Schmerzen in den Knochen los gehen.

Die Salbenfrauen entfernen alle Markierungspflaster und geben mir nochmals eine spezifische Salbe mit. Die offenen Stellen muss ich geregelt kriegen – sonst wird das übel.

Mit der Photonenmeisterin habe ich auch noch ein Gespräch, auch sie sieht sich meine Haut nochmals an. Wenn es schlimmer wird, unbedingt melden. Nur am Sonntag darf nichts sein, da ist niemand von der Radioonkologie erreichbar. Aja, da kann man also schon mal zusammen klappen – ist dann einfach der falsche Zeitpunkt? Dafür habe ich meinen Onki mit seiner 24/7 Notfallnummer.

Nun steht also das pflegen und hegen meiner Haut an – ärgerlich.

 

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