Archiv | August 2016

Dies und das

Sommertage nach EU Norm würde ich mal sagen, was wir so die letzten Tage erfahren durften. Und doch, gestern habe ich schon die ersten gefärbten Blätter gesehen, der Herbst kommt. Unwillkürlich schiesst mir durch den Kopf, ob – und wenn ja, wie oft – werde ich dies noch erleben? Ich kann Tage verbringen, ohne mit irgend jemanden über mein Krustentierchen zu sprechen – in Gedanken ist es immer bei mir. Stets, überall. Schon alleine wegen meinem Hand-Fuss-Syndrom. Meine Photonenmeisterin meint, dies dauert so lange, wie die Chemo dauerte, also langsam sollte das auch verschwinden.

Kürzlich half ich einer Kollegin beim aufräumen und knallte mit dem Kopf gegen ein Regal. Tat nicht weh. Und nach kurzem überlegen wurde mir auch klar, warum nicht. Meine Haare wachsen wieder. So ist mein Kopf quasi mit Haaren und Perücke gepolstert. Wobei, für eine Motorradfahrt ohne Helm würde es schon nicht reichen. Seit kurzem ist auch wieder ein Gerät in Betrieb, welches lange im Ruhestand war – mein Föhn. Die Haare wachsen, ja, in einem gepflegten Strassenkötergrau. Es gibt Scherzkekse von Frauen, welche meinen, das steht mir doch sehr gut, ich kann doch ohne weiteres ohne Perücke rum laufen. Ja, mache ich, wenn die betreffende Person mitmacht, will heissen, Haare ab auf ca. 3 cm und das färben sein lassen. Keine der betreffenden Damen zieht mit.  Denn seien wir ehrlich, die meisten Frauen nehmen regelmässig die Hilfe von Frau L’Oreal und Herrn Wella in Anspruch. Ich auch. Als ich noch eigene Haare hatte.

Meine Haare und meine Körpergrösse waren für mich das einzige, dass man meiner Meinung nach sein lassen konnte. Der Rest kann als Diskussionsbasis dienen. Nun habe ich noch meine Grösse. Dafür mausgraue Haare, die mich aussehen lassen wie einen Pudel, ein alter Pudel. Ich hatte vorher schon verbogene Haare, auch als Naturlocken bekannt, nun noch mehr, da a) kurz und b)  gemäss Perückenfee die Haarwurzeln nicht mehr gerade sind nach einer Chemo, so kommen die Haare noch verbogener raus.

Vielleicht brauche ich einen akzeptablen Alkoholpegel, um mich mal oben ohne unter die Leute zu mischen? Für diesen brauche ich momentan sehr wenig, das Abstinenzler Leben bringt meine Leber in Sachen Alkohol aus der Übung. Ein paar Glässchen reichen absolut für einen kleinen Damenrausch. Dafür ist mein Leberlein fix in Abbau von Medis, zimindest habe ich das Gefühl. Wenn ich manchmal höre, wie viele Menschen auf Medikamente mit Beschwerden reagieren, da kann ich nicht meckern.

Habe momentan ein paar Zipperleins, hier und dort. Jetzt wäre es natürlich einfach zu sagen, dass mein Krustentierchen dafür verantwortlich zeigt. Wenn ich mit mir ehrlich bin, ist es wohl eher meine Bequemlichkeit. Zum einen habe ich mich während der Bestrahlung wie eine Assel in der Wohnung vergraben – sollte ja nicht in die Sonne. Und zum anderen zickt mein Hand-Fuss-Syndrom rum, bei jedem Schritt merke ich es. Das sind natürlich alles Ausreden, und so wie ich das sehe, sollte ich mich doch mal wieder auf mein Rudergerät zu Hause schwingen.

Lieber würde ich mal wieder ein bisschen spazieren, ist aber noch nicht das wirklich richtige für mich.

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Alles i. O.

Nun bin ich ziemlich nachlässig geworden, mit meiner Blog-erei. Es gibt ja auch nicht viel zu berichten, alles im grünen Bereich.

Das Bestrahlungsfeld ist noch rot, ich schmiere noch immer fleissig, ansonsten keine Beschwerden.

Meine Gespräche mit Onki fehlen mir, muss ich zugeben. Früher wöchentlich, nun sechs Wochen Funkstille, da er ja auch mal in den Ferien weilt, und ich von Haus aus momentan nur noch alle drei Wochen in der Onkologie für die Antikörpertherapie antrabe. Will nicht klagen, da ich weiss, wenn die Arztbesuche wieder zunehmen wird es öha mit mir. Nur, es ist immer unterhaltsam, und ein, zwei fachliche Fragen kommen mir immer in den Sinn.

Habe auch schon wieder – eine halbtechnische – parat für ihn. Wobei, ich schätze mal, dass wird er mir ohne wenn und aber abschmettern.

Habe eine 08/15 Excel Datei erstellt mit den von mir bis anhin verursachten Kosten. Und natürlich wird Onki an mir auch verdienen. Nun dachte ich, ob da was zu machen wäre mit Umsatzbeteiligung? So ein kleines Promille würde mir schon reichen. Der geneigte Leser wird nun richtig rückschliessen – ich bin ordentlich teuer. Gemäss Onki eine der teureren seiner „Kunden“. Da könnte er doch mal was springen lassen? Man darf gespannt sein.

 

Dieser Eintrag wurde am 25. August 2016 veröffentlicht. 2 Kommentare

Vorbei

… oder bald vorbei ist es mit meinem Bestrahlungsschäden. Die Haut ist noch leicht gerötet, tut nicht mehr weh, juckt nicht mehr, ich kann wieder schlafen, bzw. liegen wie ich möchte – alles tadellos.

Die Bestrahlungsmeisterin will mich nochmals sehen (weil es beim letzten Mal doch überdurchschnittlich rot war) und befindet den Fortschritt der Heilung für gut. Sie mache noch einen Bericht zum Abschluss an meinen Onki. Ich meine, es eilt nicht, er weilt noch in den Ferien – nein, sie hätte heute mit ihm telefoniert. Mir erzählt man mal wieder nichts. Das gute daran ist, wenn es in dem Telefonat nicht um mich gegangen ist – ist bei mir alles im grünen Bereich. Meine Bestrahlungsmeisterin meint – so wie ich es mir schon dachte – das wir uns erst wieder sehen werden, wenn es bei mir mit Schmerzen los geht – dann werden die Knochen punktuell bestrahlt werden.

Beim nach Hause Weg knurre ich ein wenig vor mich hin. Was Onki und meine Bestrahlunsmeisterin als lange Zeit betiteln – die Zeit, in der ich jetzt quasi erst mal Ruhe hätte vor Krustentierchen und dessen Folgen – deckt sich in keiner Weise mit meiner Vorstellung einer langen Zeit. Wir werden sehen, wann es weiter geht.

Mein Besuch hält mich in Schwung. Neben Ausflügen ist es elementar wichtig, gutes, und vor allem genug, Essen zu Hause zu haben. Erst nachdem alles vorbei ist, wird mir erzählt, dass auf dem Balkon in ausreichender Lautstärke über den Aggregatszustand der Stoffwechselendproduktion ebenso diskutiert wurde wie über grosse und kleine interne Geheimnisse – nicht immer ganz jungendfrei – unserer Familie. Was soll ich sagen? Die Küche war weit weg vom Balkon, ich hatte keine Chance, vorsorglich einzugreifen.

Ich nehme mir vor, bei nächstbester Geglegenheit unter meinen Nachbarn ein kleines Geschenk zu verteilen. Wird wohl nicht ganz so schlimm sein wie mein Besuch meinte – das ich mir vielleicht die Anzeigen der Wohnungen zu Gemüte führen sollte.

Der Leergutbestand nimmt überhand und ich beschliesse, meinen Besuch in die Entsorgung einzubinden – nach meinen Anweisungen schwärmen sie aus, und so ist ruck zuck wieder Platz für die nächsten Leergebinde.

Sie kommen gestafelt und gehen gestafelt – so habe ich während meinen Ferien immer nette Unterhaltung.

 

 

 

Wieder zurück

von meinem kleinen Städtetrip.

Schön war es, und warm war es – und vor allem lustig.  Wo immer möglich bin ich auf’s WC verschwunden und habe geschmiert wie verrückt, und zusammen mit vier-stündigen-Schmerztabletten – vor allem wegen der Entzündung – ging es ganz  gut.

Der ultimative Beweis dass ich ein altes Weib bin, wurde auch erbracht. In der U-Bahn stehen Teenager auf und geben ihren Sitzplatz frei. Natürlich habe ich das angenommen, sonst rühren die das nächste Mal keinen Finger, wenn eine alte, gebrechliche Person daher kommt. Dazu habe ich mich bis jetzt nicht gezählt. Hier scheint das Eigenbild nicht mit der öffentlichen Wahrnehmung überein zu stimmen.

Mittlerweile schält sich das ganze Bestrahlungsfeld, aber es ist definitiv besser geworden. Das Hand-Fuss-Syndrom begleitet mich verlässlich, nach den ersten vier Stunden in der Stadt Blasen – auf beiden Füssen. Aua!! Alles nur, weil ich noch immer keine Hornhaut auf den Fussballen habe, eher Babyhaut.

Morgen habe ich wieder mal Therapie. Mein Onki weilt noch in den Ferien, somit wird es kein unterhaltsames, lustiges Gespräch geben. Aber passt auch, dann dauert es nicht so lange.

Besuch kriege ich auch. Ein paar Verwandte schlagen bei mir auf – also keine Zeit, an meine Wehwehchen zu denken – sondern Kühlschrank füllen, Betten aufziehen, und was es da sonst noch allerlei zu tun gibt.

Und irgendwann muss auch ich wieder mal zur Arbeit.

 

Talsohle

Heute also beim Arzt (meine Photonenmeisterin hat Ferien), und was sagt er mir? Was sagt er mir?? Ja, dass kann schon mal sein, dass die Wirkung der Bestrahlung länger andauert als üblich. Ach, echt?? Jetzt sei ich in der Talsohle…..

Da kriegt man eine palliativ Behandlung – und wird so hergerichtet? Wie gehen die denn auf Leute los, bei denen Heilung in Aussicht steht? Bestrahlung, bis sich das Gewebe bis zur Lunge auflöst, oder wie?

Habe mir mal den Bestrahlungsplan zeigen lassen – meine Lunge wurde angeschrammt – aber das wurde mir vor Beginn als mögliche Nebenwirkung mitgeteilt. Mit 90% Lunge lässt es sich immer noch hervorragend atmen. Raucher müssen mit weniger auskommen – und machen es freiwillig.

Der gebildete Mitteleuropäer, oder soll ich sagen, der erprobte Langzeitkranke, weiss, dass Schmerzmittel grösstenteils auch entzündungshemmend sind. Ok, sie sind auch blutverdünnend, was nicht so optimal ist mit meinem Thrombosemittel. Aber darüber sehe ich mal hinweg – das Eibengift habe ich ja auch hinter mich gebracht. Also gehe ich nach Hause und mach‘  mich über meine Schmerzmittel her, die in diesem Fall der Entzündung dienen sollen. Also, eigentlich die Entzündung eindämmen sollen. Paracetamol, das Mittel meiner Wahl. Und weil ich nicht Auto fahre muss, darf es auch gerne eine richtig ordentlich grosse Dosis sein. Wäre ja gelacht, wenn ich das nicht weg kriege. Von aussen geschmirrt, von innen mit Chemie – so zäh kann doch ein Körper nicht sein, dass er das alles ignoriert und sich statt dessen immer noch langsam vor sich hin schält.

Mit wurden auch Globulis empfohlen, nur habe ich damit überhaupt keine Erfahrung. Von solch gefährlichen Sachen lass‘ ich mal die Finger davon  – will nichts riskieren.

Wenn ich meinen Frust über den Ausgang der Bestrahlung bei Onki ablade, wird er mir geduldig zuhören, mir Verstädnis signalisieren, ein wenig schmunzeln  – und schon ist’s vorbei mit meiner schlechten Laune. Er schnumzelt nicht, weil er mich auslacht, er schmunzelt meist über meine mündliche Schilderung von Vorfällen.

Früher oder später wird die Lage ernst werden, und dann wird nicht mehr geschmunzelt werden –  das hat noch Zeit.

 

Passt nicht

Wenn es um die Bestrahlungsschäden unter meinem Arm geht ist keine Spur von vorwärts schauen. Im Gegenteil, mittlerweile ist die Grösse einer Hand offen und es schmerzt ordentlich. Wenn das bis in zwei Tage nicht besser wird, werde ich wohl oder übel nochmals den Weg zu meiner Strahlenmeisterin auf mich nehmen. Es ist sowas von lästig, mühsam, ärgerlich, dass ich langsam richtig sauer werde auf meinen Körper. Habe ja nicht den Anspruch an ihn, noch hübsch auszusehen (kann ich eh vergessen mit all den Narben, den Hautverfärbungen von der Bestrahlungen, der Vestümmelung), aber wenigstens funktionieren wäre nicht schlecht.

Hatte den Gedanken, mich noch um eine komplementäre Behandlung umsehen zu müssen. Umd habe es auch getan.

Vielleicht bin ich nicht offen dafür? Vielleicht hat schlichtweg die Chemie nicht gepasst zwischen dem Herrn und mir.

Wir treffen uns in der Mitte, er fährt mir entgegen, ist davon ausgegangen, dass ich in körperlicher schlechter Verfassung bin – obwohl ich gesimst habe, dass ich alles mehr oder weniger gut überstanden habe. Das finde ich sehr nett, und sage ihm dies auch.

Er erzählt, wie viel er zu tun hat, so und so viel Patienten, und das er sich nur auf Grund meiner sehr schlechten Diagnose für mich Zeit nimmt. Aha! Dann meinte er noch, es gibt keine Brustkrebs (sondern geht vom Unterleib aus), und es gibt keine Gastritis, kein Rheuma, alles sei nur ein Mangel. Ich wende ein, es ist doch nur anders benamst, dass spielt doch in diesem Sinn gar kein Rolle, wie man es nennt. Oha, so wie er reagiert ist er wohl nicht gewöhnt, dass da Widerworte kommen. Als er mich fragt, was ich von ihm möchte, meine ich, vielleicht ein paar Jahre Leben? Ganz schlechte Antwort!

Er stellt mir Heilung in Aussicht – und ist überrascht dass ich nicht mit Riesensprünge über die Tische tanze. Die Schulmedizin tut er als totalen Nonsens ab – und erzählt andererseits, er arbeite eng mit Onkologen zusammen. Ich bin verwirrt. Frage mich, was will er mir sagen? Noch immer weiss ich nicht, wie eine Behandlung genau von statten geht. Er meint, die Brust Abnahme hätte er mir ersparen können.

Er redet viel, sagt nichts. Zumindest ich finde nichts für mich brauchbares darunter. Entweder will er mich testen, ob ich ihm ein Lügenmärchen auftische, oder er hört mir nicht zu. Er fragt mich zwei Mal, ob ich mit der Bestrahlung erst begonnen habe – nein, seit ein paar Tagen fertig. Habe ich ihm auch gesimst, somit hat er es quasi schwarz auf weiss. Auch ob die Chemo noch am tun ist. Nein, Chemo und Bestrahlung – haut ja den stärksten Ochsen um.

Ich weiss nicht mehr zu welchem Thema ich erwidere, dass ich das anders sehe. Antwort „Das interessiert mich nicht“?!?!??!?! Ich bin platt, erhole mich, und sage ihm, wir können das wohl beenden, hier und jetzt. Weil ich ihm nicht in allem Recht gebe und er mit meinen Gedankengängen nicht einverstanden ist und offensichtlich nicht auf evtl. Patienten eingeht  /  nicht will, oder es vielleicht auch nicht kann – gibt ihm das kein Recht, jeglichen Respekt zu vergessen.

Er sei ein Alpha Tier und hat immer Recht.

Nur weil ich krank bin, bin ich doch nicht am verblöden.

Zum Abschied meint er noch, ich hätte ja seine Nummer, und wenn ich nichts mache, wird das ganz böse enden. Ja, soweit bin ich auch schon gekommen.

Ich entscheide mich gegen ihn. Vielleicht hätte er mir helfen können. Jedoch wird es übel für mich bei der Vorstellung, er hätte mich untersucht, mich angefasst. Da schüttelt’s mich.

Ich weiss nicht, wie oft Onki meine Brust abgetastet hat – nie auch nur der Hauch einer Verlegenheit. Im Evakostüm eine Nachbesprechung mit meinem Profischlitzer im Badezimmer – immer wieder gerne. Also – es kann nicht daran liegen, dass ich verklemmt bin.

Momentan ist Onki für mich das Mass aller Dinge, in medizinischer Behandlung, in seelischer Unterstützung – und in sozialer Kompetenz. Wenn ich mich schon an jemanden wende, muss er / sie schon mit Onki mithalten können. Drunter geht es nicht.

Wie gut er mich kennt. Als ich ihm von meinem Plan erzählte, dass ich mich da mit jemanden treffen möchte – schickte er mir doch  tatsächlich ein Schmunzeln auf’s Mail mit „it’s up to you“. Schlitzohr!!

 

Dieser Eintrag wurde am 3. August 2016 veröffentlicht. 2 Kommentare