Passt nicht

Wenn es um die Bestrahlungsschäden unter meinem Arm geht ist keine Spur von vorwärts schauen. Im Gegenteil, mittlerweile ist die Grösse einer Hand offen und es schmerzt ordentlich. Wenn das bis in zwei Tage nicht besser wird, werde ich wohl oder übel nochmals den Weg zu meiner Strahlenmeisterin auf mich nehmen. Es ist sowas von lästig, mühsam, ärgerlich, dass ich langsam richtig sauer werde auf meinen Körper. Habe ja nicht den Anspruch an ihn, noch hübsch auszusehen (kann ich eh vergessen mit all den Narben, den Hautverfärbungen von der Bestrahlungen, der Vestümmelung), aber wenigstens funktionieren wäre nicht schlecht.

Hatte den Gedanken, mich noch um eine komplementäre Behandlung umsehen zu müssen. Umd habe es auch getan.

Vielleicht bin ich nicht offen dafür? Vielleicht hat schlichtweg die Chemie nicht gepasst zwischen dem Herrn und mir.

Wir treffen uns in der Mitte, er fährt mir entgegen, ist davon ausgegangen, dass ich in körperlicher schlechter Verfassung bin – obwohl ich gesimst habe, dass ich alles mehr oder weniger gut überstanden habe. Das finde ich sehr nett, und sage ihm dies auch.

Er erzählt, wie viel er zu tun hat, so und so viel Patienten, und das er sich nur auf Grund meiner sehr schlechten Diagnose für mich Zeit nimmt. Aha! Dann meinte er noch, es gibt keine Brustkrebs (sondern geht vom Unterleib aus), und es gibt keine Gastritis, kein Rheuma, alles sei nur ein Mangel. Ich wende ein, es ist doch nur anders benamst, dass spielt doch in diesem Sinn gar kein Rolle, wie man es nennt. Oha, so wie er reagiert ist er wohl nicht gewöhnt, dass da Widerworte kommen. Als er mich fragt, was ich von ihm möchte, meine ich, vielleicht ein paar Jahre Leben? Ganz schlechte Antwort!

Er stellt mir Heilung in Aussicht – und ist überrascht dass ich nicht mit Riesensprünge über die Tische tanze. Die Schulmedizin tut er als totalen Nonsens ab – und erzählt andererseits, er arbeite eng mit Onkologen zusammen. Ich bin verwirrt. Frage mich, was will er mir sagen? Noch immer weiss ich nicht, wie eine Behandlung genau von statten geht. Er meint, die Brust Abnahme hätte er mir ersparen können.

Er redet viel, sagt nichts. Zumindest ich finde nichts für mich brauchbares darunter. Entweder will er mich testen, ob ich ihm ein Lügenmärchen auftische, oder er hört mir nicht zu. Er fragt mich zwei Mal, ob ich mit der Bestrahlung erst begonnen habe – nein, seit ein paar Tagen fertig. Habe ich ihm auch gesimst, somit hat er es quasi schwarz auf weiss. Auch ob die Chemo noch am tun ist. Nein, Chemo und Bestrahlung – haut ja den stärksten Ochsen um.

Ich weiss nicht mehr zu welchem Thema ich erwidere, dass ich das anders sehe. Antwort „Das interessiert mich nicht“?!?!??!?! Ich bin platt, erhole mich, und sage ihm, wir können das wohl beenden, hier und jetzt. Weil ich ihm nicht in allem Recht gebe und er mit meinen Gedankengängen nicht einverstanden ist und offensichtlich nicht auf evtl. Patienten eingeht  /  nicht will, oder es vielleicht auch nicht kann – gibt ihm das kein Recht, jeglichen Respekt zu vergessen.

Er sei ein Alpha Tier und hat immer Recht.

Nur weil ich krank bin, bin ich doch nicht am verblöden.

Zum Abschied meint er noch, ich hätte ja seine Nummer, und wenn ich nichts mache, wird das ganz böse enden. Ja, soweit bin ich auch schon gekommen.

Ich entscheide mich gegen ihn. Vielleicht hätte er mir helfen können. Jedoch wird es übel für mich bei der Vorstellung, er hätte mich untersucht, mich angefasst. Da schüttelt’s mich.

Ich weiss nicht, wie oft Onki meine Brust abgetastet hat – nie auch nur der Hauch einer Verlegenheit. Im Evakostüm eine Nachbesprechung mit meinem Profischlitzer im Badezimmer – immer wieder gerne. Also – es kann nicht daran liegen, dass ich verklemmt bin.

Momentan ist Onki für mich das Mass aller Dinge, in medizinischer Behandlung, in seelischer Unterstützung – und in sozialer Kompetenz. Wenn ich mich schon an jemanden wende, muss er / sie schon mit Onki mithalten können. Drunter geht es nicht.

Wie gut er mich kennt. Als ich ihm von meinem Plan erzählte, dass ich mich da mit jemanden treffen möchte – schickte er mir doch  tatsächlich ein Schmunzeln auf’s Mail mit „it’s up to you“. Schlitzohr!!

 

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Dieser Beitrag wurde am 3. August 2016 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare

2 Kommentare zu “Passt nicht

  1. Also nach meiner unqualifizierten Meinung, lag es nicht daran, dass Du nicht offen warst, sondern daran, dass der Kerl ein Scharlatan übelster Sorte ist.

    Woher ich mir da so sicher bin? Es ist nicht logisch, was er gesagt hat:

    Wie will er behaupten Dich heilen zu können, wenn er bei seiner Therapieplanung nicht mal im Kopf hat wie es Dir geht und was bisher gemacht wurde? (und was sonst stellen die zig fachen „Sind Sie schon bestrahlt, hatten Sie Chemo?“ Fragen denn dar?)

    Denn WENN (hypothetisch gesprochen) Chemo, Bestrahlung und OP nicht hilfreich WÄREN, wären sie ja extrem schädlich, weil der Körper geschwächt wird. Die Frage, ob Du völlig geschwächt bist, WÄRE dann aber für seine Wundertherapie doch von größter Wichtigkeit??
    Beutelschneider, Panikmacher und Unsympath sind noch die höflichsten Begriffe, die mir einfallen, aber da Du hier nie zu Schimpfworten greifst, will ich mich mal gewählt ausdrücken.
    Ich hoffe Du vergisst den Kerl. Falls Du was alternatives probieren willst, gibt es andere, bessere Möglichkeiten. Es gibt nämlich auch seriöse Ärzte die so was machen.

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    • Hallo Shrimpy
      Immer noch am mitlesen? 🙂
      Ja, habe diese Erfahrung schon zur Seite gelegt. Der Gedanke, dass er ein Scharlatan ist und dachte, bei einer Person mit solch schlechter Diagnose kann man lange und viel Geld machen ist mir auch gekommen. Da gebe ich mein Geld für schönere Sachen aus.
      Liebe Grüsse
      Dein Krustentierchen

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