Dies und das

Sommertage nach EU Norm würde ich mal sagen, was wir so die letzten Tage erfahren durften. Und doch, gestern habe ich schon die ersten gefärbten Blätter gesehen, der Herbst kommt. Unwillkürlich schiesst mir durch den Kopf, ob – und wenn ja, wie oft – werde ich dies noch erleben? Ich kann Tage verbringen, ohne mit irgend jemanden über mein Krustentierchen zu sprechen – in Gedanken ist es immer bei mir. Stets, überall. Schon alleine wegen meinem Hand-Fuss-Syndrom. Meine Photonenmeisterin meint, dies dauert so lange, wie die Chemo dauerte, also langsam sollte das auch verschwinden.

Kürzlich half ich einer Kollegin beim aufräumen und knallte mit dem Kopf gegen ein Regal. Tat nicht weh. Und nach kurzem überlegen wurde mir auch klar, warum nicht. Meine Haare wachsen wieder. So ist mein Kopf quasi mit Haaren und Perücke gepolstert. Wobei, für eine Motorradfahrt ohne Helm würde es schon nicht reichen. Seit kurzem ist auch wieder ein Gerät in Betrieb, welches lange im Ruhestand war – mein Föhn. Die Haare wachsen, ja, in einem gepflegten Strassenkötergrau. Es gibt Scherzkekse von Frauen, welche meinen, das steht mir doch sehr gut, ich kann doch ohne weiteres ohne Perücke rum laufen. Ja, mache ich, wenn die betreffende Person mitmacht, will heissen, Haare ab auf ca. 3 cm und das färben sein lassen. Keine der betreffenden Damen zieht mit.  Denn seien wir ehrlich, die meisten Frauen nehmen regelmässig die Hilfe von Frau L’Oreal und Herrn Wella in Anspruch. Ich auch. Als ich noch eigene Haare hatte.

Meine Haare und meine Körpergrösse waren für mich das einzige, dass man meiner Meinung nach sein lassen konnte. Der Rest kann als Diskussionsbasis dienen. Nun habe ich noch meine Grösse. Dafür mausgraue Haare, die mich aussehen lassen wie einen Pudel, ein alter Pudel. Ich hatte vorher schon verbogene Haare, auch als Naturlocken bekannt, nun noch mehr, da a) kurz und b)  gemäss Perückenfee die Haarwurzeln nicht mehr gerade sind nach einer Chemo, so kommen die Haare noch verbogener raus.

Vielleicht brauche ich einen akzeptablen Alkoholpegel, um mich mal oben ohne unter die Leute zu mischen? Für diesen brauche ich momentan sehr wenig, das Abstinenzler Leben bringt meine Leber in Sachen Alkohol aus der Übung. Ein paar Glässchen reichen absolut für einen kleinen Damenrausch. Dafür ist mein Leberlein fix in Abbau von Medis, zimindest habe ich das Gefühl. Wenn ich manchmal höre, wie viele Menschen auf Medikamente mit Beschwerden reagieren, da kann ich nicht meckern.

Habe momentan ein paar Zipperleins, hier und dort. Jetzt wäre es natürlich einfach zu sagen, dass mein Krustentierchen dafür verantwortlich zeigt. Wenn ich mit mir ehrlich bin, ist es wohl eher meine Bequemlichkeit. Zum einen habe ich mich während der Bestrahlung wie eine Assel in der Wohnung vergraben – sollte ja nicht in die Sonne. Und zum anderen zickt mein Hand-Fuss-Syndrom rum, bei jedem Schritt merke ich es. Das sind natürlich alles Ausreden, und so wie ich das sehe, sollte ich mich doch mal wieder auf mein Rudergerät zu Hause schwingen.

Lieber würde ich mal wieder ein bisschen spazieren, ist aber noch nicht das wirklich richtige für mich.

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