Zeit läuft

Schon bald mal ein Jahr lebe ich bewusst mit meinem Krustentierchen. Bewusst deshalb, weil es sich gemäss Onki schon vorher ein paar Jahren in mir breit gemacht.

Zurückschauend sage ich aus voller Überzeugung, diese Zeit wünsche ich niemanden.  Die Zeit, als es los ging. Ich weiss nicht mehr, wie ich es hinter mich brachte, weiss nicht mehr, wie ich es bis jetzt geschafft habe, so zu leben, als wäre alles i. O. Ausser den drei-wöchentlichen- Therapien bin ich momentan frei. Frei von Zwängen, die mich im Leben einschränken. Nicht mehr täglich zur Bestrahlung, wöchtlicher Bluttest bei Onki usw.

Und so habe ich Onki gefragt, wie lange er mir frei gibt, ich denke, eine grössere Reise würde mal nötig werden, auf die andere Seite des Erdballs. Onki meint so vier Wochen – aber zählt auf meinen Vorgesetzten und meint, so lange kriege ich eh nicht frei. Dumm gelaufen für meinen Onki, meinen Vorgesetzten habe ich schon eingeweiht – ist auf meiner Seite, würde  mir also die nötige Freizeit geben.

Vielleicht sollte ich mal seriös nachfragen, wie wichtig es ist, mich alle drei Wochen mit Gift aufzufüllen. Andererseits, ich sollte doch mittlerweile eine respektablen Pegel der Medis in mir haben?

Eine Bekannte meinte kürzlich, sie hätte eine Schmerztablette genommen – und musste prompt erbrechen. Eine Tablette?  Ein kleines, rundes oder längliches Ding bringt sie zum erbrechen? Ich kann es mir nicht verkneifen – und lache lauthals los. Sie sieht ein, mir so was zu erzählen kann nur unterhaltsam für mich sein. Ich biete ihr meine Magenschoner an – liegen bei mir zu Hause noch immer verschlossen rum. So wie ich sie einschätze, würde sie von diesen auch erbrechen….

Meine Erinnerungen sind schon mein ganzes Leben lang mit Musik verbunden.Als ein Song läuft, der mich an meine Australienreisen erinnert, krame ich das Fotoalbum hervor – und schwelge in Erinnerungen. Ja, da muss ich nochmals hin. Eine Reisebegleitung habe ich auch schon im Visier – er ziert sich noch ein wenig, habe aber den grössten Teil der Familie auf meiner Seite die ihn noch bearbeiten. Mal schauen.

Die Zeitrechnung habe ich stets im Kopf. Habe Onki auch gesagt, dass ich sehr wohl wisse das ich nun bald mal ein Jahr rumgetrödelt habe, somit ein Jahr weniger Lebenserwartung. Tja, wie gesagt, mein Onki würde nie etwas sagen, von dem er nicht zu 100% überzeugt ist. Und statt mir zu widersprechen meint er, ja, dass halte er für realistisch. Mein guter Zustand jetzt hat überhaupt gar keinen Einfluss auf meine restliche Zeit.

Ja dann, Onki ist kein Schwätzer, ein Grund mehr für mich, noch zu tun was ich möchte – so lange ich noch kann.

Die Zeit läuft.

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