Nicht erwartet

Nun wage ich endlich den Weg zum Haaredieb.  Weil ich anständig bin erkläre ich ihm, warum ich so aussehe, wie ich aussehe. Er fragt nach, ob die Chemo vorbei ist. Ja, ob ich noch andere Behandlungen haben, ja, Antikörpertherapie. Und die geht so eine halbe Stunde, meint der Herr vom Fach? Nein, vier bis neun Stunden, je nachdem, wie ich reagiere. Wie lange noch? So lange sie wirkt, dannach wieder Chemo – oder auch nicht.  Langer Rede kurzer Sinn, er färbt meine Haare nicht ohne OK von Onki. Er schnitzt und  schnetzelt an meinen Haaren rum, für Farbe ist er nicht zu haben.

Auf dem nach Hause Weg knurre ich vor mich hin. Jedes Kindergartenkind ist selbstständiger als ich.

Und was mache ich in so einem Fall? Genau, ein Mail an Onki. Vermutlich merkt er auch via Mail das ich vor mich hin brumme. Er meint von schwarz bis pink  alles erlaubt. Wusste ich es doch.

Kürzlich hatte ich ein nettes Gespräch mit einer Kollegin. Über dies und das, Ungerechtigkeiten auf dieser Welt, wenn ein Kleinkind schwer erkrankt, ein Baby stirbt, ein Elternteil verunfallt, all die Sachen, die wirklich tragisch sind. Schliesslich murmelt sie so vor sich hin, wir können froh sein, dass wir gesund sind. Ich seh‘ sie an – und beginn  laut zu lachen. Der Groschen fällt bei ihr – und sie stimmt in mein Lachen ein. Gut für mich.

Ich möchte nicht, dass mich die Leute als Kranke behandeln.

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