Nichts neues

habe ich zu schreiben.

Die letzte Therapie war tadellos, ok, ich war unglaublich müde, habe  die vier Stunden schlichtweg verschlafen. Das Kortison am Abend vorher hat mich wach gehalten, und so habe ich in der Onkologie den Schlaf nach geholt.

Mit Onki war es lustig, keine Frage. Meist testen wir uns im verbalen Schlagabtausch, und ich muss meine ganze Grütze im Hirn zusammen nehmen, um neben ihm nicht ganz flach auszusehen.

Ich habe es gerne organisiert, oder geplant, wie man auch immer dazu sagen möchte. Und so habe ich ihn gefragt, ob er wohl auch mal privat eine Stunde in mich investieren würde. Er meint, warum nicht.Ich frage ihn, ob er mich auf meinen letzten Weg begleitet.  Er wird sehr, sehr ernst, (eigentlich war er erst einmal so ernst, als es um die Wiederholung meiner Therapie nach der allergischen Reaktion ging und evtl. möglichen Langzeitschäden). Er meint, dass sei für ihn eine grosse Ehre, es sei ein Vertrauensbeweis. Und das ich sehr strukturiert denke. Strukturiert nennt er das? Ich sage ihm, dass ich schlichtweg niemanden zumuten möchte, dabei zu sein, wenn es zu Ende geht. Und wenn immer möglich möchte ich es alleine erledigen. Es sollen andere nicht leiden wegen mir.

Er ist Arzt, er sieht das wohl anders. Für ihn gehört das sterben dazu. Ich weiss nicht, wie lange ich noch unter den Lebenden weile. Wenn ich das Gefühl kriege, es würde ihn ebenfalls belasten – man lernt sich unweigerlich kennen, wenn man sich regelmässig zum Gespräch trifft – dann werde ich wohl diese Möglichkeit auch streichen.

Kürzlich sah ich einen Film, ein Krebskranker kommt im Spital die Treppe hoch und trifft auf zwei weitere Patienenten. Er meinte, als Krebskranker sei man immer im Keller. Ja, kann ich bestätigen, die Bestrahlung war sozusagen unterirdisch. Und die zweite Aussage war, seine Familie sei zu Besuch, erst wenn die Verwandtschaft kommt weiss man, wie krank man ist. Ja, auch da hat er Recht.

Ich habe momentan Besuch von meiner Familie.

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Dieser Beitrag wurde am 6. November 2016 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare

2 Kommentare zu “Nichts neues

  1. Es gibt auch ehrenamtliche Hospizdienste die Sterbebegleitung machen.
    Ich habe keine Ahnung, WIE belastend diese Leute das finden (und natürlich muss auch die Chemie stimmen, da will ich ja nun WIRKLICH nicht irgendwen!!!) aber da sie es freiwillig in ihrer Freizeit machen, sollte es soooooo traumatisch nicht sein.
    Nur so als zusätzliche Möglichkeit…

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    • Hallo Shrimpy, ich glaube nicht, dass mir fremde Menschen beistehen könnten. Dann erledige ich es eher alleine. Aber mein Onki hat mir versprochen, für mich da zu sein, wenn es eng wird. Bin selber noch nicht sicher, ob ich diese Möglichkeit in Anspruch nehmen werde, wenn es so weit ist. Liebe Grüsse – Deine Krustentierchen

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