Nicht nur Arzt

Wieder mal war ich am Tropf. Und mir fällt auf, in letzter Zeit schlafe ich dabei wie ein Baby. Noch während mir der Magenschoner gespritzt wird nicke ich weg. Muss nächstens Onki fragen, ob die Medikamente geändert wurden, verstärkt, nehme ich an. Oder ein anderes Antiallergikum? Da gibt es allerlei aus Onkis Trickkiste. Ein doppelter Espresso bringt mich wieder langsam auf Betriebstemperatur bevor ich mich in’s Auto setze.

Die Zeit der Perücke ist vorbei, und auch Onki sagt mir, jetzt musste er zwei Mal hinschauen, ob ich es sei.

Er scheint mir heute anders als sonst, und als ich nachfrage erfahre ich auch, warum.

Mir wird klar, er ist auch Mensch, nicht nur Arzt. All meinen psychischen Schrott, den ich vor der Aussenwelt sorgsam verberge, kriegt er in geballter Ladung ab. Und vermutlich nicht nur von mir. Immer bin ich davon ausgegangen, dass an ihm alles abperlt. Damit muss ich aufhören. Es ist nicht seine Schuld, dass ich ein Krustentierchen zur Untermiete habe.

Und ich finde mich langsam damit ab, dass mein letzter Gang unter Umständen ein Alleingang wird. Auch wenn mir Onki Unterstützung versprochen hat bin ich mir ziemlich sicher, dass es für ihn nicht wie Kaffee trinken wäre.

Dank Kortison geht es erst frühmorgens in’s Bett. Vorher entferne ich noch die Pflaster, eines von der Blutabnahme, eines vom Port, und eines von der Spritze für den Knochenaufbau. Letztere habe ich wohl irgendwie verschlafen, kann mich zumindest nicht daran erinnern.

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