Unterwegs

Geschäftlich geht es nach Wien. Mit einer Arbeitskollegin. Wir nutzen die Gunst der Stunde und hängen einen privaten Tag an. Also braucht man auch eine Übernachtungsmöglichkeit. Ich war schon mal in Wien und kenne ein Hotel, die Kollegin ist einverstanden, und gebucht – ebenso der Flug.

Da denkt man als normal Reisender natürlich, alles erledigt in Sachen Planung. Nicht so meine liebe Kollegein. Kommt sie ins Büro und fragt mich ob es in „so“einem Hotel Duschmittel gibt? Ich versteh‘ nicht ganz? In so einem? Na ja, so vier Stern halt? Aha! Ich teile ein gut gehütetes Geheiminis und vertraue ihr an, dass es Gerüchte gibt, dass sogar drei-Stern-Hotels Duschmittel zur Verfügung stellt. Ja, es geht ja um Handgepäck oder checked – in Koffer und die Flüssigkeit. Ja dann. Und ob es da Handtücher gibt? Oh, dass kann ich auch, denk‘ ich mir. Ich verneine und eine neben sitzende Kollegin vervollständigt nach einem Augenzwinckern von mir noch, falls man in die Saune will, müsste man natürlich auch noch ein Saunahandtuch mitnehmen. Mir wird noch geglaubt, die Geschichte mit dem Saunahandtuch wird angezweifelt, vor allem, weil dazu geschmunzelt wird. Ja, man weiss nie, wie es in so einer schäbigen vier-Sterne-Absteige aussieht, welche nur mit sehr gut, und nicht mit ausgezeichnet, auf den gängigen Reiseportalen bewertet wird.

Jetzt darf man nicht denken, dass meine Kollegin noch nie auf Reisen war. Im Gegenteil. Mit dem Mietauto durch Zentralafrika, irgendwo (war es Israel, keine Ahnung) fast mal als Tauchlehrer hängen geblieben, wochenlang durch Australien, dies und das. Nein, meine liebe Kollegin ist gewiss eine Reiseprofi. Aber halt – und jetzt kommt es – nur fünf-Stern plus. Wie soll man auch wissen, dass ein Audi auch eine Automikgetriebe haben kann wenn mann immer nur die Mercedes E-Klasse fährt??

Ich möchte nicht riskieren das sie mit einem Täschchen in Seekoffer-Grösse antanzt, also lasse ich sie noch wissen, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Kissen und Bettdecke vorhanden sein werden. Sie bedankt sich für den Tip – ich meine, ein leises Knurren dabei zu hören. Man will ja nur helfen.

Wenn ich hier nun noch schreiben würde, was sie für einen Job hat, würde sich der eine oder andere aufmerksame Leser vermutlich Sorgen um die Firma machen. Aber da gibt es gar nichts zum Husten, die Arbeit macht sie 1A.

Manchmal bekocht sie mich auch. (Ich sie auch!). Sie hat eine relativ neue Küche, die meiner Meinung nach nach heutigem Standard ausgerüstet ist. Nun ist es allerdings so, das die Kocherei ihr nicht gerade in die Wiege gelegt wurde. Sowas hält mich nicht davon ab, sie bereits jahrelang zu beknien, mir endlich eine Krähe (=Truthahn) zu kredenzen. Sie windet sich hin und her, hat Ausreden, Erklärungen, das glaubt man nicht. Ich bin schamlos und werfe mein Krustentierchen in die Waagschale, will heissen, ich mache ihr klar, dass sie nicht mehr so lange Zeit hat, mir meinen Vogel zu servieren.(Nebenher gesagt, sie bestellt auch fünf-Gang-Menüs bei mir!)  Und ausserdem möchte ich ihre Protzküche mal benutzt sehen, also richtig benutzt. (Ich nenne sie Protzküche, weil für meine Kollegin vermutlich eine Herdplatte mit einem Topf vollkommen ausreichend wäre!) Nicht nur ein Salat mit Fleisch vom Grill, welches ihr Mann- zugegeben sehr lecker – zubereitet. Der Gummiadler wurde gebraten, und war wirklich lecker. Seither ist meine Kollegin mindestens fünf cm grösser.

Wir haben es lustig miteinander, keine Frage, wir lachen viel.

Und in den schlimmen Momenten – ist sie mir eine treue, ergebene Stütze. Und dafür danke ich ihr aufrichtig.

 

 

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