Archiv | März 2017

Weiter planen

Tokio steht an, der Flug ist gebucht. Hotels haben mein Kollege und ich bereits vor fünf Monaten gebucht. Und wir haben gut daran getan. Dank Kirschblüte sind die Preise zum Teil um das dreifache gestiegen. Einzige Sorge macht mir das Programm meines Kollegen. Weil er die Stadt kennt, dort gewohnt hat, und auch die Sprache spricht, ist zu befürchten, dass er mich 14 Stunden lang durch die Stadt schleift. Tagesausflüge stehen auch auf dem Programm, Narita ebenso…., da hilft nach der Rückreise vermutlich nur ein Zeugnis von Onki – zwei Wochen krank, oder so….

Damit es kein Durcheinander gibt, ordne ich zu Hause die betreffenden Reiseunterlagen brav in Couverts, nach Destination angeschrieben. Die Unterlagen für die Automiete in den USA brauche ich nun wirklich nicht in Japan.

Nächstens steht wieder ein Termin bei Onki an. Und wir werden den Termin fur’s PetCt festlegen. Wie gesagt, im drei-Monats-Takt läuft das jetzt. So eine Diagnose wie ich sie habe hat auch sein Gutes. Man muss sich z. B. keine Sorgen machen von wegen Strahlenbelastung. Da gibt es Schlimmeres. So wie ich gehört habe, gibt es Patienten, welche ein MRI dem CT vorziehen. Radio- gegen Röntgenstrahlen.  Mir ist das ziemlich egal.  Wenn man innert einem Monat zwei Vollnarkosen fasst – so what? Auch den Medikamentenspiegel, welchen ich seit einem guten Jahr intus habe – es ist so, fertig, aus.

Natürlich mache ich mir Gedanken über die Progression. Wie weit spaziert mein Krabbler nun wieder in mir herum? Und wie zackig ist er am zunehmen? Der Eine oder Andere gab mir schon den Ratschlag, ja, dann muss halt wieder Chemo gemacht werden. Ja, wird wohl sein. Nur, so eine Chemo ist kein Hustensaft. Ohne es genau beziffern zu können, wie, oder mit was, ist sie doch belastend. Man fühlt sich von Mal zu Mal müder, denkt am Morgen schon „muss ich wieder aufstehen“. Und, so eine Chemo schädigt auch die gesunden Zellen. Bin gespannt, wie es mit der zielgerichteten Chemo sein wird. Vermutlich werde ich nicht merken, wo sie wirkt. Habe ich bei der ersten Chemo auch nicht gemerkt, und bei der Bestrahlung erst, als ich offene Hautstellen hat. Man wird sehen, es wird schon kommen was kommen muss.

Wir albern bei der Arbeit ziemlich rum, und ich denke mir, wie schön es wäre, wie unbeschwert, wenn nicht immer mein Krustentierchen im Hinterkopf dabei wäre.

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Allerlei

Meine kürzliche Putzwut ist mit mir durchgegangen – und ich habe etwas kaputt gemacht. Ruckzuck die betreffende Firma angerufen, und schon bald ist ein Mechaniker vor Ort. Ich biete ihm einen Kaffee an, trinkt er nicht, wenn schon, dann Tee. Also machen wir Tee.  Ob er noch etwas Hochprozentiges in den Tee möchte? Nein, er trinkt keinen Alkohol. Aha, aber rauchen? Nein, er hat damit aufgehört, hat gemerkt, dass ihm dies alles nicht gut tut. Ich kann mir gerade noch die Frage verkneifen, ob er noch Sex hätte. Geht mich auch nichts an. Andererseits, kein Kaffee, kein Alkohol, keine Zigaretten. Will er etwa gesund sterben??

Hier habe ich Follower, Leser, die mich privat anschreiben, Bekannte, welche sich am Anfang nicht so recht getraut haben, meinen Blog zu lesen, Ungeduldige, die meinen, ich sollte mehr schreiben (will doch hier niemanden zu Tode langweilen) und auch Leute, die mir vorankünden, dass sie mal wieder lesen – in der Hoffnung, nichts schlimmes zu lesen.

Ich bemühe mich, nicht allzu übel zu schreiben, wie z. B. ein Gespräch mit Onki und mir über meine Lebenserwartung verläuft – hat hier nichts zu suchen, finde ich. In Grossen und Ganzen finde ich, dass es nicht schlimm zu lesen ist. Vermutlich habe ich auch eine andere Sichtweise…..

Manchmal erfahre ich so nebenbei von den kleinen und grossen Sorgen in meinem Umfeld. Wenn ich mich dann spasseshalber darüber entrüste, warum ich davon nichts weiss erhalte ich öfters zur Anwort dass das ja nicht so wichtig sei. Ist mir schon klar, dass nicht jeder mit einem unheilbaren Krustentierchen mit Ableger dort und da dienen kann – was aber noch lange nicht heisst, dass ich mich nicht mehr für mein Umfeld interessiere.

Noch ein paar Tage, und ich sitze wieder bei Onki. Termin für PetCt steht an. Nützt eh nichts, so viel kann ich gar nicht reden, dass ich Onki davon ablenken kann.

 

 

 

 

 

Dieser Eintrag wurde am 27. März 2017 veröffentlicht. 2 Kommentare

Ausgetickt

Eine ganze Woche bin ich zu Hause. Mit dem von mir geplanten Besuch ist tatsächlich nichts geworden. Und sogar nach sieben Tagen Wohnung hüten bin ich noch nicht wieder ganz auf der Höhe. Mir reichts! Melde mich beim Hausarzt an. Zuerst hat er keinen Termin frei, und nein, ich will nicht zu einer Vertretung. Ja, man rufe mich zurück. Vermutlich hat er sich auf Grund meiner Akte wieder an mich erinnert – und er hat doch einen Termin für mich frei.

Erkläre ihm meine Gedanken. Dass ich nun schon weiss wie lange huste, der Schnupfen ist auch hartnäckig. Und wenn ich vom Keller in den ersten Stock gehe schnappe ich nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Nun war ich noch nie auf der trainierten Seite, und ja, ich habe zuviel auf den Rippen, aber dass kann es ja auch nicht sein. Und falls das ganze eine Folge von Krustentierchen und Behandlung ist (Ableger an der Lungenhili, Strahlungschäden an der Lunge, Knoten zwischen den Lungenflügeln) dann gehe ich gleich wieder.

So einfach dann doch nicht.

Mir wird Blut abgenommen. Natürlich! Kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal beim Arzt war, ohne Blut zu spenden. Mehr oder wenig freiwillig. Auch Onki lässt mich immer anzapfen. Für herkömmliche Test reicht der Finger, für Tumormarkertest usw. wird über den Port abgezogen. Ich schweife ab.

Also, man sieht im Blut, dass ich mir vor etwa einer Woche einen Infekt eingefangen habe, der ist noch nicht ganz – aber fast – ausgeheilt. Dieser hat aber meine Bronchien beleidigt. Im besten Fall wird das ganze mit Hilfe eines Asthmasprays in drei Wochen erledigt sein. Wenn ich Pech habe, habe ich noch Asthma dazu gekriegt. Ehrlich, der Mann bringt mir Unglück: Jedesmal, wenn ich bei ihm bin, stimmt etwas nicht. Letztes Mal die Thrombose, jetzt doofe Bronchien. Ich starr‘ ihn an und meine „Ich habe Krebs, und sie hängen mir noch Asthma an?“. Er ist perplex, entschuldigt sich fast. Der arme Mann kann nicht wissen, dass mir solche Sachen nicht gerade schlaflose Nächte bereiten.  Ich stelle fest, er ist nicht Onki. An Onki prallen solche Sprüch von mir ab, bestenfalls grinst er dazu und meint, es sei gemein. (Nie würde er mich als Person kritisieren, sondern stets die Sache) Schon möglich, aber manchmal ist es praktisch.

Sauerstoffsättigung mit 99% top (obwohl ich nicht hyperventiliere, meint Hausi), der Blutdruck ist ist durch die Decke, Puls jenseits von gut und böse. Man könnte auch sagen, ich bin etwas davon entfernt, als tiefenentspannt zu gelten. Ja, andere Organe müssen ein wenig mehr arbeiten, wenn die Lunge nicht von selber genug Sauerstoff ran schauffelt, in meinem Fall das Herz & Co.

Zwei Mal am Tag hänge ich nun dran am Asthmaspray, in drei Wochen sehen wir uns wieder. Zum Schluss fragt er noch, wie es mir psychisch geht. Hier sieht man den Unterschied zwischen Laien und Profi. Er fragt direkt nach dem Problem, denn er weiss, wo das Problem liegt. Ich versuche, meinen Krabbler als normale – wenn auch schwere – Krankheit anzusehen. Ja, findet er gut, denn, wenn man es klar bedenkt, es ist nichts anderes als eine normale Krankheit. So viele haben ein schwaches Herz, und wissen, zwei, drei Jahre noch, dann wartet die Grube, ALS, MS – man könnte endlos aufzählen.

Nun weiss ich auch, warum ich manchmal des nächtens aufgewacht bin, aufgesessen, und sehr, sehr tief Luft geholt habe. Ich habe es schlichtweg auf Angst zurück geführt. Nein, ich hatte zu wenig Sauerstoff. Sagte ich schon, dass ich „versuche“, meinen Krabbler als normale Krankheit anzusehen? Der Gedanke, dass mich Angst mitten in der Nacht aufwachen lässt zeigt auf, dass ich nicht immer gleich Erfolg habe damit.

Der Frühling kommt, und mich packt die Putzwut. Wenn man eine Woche lang ausser schlafen, essen, fernsehen und duschen nichts tut hat man ausreichend Zeit, zu beobachten wie der Staub in den Räumen überhand nimmt. Die Fenster werden geputzt, Vorhänge waschen, Boden – alles kommt dran. Vielleicht haben meine Bronchien auch Freude an weniger Staub in der Luft, schaden kann es nicht.

Eine Kollegin besucht mich. Sie ist – wohlwollend ausgedrückt – gerne am jammern. So auch dieses mal. Es geht los, wie schwer sie arbeitet (knapp 80%), wieviel sie mit dem Haushalt zu tun hat, dann macht sie noch einen Schlenker und schimpft über ein paar Ämter, und dass die Schmerzen in der Schulter nicht weg gehen, jeder will etwas von ihr, dies und das. Und wie schwer sie es seelisch hat, wegen ihrer Vergangenheit usw. usf. Hier raste ich aus. Ich schreie sie richtiggehend nieder, ohne wenn und aber. Ob sie überhaupt weiss, wie gut sie es hat, ob sie mit mir tauschen möchte, und dass ich der Überzeugung bin, dass eigentlich ich diejenige bin, die einen Grund zum jammern hat. Und ob ihr auch auffällt, wer stets jammert zwischen uns Zweien und sie soll froh sein, dass sie leidlich gesund ist, alles andere ist nur nette Beigabe.

Sie bleibt ruhig, lässt mich ausschreien (man weiss nicht, wozu man fähig ist, bis es passiert!) und meint danach, ich müsse nicht so laut schreien. Ich koche weiter, (nicht innerlich sondern auf dem Herd) und wir essen miteinander als ob nichts passiert wäre.

Hier war er nun also, mein Ausraster, vor dem ich schon lange Angst hatte. Es darf mir nicht mehr passieren, niemand kann etwas für meine Situation.

Unglaublich, aber wahr

Frühmorgens bin ich mal wieder unterwegs zur Arbeit – das Radio ist an. Werbung läuft. Der Frühling kommt, und somit ist natürlich auch die Bikinfigur ein Thema. Nun denke ich mir im halbverschlafenen Zustand, jetzt kommt mal wieder eine Diät. Nein, wir sind in Amerika angelangt. Eine Brustverkleinerung ist das Thema. Ich fall‘ vom Glauben ab. Sind wir tatsächlich schon so weit, dass man sich am Körper rumschnetzeln lässt wie der Bildhauer an einer Mamorstatue? Einerseits natürlich, wie schön, wenn man sonst keine Sorgen hat, andererseits wie erbärmlich, wenn man sich dem Aussehen zuliebe unters Messer legt. Und ich spreche nicht von den Frauen, die chronische Rückenschmerzen haben. Im gleichen Werbeblock läuft auch ein Spot für stricken online. Na ja, vielleicht beginnen die Frauen mit Brustverkleinerung während der Heilung mit dem stricken.

Es geht mir nicht sonderlich gut. Aber Erkältungen waren bis jetzt nie gross ein Problem für mich. Meistens habe ich sie nach zwei, drei Tagen hinter mir. Aber ich stelle fest, ich bin zur Memme geworden. Am vierten Tag kommt noch Fieber dazu, Gliederschmerzen, ich gehe von der Arbeit nach Hause. Ich frage Onki an, ob er nicht ein chemisches Wundermittel für mich hat? Immerhin möchte ich in ein paar Tagen eine Kollegin besuchen. Aber das kann ich mir abschminken – sie steht unter Chemo, da muss ich nicht mit einer knapp auskurierten Grippe antanzen. Schade, es hätte gerade so schön gepasst – mit vier Tagen frei.

Ich erhalte ein paar SMS von Kollegen wie es mir geht. Eine liebe Kollegin ruft an? Ob ich erkältet sei – oder Schmerzen habe? Auch hier, wenn es mir mal schlecht geht denken viele „es geht jetzt los“.  Also beruhige ich und lasse allen, die es interessiert wissen, dass es wohl nur eine Grippe ist. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich mal verschlafen hatte. Ruckzuck wurden – frühmorgens – Mitarbeiter bis zu meinem Vorgesetzten rausgeklingelt. Weil man halt bei mir immer vom Schlimmsten ausgeht. Und nie, dass ich mal ganz normal verschlafen könnte.

Strahlend blauer Himmel – ich schaffe es trotzdem gerade mal so zwei, drei Stunden am Tag zum Bett raus. Das wird schon wieder werden.

 

 

 

Wieder mal

geht es auf zur Therapie.

Ich habe einen Plan. Wenn ich nun Onki ablenke – mit List und Tücke – von Singapur erzähle, und sonst noch allerlei, vielleicht vergisst er dann das nächste PetCt. Er hat mir im Dezember „zugesagt“, dass vorgesehen sei, im drei – Monats – Takt in die Röhre zu gehen.

Wir begrüssen uns, wir plaudern. Und dann spiele ich ihm ungewollt einen Steilpass zu.Ich erzähle ihm von meinem Knoten am Hals. Ja, das wird man nächstens im PetCt sehen. Ich grummle. Es sei schwer anzunehmen, dass es sich um das Gleiche handelt, wie den Knoten, den man letztens zwischen den Lungenflügel gesehen hat. Aber, wie gesagt, das PetCT wird Klarheit bringen. Auch die Rötung der Brustwand wird sich in der Röhre weisen. Nachwehen der Bestrahlung – oder Spaziergang meines Krustentierchens.

Ich schaue ihm tief in die Augen und sage, es sei wohl ernst, wenn die Untersuchungen mittlerweile so engmaschig durchgeführt werden? Ich erhalte keine Antwort – aber er weicht meinem Blick auch keine Sekunde aus. Ich verstehe -und er natürlich auch.

Hätte ich mir auch denken können, dass er sich von ein bisschen Geschwätz meinerseits nicht von seinem – sagen wir mal – Leistungsauftrag abhalten lässt. Dabei sieht er immer noch unschuldig aus – kein Herrgott in weiss, furchteinflössend, alleswissend.

Nun kann man sich natürlich fragen, warum ich nicht so scharf auf die Röhre bin. Was wird es mir bringen? Ich weiss, es geht weiter, ich weiss, die Antikörper greifen nicht mehr so, wie sie sollten. Ich weiss, ich bin auf der Zielgeraden. Dafür brauche ich keine Bestätigung mehr. Einzig der Zeitpunkt der Anpassung meiner Therapie hängt vermutlich von der Ausbreitung meines Krabblers ab. Dann gibt es einen neuen Antikörper plus zielgerichtete Chemo – targeted Therapy, auf neudeutsch. Mir scheint, überall hier sehe ich diese Werbung der „targeted Therapy“ von Roche rumhängen. Fällt vermutlich aber auch nur mir auf.

Ich kann es gar nicht oft genug sagen, oder betonen, trotz meinen bescheidenen Aussichten, Onki und ich haben es lustig. Aber ich glaube, anders würde es nicht gehen. Er weiss ganz genau, wann er nicht mehr nachfragen darf – weil es sonst mit meiner Beherrschung vorbei ist, und bei ihm schaffe ich es nicht mehr, mich wieder zu erholen.

Die Therapie verschlafe ich – wie immer. Als ich gerade wieder langsam zu den Lebenden zurückkehre, sehe ich eine alte Bekannte -auch von der Chemo – welche ich aber schon lange nicht mehr da war. Sie erzählt, dass sie noch alles sechs Monate eine Hormospritze bräuchte, und das war’s. Es freut mich für sie. Sie hatte auch einen entzündlichen Brustkrebs – so wie ich, auch mit Her2 Rezeptor – so wie ich, hatte auch Brustoperation, allerding mit gleichzeitigem Aufbau. Und nun kommt es: keine Ableger!! Darum darf sie sich momentan als geheilt bezeichnen. Ja, die Kinder sind nicht immer das Beste. Meine schon gar nicht….

Schräg gegenüber von mir liegt eine gereifte Dame, ungesehen über siebzig Jahre. Sie hetzt die Chemodamen im Spass, denn, sie hätte noch ein Rendevouz. Aha, mit wem, wollen wir wissen. Sie hätte da bei der Bestrahlung einen Herren kennen gelernt. Wir wünschen ihr viel Vergnügen. Und die nächste Info kommt ungefragt. Ihr Mann zu Hause hätte Alzheimer, er vergisst ohnehin alles. Mir fällt das Gesicht runter, die Chemodame hat sich besser im Griff.

Menschen, die mich überraschen gibt es überall. Von einer älteren Dame, die am Tropf hängt, hätte ich es nicht erwartet.

 

Wieder da

von Singapur.

Was für ein toller Trip! Die dreissig Grad Temperaturunterschied – nach unten –  können mir meine gute Laune bei der Ankunft zu Hause nicht verderben.

Meine Reisebegleitung ist eine Hard-core-Economy-class-Fliegerin. So denke ich, es kann nicht schaden, sie ein wenig vorzubereiten. Zum Beispiel, dass sie nicht schreien soll, wenn jemand ihre Jacke nimmt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist es ein Flight Attendant der diese aufhängen möchte – und nicht an den Erstbesten verhöckern.

In Singapore angekommen tauchen wir ins Geschehen ein – und nehmen die U-Bahn in die Stadt. Klimatisiert! Da kann sich London, Paris und andere Städte ein Scheibchen abschneiden. Die Fahrpläne in den Wagons zeigen mit Lichtsignalen die Stationen an, ein Spruchband läuft auch „next Station…., connecting to….“, und für die ganz Dummen wird das Ganze noch ausgerufen. Tadellos. Wir haben unser Transportmittel für die nächsten Tage gefunden.

Unsere Absteige ist nicht die Schlechteste, wir nehmen das Zimmer in Besitz – und verteilen unsere Sachen – überall. Meine Kollegin hat die Angewohnheit das Bad zu markieren, und zwar mit Kleidung. Etwas hängt immer auf einem Hacken. T-Shirt, Shorts, irgendwas. Zur Deko darf’s auch mal ein BH sein.

Bei einer Stadtrundfahrt staunen wir, für eine fünf-Millionen-Stadt ist das Teil wirklich sauber. Eine Wette läuft, wer zuerst einen Papierschnipsel, oder so,  auf dem Boden liegen sieht – kriegt einen Kaffee. Ich gewinne! Und freue mich wie eine Schneekönigin.

Wir essen uns durch die Stadt, von einem Stand in einem Einkauszentrum (super günstig), über kleine Lokale am Singapore River (immer noch zahlbar)  zum Buffet incl. Hummerschwänzen (dank gutem Auskommen mit unserem Kellner kriegen wir Stammkundenrabatt) und ganz nobel ein Afternoon Tea im ersten Haus am Platz (welchen wir grosszügig von einer Kollegin gesponsert kriegen). Alles schmeckt wunderbar.

Kein Wunder sind die Eingeborenen so schlank, essen, trinken und auch rauchen ist praktisch überall verboten. Meine Mitreisende hat grundsätzlich Angst um ihre Nieren und trinkt überall und immer Wasser, in diesem Fall auch mal dreissig Meter vor dem Verbotsschild. Falls sie von der Polizei aufgegriffen wird – ist es dumm gelaufen – für sie. Ich werde von dannen schleichen, denke ich so für mich. Hallo? Hier existiert noch die Brügelstrafe!!

In den Universal Studios auf Sentosa Island komme ich mir vor wie in den USA. Muss mal für kleine Mädchen, und schon ist meine Begleitung bei drei Männern am Photoshooting. (Wobei sie der Fotograf ist). Ich komme zurück und erfasse die Situation mit einem Blick. Noch merken die Drei (ich vermute mal, Inder) nicht, dass ihr Fotograf unter meiner Obhut steht. Ihre Blicke würde ich nicht als charmant bewundernt einstufen, eher so unanständig, plannend, berechnend. Ich geselle mich zu der Runde und setze einen Blick auf, mit dem ich jeden Raum normalerweise um drei Grad runter gekühlt kriege. Dank direktem Augenkontakt meinerseits drehen die Drei baldigst ab. Will ich ihnen auch geraten haben. Meine Körpergrösse habe ich noch nie als Nachteil gesehen, und im asiatischen Raum habe ich tadellos den Überblick. Auch über die lieben Männer. Da möchte ich mal sehen, wer meinem Mädchen – oder mir – was tun möchte.

Mit der Gondel geht es auf den Mount Faber hoch, wobei hoch ein grosses Wort ist. Bei uns würde dies wohl eher als Hügel durchgehen. Oben angekommen ereilt uns ein gepflegter Monsunregen. Regen in diesen Breitengraden bringt keine Abkühlung, sondern kommt eher wie ein Aufguss in der Sauna daher. Egal. Ich spüre praktisch wie das feuchtwarme Klima meiner Haut gut tut. Mir scheint, seit der Chemo habe ich sehr trockene Haut, hier fühle ich mich pudelwohl.

Der Jetleg lässt uns zu verschiedenen Stunden aufstehen, mal um sieben Uhr morgens, mal um ein Uhr am Nachmittag, wir sind da ganz flexibel. Beim schlafen geht es gleich weiter. Während im Bett neben mir schon tief gemützelt wird, schaue ich im viertel Stunden Takt auf die Uhr. Vier Uhr morgens – Lokalzeit…… Nun ist es hilfreich, dass momentan Kollegen von mir in Thailand sind, New York, Marrakesch, Malediven  und auch im guten, alten Europa. Einer ist immer wach – ich werde bestens online unterhalten.

Wir spazieren, wir staunen, wir lachen. Singapur kann man als  light Version von Asien bezeichnen – hervorragend für Mitmenschen geeignet, welche sich langsam an Asien als Reiseziel herantasten möchten. Eigentlich könnte man in dieser Stadt schon noch ein paar Tage mehr vertrödeln. Nichtsdestotrotz – unser Retourflug wartet. Eine liebe Kollegin holt uns vom Flughafen. Dann hüpfe ich unter die Dusche, drei Stunden nach Landung sitze ich bei der Arbeit – und mein Mäderl wieder im Flieger nach Hause.

Japan steht als nächstes an. Muss los – bevor mich Onki mit der Reiserei einbremst.