Wieder mal

geht es auf zur Therapie.

Ich habe einen Plan. Wenn ich nun Onki ablenke – mit List und Tücke – von Singapur erzähle, und sonst noch allerlei, vielleicht vergisst er dann das nächste PetCt. Er hat mir im Dezember „zugesagt“, dass vorgesehen sei, im drei – Monats – Takt in die Röhre zu gehen.

Wir begrüssen uns, wir plaudern. Und dann spiele ich ihm ungewollt einen Steilpass zu.Ich erzähle ihm von meinem Knoten am Hals. Ja, das wird man nächstens im PetCt sehen. Ich grummle. Es sei schwer anzunehmen, dass es sich um das Gleiche handelt, wie den Knoten, den man letztens zwischen den Lungenflügel gesehen hat. Aber, wie gesagt, das PetCT wird Klarheit bringen. Auch die Rötung der Brustwand wird sich in der Röhre weisen. Nachwehen der Bestrahlung – oder Spaziergang meines Krustentierchens.

Ich schaue ihm tief in die Augen und sage, es sei wohl ernst, wenn die Untersuchungen mittlerweile so engmaschig durchgeführt werden? Ich erhalte keine Antwort – aber er weicht meinem Blick auch keine Sekunde aus. Ich verstehe -und er natürlich auch.

Hätte ich mir auch denken können, dass er sich von ein bisschen Geschwätz meinerseits nicht von seinem – sagen wir mal – Leistungsauftrag abhalten lässt. Dabei sieht er immer noch unschuldig aus – kein Herrgott in weiss, furchteinflössend, alleswissend.

Nun kann man sich natürlich fragen, warum ich nicht so scharf auf die Röhre bin. Was wird es mir bringen? Ich weiss, es geht weiter, ich weiss, die Antikörper greifen nicht mehr so, wie sie sollten. Ich weiss, ich bin auf der Zielgeraden. Dafür brauche ich keine Bestätigung mehr. Einzig der Zeitpunkt der Anpassung meiner Therapie hängt vermutlich von der Ausbreitung meines Krabblers ab. Dann gibt es einen neuen Antikörper plus zielgerichtete Chemo – targeted Therapy, auf neudeutsch. Mir scheint, überall hier sehe ich diese Werbung der „targeted Therapy“ von Roche rumhängen. Fällt vermutlich aber auch nur mir auf.

Ich kann es gar nicht oft genug sagen, oder betonen, trotz meinen bescheidenen Aussichten, Onki und ich haben es lustig. Aber ich glaube, anders würde es nicht gehen. Er weiss ganz genau, wann er nicht mehr nachfragen darf – weil es sonst mit meiner Beherrschung vorbei ist, und bei ihm schaffe ich es nicht mehr, mich wieder zu erholen.

Die Therapie verschlafe ich – wie immer. Als ich gerade wieder langsam zu den Lebenden zurückkehre, sehe ich eine alte Bekannte -auch von der Chemo – welche ich aber schon lange nicht mehr da war. Sie erzählt, dass sie noch alles sechs Monate eine Hormospritze bräuchte, und das war’s. Es freut mich für sie. Sie hatte auch einen entzündlichen Brustkrebs – so wie ich, auch mit Her2 Rezeptor – so wie ich, hatte auch Brustoperation, allerding mit gleichzeitigem Aufbau. Und nun kommt es: keine Ableger!! Darum darf sie sich momentan als geheilt bezeichnen. Ja, die Kinder sind nicht immer das Beste. Meine schon gar nicht….

Schräg gegenüber von mir liegt eine gereifte Dame, ungesehen über siebzig Jahre. Sie hetzt die Chemodamen im Spass, denn, sie hätte noch ein Rendevouz. Aha, mit wem, wollen wir wissen. Sie hätte da bei der Bestrahlung einen Herren kennen gelernt. Wir wünschen ihr viel Vergnügen. Und die nächste Info kommt ungefragt. Ihr Mann zu Hause hätte Alzheimer, er vergisst ohnehin alles. Mir fällt das Gesicht runter, die Chemodame hat sich besser im Griff.

Menschen, die mich überraschen gibt es überall. Von einer älteren Dame, die am Tropf hängt, hätte ich es nicht erwartet.

 

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