Sticheleien

Es sei jedem gesagt, ein Tag, der mit einem Stich in den Hals beginnt, aus dem kann nichts werden. Ein Tag, durch und durch für die Tonne. War es frühmorgens der Schnee, die Untersuchung, die Arbeit, oder alles zusammen, kann ich nicht sagen. Besser, ich wäre im Bett geblieben, Wohnungstüre nicht nur abschliessen, sonder noch einen Stuhl davor, rein ins Bett, und Decke über den Kopf gezogen.

Aber nur jammern geht gar nicht. Mailand war einfach nur schön. Und man muss sagen, die Italiener haben es noch immer drauf, egal, ob Frau oder Mann, Charme haben sie im Blut. Eine wunderbare Stadt, mit sehr viel mehr Kultur  als ich erwartete. Irgendwie bin ich davon ausgegangen, bei Mailand handelt es sich um eine Industriestadt – dem ist nicht so. Das Zentrum ist sehr schön, und seit der Weltausstelltung 2015 ist es richtig heraus geputzt. Ein Besuch der Scala muss auch sein. Meine Reisebegleitung ist ein Profi wenn es um Opern und deren Häuser geht. So bemerkt sie tatsächlich einen Seiteneingang der Scala, an dem ich im Stechschritt vorbei wäre. Flugs hinein gehuscht – da es regnet eine praktische Sache. Weil die Scala mal ein Privatteather war, ist sie nicht sonderlich gross. Und da es ein Logenteather ist fehlt auch ein pompöser Treppenaufgang. Ich habe schon prunkvollere Opernhäuser gesehen, muss ich zugeben. Edel war es allemal. Auch Michelangelos letztes Abendmahl haben wir uns zu Gemüte geführt. Und es erging mir hier wie bei der Mona Lisa im Louvre – schön, wir können gehen. Vielleicht bin ich aber auch nur eine taube Nuss, wenn es um Kunst geht.

Spätabends wieder zu Hause, und am nächsten Morgen zur Punktion der Schilddrüse. Vorher noch ein Schlenker über die Onkologie gemacht, Thrombozyten und der INR (beim gemeinen Volk auch als Quicktest bekannt) muss getestet werden. Offensichtlich will man sicher sein, bevor man in meinem Hals herum stochert. Den Blutverdünner habe ich vorschriftsmässig abgesetzt. In der Patientenanmeldung schickt man mich zur Radiologie. Als ich das letzte Mal hier war, war Mammographie und Ultraschall meiner noch vorhandenen Brust angesagt. Und damals hies es „Sieht gut aus“. War ja dann doch nicht so gut, wie es sich heraus gestellt hat.

Die Chefärztin selber ultraschallt an meinem Hals rum, rechts habe ich einen Knoten (wo kommt jetzt der her??), links sieht das ganze ein ein wenig undifferenziert aus, da nimmt sie was raus. Aha! Dann mal los.

(Ein Techniker wird gerufen, für das Ultraschallgerät, nicht für meine Schilddrüse, weil das Bild „nicht so sein kann“, meint die Ärztin. Wenn sie sich da mal nicht täuscht…)

Das Schlimmste hätte ich eh schon überstanden, meint sie. Und was meint Frau damit? Chemo? OP’s? Bestrahlung? Alles miteinander. Ich schliesse die Augen, bin nicht scharf darauf zu sehen, welche Nadel genommen wird. 1.5 cm, und schön dünn höre ich trotzdem. Ich bitte noch „nicht hinten wieder raus zu kommen“. Natürlich nicht, heisst es. Der Stich selber tut nicht weh, da haben meine Thrombosespritzen zum Teil mehr geschmerzt. Nach rund 20 Minuten ist alles überstanden. In ein paar Tagen landet das ganze bei Onki auf dem Tisch – und irgendwann werde ich es wohl auch erfahren.

Natürlich würde ich es angenehm finden, wenn es nur eine Entzündung wäre, auch ein Ableger wird akzeptiert (meine Auswahl ist ja nicht sooooo riesig), aber ein neues Krustentierchen, ein Truthahn, ist ein bisschen übertrieben. Andererseits – von all den Untersuchungen, Abklärungen, war bei mir immer das schlechtest als Resultat heraus gekommen. Ob es jetzt anders ist bezweifle ich. Wäre ja ganz was Neues.

FALLS sich mein Truthahn als Entzündung entpuppt – könnten sich Onki und ich meinem undichten Port zuwenden. Vom logischen her denke ich mal, da muss mal reingeschaut werden, und evtl. ersetzt. Terminmässig werde ich hier stur bleiben. wann wir das machen ist mir egal, einfach meine New York Reise findet statt. Loch im Port hin oder her.

 

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