Archiv | Juni 2017

Weniger?

Mein Onki schaut mir in den Ausschnitt? Nicht wirklich. Er meint, die roten Flecken seien wieder weniger. Nein, sind sie nicht. Mein Ausschnitt ist nicht immer gleich tief. (Keine schmutzigen Gedanken, bitte!). Ich zeige mich etwas offenherziger. So sieht er auch, dass die Rötungen irgendwie buckliger werden. Die Salbe von der Bestrahlung tut mir immer noch gute Dienste – Onki verspricht, mir diese wieder zu besorgen – ist vom Spital hausgemacht. Das ist mein Onki – das Angebot kommt von ihm aus, da muss ich erst gar nicht danach fragen. Falls die Haut meiner nicht vorhandene Brust offen wird, wird es schwierig werden, diese wieder zur Heilung zu überreden. Mein Krustentierchen ist hartnäckig. Ich aber auch!

Wir wissen es noch? Ich würde mich für I Phasen Tests zur Verfügung stellen. Frage mal wieder nach bei Onki, wie er das so sieht? Er ist nicht so entzückt, scheint mir. Vermutlich aber auch, da er weiss, wieviel Umtriebe das Ganze gibt. Die reguläre Behandlung (drei-wöchentliche-Therapie) muss weiter laufen, die Kosten müssen abgeklärt werden usw. usf. Und wohin möchte er mich schicken? Wohin? Ins Vorarlberg. Hallo, lasse ihn wissen, San Francisco oder Sydney, doch nicht Vorarlberg. Ist ja witzlos. Und, das wurde mir auch noch nicht oft gesagt, ich bin noch zuwenig krank hierfür. Weil es schon III Phasen Tests sind. Also – warten. Eigentlich warte ich nur mehr, seit mein Krustentierchen eingezogen ist.

Die nächste Röhre (das PetCT) wird nächsten Monat kommen, sprich, der Termin rutscht ein wenig nach hinten. Vor lauter Freude tue ich etwas, dass ich hier lieber nicht erwähne, halt ein Ausdruck meiner Freude, dass mir das Ganze noch für ein paar Wochen erspart bleibt. Auf jeden Fall war es superpeinlich – für mich.

Wir unterhalten uns über die übliche Komplementärmedizin. Neben dem momentan allseits bekannten Methadon ist es auch das Cannabisöl. welches gerade einen Hype erlebt. Onki meint hierzu, für Chemonebenwirkungen könnte es nützen, zur Bekämpfung von den bösartigen Zellen eher nein.

Viele, viele alternativen Sachen gibt es, keine Frage. Zur Zeit lese ich gerade ein Buch, welches mich zum überlegen bringt. Warum glauben so viele Menschen nicht mehr an die Schulmedizin und laufen zum Chinesen, zur Akupunktur, zum Physiotherapeuten? Ein grosser Unterschied besteht zwischen den Genannten und der Schulmedizin – meist hat der Therapeut mehr Zeit für ein Gespräch als der gewöhnliche Hausarzt. Ist das vielleicht mit ein Grund, warum ich bis jetzt so gut ohne zusätzliche Betreuung ausgekommen bin? Weil mir mein Onki zuhört, nicht nur die Krankheit, auch den Menschen sieht?

Hier noch eine kleine Anekdote, welcher der Autor des betreffenden Buches, auch Arzt, angeblich selbst erlebt hat: Mutter kommt aufgeregt zum Arzt, ihr Kind hätte im Bad eine ganze Packung Globulis gefunden und geschluckt. Was soll sie tun? Der Arzt ganz cool „Heute nichts Süsses mehr…..“.

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Dieser Eintrag wurde am 23. Juni 2017 veröffentlicht. 2 Kommentare

Durchbeissen

Nun habe ich doch schnon verhältnismässig lange rum gejammert. Was tut Frau in einer solchen Situation?

Mit dem Kopf dahinter. Es tut mir nichts weh, noch nicht, das ganz grosse Plus! Also, vom logischen her – nicht rum zicken. Aber auch vom logischen her – Ableger an fünf Orten – wie lange funktioniere ich noch?

Das Ungewisse treibt mich manchmal in den Wahnsinn, manchmal bringt es mich auch zur Weissglut. Je nach Stimmung.

Auch Betroffene reagieren – klarerweise – ganz anders als eben gesunde Menschen auf meine Ängste. Jedesmal, wenn ich mich jemanden anvertraut habe, betreffend Angst, schäme ich mich danach fast ein wenig. Denn, 1., kann es mir niemand abnehmen, mir niemand helfen, und 2., es nützt niemanden etwas, wenn ich wieder Mal in Selbstmitleid versinke.

Ja, vom Kopf her weiss ich das alles. Nur, es gelingt mir noch immer nicht, logisch kontrolliert zu handeln. Denn das ist meiner Meinung nach der einzige Weg, wie ich damit umgehen kann, und auch mein Umfeld. Wenn ich es mir überlege, keiner hört sich die immer wieder gleiche Jammergeschichte x-mal an, wenn er nichts daran ändern kann. Ist ja auch langweilig.

Rechne ich meine momentanen Bebelie zusammen, ist es lächerlich. Trockene Haut (also, da kann man schmieren bis zum abwinken), manchmal noch aufwachen in der Nacht wegen Atemnot (dafür habe ich meinen Asthmaspray, also auch das ist zu handeln), alle drei Wochen Onkibesuch (das kleinste aller Übel, weil die Gespräche mit ihm bis auf ganz seltene Ausnahmen sehr unterhaltsam sind), ein klein wenig noch Hand-Fuss-Syndrom, auch das, lächerlich, um es auch zu erwähnen.  Also, zusammenreissen, da kein Grund für Jammerei vorhanden ist.

Ein alter Elvis läuft im Radio, und zack, bin ich in der damaligen Zeit, als ich nur Elvis hörte. Ist ewig her. Und wie wunderbar die Zeit damals war. Unbeschwert, ohne jede Verantwortung, Freiheit pur. Zu schnell geht diese Zeit vorbei, und man wird älter, in meinem Fall auch krank, und der Gedanke „es trifft immer nur die anderen“ ist ein frommer Gedanke geblieben.

Es scheint, als ob ein wunderbarer Sommer bevor steht. Tja, geniessen so lange es geht.

Dieser Eintrag wurde am 21. Juni 2017 veröffentlicht. Ein Kommentar

Was tun?

Grenzenlose Angst befällt mich.

Unschuldig liege, eigentlich schlafe ich schon fast, vor dem Fernseher, und Panik befällt mich. Krebs, Du hast Krebs! Ich kann es nicht beurteilen, wann, und warum,  solche Gedanken kommen, mit einer Wucht, die mich niederwindet. Schmerzen, verkürztes Leben, Tod – es dreht, keine Chance, das Karussell zu stoppen.

Ich schiele auf meine Schlaftabletten. Soll ich, soll ich nicht?

Um halb drei schleppe ich mich ins Bett, um hlab fünf nehme ich eine Schlaftablette – was nicht clever ist, wenn man um neun Uhr einen Versicherungsmenschen erwartet. Vielleicht dachte er, ich hätte einen Kater? Egal, habe nicht das Gefühl, ich müsste mich einem wildfremden Menschen, der noch dazu im weitesten Sinn für mich arbeitet, erklären.

Ich mache mich auf zur Arbeit – und spule brav meine Show ab.

Direkt

Treffe nach langer Zeit einen Kollegen. Ich würde sagen, es ist sicher über ein Jahr her, sei ich ihn das letzte Mal sah.

Er erzählt mir, was er so alles erlebt, mitgemacht hat. Streit im Geschäft, dafür privat alles im grünen Bereich.

Und dann kommt die Frage – wie es mir geht. Schon am Tonfall merke ich, es ist nicht die übliche Floskel, welche man sich bei einer Begrüssung zuwirft, und die Antwort im Normalfall gar nicht abwartet. Ich meine „gut“. Er fragt nach – und mit der Krankheit? Kurz und direkt – ist mir auf jeden Fall lieber, als hinten rum zu fragen.

Ich erkläre ihm was Sache ist – vermutlich werde ich darin immer schneller und stichhaltiger, weil ich es ja auch schon ein, zwei Mal erzählt habe. Seinem Gesicht nach zu urteilen könnte man meine, es steht ihm jemand auf den Fuss. Tut aber niemand. Er meint „Chemo und Bestrahlung auch?“. Habe ich schon lange hinter mir. Dann erzähle ich noch von meiner allergischen Reaktion, vom Port einsetzten, von den Bronchien mit Asthma Verdacht, von der Thrombose. Und eigenartig – er meint, schon die Thrombose hätte ihnf wohl ausser Gefecht gesetzt. (Ich schmunzel innerlich. Ich erzähle von meinem unheilbaren Krustentierchen, und bei ihm bleibt die Thrombose hängen?) Nein, hätte sie nicht. Denn man kann viel wenn man muss. Er bezweifelt es. Vermutlich würde ich dies an seiner Stelle auch. Als gesunder Mensch denkt man – das schaffe ich nicht. Doch, wenn man muss schafft man viel. Schon alleine meine Angst, wenn man mir Blut abgenommen hat – nun finde ich es lächerlich. Aber, ich sage es nochmal. Ich verstehe es, wenn „gesunde“ Menschen anders denken.

Meine linke Schulter tut weh. Das kann viele Gründe haben. Abgedeckt schlafen bei Durchzug, oben ohne Auto fahren, die Klima im Geschäft, Ableger meines Krustentierchens, der Lymphdrüsenknoten ist auch auf dieser Seite. Ich tippe mal schwer auf die Klima im Geschäft. Ziehe also vorsichtshalber immer noch eine dünne Jacke oder etwas in dieser Art an. Sieht ein bisschen dämlich aus bei diesen Temperarturen, aber wenn es nützt. Meinem Krustentierchen will ich nicht so viel „Macht“ einräumen – noch nicht. Wird schon noch kommen.

Zeitvertreib

So viele sind unterwegs, nur ich, ich hocke zu Hause.

Ein Kollege ist für ein Monat geschäftlich  in Saudi Arabien,  jemand anderes kommt von der Safari nach Hause, von Astana trudelt auch jemand ein, welcher dort sechs Wochen war – Expo lässt grüssen, oder es wird schnell nach Florida geflogen. Das muss ändern. Bei mir!

So eine Safari muss noch her, definitv. Die Fotos aus Afrika sind zum niederknien. Es könnte ein klein wenig teurer werden als üblich – aber, was solls!

Brav arbeite ich meine „to – do Liste“ ab, aber, irgendwie wird diese trotzdem eher länger – nicht kürzer. Andererseits, Planung und Träume müssen sein!

Von mehreren Leuten kriege ich – schriftlich und mündlich – den momentan äusserst beliebten Tip betreffend Methaton. Auch wenn viele, fast alle Bekannte, so tun, als ob Ärzte sowieso nicht offen sind für Neues und stur an der bekannten Schulmedizin festhalten, kann ich sagen, mein Onki nicht. Im Gegenteil, Er hat es bereits eingesetzt, und mir auch erzählt, dass die betreffende Patientin nach 36 Stunden sich heftig übergeben hat. Und wohl auch die Wenigsten wissen, dass ein Arzt eine Zulassung für Medikamente braucht. Falls also wieder Mal jemand gerne gegen die Ärzte schiesst – vielleicht auch mal schlau machen, wie das mit Zulassung usw. funktioniert.

Während die Schlagzeilen reisserisch von „Heilung“ sprechen, stelle ich fest, dass man, bei genauerem Hinsehen von Linderung und evtl. Lebensverlängerung spricht. Wer den Bericht seriös mitverfolgt, wird auch feststellen, dass es hierbei um „in Vitro“ Versuchen geht, also im Labor im Reagenzglas. Will noch lange nicht heissen, dass es auch beim Menschen, bei jeder Krebsart Heilung nach sich zieht. Ein Versuch ist es allemal wert. Auch ich werde es vermutlich nehmen – wenn die nächste Chemo ansteht. Ich hoffe nicht auf Heilung, aber ein Jährchen, oder zwei, mehr Leben würde ich doch nehmen.

Wenn man sich ein klein wenig genauer mit Medizin, Behandlungen, Zulassungen, Vorschriften usw. beschäftigt, und das tue ich gezwungenermassen, stellt man fest, nein, eigentlich ist es unglaublich, was für Unsinn, für Schulmädchenweisheiten die Runde machen. Im Brustton der Überzeugung werden da Geschichten verbreitet, dass man nur den Kopf schütteln kann.  Natürlich ist es einfacher, den Ärzten die Schuld zu geben, egal an was. Ansonsten müsste man ja zugeben, dass man selber auch Schuld trägt an seiner Gesundheit. Zu lange zu einseitig gegessen, zu träge, zu schwer, rauchen, usw. usf.

Manchmal, wenn ich nicht aufpasse, wohin meine Gedanken flattern, komme ich in eine Endlosspirale „Du hast Krebs“ – und wenn ich so weit bin – wird es meist ein übler Tag. Noch habe ich keine Gegenmassnahme gefunden. Man könnte auch sagen, einen Gewöhnungsefekt an meine Diagnose kann ich nicht feststellen – leider. Mein Krustentierchen ist present wie am ersten Tag.

 

 

Dieser Eintrag wurde am 15. Juni 2017 veröffentlicht. 2 Kommentare

Lebensweisen

Nachmittags ums ein Uhr mache ich mich auf zur Arbeit. Bei einem Kollegen, welcher auch mit der Schicht beginnt, sehe ich drei Zigarettenpackungen. Muss natürlich jeder selber wissen, wieviel davon angemessen sind. Aber hierzu wäre ich schlicht zu geizig. Da gänge sich ein mehr als grandioser Urlaub aus. Und ich stelle mir die Frage, ob er nicht die Hände zur Arbeit braucht. Tja, ein Lungenröntgen würde wohl auch kein Entzücken hervorrufen. Es hat Zeiten gegeben, da hätte ich jedem Raucher am liebsten eine Ohrfeige verpasst. Jetzt ist da nur noch ein Schulderzucken. Ist ja jeder endlich.

Gesund sterben schaffe ich ohnehin nicht mehr, also helfe ich da ein bisschen mit Blausäure nach. Wenn man diesen Satz so liest, könnte man diesen glatt falsch verstehen. Also nochmal.

Eine liebe Bekannte meinte, Aprikosenkerne seien gemäss dem Alternativmediziner ihres Vertrauens eine gute Sache gegen Krustentierchen & Co. Und eben diese Dinger enthalten Blausäure. Ich werde mich hüten, dies ohne OK von Onki einzuwerfen. Also mal angefragt, und er gibt grünes Licht. Zum Vorschlag des grünen Herren von wegen Zucker bei der Ernährung weglassen meint Onki nur, er sehe keinen Grund für „freudloses“ Essen. Das ist mein Onki! Meiner! Keine Schokolade mehr? Keinen Kuchen mehr? Geht ja gar nicht.

So kaue ich drei Mal täglich auf diesen Dingern rum. Wenn ich flink genug bin, schmecken sie wie Mandeln, kriege ich sie nicht schnell genug runter geschluckt, wird es bitter. Aber es ist ok. Amaretto wird ja zum Teil auch daraus gemacht, und der schmeckt mir immer, ob langsam oder schnell.

Ich glaube  – oder soll ich sagen ich hoffe? – nicht auf Heilung. Aber wenn mir etwas ein Jährchen, oder so, mehr Leben bringt – und es machbar ist und nicht all zu idiotisch klingt – bin ich dabei.

Die nächste Röhre, PetCt, steht langsam an. Mein Plan ist immer der Gleiche, funktionieren tut er trotzdem selten. Onki beim Gespräch so weit abzulenken, damit er vergisst, einen Termin zu vereinbaren. Nun ist es so, dass ich weiss, dass sich mein Krustentierchen in mir ausbreitet. Trotzdem ist das abwarten des Resultates der bildgebenden Untersuchung, ja, ein PetCt nennt sich so, für mich mit ein wenig mit Stress verbunden. Eigentlich, wenn ich ehrlich bin, mache ich mir regelmässig fast in die Hose, schlafe davor schlecht(er), drehe praktisch im Hamsterrad. Nun kann man natürlich sagen, daran gewöhnt man sich doch. Mag sein. Ich nicht.

Und Onki ist auf Zack – er wird es nicht vergessen, befürchte ich.

 

Nicht so schlimm

War ein paar Tage weg, und stelle fest, es war das erste Mal seit dem Beginn meiner Krankheit, dass ich ohne meine Medikamentenkarte verreiste. Die Medis habe ich natürlich nicht vergessen, aber eben, diese Karte. Hm?!? Was sagt mir das? Wenn nicht bald mal Schmerzen daher kommen – kann es mich langsam mal, mein Krustentierchen.

Eine liebe Kollegin meint, ich müsste ein bisschen mehr auf krank machen, sonst glaubt mir das langsam niemand (mehr). Ich versuche mich im rachistischen Hüsteln – was niemand sonderlich beeindruckt, und mir auch kein Mitleid einbringt. Scheint so, als ob nicht nur ich zu denken beginne – entweder kommt da mal was zum Vorschein, oder man nimmt die ganze Geschichte unter ferner liefen. Auch gut – will ja nicht als Schwerkranke behandelt werden.

Das Leben geht normal weiter, Kollegen heiraten, lassen sich scheiden, kriegen Kinder, haben grosse und kleine Wehwehchen, und doch, für jeden ist sein Wehwehchen das Wichtigste. Mein Onki ist mein engster Verbündeter geworden, und ich könnte es mir nicht ohne ihn vorstellen. Furchtbar, wenn da niemand mehr wäre, dem ich meine Sorgen anvertrauen könnte, und von dem ich auch weiss, dass er es erträgt.

So ziehe ich meine Schleifen in der Warteposition, und frage mich, wie lange noch. Ja, ich weiss, dass habe ich wohl schon ein paar Mal geschrieben, aber es sind halt auch Gedanken, die mir immer wieder kommen.

Rückblickend stelle ich über meinen USA Trip mit meinen Bruder je länger je mehr fest – was für eine wunderbare Zeit, und vermutlich werden wir nie mehr so Zeit füreinander haben. Schade, eigentlich.