Virtuelle Welt

Von Zeit zu Zeit stöbere ich wie jeder Mensch, egal ob gesund oder nicht mehr ganz gesund, im Internet.

Wenn ich zum Beispiel auf Reisen gehe, schaue ich hin und wieder rein, wie das Wetter an meinem Zielort ist oder sein könnte. Zeigt eine Seite nur Regen an, suche ich so lange weiter, bis irgendwo auch Sonne vorausgesagt wird. Meist werde ich fündig, und ich ziehe mit freudiger Erwartung los.

Bei meinem Krustentierchen klappt das nicht. Ich weiss nicht, wie viele Seiten ich schon durchforstet habe, Positives habe ich da nie gefunden. Da stehen meiner Meinung nach recht unterhaltsame Sachen drinnen. Die Therapie von Brustkrebs-Metastasen gehört in die Hand eines Spezialisten, und betroffene Frauen sollten sich genau über die Möglichkeit von innovativen Therapiestudien informieren. Man stelle sich vor, eine bis anhin gesunde Person, purzelt von vermeindlicher Gesundheit in eine unheilbare Diagnose. Hierzu kann ich verbindlich sagen, dass man in diesem Moment „nicht“ in der Lage ist, sich genau über Therapiemöglichkeiten zu informieren. Paralisiert, wie ein abgemähter Frosch, kämpft man sich durch die Tage, ist froh, wenn man einen Arzt hat, der sagt wo es lang geht, welcher Termine für einen durchboxt, Therapien und Behandlungen einleitet. Vielleicht gibt es Betroffene, welche Aussagen von Ärzten in diesem Moment hinterfragen und mit Verbesserungsvorschlägen kommen, ich war keiner von denen. Immerhin war ich clever genug, sofort zu einem Onkologen zu gehen, und nicht mit meinem Zahnarzt über Vermutungen zu sprechen, während wir auf die Wirkung der Spritze warten.

Die Ableger betreffend bin ich ein Bilderbuchpatient. Knochen, Lungen, Leber, Lymphen, bin ich überall dabei. Fehlen nur noch die Hirnmetastasen. Da tastet sich mein Krustentierchen vor, bei der Schilddrüse ist es ja schon angekommen. Im äusserst negativen Sinn bin ich da zuversichtlich, dass wird es auch noch schaffen. Da steht dann was von „stärksten Kopfschmerzen“. Prima, Kopfschmerzen sind nun die Art von Schmerzen, welche mir gänzlich fremd sind. Man sollte nicht jede Erfahrung im Leben machen müssen.

Bei zwanzig bis vierzig Prozent aller Frauen treten früher oder später Metastasen auf. Da will ich nicht hinterher hinken, und bin vorne mit dabei. Meine Lymphen haben von Anfang an gute Arbeit geleistet.

Sobald man Metastasen mit sich herum trägt spricht man auch von einer Erkrankung des gesamten Körpers. Macht auch irgendwie Sinn. Was mir weniger gefällt, ist der Satz, Metastasen seien in der Regel aggressiver und nicht mehr so leicht zu therapieren. Hm…. nicht mehr so leicht? Das heist also, Chemo, Brust Ablatio und folgende Bestrahlung war eine leichte Therapie. Was kommt da wohl noch auf mich zu?

Die virtuelle Welt, sie ist nicht immer nur gut.

 

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