Archiv | August 2017

Giftlerei

Einmal mehr wird aufgefüllt mit Gift.

Onki und ich klären Sachen, die mir in letzter Zeit unklar geworden sind. Warum zum Beispiel kein PetCt mehr? Nun, wir wissen es wächst, das ist ein Fakt. Solange es mir gut geht, bleibt die Behandlung wie sie momentan ist. Sollte ich aber eine neuerliche Röhre wünschen, wird dies organisiert. Ich denke mal, die Tumormarker werden das nächste Mal getestet. Ist ein Bluttest, und nicht ganz so aufwendig.

Ich stelle Onki ein wenig in die Ecke, beschuldige ihn, mir nicht alles zu sagen. Er verneint, oder das er ganz sicher nicht bewusst schweigt. Versuche es von der anderen Seite her. Ob er grösstenteils als Herr Doktor angesprochen wird? Geht so, findet Onki. Ob er sich ein wenig über alles erhaben fühlt? Nein, wie ich darauf komme? Ja, ich müsse verstehen lernen, wie er denkt, damit ich bei der ganzen Geschichte mitkomme. Und ich vermute, wenn er mir etwas verschweigt, dann in erster Linie um mich zu schonen. Als ihm so langsam klar wird, was mir Sorgen bereitet, kommen wir endlich auf eine Linie, und das tut mir gut, sehr gut sogar.

Sein Telefon klingelt, wohl weil wir wieder ein Mal zu lange im Gespräch sind. Egal, wenn es mit Onki nicht klappt, wäre es für mich übel. Und mir scheint auch, er lässt sich nicht hetzen in Sachen Gesprächsführung.

Des weiteren sei es bemerkenswert, dass meine Knochen noch immer so gut sind, und die Leber immer noch mitspielt. Nun macht sich vielleicht bezahlt, dass die Leber nur ganz selten auch mit Alkohol zu tun hat, bin der Meinung, die Globulis reichen schon.

Mein Hand-Fusss-Syndrom nervt langsam und so frage ich Onki, ob er nicht ein Wundermittelchen dagegen hätte? Er meint, er könnte mir schon Selen und Vitamin B geben, (war es B?), aber er glaube nicht mal selber an den Nutzen in diesem Fall. Es sind freie Radikale, welche meiner Haut an der Fussohle zu schaffen machen. Das klingt doch schon sehr wissend, freie Radikale, finde ich. Nur habe ich keine Ahnung was das überhaupt ist. Onki redet deutsch mit mir und meint, dass muss ich wohl mit Geduld hinter mich bringen. Und Onki weiss auch, dass er mich nicht mit irgendwelchen Medis eindecken muss, nur um mich zu beruhigen. Manchmal habe ich bei ihm den Eindruck, wenn er nicht gerade die massiv chemische Keule in Sachen Krustentierchen schwingen muss, geht er davon aus, dass ein Körper sich mit Selbstheilungskräften wieder auf Vorderman bringen kann. In diesem Sinn ist er gar nicht der typische Schulmediziner. Werde zu diesem Thema mal gezielt nachfragen. Meist liege ich nicht ganz so falsch mit meinen Einschätzungen. Auf jeden Fall macht es ihn sehr sympathisch, wenn er nicht immer mit den kleinen, chemischen Dingern um sich wirft.

Mein Krustentierchen ist nur eine normale Krankheit, in meinem Fall vermutlich nicht gerade lebensverlängernd, aber immer noch, es ist nur eine Krankheit.

Kann ich mir das selber auf Dauer einreden? Ich muss, irgendwie muss ich, sonst frisst mich die Angst auf. Und Grund zum Angst haben ist noch nicht vorhanden. Es tut nichts weh. Also bin ich mal lieber dankbar dafür.

Advertisements

Wieder mal

Zum dritten Mal sind meine Kollegin und ich unterwegs. Stockholm und Copenhagen waren es, nun ist es Edinburgh. Zum Tattoo machen wir uns auf den Weg. Die Stadt ist überlaufen, meint meine Kollegin, ich bin wohl noch abgehärtet von Tokio. So oder so ist es schön. Wir bummeln die Fussgängerzone rauf und wieder runter. Strassenkünstler aller Art sind vorhanden. Musiker, Zauberer, Figuren, allerlei. Auch ein Chor mit ausnahmslos Schwarzen gibt sein Bestes. Sie haben den Rythmus einfach im Blut, muss man ihnen neidlos zugestehen.

Es stehen auch so grosse, schwarze Klötze rum. Was das wohl sein soll? Meine Kollegin klärt mich auch. Rammböcke. Für einen ganz kurzen Moment wird mir kalt. Wie traurig, dass man solche Vorkehrungen treffen muss. Später stelle ich fest, auch ein Briefkasten ist versiegelt. Könnte ja sein, dass jemand nicht nur Briefe einwerfen möchte.

Das Tattoo selber ist genial. Wunderbare Choreographie, zum Teil monumentale Musik. Die Inder haben es recht farbenfroh, die Japaner mit Abstand den strammsten Schritt beim maschieren, und eine geniale Sängerin, die Amis halten nicht viel vom stramm maschieren, aber vermutlich ist das Durcheinander, welches sie auf dem Schlossplatz veranstalten auch ziemlich kompliziert. Ein Pyrotechniker ist ebenfalls im Einsatz. Das Feuerwerk ist nicht von schlechten Eltern.

Wir haben Glück, und bleiben während der ganzen Vorführung trocken. Dafür friere ich bis auf die Knochen. Wäre Onki vor Ort gewesen, hätte er mich vermutlich mit einer Peitsche nach Hause gejagt. Na ja, er muss nicht alles wissen. Im Zimmer wärme ich unter der Dusche auf.

Wir lassen es uns gut gehen. Bei einem gemütlichen Abendessen kommen wir auf unserer Krustentierchen zu sprechen. Ja, auch sie hat eines. Oder besser gesagt, hatte eines. Sie wurde vor einem guten Jahr operiert, damit war es für sie erledigt. Nun geht sie regelmässig zur Voruntersuchung. Mir fällt auf, dass nur das betroffene Organ untersucht wird. Ich bin am überlegen. Soll ich ihr sagen, dass ich an ihrer Stelle auch einen Tumormarkertest machen würde lassen? Mir kommt das böse Wort Ableger in den Sinn. Doch, ich gebe mir einen Ruck. Ich teile ihr meine Gedanken mit. Sie überlegt und es leuchtet ihr ein. Ja, das mache Sinn.

Krustentierchen können verbinden, allerdings hatten wir es auch schon vor unseren Untermietern immer gut miteinander.

Ihr nächster Vorschlag wäre Helsinki. Im Winter! Schon alleine der Gedanke lässt mich frieren. Auch wieder etwas, dass ich Onki schön verpackt werde beibringen müssen. Mal sehen.

Überdenken

Das finde ich nun nicht nett. Offizielle Stellen geben doch tatsächlich eine Reisewarnung für die Ukraine heraus. Andererseits, Kiew ist nicht Ukraine. Da liest man so üble Sachen wie kriminelle Überfälle (gibt es auch nicht kriminelle Überfälle?), und aggressive Taschendiebe, (diese habe ich noch nie zurückhaltend erlebt). Bei den Taschenkontrollen am Flughafen sollte man sehr vorsichtig sein und genau auf seine Habseligkeiten achten. Tut man dies nicht immer?

Ich erinnere mich an meine Gedanken, als ich noch eine Perücke trug. Ich hätte mich in den hintersten, übelsten Gegenden dieser Welt herum treiben können. Wenn mir so ein kleiner Perversling auf den Leib rücken hätte wollen, und er begrabscht mich, wäre schnell klar gewesen, dass das alles andere als eine Brust ist. Ein Griff in die Haare, um den Kopf herum zu reissen, und schon stünde ein Glatzkopf vor ihm. Wenn mein Perversling nicht durch und durch abartig ist, hätte er spätestens jetzt die Beine in die Hände genommen, ab durch die Mitte, und ich hinterher, um ihm meine Perücke wieder abzunehmen . Die Dinger sind teuer, und es wird nur eine pro Kalenderjahr von der Versicherung gesponsert.

Nun schlafe ich also noch ein paar Nächte über diese offiziellen Neuigkeiten. Vielleicht sind es auch keine Neuigkeiten? Ich habe die Angewohnheit die sogenannte Nachrichten mit Abstand zu betrachten. Oft erscheinen sie mir etwas gar plakativ.

Mal schauen, was meine Reisebegleitung meint. Sie wollte sogar noch einen Tag dran hängen, und ein wenig in Kiew rumlungern. Soll man sich wirklich von ein paar Extremisten in seiner Freiheit einschränken lassen? Im Grunde bin ich der Überzeugung, dass die Menschen überall auf der Erde friedlich vor sich hin leben wollen. Und dann gibt es Querschläger, welche denken, mit Gewalt kann man Gewalt, Ungerechtigkeit, Armut und Krieg beenden. Scheint mir so, als ob mein Krustentierchen zu besiegen wäre – daran glaube ich auch nicht.

Ruhen

Habe frei, und meinen Leukozyten zuliebe hänge ich nur bequem rum. In vier Tagen möchte ich losziehen, nach Adam Riese, und Onkis Zeitplanung, sollte dann die ganze Entzündung ausgestanden sein.

Zu Hause stelle ich fest, was im Büro Befremdung hervor gerufen hätte.Im grossen und ganzen ist mein ganzer Körper mit kaltem Schweiss überzogen. Das Fieberthermometer lasse ich schön in der Verpackung. Will nicht wissen, ob und das ich erhöhte Temperatur habe. Wird schon gehen, irgendwie. Es muss.

Das rumliegen bremst meine Reisepläne nicht. In ca. zwei, drei Monaten möchte ich gen Tschernobyl los ziehen.  So wie es aussieht, brauchen meine Reisebegleitung und ich ein Visum, nicht älter als ein Monat, (das Visum, nicht die Reisebegleitung). Also noch warten damit.  Aber mal in die Flüge reinschnuppern kann man, sich Hotels ansehen, mit welchem Unternehmen man vor Ort Richtung Prypjat los zieht, all das kann man  vorsondieren. Dies ist nun wirklich ein Ort, auf den ich gespannt bin.

Wir waren schon öfters miteinander unterwegs, und hatten jedesmal richtig Spass. Soll ja Menschen geben, die auf Reisen immer zum streiten kommen. Das ist mir fremd. Man kann in den Tag hinein leben, Geld ausgeben, der Alltag ist weit weg, also für mich alles tadellos.

Nun kann man natürlich sagen, da kommen westliche Touristen und ergötzen sich an dem Unheil der dort ehemals lebenden Menschen. Es ist aber auch nicht so, dass die Führungen, und man kann nur mit Führung in die Sperrzone, aus Nächstenliebe statt finden. Klar ist es mittlerweile eine ordentliche Geldmaschine geworden. So hält sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen. Ich bezahle für eine regulär angebotene Diensleistung. Fertig.

Onki habe ich wissen lassen, dass ich meine Heilung nun selber in die Hände nehme, Ganzkörperbestrahlung ist angesagt. Er erfasst den Inhalt meines Mails, und meint, Kiew sei noch gut, weiter gen Osten würde er nicht reisen, aus bekanntem Grund.

Im Fernsehen läuft ein Bericht über den pazifischen Feuerring. Einmal mehr wird klar gemacht, das der einzelne Mensch eigentlich nichts ist. Ich gehe davon aus, dass Mutter Erde uns früher oder später schon zeigen wird, wer das Sagen hat. Sei es, dass der Supervulkan unter dem Yellowstonenationalpark mal ausbricht, überfällig ist er ja schon, oder ein kleiner, herziger Meteoit aufschlägt. Nein, wir Menschen sind nicht wichtig, wir nehmen uns nur all zu wichtig.

Wenn ich mir das mal wieder vor Augen geführt habe, gelingt es auch recht gut, mein Krustentierchen als normale Krankheit anzusehen, unheilbar, ja, dass ist natürlich doof, aber auch nur eine Krankheit.

Und so überhöre ich auch die Stimme, die mir einflüstert, vielleicht kannst Du in zwei Monaten gar nicht mehr reisen. Was soll’s, kann mir ja auch ein Bein brechen, dann könnte ich auch nicht auf Reisen gehen.

Besser wissen

Eventuell war es doch nicht die allerdümmste Idee von Onki, Antibiotika zu nehmen. Nach wie vor huste und schnupfe ich mich durch die Tage. Durch die Nächte auch. Kalter Schweiss steht auf meinen Armen. Vermutlich auch an anderen Körperteilen. Kurz spiele ich mit dem Gedanken, zwecks Überprüfung derselben die Hosen fallen zu lassen, verwerfe diesen aber bald wieder. Es könnte vereinzelt verstörend auf Mitarbeiter wirken.

Die Leute haben einfach kein Rückgrad. Der eine oder andere meint tatsächlich, ich könnte mir ja immer noch, verspätet zwar, besagte Antibiotika holen. Könnte ich. Aber ich will nicht. Zuerst grosses Mundwerk und dann angeschlichen kommen, ob man nicht doch evtl. vielleicht unter Umständen könnte? Dafür geht es mir zu gut. Durchbeissen, lautet die Parole. Onki wird schon merken, wenn ich nach drei Wochen immer noch huste, und dann kann er mir verschreiben was er will. Und das meine Lunge nicht mehr auf der Höhe ist, ist mir schon bewusst. Nicht umsonst schnüffle ich mindestens zwei Mal täglich an meinem Asthmaspray. Da wird wohl ein bisschen Husten auch noch drinnen liegen. Einzig, meiner Nachtruhe ist es nicht zuträglich.

Vielleicht hilft auch nur die Holzhammermethode? Mal bei Wind und Regen eine Stunde spazieren gehen, wobei es einem leicht zu kalt ist. Entweder, die Leukozyten bringen alles wieder auf Vordermann, oder ich liege komplett flach. Manchmal ist es ein Kampf zwischen meinem Körper und mir. Und ich mag nicht nachgeben.

So oder so muss ich in die Höhe kommen, nächste Woche steht ein kleiner Städtetrip an. Und wenn es mich nicht gewaltig niederreisst, werde ich in den Flieger steigen. Ich mag nicht krank sein, ich mag einfach nicht.

Streit hatte ich auch. Ganz fürchterlichen, enormen Streit. Mit einer Person, die mir sehr am Herzen lag. Aber vielleicht habe ich es mir auch nur eingebildet. Und manchmal frage ich mich, ob ich empfindlicher geworden bin? Denn eigentlich ist es ja so, streiten nützt nichts, niemanden, egal ob man gesund oder krank ist, jung oder alt. Etwas wissen, und sich danach zu verhalten ist nicht immer das Gleiche.

Vereinzelt gibt es Leute, die meinen, ich sehe ja blendend aus. Man sieht bald mal blendend aus, wenn eigentlich eine kahlköpfige, ausgemergelte Person erwartet wird. Die Haare spriesen schon länger wieder, und von ausgemergelt bin ich weit entfernt. So schau‘ ich in den Spiegel, und frage mich „Wo bist du, mein Krustentierchen“. Hinterlistig und durchtrieben schleicht es durch meinen Körper, ich weiss, es ist hier, ich weiss nur nicht wo.

Treffen

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis ich bei der Therapie jemanden treffe, den ich kenne. Und so war es. Ich sehe die Dame im Wartebereich sitzen und sprich sie an „Dich kenn‘ ich“. Grosse Augen schauen mich an. Ok, mit schulterlangen Haaren habe ich wohl anders ausgesehen. Ich gebe mich zu erkennen, und bei ihr fällt der Groschen. Wir haben uns an die fünf Jahre nicht mehr gesehen. Weil wir wissen, wir haben nicht ewig Zeit, die beiden Onkis sind recht gut im Zeitplan einhalten, erzählen wir uns jeweils einen kurzen Abriss, was in den letzten Jahren passiert ist. Sie ist hier wegen vermuteter Blutarmut, Onkis Praxis behandelt auch Blutkrankheiten, was vermutlich ein Schnellschuss ihres Hausarztes war. Mit ein paar Eiseninfusionen ist sie wieder auf Vordermann gebracht worden. Der Eisenmangel scheint mir übrigens momentan bei Frauen sehr im Aufwind. Dann komme ich an der Reihe. Sie fragt, ich gebe kurz Bescheid, sie meint „Aha“. Wie schon so oft ist es dem Gegenüber gut anzumerken, dass das Gesagte nicht alle Hirnwindungen durchläuft, es wird nicht realisiert, was ich sage. Macht nichts, ich muss zur Blutabnahme, sie macht sich auf den Nach-Hause-Weg, wir wünschen uns alles Gute.

Mein letztet Städtetrip hat mich einmal mehr das Fluchen wie ein Bierkutscher gelehrt. Nach einem Tag habe ich trotzt Blasenpflaster und Silikonkissen an den Fussballen Blasen, das es schöner nicht mehr geht. Ewiges, missliches, elendes Hand-Fuss-Syndrom. Aber, muss man sagen, die Stadt war einmal mehr wunderschön, nicht zu heiss, gerade passend. Am liebsten würde ich ohnehin nur in Strassencafes rumsitzen und Leute beobachten, mache ich leidenschaftlich gerne. Und nicht den Kopf in ein Smartphonedisplay versenken. Aber jeder wie er will.

Kaum wieder zurück fange ich mir eine Erkältung ein, vermutlich war es das zu lange auf dem Balkon rumsitzen. Das Fieber kommt, und ich bleibe von der Arbeit zu Hause. Melde es auch bei Onki, ob ich trotz Fieber meine Globulis reintrichtern lassen kann? Er meint, es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn ich es schaffe, zur Therapie zu kommen, ansonsten ist er flexibel, wir könnten auch schieben. Nach zwei Tagen geht es mir schon wieder recht gut, und ich schwinge mich in’s Auto. Etwas überrascht sieht mich Onki im Wartebereich, schüttelt mir die Hand und fragt „ob es geht?“, ja, sonst wäre ich nicht hier. Mein Blut wird noch zusätzlich auf Entzündungswerte getestet. Onki runzelt die Stirn. Das war nicht nur eine Erkältung, er murmelt etwas von Antibiotika. Mit der mir angeborenen Diplomatie lasse ich ihn wissen, dass ich davon gar nichts halte, und ich sowieso finde, das diese Dinger viel zu schnell verschrieben werde. Treffer! Welcher Arzt hat nicht gerne so besserwisserische Patienten. Später werde ich mich für diesen Satz noch bei ihm entschuldigen. ich frage ihn, wie er denn darauf kommt, dass da noch was sei? Meine Blutwerte schlagen Alarm. Ein Erkältung wäre so um die 12, 14, (die Einheit hat er mir nicht gesagt, und ich habe nicht gefragt), ich bin bei 44 angekommen. Aha! Aber, es geht mir doch schon besser. Mein Körper wird noch an die zehn Tage brauchen, um sich zu erholen, meint er. Hallo? Wir sprechen von einer Erkältung! Er sieht mir in die Augen, und ob ich mir vorstellen könnte, woher das kommt? Klar, der Balkon war’s. Er fragt mich im Laufe des Gesprächs drei Mal nach dem Grund. Das ich nicht zur Arbeit bin überzeugt ihn vollends, dass es mir nicht gut ging, weil „sie gehen ja immer arbeiten“. Was sieht der Mann, was ich nicht spüre?

Und sowieso, mein Leukozyten sollen ihre Arbeit tun, dafür sind sie schliesslich hier, Entzündungen zu bekämpfen. Immer nur auf der faulen Haut liegen kann es ja auch nicht sein.

Er fragt, ob ich ein Arztzeugnis brauche, danke, aber das gibt ohnehin immer Sammelzeugnisse über ein, zwei Monate hinweg.

Die Röhre, sprich das PetCt, wird nicht geplant. Grund, nun werde ich nach meiner Befindlichkeit behandelt. Da haben wir sie also, die palliative Behandlung in Reinformat. Nichts tun, was den Patienten belastet, und ohnehin keine Besserung mehr bringt. Einerseits bin ich froh, jetzt bin ich gefragt. Geht es mir gut, habe ich bis auf die drei-wöchentliche-Antikörpertherapie Ruhe. Andererseits bin ich nun vollends in der Warteschleife. Nur zu denken, ich habe ja keine Schmerzen, also alles palletti, so naiv bin ich schon lange nicht mehr. Hatte ja noch nie Schmerzen, dass hat mir auch nichts geholfen, und Chemo, Ablatio, Bestrahlung Thrombose nicht verhindert.

Bis anhin wurde die Bahndlung den Laborwerten, PetCt-Auswertungen, Tumormarkertests angepasst. Jetzt wird man auf mich reagieren. Weiss nicht, ob gut oder schlecht, aber so ist es.

Ich gebe es zu, ich nage ein wenig an dieser Entwicklung. Frage Onki auch, warum es einmal so, und einmal so heist? Das stresst mich zugegebenermassen. Ja, dass kann recht häufig ändern, in so einem Fall wie bei mir.

Der Kopf weiss das schon.

Und dann denke ich wieder, prima, nun kommt mir Onki nicht mehr mit irgendwelchen hinterlistigen Behandlungen, solange bei mir alles im Grünen weiter läuft. Aber Onki ist mindestens so hinterlistig wie seine Behandlungen. Muss ich auf der Hut sein.

 

Dieser Eintrag wurde am 4. August 2017 veröffentlicht. 2 Kommentare