Südlich warm

Ein paar Tage im Süden, und schon scheint man wieder aufgewärmt. Ich besuche eine Leidensgenossin. Sie hat momentan das Schlimmste überstanden. Im Gegensatz zu mir macht sie eine Hormontherapie, welche sie leidlich gut verträgt. Wir waren Beide mal Langhaardamen, und sind uns nun einig, so kurze Haare sind sehr viel praktischer.

Bei einem Abendessen sehe ich einen Herren, welcher damals noch ein Junge war. So wird man alt, und aus dem Buben ein attraktiver Mann. Wir lassen es uns gut gehen mit essen und trinken, spazieren durch Städte und geniesen das Treiben um uns herum.

Autos sind hier praktisch alle mehr oder weniger verbeult. Es ist kein Statussymbol wie in anderen Ländern. Und niemanden stört es, dass die Stossdämpfer bei jeder Unebenheit ein Vater unser beten, solange Gas und Bremse funktionieren, wird gefahren.

Zurück und bereits am nächsten Tag sitze ich wieder bei Onki. Es gibt nichts aufregendes betreffend meines Gesundheitszustandes zu besprechen, und so verfallen wir ins plaudern. Wie kann man sich nur für die Onkologie entscheiden, frage ich ihn. Es gibt doch wahrlich schönere Fachrichtungen in der Medizin? Er erzählt von seinem Studium, von seinen Erfahrungen als Assistentz- und Oberarzt, wo er überall war, und von Zeit zu Zeit kommt auch eine kleine Anekdote. War für ein aussergewöhnlicher Mensch, denke ich mir einmal mehr.

Er erzählt mir auch, dass es sehr gut möglich sei, dass mir ein anderer Arzt schon längstens eine andere Behandlung empfohlen hätte. Ja, gut möglich. Und wer sagt mir, sagt ihm, was besser wirkt? Wir wissen es nicht. Niemand weiss es. Ich erzähle ihm dies und das, was ich so höre von Kolleginnen, welche auch mit Krustentierchen leben müssen, und die Erfahrungen, die sie mit Ärzten machen. Die Herren Professoren überzeugen mich nicht wirklich. Mir scheint, sie sind verhältnismässig oft gar nicht für den Patienten verfügbar. Da lobe ich mir Onki. Mit der 24/7 Telefonnummer ist er oder sein Kollege stets erreichbar.

Die Umstände, jemanden kennen zu lernen sind nicht immer die schönsten, doch trotzdem können es tolle Menschen sein, die man unverhofft trifft.

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