Archiv | Dezember 2017

IT Sachen

Ich möchte die nächsten Tage über den grossen Teich hüpfen, so habe ich mir erst mal genung Medis bei der Apotheke meines Vertrauens bestellt, und möchte diese nun abholen. Onki hat vorausschauend die Rezepte für ein Jahr ausgestellt. Diese habe ich in der Apotheke hinterlegt, was mir angebliche den Vorteil bringt, dass ich meine Medis landesweit bei einer dieser Apotheken abholen kann. Denkste! Ich bin drei Mal im System erfasst, dafür ist nur ein Rezept hinterlegt. Ich werde grummelig, muss mich auf den Weg machen zur Apotheke, wo ich die Rezepte damals abgegeben habe. Die pharmazeutische Assistentin reicht mich baldigst an den Apotheker weiter, vermutlich war es trotz meiner seriösen, ruhigen Wortwahl spürbar, dass ich etwas angesäuert bin. Ich will wissen, warum ich drei Mal im System erfasst bin, dafür nur eines meiner Rezepte? Darum müsse ich mich nicht sorgen. Doch, muss ich, immerhin habe ich es das letzte Mal schon erwähnt, und erwartet, dass das System bereinigt wird. Wozu sie offensitchlich nicht fähig sind. Böser Blick des Apothekers – welchen ich leicht stand halte. Schlussendlich muss ich noch eine Vollmacht unterschreiben, in welcher ich mich damit einverstanden erkläre, dass sämtliche Apotheken dieser Kette Zugriff auf meinen Medikamentenverschleiss hat. Das ist ja nun eine top geheime, höchst spannende Info, welche sicher auch CIA und NSA wissen möchte, ich riskiere es trotzdem, und unterschreibe den Wisch.

Den Gedanken an meine Nierenzyste, und was ist, wenn sie durchblutet verdränge ich. Erstens habe ich das Ding ja wohl schon länger (aber nicht länger als neun Monate, denn auf dem letzten PetCT sah man nichts davon) und zweitens können auch wegen meinem Krustentierchen jederzeit Schmerzen kommen. Ganz doof, super doof wäre natürlich wenn das Ding im Flieger los legt. Ich weiss, es ist ein Erste-Hilfe-Koffer und ein Arztkoffer auf jedem Flieger. Aber ob da irgendwo Morphin reingepackt ist? Und wenn ja, auch noch zufällig ein Arzt on Board, um mir das Zeug zu spritzen? Oder kann ich mir das Zeug wie damals meine Thrombosenspritzen einfach in den Oberschendel rein jagen? Da habe ich so meine Zweifel, dass ich so leicht zu Morphin komme. Gemäss Hausi muss man bei Kolliken gar nicht erst mit den Sommerfrischlervariante der herkömmlichen Schmerzmittel beginnen.

Doch was schreibe ich hier, es wird nichts passieren und fertig.

 

 

 

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Hoher, kalter Norden?

Nach Helsinki geht’s. Ich hoffe auf tiefen Winter und viel Schnee.

Der Flieger hat eine Stunde Verspätung, die Airlines verschickt SMS mit der Info, dass es keine Verpflegung on Board gäbe. Ich denke an Streik, aber solange der Vogel fliegt, ist es gut für uns. Später erfahren wir, es hat ein enormer Sturm in Helsinki das ganze verzögert, Catering war nicht möglich. Wir kommen neben einem Holländer zum Sitzen, welcher seit sieben Jahren in Finnland wohnt. Helsinki kennt er wie seine Westentaschen, und so gibt er uns allerlei Tips. Seit fünf Jahren lebt er nördlich von Helsinki und erzählt uns unterhaltsames. So haben die Finnen verschiedene Strassenkarten, Winter- und Sommer Karte. Im Winter werden ruck zuck Strassen über zugefrorene Seen gezogen. Von Kanada her kenne ich es, dass es auch in Europa statt findet, ist neu für uns. Auch werden die Autos manchmal angesteckt – gegen das Einfrieren (nicht mit Grippevieren). Es kann aber auch sein, dass man beim Einkaufen das Auto einfach laufen lässt, weil man ja nie weiss, ob es wieder anspringen würde. Häuser werden aus Prinzip nicht abgeschlossen, was zur Folge hat, dass seine Familie vor den Ferien immer auf der Suche nach dem Hausschlüssel ist, wenigstens dann wird doch geschlossen. Und das mit dem Schnee schaufeln ist gar nicht seines. Er und seine Frau fahren über den Schnee einfach drüber, und hopp, wieder eine Schicht höher gefahren, für was fährt man den einen 4×4? Seine Frau ist Grosstierärztin und macht am Wochenende, wenn Bereitschaft, schon mal an die 1.000 km. Sie ist der Meinung, Taxi Fahrer wäre für sie auch eine Option.

Mit all diesen Geschichten vergeht der Flug wie im Flug, und der Pilot verspricht bei der Landung „heavy snowfall“.

Der Matsch, der uns in Helsinki empfängt zeugt von Schneefall, ja, nur jetzt ist es dank Regen knöcheltiefer Matsch. Ich gebe meinen Schuhen fünf Minuten, bevor ich nasse Füsse habe. (Hallo, habe Schnee und Minusgrade erwartet!). Sie halten erstaunlicherweise dicht! Bin begeistert! Wir rutschen mehr als wir gehen zu unserem Hotel, meine Kollegin macht auf dem Weg dorthin nocht eine Zwischenlandung auf ihrem Allerwertesten, was ich gar nicht mit kriege, da ich vor ihr her stapfe, bzw. rutsche, und meine Kaputze montiert habe. Noch einen Happen gegessen und ins Bett. Die nächsten Tage verbringen wir mit Sightseeing, klar, wie es halt Touristen so machen.  Die paar hellen Stunden nützen wir für eine Schiffsfahrt zu einer Insel, wo uns eisiger Wind um die Ohren pfeift, als ob Nadeln durch die Luft fliegen sticht es im Gesicht. Macht nichts, das nächste Cafe ist nicht weit.

Die Weihnachtsmärkte sind hier sehr viel weniger auf Kommerz ausgerichtet als die Bekannten in Europa. Viel weniger Schnickschnack, viel weniger Kitsch, und weniger Gedränge. Eigentlich kann man sagen, die Finnen essen und trinken, oder stricken, auf so Märkten. Wenn bei einem Glögg die Finger fast abfrieren kann man nebendran gleich die gestrickten  Fäustlinge kaufen, mit passender Haube und / oder Stirnband. Auch haben die Fressbuden vielfach kleine, geheizte Räume, in welchen man wohlig warm die Speisen verzehren können.

Wir sehen weit und breit keinen Hop-on-hop-of Bus, also machen wir es wie die Eineimischen, wir fahren mit der Strassenbahn. Und weil ja jede davon früher oder später wieder im Zentrum einer Stadt landet, haben wir so eine wunderbare Stadtrundfahrt. Eine schöne Stadt, viele einladende Geschäfte, gemütliche Cafes, tolle Restaurant. Überhaupt Essen, wir lassen es uns richtig gut gehen, mit Überraschungsmenü und Weinpacket, vom Feinsten. Am letzten Abend beginnt es auch wunderbar zu schneien, ich freue mich wie ein Kleinkind. Leider zu früh. Am Morgen hat der Regen verlässlich alles weggeschwemmt.

Wieder zu Hause angekommen stellen wir fest, dass es richtig geschneit haben muss. Die Schneehäufen neben den Strassen müssen ja irgendwoher kommen.

Ob es heuer doch mal für weise Weihnachten reicht? Wie auch immer. Bald, bald bin ich unterwegs in die Wärme zum auftanken. Onki hat sein OK gegeben, einmal seit zwei Jahren lasse ich die Antikörpertherapie ausfallen. Wird schon gut gehen.

Weiter planen

Die Angst hatte mich mal wieder im Griff. Und was tut frau in diesem Fall? Onki bemailen. Er liest, er ist geduldig, er tröstet. Und immer, wenn ich eine Stunde später, oder so, lese, was ich ihm schreibe, schäme ich mich ein wenig dafür. Erstens verachte ich Gejammer, und zweitens, ist es nicht sein Problem. Natürlich sage ich es ihm auch, wie erbärmlich ich mich danach jeweils fühle. Und er reagiert wie immer wunderbar. Das es für ihn schon fast logisch sei, dass ich mich an ihn wende, er sei ja auch derjenige, der mir sagt, was Sache sei, und wisse, wie es mir daher geht. Es tut enorm gut, so jemanden an der Seite zu haben.

Er hat so Andeutungen gemacht. Und langsam kapiere ich es. Über kurz oder lang werde ich wieder in die Röhre – und die Chemo wartet. Wir fahren momentan nicht gerade die stärkste, oder soll ich sagen die intensivste, Therapie. Und Chemo ist natürlich, in Verbindung mit Antikörper und Methadon, schon ein anderes Kaliber. Das doofe daran ist, die Chemo wird mir erhalten bleiben – bis zum Ende.

Es ist eine verflixte Situation. Noch nie hatte ich seriöse Beschwerden, und doch, die Medis werden stärker, es muss angepasst werden, Ok, dort und da harzt es ein wenig, das linke Bein tut weh – lustigerweise wenn ich im Bett liege, nicht wenn ich zu Fuss unterwegs bin – aber ansonsten gibt es nichts grosses zu Sagen. Und doch, immer und immer weiter geht es, und mein Krustentierchen spaziert in mir herum. Es nervt!

Dieser Eintrag wurde am 9. Dezember 2017 veröffentlicht. 2 Kommentare