Hoher, kalter Norden?

Nach Helsinki geht’s. Ich hoffe auf tiefen Winter und viel Schnee.

Der Flieger hat eine Stunde Verspätung, die Airlines verschickt SMS mit der Info, dass es keine Verpflegung on Board gäbe. Ich denke an Streik, aber solange der Vogel fliegt, ist es gut für uns. Später erfahren wir, es hat ein enormer Sturm in Helsinki das ganze verzögert, Catering war nicht möglich. Wir kommen neben einem Holländer zum Sitzen, welcher seit sieben Jahren in Finnland wohnt. Helsinki kennt er wie seine Westentaschen, und so gibt er uns allerlei Tips. Seit fünf Jahren lebt er nördlich von Helsinki und erzählt uns unterhaltsames. So haben die Finnen verschiedene Strassenkarten, Winter- und Sommer Karte. Im Winter werden ruck zuck Strassen über zugefrorene Seen gezogen. Von Kanada her kenne ich es, dass es auch in Europa statt findet, ist neu für uns. Auch werden die Autos manchmal angesteckt – gegen das Einfrieren (nicht mit Grippevieren). Es kann aber auch sein, dass man beim Einkaufen das Auto einfach laufen lässt, weil man ja nie weiss, ob es wieder anspringen würde. Häuser werden aus Prinzip nicht abgeschlossen, was zur Folge hat, dass seine Familie vor den Ferien immer auf der Suche nach dem Hausschlüssel ist, wenigstens dann wird doch geschlossen. Und das mit dem Schnee schaufeln ist gar nicht seines. Er und seine Frau fahren über den Schnee einfach drüber, und hopp, wieder eine Schicht höher gefahren, für was fährt man den einen 4×4? Seine Frau ist Grosstierärztin und macht am Wochenende, wenn Bereitschaft, schon mal an die 1.000 km. Sie ist der Meinung, Taxi Fahrer wäre für sie auch eine Option.

Mit all diesen Geschichten vergeht der Flug wie im Flug, und der Pilot verspricht bei der Landung „heavy snowfall“.

Der Matsch, der uns in Helsinki empfängt zeugt von Schneefall, ja, nur jetzt ist es dank Regen knöcheltiefer Matsch. Ich gebe meinen Schuhen fünf Minuten, bevor ich nasse Füsse habe. (Hallo, habe Schnee und Minusgrade erwartet!). Sie halten erstaunlicherweise dicht! Bin begeistert! Wir rutschen mehr als wir gehen zu unserem Hotel, meine Kollegin macht auf dem Weg dorthin nocht eine Zwischenlandung auf ihrem Allerwertesten, was ich gar nicht mit kriege, da ich vor ihr her stapfe, bzw. rutsche, und meine Kaputze montiert habe. Noch einen Happen gegessen und ins Bett. Die nächsten Tage verbringen wir mit Sightseeing, klar, wie es halt Touristen so machen.  Die paar hellen Stunden nützen wir für eine Schiffsfahrt zu einer Insel, wo uns eisiger Wind um die Ohren pfeift, als ob Nadeln durch die Luft fliegen sticht es im Gesicht. Macht nichts, das nächste Cafe ist nicht weit.

Die Weihnachtsmärkte sind hier sehr viel weniger auf Kommerz ausgerichtet als die Bekannten in Europa. Viel weniger Schnickschnack, viel weniger Kitsch, und weniger Gedränge. Eigentlich kann man sagen, die Finnen essen und trinken, oder stricken, auf so Märkten. Wenn bei einem Glögg die Finger fast abfrieren kann man nebendran gleich die gestrickten  Fäustlinge kaufen, mit passender Haube und / oder Stirnband. Auch haben die Fressbuden vielfach kleine, geheizte Räume, in welchen man wohlig warm die Speisen verzehren können.

Wir sehen weit und breit keinen Hop-on-hop-of Bus, also machen wir es wie die Eineimischen, wir fahren mit der Strassenbahn. Und weil ja jede davon früher oder später wieder im Zentrum einer Stadt landet, haben wir so eine wunderbare Stadtrundfahrt. Eine schöne Stadt, viele einladende Geschäfte, gemütliche Cafes, tolle Restaurant. Überhaupt Essen, wir lassen es uns richtig gut gehen, mit Überraschungsmenü und Weinpacket, vom Feinsten. Am letzten Abend beginnt es auch wunderbar zu schneien, ich freue mich wie ein Kleinkind. Leider zu früh. Am Morgen hat der Regen verlässlich alles weggeschwemmt.

Wieder zu Hause angekommen stellen wir fest, dass es richtig geschneit haben muss. Die Schneehäufen neben den Strassen müssen ja irgendwoher kommen.

Ob es heuer doch mal für weise Weihnachten reicht? Wie auch immer. Bald, bald bin ich unterwegs in die Wärme zum auftanken. Onki hat sein OK gegeben, einmal seit zwei Jahren lasse ich die Antikörpertherapie ausfallen. Wird schon gut gehen.

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