Vorbei

Meine Buchvernissage ist Geschichte.

Es ist ziemlich widersinnig, so etwas zu machen. Während Onki bemüht ist, dass ich noch ein bisschen beschwerdefrei leben kann, bin ich ziemlich sicher, dieser Abend hat mir einen respektable Zeit meiner Lebensspanne genommen. Drei Tage zuvor war essen für mich nicht mehr wichtig, Magenschmerzen sowieso, und geschlafen, sagen wir, so drei, vier Stunden. Und all die „netten“ Ratschläge, die man in einer solchen Situation erhält. Wobei, der mit der Line Koks hat mir noch am besten zugesagt. Auch auf Onki kann ich mich nicht verlassen. Lasse ihn wissen, wenn er kommt,,und er hat etwas dabei zu Beruhigung, ich würde alles schlucken. Zur Antwort erhalte ich ein Whiskeyglas. Das geht nicht. Meine Leber ist auf Medis eingestellt, nicht auf Alkohol..

Und was alles schief gehen kann. Rede ich zu langsam, zu schnell, verliere ich den Faden, stottere ich, langweile ich die Leute. Was habe ich mir nur angetan. Hier kommt mir nun in die Quere, dass ich oft, oft vorher rede, und dann überlege, was das überhaupt bedeutet. Und das ganze steht mir nun noch zwei Mal bevor. Meine Lebenserwartung schrumpft zusehends.

Einen kurzen Moment dachte ich, he, das wird eine Firmenparty. Überraschend viele von der Arbeit sind gekommen, was mich sehr, sehr freut. Mein Chef ist auch hier, und meine Chefchef. Es gibt Auftrieb, zu sehen, dass doch Interesse vorhanden ist. (Ok, vielleicht sind ein paar auch gekommen, weil ich jeden zugetextet habe, der nicht schnell genug um die Ecke war, wenn ich ihn gesehen habe).

Allerdings sinkt mein Mut zusehends, als ich sehe, wie viele Leute sonst noch kommen, Stühle werden noch aufgestellt. Wir, die Bibliotheksleiterin und ich, wir rechneten mit rund 60 Personen, und so viele Stühle sind auch aufgestellt, es werden die Hälfte mehr.

Vermutlich bin ich wie ein nervöses Huhn rum geflattert. Was daran gelegen sein mag, dass ich nervös war, nicht zu knapp, eigentlich fast zum Sterben. Und so beginne ich das ganze mit dem klärenden Satz „Falls ich zittere, bedeutet dies nicht, dass ich nun auch Parkinson habe“. Nicht, dass sich jemand noch unnötig Sorgen macht. Sonst wäre zur Not auch mein Onki unter den Zuhörern, er weiss, was Sache ist, wenn ich ein Problem hätte.

Und dann beginne ich, und denke, mir geht die Luft aus. Ich schnaufe, als ob ich gerade in den dritten Stock hoch musste. Hören das die Leute durch das Mik, frage ich mich? Es wird mit der Zeit besser. Irgendwann schaue ich auf die Uhr, und stelle fest, ich muss abkürzen, sonst wird dies zu lange.

Auch will ich es auf jeden Fall vermeiden, dass hier irgend jemand mit düsteren Gedanken nach Hause geht. Es reicht, wenn ich von Zeit zu Zeit übel dran bin wegen meinem Krustentierchen, dass muss niemanden sonst Kummer bereiten. So versuche ich, es nicht ganz toternst werden zu lassen. Später wird mir gesagt, dass es eine kleine Gruppe von Leuten gab, welche ziemlich oft und meist am ehesten gelacht hatten. Klar, mein Onki und die zwei Chemodamen. Sie wissen und wussten ja wie ich es meine, während andere sich vielleicht nicht im klaren waren, ob es „passend“ ist, zu lachen.

Nach der Lesung kauft doch der eine oder andere tatsächlich noch ein Buch und ich signiere. Als ich fertig bin, stelle ich fest, dass schon recht viele gegangen sind. Schade, ich wollte auch noch ein wenig mit den Leuten plaudern, irgendwie hatte ich keine Zeit hierfür.

Ich hatte treue Helfer für den heutigen Abend und bin einmal mehr dankbar, dass ich Leute an meiner Seite haben, die mir in meiner Situation beistehen.

 

 

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