Glück gehabt

Je länger je mehr bin ich dankbar, dass ich hier krank bin, und nicht in einem anderen Land. Alleine in der EU gibt es enorme Unterschiede in der medizinischen Versorgung. Ich höre von Wartefirsten für die Bestrahlung von über vierzig Tagen, von Gynäkologen, welche eine Patientin mit der Begründung nach Hause schicken, sie hätte erst in einem Monat wieder einen Kontrolltermin, dabei wollte sie den Knoten in ihrer Brust untersuchen lassen. Ich weiss von Personen, die hierher gekommen sind, um die Chemo hier zu machen, im eigenen Land weiss man nie, ob man nur eine Kochsalzlösung kriegt, weil das Zytostatika auf dem Schwarzmarkt vertickt wird. Da gibt es Ärzte, die einem sagen, man könnte ja woanders hin, einzig, weil man ein paar Fragen hat. Gefühlsmässig habe ich den Eindruck, dass es vor allem Professoren sind, welche es gar nicht gerne haben, wenn man nachfragt. Da lobe ich mir meinen Onki. Er treibt sich nicht ewig auf irgendwelchen Veranstaltungen rum um Vorträge zu halten usw., wenn, dann geht er auf Kongresse, um sich weiter zu bilden. Den Rest der Zeit ist er für seine Patienten da, und ich bilde mir ein, so bleibt er up to date.

Vor gar nicht all zu langer Zeit wurde mir auch gesagt, in die USA muss man, wenn man wirklich krank ist, dort seien sie auf Zack. Ja, mag stimmen, vorausgesetzt, man bringt genug Kleingeld mit. Der gewöhnliche Patient wird dort unter Umständen rudimentärst versorgt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich hier eine Top Behandlung erfahren darf, wenn ich im Internet rumstöbere, wird dass, was ich seit gut zwei Jahren mache als die Goldvariante gehandelt.

Da gibt es wohlhabende Leute, welche im drei-Wochen-Rythmus von ausserhalb der EU einfliegen, um an der hiesigen Uniklinik Chemo zu machen, aus dem gleichen Grund wie oben.

Klar, die Krankenkassenprämien sind extrem hoch hier. Was jedoch viele nicht sehen ist, die Versorgung hier ist top. Da muss man nur über die Grenze schauen, und es wird sehr viel anders. Alles, was bei uns so selbstverständlich ist, danach würde man sich im Ausland die Finger abschlecken. Auch hier ist es wie bei so vielem, erst wenn man es braucht lernt man es zu schätzen.

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Dieser Beitrag wurde am 8. März 2018 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare

2 Kommentare zu “Glück gehabt

  1. Hallo Adelheid,
    Mir gefällt dein Blog sehr gut, ich habe noch nicht alles gelesen, aber ich finde ihn sehr ehrlich und irgenwie in der Grundstimmung doch tapfer und positiv. Obwohl du oft über deine Ängste schreibst. Ich habe meine Diagnose im August 2016 bekommen, Lungenkrebs, Stadium 4. Das erste, was ich mir nach der Diagnose dachte ( und ich kenne auch noch den genauen Wortlaut, bei mir wurde er ergänzt um : um ihre Rente müssen Sie sich keine Gedanken mehr machen ;-)) war: ich will keine Angst haben! Ich will dieses Gefühl nicht spüren. Meistens klappt das ganz gut. Wie du geschrieben hast: wir haben ja auch keine andere Wahl, wir müssen mit unserem jetzigen Leben umgehen.
    Alles Gute
    Julia

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    • Hallo Julia
      Ja, da sind die Herren Onkologen doch ideenreich, wenn sie einem verklickern, dass es nicht ewig dauern wird. Bei mir hat es geheissen „Eine alte Frau werden sie nicht“. Ich habe oft Angst, mache diese aber mit mir selber aus, denn, wie ich geschrieben habe, es kann uns eh keiner helfen, oder uns irgendwie etwas abnehmen. Ich denke, oder hoffe, dass es mein Umfeld nicht sehr oft merkt. Ein Scheissspiel, unter’m Stirch.
      Wünsche Dir auch alles Gute
      Heidi

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