Vorbereiten

Der Entscheid steht, wir starten mit der zweiten Chemo. Wobei, Onki gibt den Auftrag zum reintrichtern, und ich lasse reintrichtern. Bei solchen Sachen kommt es doch sehr darauf an, auf welcher Seite man steht, auch wenn es eigentlich ein gemeinsamer Entschluss ist. Was soll’s, ich wusste es immer schon, seit dem ersten Tag meiner Diagnose hat mich Onki darauf vorbereitet, wenn die Progression weit (genug) fortgeschritten ist, steht wieder Chemo an. Wie schon mehrmals erwähnt, es handelt sich um eine zielgerichtete Therapie, soll angeblich nur die bösen Zellen – so gut es geht – zerstören. Und hoffentlich, oder vielleicht, auch ohne Nebenwirkungen. Meine zwei Perücken liegen sauber gewaschen im Schrank, falls ich wieder zum Glatzkopf mutiere sind diese wieder schnell im Einsatz. Man könnte auch sagen, zu meinen drei Antikörpern kommt wieder ein Medi dazu, eben, ein Zytostatika. Wird schon gut gehen, muss auch. Denn, Riga steht auf dem Plan, und bald danach das Okavango Delta. Notfalls mache ich mich mit einem Rollator auf den Weg. Ich will, ich will einfach dort hin.

Mit dem Methadon werde ich später beginnen. So wie ich von Onki gehört habe, hat dieses Mittelchen die Gabe, jeden in einen Kotzbrocken zu verwandeln. (Hört man natürlich nie in den Medien, dort wird immer nur das Beste, und noch ein bisschen Besser, mitgeteilt.) Dass ist nun etwas, was man auf Reisen nicht braucht, erbrechen.  Sonst eigentlich auch nicht. Versuchen werde ich es auf jeden Fall, Methadon, nicht erbrechen,  mit ganz, ganz kleinen Tröpfchen beginnend, und wenn dies gut geht, darf es mehr werden. Eigentlich habe ich einen Rossmagen. Während sich andere schon übergeben habe ich, wenn überhaupt, ein leichtes Völlegefühl. Also wird das wohl auch mit diesem mistigen Methadon funktionieren.

Im CT war ich auch. Es ist mir nicht ganz klar, warum ich in ein CT muss, bevor mit der Chemo los gelegt wird, immerhin war ich vor kurzem im PetCt. Und dies ist für mich eigentlich das Mass aller Dinge wenn es um bildgebende Untersuchungen geht. Muss ich Onki fragen, er wird mir das schon erklären können. War in zweieinhalb Jahren alles in allem neun Mal in der Röhre, MRI, PetCT, CT, das ganze Programm, und so war es auch dieses Mal nichts aufregendes. Eigentlich eine kurze Sache. Beim betreten der Umkleidekabine verweise ich auf meinen Port und meine Rollvenen. Die Augen der jungen Krankenschwester beginnen zu strahlen, und hören damit wieder auf, als sie erfährt, dass der Port nicht angestochen ist. Dumm gelaufen, weiss ich doch nicht, dass niemand hier fähig ist, diesen anzustechen. Eine altehrwürdige Krankschschwester kommt rein. Sie meint, sie versuche es nun einmal mit meinen Venen, und wenn es nicht klappt, sollte ich doch bitte zur Onkologie, um den Port anstechen zu lassen, sie will mich nicht plagen.  Für mich kein Problem. Sie ist diese Art von Schwester, die Gutmüdigkeit und Vertrauen ausstrahlt, und einem gleichzeitig Respekt abverlangt, da würde niemand zurückmaulen, bin ich mir sicher.  Sie tastet meinen linken Arm ab, ohne hin zu sehen. Sie muss die Vene spüren, nicht sehen, meint sie. Links läuft schon mal nichts. Sie versucht es rechts, mein Arm ist abgebunden, dass es schon richtig weh tut. Aber, ich schweige, Grund, siehe oben. Sie meint, etwas zu finden, sticht, stochert, wühlt unter der Haut, und es kommt und kommt und kommt kein Blut, sie wühlt weiter, und es läuft wie am Schnürchen, Ziel erreicht. Die Röhre selber dauert nur ein paar Minuten.

Danach ist meine Schwester im Plaudermodus. Ob ich noch bestrahlen muss? Schon erledigt, und Chemo? Die erste fertig, die nächste steht an. Ja, aber nun sei alles gut? Nein, ist es nicht, es wächst, und darum kommt die nächste Chemo. Sie will es wissen, sie ist vom Fach, also erzähle ich ihr kurz von meinen Ablegern. Und ich muss sagen, für einen Profi schaut sie doch ziemlich kariert drein. Werde doch nich die erste sein, die ihr so was erzählt? Was ich nun mache, Onkologie? Oder nach Hause? Nein, zur Arbeit, habe Spätschicht. Die Karos in ihrem Gesicht werden grösser. Wenn sie einen Arztbesuch hätte, sei der Tag für sie gelaufen. Na ja, kommt doch darauf an, was zu tun ist. Nur mal schnell auf einen CT – Schlitten liegen ist ja nun nicht wirklich die grosse Anstrengug, meine ich. Sie sieht das anders. Jeder wie er mag.

Nun also wieder warten bis zum nächsten Onki Besuch, und dann geht es weiter. Das neue Medi ist seit rund drei Jahren zugelassen, so denke ich, meine Behandlung ist nach wie vor top – und auch dementsprechend teuer. Das beruhigt mich ein wenig, noch lieber wäre es mir natürlich schon, wenn ich nicht in den Genuss dieser top Behandlung kommen würde.

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