Archiv | Mai 2018

Einzigartig

Nun bin ich also wieder zurück, zurück von meiner Safari, welche einfach nur genial war. Was genau, kann ich eigentlich gar nicht sagen, es war wohl das grosse Ganze.

Tiere zu sehen, wie sie friedlich und leise durch die Büsche ziehen, oder einfach nur die Gegend geniesen, es ist wunderbar. Wer hiervon nicht beeindruckt ist, muss schon ein ordentlicher Ignorant sein.

Ein Badezimmer im Freien hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist ganz klar, der Spiegel beschlägt nicht beim Duschen, und es ist auch nicht nötig, unter gewissen Umständen, das Fenster zu öffnen. Der Nachteil, oder sagen wir der spannende Teil ist eher, wenn man nächtens raus muss, ist man froh, wenn nur ein kleiner Frosch da sitzt und zuschaut. Bei den Nachbarn war es mal eine handteller grosse Spinne. Aber Spinnen, und Schlangen auch, huschen meist ab, wenn sie die Vibrationen des Menschen spüren. Wenn man in der dunkeln Nacht mal raus muss, und nach oben sieht, hat man den schönsten Sternenhimmel, den man sich vorstellen kann. Lernt man noch, dass knirschen und knacksen in den Büschen zu ignorieren ist es sensationell.

Ich bin einen bekennende Langduscherin, ich gebe es zu, hier verschwende ich gnadenlos Wasser, da bin ich im höchsten Grad unvernünftig. So ein Freiluftbadezimmer hingegen bewirkt irgendwie, dass sich die Dauer der Dusche aus einem nicht klar definierten Grund automatisch verkürzt.

Die erste Nacht im Zelt war eine Herausforderung. Meine Reisebegleitung schläft den Schlaf der Gerechten, und ich liege schwitzend mit einem gefühlten Puls von 250 unter der Decke. Da ist was draussen. Was Grosses. Was sehr Grosses. Ein kleines Tier macht nicht dermassen Lärm. Ich höre es knirschen und knacksen. Und natürlich gehe ich nicht nach draussen, um zu schauen, was es sein könnte. Es ist auch verboten, wenn es dunkel ist, sich noch auf dem Gelände herum zu treiben. Beim Frühstück werde ich erfahren, das war Big Sam, quasi der Campelefant. So ein, zwei Mal die Nacht macht er einen Spaziergang durch das Gelände, knabbert hier und dort an den Bäumen, krazt sich am öffentlichen Toilettenzelt, welches danach wieder Mal gerichtet werden muss, und lässt eine ordentliche Ladung hinten raus fallen, vorzugsweise mitten im Fussweg.

Wir sehen Zebras, Elefanten, Büffel, Antilopen,  (gemäss unserem Guide der Mc Donalds im Busch, billig, schnell zu haben und immer genug vorhanden), Buschratten, Flusspferde, einen Leopard (als sich bewegendes Gelb im Gebüsch), Affen, Warzenschweine, Giraffen, unzählige wunderbar farbige Vögel. Wir machen geführte Spaziergänge und lernen über Spuren und Pflanzen, es ist äusserst lehrreich und interessant.

Während mir in Australien schon mal ein Riesenkänguruh über die Strasse hüpfte, besteht hier der Wildwechsel aus Elefanten oder Giraffen.

Meine Blasenverkühlung nervt gewaltig. Ich stehe mit Onki in Kontakt (ja, Onki ist auch interkontinental für mich da), und er rät mir zu Antibiotika. Witzbold! Ich bin im Busch. Wie stellt er sich das vor? Und doch, im nächst grösseren Kaff fragen wir mal nach einer Apotheke. Klar, haben sie, und zwar 24/7. Wir sind mehr als beeindruckt. Mit der Nachricht von Onki bewaffnet machen wir uns auf den Weg. Tatsächlich, eines der vier möglichen Präperate, welche mir Onki geschickt hat, haben sie. Die zwei Damen fragen, für wie lange, fünf Tage, und ich kriege diese abgezählt. Ablaufdatum 2020, passt also. und sie helfen auch ruckzuck. Man kann die Einrichtung der Apotheke nicht beschreiben, so etwas muss man schon selber sehen.

Wir ziehen weiter, sind recht oft mit kleinen Flugzeugen unterwegs (vier Plätze) und geniesen. Das Essen ist wunderbar (da hat die Kolonialisierung ganze Arbeit geleistet), man kann das Wasser trinken, Salat essen ist überhaupt kein Problem, im grossen und ganzen alles sehr viel weniger exotisch, als ich es erwartet habe.

Zum Schluss landen wir wieder in Johannesburg. Meine Kollegin möchte in einen Laden, ich bin für die Stadtrundfahrt. Weil sie die Stadt doch recht gut kennt, trennen wir uns, und jeder macht das, wonach ihm gerade ist.

Die Innenstadt ist immer noch bedrückend, auch wenn Versuche unternommen werden, diese wieder für die Allgemeinheit attraktiv zu machen. An den Villen sehe ich mehr Stacheldraht als an mancher Ranch in den USA. Es gibt immer noch Viertel, bei welchen auch offiziell vom Besuch abgeraten wird. Von Reisebekanntschaften erfahren ich, es ist immer noch äusserst gefährlich, hier zu leben. Und wenn man dann noch ein weisser Mann ist, dann um so mehr. Die weisse Rasse, einmal mehr hat sie im höchsten Mass Schindlunder getrieben, Sachen gemacht, die man sich gar nicht vorstellen kann.

Wenn ich mir in Singapur das Raffles ansehe bin ich beeindruckt vom Bau und geniese diesen. Wenn ich in Afrika einen solchen Protzbau sehe, überkommt mich das schlechte Gewissen. Weil ich weiss, im Gegensatz zu Singapur, dass die Einheimischen unter Umständen nicht einmal fliesend Wasser zu Hause haben, von Strom wollen wir gar nicht sprechen. Meiner Meinung nach ist es noch immer so wie es mal war: Die (meisten) Weissen haben das Geld, klotzen damit rum und lassen es sich gut gehen. Die (meisten) Schwarzen arbeiten, vor allem die „niedrigen“ Arbeiten, und leben mehr als bescheiden.

Um so mehr bin ich überrascht, von der Herzlichkeit, mit dem einem die Schwarzen begegnen. Habe nicht das Gefühl, dass es aufgesetzt ist, oder weil sie auf ein dickes, fettes Trinkgeld warten. Und sie scheinen nicht unzufrieden, oder voller Neid, im Gegenteil. Und was ich mehr als interessant finde, das Wort „Burn Out“ ist ihnen nicht geläufig. Von diesen Leuten könnte man lernen, wenn man nicht so arrogant wären.

 

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Ziemlich nett

Der eine oder andere hat sich bei mir gemeldet, dass er mir mit einer Reisetasche aushelfen könnte. Das finde ich nun wirklich nett. Und ich frage mich, wenn ich am Ende vom Reisen noch Leben aber kein Geld mehr habe, kommen da auch solche Angebote rein? Es wäre auch wirklich nett, aber ich wage es zu bezweifeln.

Gestern war wieder mal Gift auffüllen angesagt. Und weil mein Kellergewölbe schon wieder rumzickt bin ich schlussendlich schon wieder mit Antibiotika entlassen worden. Diesmal mit einer Einmaleinnahme. Das dritte Mal Antibiotika in einem halben Jahr. Wird wohl nur eine Frage der Zeit zur Resistenz sein. Weil ich ja morgen mit der Malariaprophylaxe beginnen muss ist es vielleicht besser, wenn ich nicht noch Antibiotika nebenher verschlucke. Das da auch noch irgendwo ein Chemomittel und ein Antikörper in meinem Körper rumschwirrt – lege ich mal zu Seite. Wird schon passen. Und weil ich mit meiner Leber immer so nett bin, sie nicht übermässig mit Alkohol auf Schwung halte, wird sie das wohl auch auf die Reihe kriegen. Sie muss!

Die Chemo selber ist bis jetzt wirklich gut zu vertragen, und ich hoffe, es bleibt so. Vor zwei Jahren war es Chemo Nummer drei, die mich zum rumzicken gebracht hat. Also werde ich mich hier mal ordentlich zusammen nehmen.

Bin fast schon abreisefertig. Noch ein bisschen arbeiten, Geld wechseln, Medis holen, bügeln und packen, und schon kann es los gehen. Mir graut vor der Fliegerei. Je länger je mehr finde ich dies nur noch mühsam, auch wenn ich im Normalfall die Flüge verschlafe. Die Alternativen sind ja knapp bemessen, und so muss ich da durch.

Von Zeit zu Zeit nehme ich Schlafmittel. Wenn es ein paar Nächte gar nicht geht mit schlafen ist es eine wohltuende Sache. Und wie immer, im Internet werde ich fündig, wie gefährlich das Mittel sei, wie schnell man abhängig ist usw. usf. Ich kann nicht verstehen, dass es immer noch Menschen gibt, welche Schlafmittel einnehmen wie Tic Tac, schlussendlich überrascht sind, wenn sie abhängig werden, und dann ist der Arzt schuld, weil er es verschrieben hat. Kommt mir vor, als ob jemand die Autofirma anklagt, weil man zu schnell gefahren ist und einen Unfall gebaut hat. (Hat mir niemand gesagt, dass schnell fahren ein erhöhtes Unfallrisiko mit sich bringt!).  Medikamente machen nicht süchtig, erst der verantwortungslose Umgang damit, und den kann jeder selber beeiflussen.

Gestern hatte ich wieder einen Geistesblitz betreffend nächste Reise, und zwar die Antarktis. Wird halt noch länger  geflogen, aber was soll’s.

Nun harre ich also der Dinge, die mich da unten erwarten.

Vorbereiten

Afrika rückt näher, und dies und das muss noch erledigt werden.

Überraschenderweise kein Koffer, sondern eine Tasche muss ich mitnehmen. Irgendwo muss ich das noch auftreiben. Also sparsam mit Kleider. Wenn ich es eine Woche mit dem Motorrad kleidertechnisch schaffe, wird dies auch gehen. Medis, Mückenschutz, Impfpass, medizinische Unterlagen (falls frau in the middle of nowhere zum Arzt müsste!), und dann muss das passen. Flüge sind auch alle gebucht, und es sind deren viele.

Die Übernachtungsmöglichkeiten sind grundsätzlich recht chic, was mich aber mehr stresst, sie sind offen. Teilweise zur Wasserstelle hin, oder oben rum, also unter dem Dach. Das sieht super cool aus, aber kommen da nicht Viecher herein? Löwen & Co. merkt man ja ziemlich schnell und man kann dementsprechend reagieren. Mir graut mehr vor diesen kleine, leisen, schleichenden Viechern. Die Schuhe immer ausschütteln, bevor man rein schlüpft ist ja nun allseits bekannt. Super, und was, wenn ich einen Schuh ausschüttel, und da kommt irgend so einKrabbeltier raus?

Kollegen versuchen mich zu beruhigen. Eine ganz Liebe erzählt, sie hätte sich mal mitten in der Nacht im Bett aufgerichtet, und als sie Richtung Wasser schaut, sieht sie, wie ein Flusspferd den Kopf auf ihrer Veranda, also ganz ganau auf der Veranda ihrer Behausung, liegen hat. Dankeschön, wenn mich das nicht beruhigt, was dann?

Muss noch kurz vorher wieder zur Chemo, und dann kann es los gehen. Mal sehen wie das da unten zu und her geht.