Einzigartig

Nun bin ich also wieder zurück, zurück von meiner Safari, welche einfach nur genial war. Was genau, kann ich eigentlich gar nicht sagen, es war wohl das grosse Ganze.

Tiere zu sehen, wie sie friedlich und leise durch die Büsche ziehen, oder einfach nur die Gegend geniesen, es ist wunderbar. Wer hiervon nicht beeindruckt ist, muss schon ein ordentlicher Ignorant sein.

Ein Badezimmer im Freien hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist ganz klar, der Spiegel beschlägt nicht beim Duschen, und es ist auch nicht nötig, unter gewissen Umständen, das Fenster zu öffnen. Der Nachteil, oder sagen wir der spannende Teil ist eher, wenn man nächtens raus muss, ist man froh, wenn nur ein kleiner Frosch da sitzt und zuschaut. Bei den Nachbarn war es mal eine handteller grosse Spinne. Aber Spinnen, und Schlangen auch, huschen meist ab, wenn sie die Vibrationen des Menschen spüren. Wenn man in der dunkeln Nacht mal raus muss, und nach oben sieht, hat man den schönsten Sternenhimmel, den man sich vorstellen kann. Lernt man noch, dass knirschen und knacksen in den Büschen zu ignorieren ist es sensationell.

Ich bin einen bekennende Langduscherin, ich gebe es zu, hier verschwende ich gnadenlos Wasser, da bin ich im höchsten Grad unvernünftig. So ein Freiluftbadezimmer hingegen bewirkt irgendwie, dass sich die Dauer der Dusche aus einem nicht klar definierten Grund automatisch verkürzt.

Die erste Nacht im Zelt war eine Herausforderung. Meine Reisebegleitung schläft den Schlaf der Gerechten, und ich liege schwitzend mit einem gefühlten Puls von 250 unter der Decke. Da ist was draussen. Was Grosses. Was sehr Grosses. Ein kleines Tier macht nicht dermassen Lärm. Ich höre es knirschen und knacksen. Und natürlich gehe ich nicht nach draussen, um zu schauen, was es sein könnte. Es ist auch verboten, wenn es dunkel ist, sich noch auf dem Gelände herum zu treiben. Beim Frühstück werde ich erfahren, das war Big Sam, quasi der Campelefant. So ein, zwei Mal die Nacht macht er einen Spaziergang durch das Gelände, knabbert hier und dort an den Bäumen, krazt sich am öffentlichen Toilettenzelt, welches danach wieder Mal gerichtet werden muss, und lässt eine ordentliche Ladung hinten raus fallen, vorzugsweise mitten im Fussweg.

Wir sehen Zebras, Elefanten, Büffel, Antilopen,  (gemäss unserem Guide der Mc Donalds im Busch, billig, schnell zu haben und immer genug vorhanden), Buschratten, Flusspferde, einen Leopard (als sich bewegendes Gelb im Gebüsch), Affen, Warzenschweine, Giraffen, unzählige wunderbar farbige Vögel. Wir machen geführte Spaziergänge und lernen über Spuren und Pflanzen, es ist äusserst lehrreich und interessant.

Während mir in Australien schon mal ein Riesenkänguruh über die Strasse hüpfte, besteht hier der Wildwechsel aus Elefanten oder Giraffen.

Meine Blasenverkühlung nervt gewaltig. Ich stehe mit Onki in Kontakt (ja, Onki ist auch interkontinental für mich da), und er rät mir zu Antibiotika. Witzbold! Ich bin im Busch. Wie stellt er sich das vor? Und doch, im nächst grösseren Kaff fragen wir mal nach einer Apotheke. Klar, haben sie, und zwar 24/7. Wir sind mehr als beeindruckt. Mit der Nachricht von Onki bewaffnet machen wir uns auf den Weg. Tatsächlich, eines der vier möglichen Präperate, welche mir Onki geschickt hat, haben sie. Die zwei Damen fragen, für wie lange, fünf Tage, und ich kriege diese abgezählt. Ablaufdatum 2020, passt also. und sie helfen auch ruckzuck. Man kann die Einrichtung der Apotheke nicht beschreiben, so etwas muss man schon selber sehen.

Wir ziehen weiter, sind recht oft mit kleinen Flugzeugen unterwegs (vier Plätze) und geniesen. Das Essen ist wunderbar (da hat die Kolonialisierung ganze Arbeit geleistet), man kann das Wasser trinken, Salat essen ist überhaupt kein Problem, im grossen und ganzen alles sehr viel weniger exotisch, als ich es erwartet habe.

Zum Schluss landen wir wieder in Johannesburg. Meine Kollegin möchte in einen Laden, ich bin für die Stadtrundfahrt. Weil sie die Stadt doch recht gut kennt, trennen wir uns, und jeder macht das, wonach ihm gerade ist.

Die Innenstadt ist immer noch bedrückend, auch wenn Versuche unternommen werden, diese wieder für die Allgemeinheit attraktiv zu machen. An den Villen sehe ich mehr Stacheldraht als an mancher Ranch in den USA. Es gibt immer noch Viertel, bei welchen auch offiziell vom Besuch abgeraten wird. Von Reisebekanntschaften erfahren ich, es ist immer noch äusserst gefährlich, hier zu leben. Und wenn man dann noch ein weisser Mann ist, dann um so mehr. Die weisse Rasse, einmal mehr hat sie im höchsten Mass Schindlunder getrieben, Sachen gemacht, die man sich gar nicht vorstellen kann.

Wenn ich mir in Singapur das Raffles ansehe bin ich beeindruckt vom Bau und geniese diesen. Wenn ich in Afrika einen solchen Protzbau sehe, überkommt mich das schlechte Gewissen. Weil ich weiss, im Gegensatz zu Singapur, dass die Einheimischen unter Umständen nicht einmal fliesend Wasser zu Hause haben, von Strom wollen wir gar nicht sprechen. Meiner Meinung nach ist es noch immer so wie es mal war: Die (meisten) Weissen haben das Geld, klotzen damit rum und lassen es sich gut gehen. Die (meisten) Schwarzen arbeiten, vor allem die „niedrigen“ Arbeiten, und leben mehr als bescheiden.

Um so mehr bin ich überrascht, von der Herzlichkeit, mit dem einem die Schwarzen begegnen. Habe nicht das Gefühl, dass es aufgesetzt ist, oder weil sie auf ein dickes, fettes Trinkgeld warten. Und sie scheinen nicht unzufrieden, oder voller Neid, im Gegenteil. Und was ich mehr als interessant finde, das Wort „Burn Out“ ist ihnen nicht geläufig. Von diesen Leuten könnte man lernen, wenn man nicht so arrogant wären.

 

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