Archiv | September 2018

Neuigkeiten

Mein Husten ist übel und auch lästig, vor allem wenn ich arbeite nervt es nicht nur mich, wenn ich mich durch acht Stunden durchhuste.

Onki tippt auf Reflux, welcher anscheinend nicht immer weh tut, tun muss und verpasst mir Protonenpumpenhemmer, auch als Magenschoner bekannt. Den ersten Abend war ich begeistert, und nun huste ich wie immer, nehme aber brav die Dinger. Immerhin huste ich nicht mehr bis zum erbrechen, was ein anderes Problem auf’s Tapet bringt – mein Gewichtsverlust. Wenn ich so weiter mache läuft es unter Kachexie, rapide Gewichtsabnahme bei schwerer Krankheit. (Knapp 20% bis jetzt).Das wäre das Übelste, weil man dagegen nicht wirklich viel machen kann. Es erklärt aber auch meine extreme Müdigkeit.  Vielleicht krabbeln auch schon Tierchen beim Verdauungstrakt rum, die dass verstoffwechseln unterbinden. Oder es ist eine Folge meines reduzierten Appetits, und dass das Husten manchmal in einer gepflegten Körblerei endet? Ein Kotzschüsselchen ist fester Bestandteil meiner Schlafzimmereinrichtung geworden.

Ich will Onki meine neuen Knoten am Hals zeigen, bzw. spüren lassen, und bitte um sein Pfötchen. (Er murmelt, „Ich bin doch kein Hund“, Männer sind manchmal doch rechte Mimosen, finde ich). Er spürt sie auch, meint aber allen Ernstes, die wären schon länger hier gewesen, und nun merke ich diese, weil ich eben abgenommen habe, abnehme, und wie ich schon mal geschrieben habe, die Tumormarker gehen zurück.

Er setzt sein ernstestes Gesicht auf und meint, es wäre mal wieder Zeit für eine Röhre. „Ich war doch gerade eben“ wende ich lahm ein. Natürlich weiss ich auch, dass dies schon länger her ist, genauer gesagt im Januar. Normalerweise geschieht das PetCt im halb-Jahres-Takt. Ich habe auch schon daran gedacht, es wäre mal wieder Zeit, aber was wird es mir bringen? Zu wissen, was wieder schlechter geworden ist? Es zu vermuten, ist das eine, es schwarz auf weiss zu lesen das andere, und wenn es Onki bestätigt stehe ich regelmässig vor der persönlichen Kernschmelze. Und ich scheine eine Memme zu sein, ich gewöhne mich nicht daran an die immer mehr schlechten Nachrichten.

Überraschenderweise sagt er mir, die Knoten stören ihn nicht so sehr, mein Gewicht schon viel mehr. Da ist was, was gar nicht gut ist, und dabei sollte man „suchen bis gefunden“. Niemand im Geschäft, eigentlich gar niemand, macht mir, wie es doch eigentlich üblich ist, Komplimente für meine Gewichtsabnahme. Alles Feiglinge! (Und es zeigt mir, jeder hat mein Krustentierchen im Hinterkopf, habe ich ganze Arbeit geleistet.)

Also trabe ich einen Tag nach der Chemo zum PetCt. Und es macht mich platt, fix und foxi. Während ich früher so eine Röhre quasi zwischen Kaffee und Kuchen im Vorbeiweg mitnahm, schaffe ich jetzt fast nicht den Weg zum Auto im Parkhaus. Meine Arbeitskollegen sind richtige Goldschätze, und ich darf zu Hause bleiben. Und ich liege und schlafe, schlafe und liege den ganzen Tag, und auch die Nacht.

Und nun warten, wieder mal warten, was die Röhre sagt.

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Dieser Eintrag wurde am 22. September 2018 veröffentlicht. 5 Kommentare

Wirklich schön

war die Blumeninsel. Die Leute sind überdurchschnittlich nett, dass Essen sehr gut und auch günstig, und die Temperaturen einfach top. Ich habe gut daran getan den Ratschlag meine Kollegen ernst zu nehmen und ein Auto zu mieten mit ein bisschen mehr PS. Die Strassen sind wirklich rauf und runter. Aber mit Rückenwind, Schwung und Heimweh schafft man es im ersten Gang überall rauf. Einfach nicht halten müssen. 22 % Steigung finde ich für ein normales Auto doch schon ausreichend. Relativ schnell empfiehlt es sich auch, die Breite des Autos im Griff zu haben, weil, wie gesagt, stehen bleiben und wieder losfahren könnte eine Herausforderung werden. Ganz egal, wie gut man es mit der Handbremse im Griff hat. STOP’s werden von allen nur als gut gemeinter Ratschlag angesehen, die Meisten, eigentlich fast Alle, legen einen eleganten Rollstop hin. Grund: siehe oben. Weil man ordentlich von Natur umgeben ist, wird man auch von der Natur geweckt, von Hähnen. (Schreibt man das so?). Und nicht nur von einem, nein, da legen schon mal drei los, und testen auf die Schnelle zwei Stunden lang, wer es länger aushält. Wir umkreisen die Insel und nächtigen, wo es uns passt. Darf schon mal ein fünf-Stern-Schuppen sein, und das nächste Mal ein bescheidenes, dafür heimeliges B&B. Durch und durch schön, nicht zu viele Touristen, praktisch kein Rudelverkehr, wir fühlen uns wirklich wohl und sind uns einig: Es war die Reise wert.

Natürlich habe ich meinen treuen Begleiter stets mit dabei, mein Krustentierchen. Und ich ertaste nun auch auf der rechten Seite des Halses Knoten. Es lebt sich einfacher, wenn man ausgeglichen ist, sagt man. Lasse es Onki wissen, und bin fast ein wenig enttäuscht, dass er mir zu meiner Ausgeglichenheit nicht gratuliert. Auch hinter dem Ohr ist da was, was nicht sein soll. Es geht Richtung oben. Oh, das wird nicht gut enden.

Gut so

Habe also wieder mit den Blutverdünnernn begonnen, und mein Kellergewölbe ist brav. War also das Ganze nicht für nichts.

Lese einen äusserst interessanten Artikel über die Navy Seals. Das sind ja nun nicht gerade die Softies unter den Spezialeinheiten. Kurz wird über die erworbene (so sie nicht von Anfang an vorhanden war) Resilienz berichtet. Zwei, bzw. drei Sachen scheinen mir doch sehr logisch, und auch hilfreich für mich.

Erstens sollte man nie nach einem Schuldigen suchen, wenn einem etwas Schlimmes widerfährt. Damit gibt man sein Schicksal in fremde Hände, lässt es praktisch zu, dass andere über das eigene Leben bestimmen. Und damit ist Hilflosigkeit und Verzweiflung vorbestimmt.

Es ist nie der Körper, der aufgibt, sondern der Kopf. Das klingt natürlich zum Teil auch ein wenig plakativ aber hat sicher auch was. Was machen wir nicht manchmal für ein Theater um unseren Körper, und vergessen ganz und gar, wieviel der menschliche Körper durchmachen kann, und auch sich selbst heilen. (Muss ja nicht gerade von einem Krustentierchen sein…). Eine Kollegin erzählt mir, ein Zehen sei bei ihr ein wenig dicker, dass lässt sie nun abklären, tut nicht weh, gar nichts. Es wäre mir gar nicht aufgefallen, wenn sie es mir nicht gezeigt hätte. Natürlich kann man so auch nach Wehwehchen suchen, die eigentlich gar nicht weh tun.

Und zum Schluss nicht die ganze Aufgabe auf einmal gedanklich zu erledigen versuchen, sondern in kleinen Schritten. Ja, da kann ich nur zustimmen. Von Tag zu Tag lebe ich. Natürlich, manchmal frage ich mich, wie es zum Schluss sein wird. Aber regeln kann ich das jetzt noch nicht. Es kommt so oder so ohne grosse Einwirkung von mir.

Ich denke, der Mensch kann viel, wenn er muss. Natürlich, manchmal wäre es einfacher, sich gehen zu lassen, irgend jemanden das Leid aufs Auge zu drücken, welches man durchmacht. Doch haben wir das Recht dazu? Andere mit unseren Sorgen zu belasten? Jeder muss doch sein eigenes Leben geregelt kriegen. Und niemand kann einem die Sorgen und Probleme abnehmen. Nein, ich denke, es sollte schon jeder erst Mal für sich schauen.

So gönne ich mir mal wieder etwas schönes. Bald geht es los, eine Woche Ferien, bin ja schon viel zu lange zu Hause gehockt.

Fertig jetzt

Mein Kellergewölbe nervt, und zwar so sehr, dass ich mir von Onki einen Termin bei meinem Profischlitzer machen lasse. Mein Profischlitzer ist auch ein hervorragender Höhlenforscher, und von ihm erhoffe ich mir, dass da mal klar Schiff gemacht wird. Als ich meinem herkömmlichen Höhlenforscher sagte worum es geht, und dass dies mal kontrolliert werden sollte hat er grosszügig abgewunken. So mit Chemo, Blutverdünner usw. sollte sich das mal ein Spezialist ansehen. Bitteschön, bin ich also zum Spezialisten.

Es kann nicht angehen, dass ich mittlerweile zwei Monate non stop genervt werde von meinem Untergeschoss.

Porfischlitzer sieht sich das ganze mal an und ruckzuck schaufelt er mir einen Termin für eine kleine Restaurierung unten herum frei. Fünf Tage später bin ich im Spital. Vorschriftsmässig habe ich für den Eingriff und die entsprechende Narkose ab Mitternacht des vorherigen Tages nichts mehr gegessen und getrunken. Mein treuer Fahrdienst steht mir wieder treu zur Seite und so bin ich am Vormittag bereits im Krankenzimmer. Bevor ich mich umziehe mache ich noch einen kleinen Umweg über die Toilette, dann schlüpfe ich in mein Op – Kostüm.

Den Port habe ich schon in der Onkologie anstechen lassen. Die Damen dort schaffen es mit drei Promille immer noch besser als die Damen und Herren im Spital. Ist halt auch Übungssache.

Während der Port in der Onkologie brav seine Dienste tut, auch Blut hergibt, streikt dieser im Spital. Man versucht es über die Venen, muss auch zwei Mal rumstochern. Ich telefoniere mit der Onkologie, ob sie meine Blutproben noch haben, ich bin nicht mehr gewillt, etwas von meinem edlen Saft herzugeben. Doch, sie hätten die Proben noch, aber halt auch zu wenig, und wenn nötig kommt eine Chemodame selber vorbei und zapft mir noch was ab. Man versucht es nochmals im Spital und es klappt doch noch.

So liege ich also im Bett und warte, bis ich abgeholt werde. Eine Krankenschwester kommt mit einem kleinen Becherchen in’s Zimmer und meint, ob ich noch auf’s WC kann, sie sollten noch einen Schwangerschaftstest machen. Ich falle vor Lachen fast aus dem Bett. Ich streike, frage, ob sie meine Krankenakte gelesen hat. Eine Assistentsärztin kommt, und erklärt mir das ganze nochmals. Ich erkläre es ihr auch nochmals. Und wieder, ich kriege fast keine Luft vor lachen. Nein, mache ich nicht. Ich bin seit zweieinhalb Jahren auf der Zielgeraden in die Grube, und die kommen mir mit einem Schwangerschaftstest. Man möge doch bitte auch ein klein wenig gesunden Menschenverstand walten lassen. Doch, schlussendlich ist sie auch meiner Meinung. Unglaublich, man arbeitet nach Schema F und fertig und aus. Nicht mit mir.

Als ich in den OP komme stelle ich fest, alles nur Damen. Hm, da könnte man doch, wenn alles vorbei ist, gemeinsam losziehen und eine Flasche Prosecco köpfen?

Es geht alles gut, nach einer halben Stunde ist alles vorbei und ich komme in den Aufwachraum. Dort werde ich wunderbar mit Mittelchen zugedröhnt, und so schlafe ich den Schlaf der Gerechten. Schlussendlich doch wieder ins Zimmer, und so langsam kommen meine Beine und der Rest wieder zurück ins Leben. Etwas zu Essen kriege ich auch noch. Das war nicht so wichtig, aber trinken, bitte etwas zum trinken.

Mein treuer Fahrdienst kommt, und wir machen uns auf nach Hause. Keine Probleme, kein Kopfweh und was mir noch alles vorhergesagt wurde. Erledigt, nun hoffe ich nur, dass das Ganze auch den erwünschten Erfolg bringt. Wir werden sehen – wenn ich wieder mit den Blutverdünnern beginne.