Archiv | Oktober 2018

Genauer hinschauen

Ruckzuck lande ich in der Röhre. Es eilt, und zwar, weil diese ab nächster Woche umgebaut wird. Ja dann, gehen wir gleich am nächsten Tag. Ich beschwatze Onki, und so schickt er mir den Befund nach Hause.

Ich kämpfe mich durch die zwei Seiten. Es geht nicht mehr so lange wie zu Beginn meiner Diagnose. Da und dort zickt es wieder. Als ich nach drei Wochen bei Onki sitze, sind wir uns ziemlich einig beim Befund. Meine Arterien sind verkalkt, die Herzgefässe auch, und Onki sprüht vor Charme, dass sei mein Alter. Oder aber, weil ich ja Kalzium für gegen meine Knochenmetas schlucke. Und das muss ich weiterhin nehmen, da hat Onki kein Musikgehör. Wasser habe ich auch, ein bisschen auf der Lunge, am Herzen und in der Bauchhöhle. Der Harnabfluss ist weiterhin gestört, aber dass ist ja schon recht lange so. Auch kein Problem, dass man gerade angehen muss. Knoten am Hals wachsen. Dafür brauche ich keine Röhre, da reichen mir meine Finger, die das ganze ertasten können. In der Bauchhöhle wachsen sie auch, die Lymphknoten. Die Schilddrüse ist vergrössert und mein Krustentierchen hochaktiv. Aber die Lunge, meine Lunge zickt im Groben.

Zwei Möglichkeiten bietet mir mein Onki an. Es ist eine medikamtentöse Entzündung, welche als Nebenwirkung meiner Behandlung relativ gut behoben werden kann, oder Krustentierchen steppt in meiner Lunge. Meine Lunge sehe aus wie nach einer Lungenentzündung, meint Onki. Obwohl, Onki murmelte so nebenher, „wenn es de r Tumor ist, dann wollen wir es besser gar nicht wissen“. Das sagt etwas aus, finde ich.

Dann wäre da natürlich auch mein Husten, welcher wirklich langsam übel wird. Manchmal geht es mit dem Erbrechen im Bett so schnell, dass ich es nicht mal schaffe, aufzusitzen. Dann komm ich mir ein bisschen vor wie ein Römer. Diese sind ja bekanntlich zu Tisch gelegen, bzw. hatten recht viele wüsten Gelage. Nun, ich liege nicht zu Tisch, ich liege quasi zu meinem Kotzkübelchen.  Die meisten wissen es wahrscheinlich, erbrechen macht sehr, sehr müde. Wenn ich es dann schaffe, kurz danach einzuschlafen, bevor die nächsten Hustenserie weiter geht, ist alles ok, ansonsten beginnt das Spiel von vorne.

War heute also im Spital, und dachte, eigentlich zur Lungenspiegelung. Aber nein, es war die Vorbesprechung, und ein Lungenfunktionstest. Noch zwei Tage, dann wird meine Lunge unter die Lupe genommen. Und auch eine Gewebsprobe entnommen. Das Zauberwort ist auch gefallen. Narkose. Das passt mir, muss ja nicht mitkriegen, wie die da durch die Nase in meinen Körper reinstochern. Einmal mehr oder weniger ins Spital, oder halt wieder eine Narkose, egal. Mal sehen, was war da in diesem Jahr neben den üblichen drei-wöchentlichen-Therapien? 2 PetCt, 1 Lungen Ct, 1 Hirnscan, 1 Höhlenforschung, und auch eine Renovierung derselben, und nun halt die Lunge. Geht noch.

Krank sein bildet, finde ich. Nun weiss ich, dass die Pneumologie die Abteilung für den Atemlappen  ist. Da ist logischerweise mein Pneumologo mein Pneumi. Und er sagte etwas nicht sehr Nettes. Er vermutet, dass es an meinem Tumor  liegt. Wie kommt er darauf? Weil der Asthmaspray meine Sauerstoffsättigung nicht erhöht hat. Meine Lungenwege sind gut 40% verengt wegen zu dicker Schleimhaut. Der Tumor kann sich als Knoten verbreiten, oder über die Atemwege. Und über die Atemwege ist es ganz dumm zu behandeln.

Es war übrigens äusserst interessant zu sehen, wie das Interesse von Pneumi an mir (oder meiner Krankengeschichte?) gestiegen ist. Hatte den Eindruck, dass er zuerst dachte, oh nein, schon wieder eine untrainierte Raucherin. Habe zu Beginn zugehört, und so nach und nach ein paar  Sätze eingeworfen. Und man staune, zum Schluss hat er sogar das Eine oder Andere aufgeschrieben.

Und ich kann meinen Mund nicht halten und meine „Ihr Ärzte schreibt doch alles gleich“. Er meint, es sei arabisch. Ach, woher er den komme? Aus dem Libanon. Diese Nationalität ist mir in den letzten drei Jahren noch nicht unter gekommen. Aber auch hier, ein sehr netter Mensch.

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Dieser Eintrag wurde am 17. Oktober 2018 veröffentlicht. 2 Kommentare