Eines mehr

Weihnachten ist vorbei und es war friedlich und schön. Schöner wäre es mit Schnee gewesen, aber das habe ich ja schon geschrieben.

Nach meiner Ankunft zu Hause schwinge ich mich ins Auto und schaffe es noch pünktlich zu Onki. Wir kommen – wie so oft – ins plaudern, und auch ins lachen, wobei ich ihn dieses Mal richtig zutexte, und er hört mir meiner Meinung nach interessiert zu. Oder ist er nur höflich? Nach drei Jahren noch der Höflichkeit halber zuhören? Kaum, denke ich mir. Das obligatorische Telefonat seiner Vorzimmerdamen das es halt jetzt Zeit wäre usw. bringt uns Beiden ein Schmunzeln ins Gesicht.

Irgendwann kann auch ich nicht weichen, und wir kommen zu meinem Krustentierchen. Die Bebelie wegen der neuen Chemo sind erträglich, also die spürbaren. Von Zeit zu Zeit immer noch Nasenbluten, was praktisch ist, wenn man am staubsaugen ist. Da sieht man gleich, wo man schon durch ist. Ansonsten ist es halt eher eine kleine Schweinerei, wenn kein Taschentuch innert nützlicher Frist greifbar ist.

Mein Blut zickt rum, ganz genau die Thrombozyten, also die Blutplättchen. Blutplättchen sind die erste Barriere, die sich im Körper bildet, wenn man irgendwo blutet. Bei mir haut das nicht mehr so richtig hin. Eine klitzekleine Wunde, vor sechs Tagen passiert, blutet zum Teil immer noch. Aber meine Chemodamen schauen gut auf mich. Habe nun eine Art Lack, um mir kleine Risse und / oder Schnitte zuzupinseln. Brennt ordentlich, aber das ewige Geschmirre vom Blut ist einfach lästig, also bin ich ein wenig unter die Maler gegangen. Das meine Fingerspitzen vereinzelt aufplatzen ist meinem Hand-Fuss-Syndrom zu verdanken. Während es bei meiner ersten Chemo noch an den Füssen rumlungerte, scheint es sich nun an den Händen breit zu machen. Neben aufgeplatzter Haut werden die Fingerspitzen taub. Weh tut es trotzdem. Wie geht das?? Bin von meinen Chemodamen mit medizinischer Hautpflege eingedeckt bis unter den Rand. Die etwas kühleren Temperaturen, und die trockene Heizungsluft in den Räumen wird wohl auch nicht das Beste für meine Haut sein.

Aber die fehlenden Thrombozyten machen ernsthaft Sorgen. Und so will mich Onki in zwei Wochen wieder sehen. Es gibt zwei Möglichkeiten, warum meine Blutwerte in den Keller sinken. Das erste wäre die gute, alte Chemo. Niemand, kein Onkologe und kein Patient weiss, was diese in einem Körper für Nebenwirkungen hat. Und so war Onkis Vorschlag, unter Umständen diese ein wenig zu reduzieren. Haben sich hingegen die Ableger in den Knochen, und somit auch in der Wirbelsäule, welche ja für die Produktion des Blutes hauptsächlich zuständig ist, breit gemacht, ist nicht mehr genug Platz für die Blutproduktion. Und Knochenableger habe ich seit Beginn an. Da überlege ich mir, Bestrahlung, damit die Dinger in der Wirbelsäule zurück gehen? Oder Chemo reduzieren, wenn es eine medikamentöse Nebenwirkung wäre? So oder so, es ist misslich. Mal schauen, was Onki für Ideen hat.

Die schlechten Nachrichten kommen bei mir seit rund drei Jahren. Die Abstände werden kürzer, scheint mir. Und ich habe nicht mehr die Kraft, den Willen, oder ich sehen keinen Sinn mehr darin, bei jeder schlechten Nachricht auszuzucken. Weil es eh nichts bringt. Im grossen und ganzen scheinen die Bebelie in meinem Körper rundherum zuzunehmen. Nicht im grossen Stil, aber sie schleichen daher, dass steht fest.

Und so kommt mir eine neue Art zu sterben in den Sinn. Innerlich verbluten. Sämtliche Gefässe haben regelmässige kleine Risse, welche auch sofort wieder „zugestopft“ werden, vorteilsweise von vorhandenen Thrombozyten. Wenn diese nun ihre Arbeit nicht mehr tun, tun können, wäre es wohl nicht so abwegig. Mal Onki fragen.

Mein Port ist momentan im Ruhestand, will heissen, er wird für die aktuelle Chemo nicht benötigt. So wie mir Onki gesagt hat, wird das wohl wieder ändern. Vielleicht sollte ich mal fragen, ob man die Leitungen mal durchspülen sollte, damit siese offen bleiben? Auch hier, mal Onki fragen.

Neues Jahr, neues Glück. Auf jeden Fall wünsche ich das Allen.

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