Schauen wir

I feel I’m falling apart cause I know I’ve lost my guardian angel.

Wo ist er hin, mein Schutzengel? Kaum kriegen die Buben was zu tun, verkrümmeln sie sich. Typisch Mann. Es ist schon unglaublich, zu was für Schmuseliedern ich mich manchmal verleiten lasse. Aber manchmal sind sie halt gut für’s Gemüt, für meines zumindest.

Onki will mich nach einer Woche nochmals sehen. Meine Erfahrung sagt mir, nicht wegen meinem lieblichen Wesen, schon eher wegen meinen misserablen Blutwerten. Das Hämoglobin schiesst durch die Decke, was noch kein grosses Problem ist, die Thrombozyten verkriechen sich hingegen im Keller. Das hingegen könnte ein Problem werden. Noch ein bisschen weniger, und ich habe gute Chancen auf innere Blutungen. Als ob ich das brauche!! Nachdem ich eines meiner Chemomitteln abgesetzt habe, eine Woche länger als normal, schauen wir mal. Wenn sich der Wert normalisiert hat, wissen wir, die böse Chemo war’s. Wenn nicht wird es Essig, dann kann gut sein, dass meine Knochen es nicht mehr so genau nehmen mit der Blutproduktion. Was dann geschieht, gemacht werden kann, weiss ich auch nicht. Chemo kann man ja immer noch wechseln. Chemos werden mich, wie die letzten Jahre, ohnehin bis auf weiteres begleiten.

Onki kann sich meine Blutwerte (noch) nicht erklären. Passt! Ich bin nicht hier, um sein Leben einfacher zu machen. Aber er macht sich Sorgen, auch wenn er es zu verbergen sucht. Sonst würde er mich nicht nach einer Woche nochmals sehen wollen. Ich versuche solche Gedanken zu ignorieren, geht manchmal gut, und manchmal gar nicht.

Onki hat mir auch verraten, warum er mir das vorletzte Mal einen Kaffee gebracht hat. Ich hätte halb geschlafen und wenig geredet. Schweigsam zu sein ist nun nicht meine grösste Tugend, ja, sowas könnte schon auffallen. Das letzte Mal nun hat er Kuchen angeboten. Das Timing lässt zu wünschen übrig! Einmal Kaffee, einmal Kuchen, dass gehört doch zusammen, finde ich.

Mein Ferienmonat ist vorbei, und brav sitze ich wieder da wo immer zum Brötchen verdienen. So ein Monat ist praktisch, habe mich quasi durch meine Familie, Bekannte und ehemaligen Arbeitskollegen durchgefüttert, durchfüttern lassen. Bei meinem Schlummereltern hingegen waren die Sitten rauh. Morgens einmal 11 Grad im Zimmer (das ich gebeten habe, die Heizung zu reduzieren und ich das Fenster über Nacht immer einen Spalt öffnete sei hier nur am Rande erwähnt). Und fast immer wurde ich mit einem klopfen und „Hauskeeping“ geweckt. Nicht mal ausschlafen ging. Na ja, vielleicht sind andere um zehn Uhr morgens bereits fit?? So ist es ja kein Wunder, dass ich mich mit dem Auto (welches mir ein lieber Bekannter für den Monat zur Verfügung stellte) öfters auf und davon machte. Wenn ich abends doch hin und wieder zu Hause war, habe ich (versucht) den Kochlöffel zu schwingen. Ein warmes Essen am Abend ist ja nicht das Schlechteste. Meine Schlummerletern waren entweder so hungrig oder so höflich, auf jeden Fall wurde immmer alles verputzt.

Ich kann es drehen und wenden wie ich will, der Gedanke an mein Krustentierchen reist immer mit, egal wo.

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