Archiv | April 2019

Gespiegelt

Nun habe ich es hinter mir. So eine Magenspiegelung ist ja nun nicht wirklich keine grosse Sache. Frühmorgens flitze ich noch schnell zur Onkologie um eine Portnadel setzen zu lassen. Mein treuer Fahrdienst wartet zu Hause schon auf mich, und los geht es. Pünktlich, also eigentlich eine viertel Stunde zu früh, stehe ich bei der Praxis vor verschlossenen Türen. Teamsitzung sei angesagt. Aha! Kontrolliere nochmals meinen Terminkalender, und es scheint, als ob ich am rechten Ort zur rechten Zeit bin. Also ganz Ladylike mit weisser Hose auf die Treppe gesessen und warten. Es kommen Leute rauf, und wieder runter, manche bleiben auch vor der Türe stehen, und schlussendlich sind wir eine fröhliche Runde, welche sich Gedanken macht, ob eine eineinhalbstündige Teamsitzung Anlass zur Sorge sein kann oder auf ein besonders fideles Team hinweist.

Die Türe geht auf, und wir marschieren alle rein. Bin mit Gipfeli bewaffnet. Mir wurde nach der Spiegelei ein Kaffee zugesagt, und weil mein telefonischer Vorschlag nach Brunch keinen Anklang gefunden hat, grösstenteils aus zeittechnischen Gründen, bringe ich halt Gipfeli für die Runde mit – die gut ankommen.

Rein ins Untersuchungszimmer, wo ich verkabelt werde. Still und leise frage ich mich, wie oft ich die ganze Litanei wohl schon hatte. Je länger ich friedlich auf auf der Britsche liege, umso besser wird mein Blutdruck, geradezu vorbildlich. Und die Sauerstoffsättigung liegt bei 100%. Mehr geht nicht. Meine, von Ablegern durchzogene Lunge, arbeitet immer noch top. Langsam bin ich mit der Funktionsweise meines Körpers überfordert.

Die überaus hübsche und nette Arzthelferin (hierfür gibt es sicher einen fachlicheren Ausdruck, welcher mir aber nicht einfällt) und ich plaudern vor uns hin und lachen viel. Schliesslich kommt auch mein Spiegeldokti, erzählt mir noch dies und das über die Spiegelung, und ob ich noch Fragen habe. Nö, wäre ja alles in den Unterlagen, welche sie mir zugesandt haben, gestanden. Einzig, als ich mich auf die Seite drehen musste, fragte ich warum. Falls man hustet, und oder die Zunge sonst verschlucken könnte. Ja dann. Kriege noch etwas in den Mund, um diesen offen zu halten, eine Maulsperre, oder so. Und da ist fertig mit reden. Als ich noch etwas sagen wollte, lalle ich rum wie mit 3 Promille, also schweige ich für einmal.

Die Infusion hängt an meiner Portleitung, und wir sehen uns in die Augen, mein Spiegeldokti und ich. Mir scheint, er wartet, dass ich weg trete, und ich denke, so einfach liege ich nicht flach. Aber natürlich, er hat da noch etwas in der Hinterhand. Spritzt noch ein wenig vom Narkosemittel nach, und schon war es um mich geschehen.

Irgendwie habe ich das Gefühl, ich spüre die Rumstocherei trotz Narkose. Weh tut auf jeden Fall nix. Nach ca. 10 Minuten bin ich wieder wach, werde entkabelt und torkle von der Britsche runter. Der Kaffee mit einem Gipfeli steht schon bereit. Mein treuer Fahrdienst auch.

Nun noch warten, ob und was er gesehen hat. Wenn er nix gesehen hat, wäre es das erste Mal, dass ich quasi umsonst und hypochondermässig beim Arzt war. Aber natürlich nicht. Habe mir ein Zwölf-finger-darm-geschwür eingeheimst. die gereizte Magenschleimhaut geht im Vorbeiweg mit. Es liegt im Bereich des möglichen, dass meine 20 Minz, welche ich seit einem runden halben Jahr schlucke, da nicht ganz unschuldig waren.

Mein treuer Fahrdienst bringt mich zur Onkologie, die Portnadel muss raus. Muss immer wieder schmunzeln, wie so „Laien“ doch Respekt vor einem Port und dessen Handhabe haben. Ich erzählte der Chemodame, was man raus gefunden haben, und flugs huscht sie in Onkis Büro, weil „das muss er wissen und mit ihnen besprechen“. Dann halt. Wobei, das Geschwür habe ich ja schon….

Die Nadel ist raus, und ich sitze und warte vor mich hin im Wartezimmer. Onki kommt und bittet mich in sein Büro. Er weiss schon, was los ist mit mir. Und weil ich ihm die anderen Bebelie, welche mich schon länger nerven, noch um die Ohren schlage, und das mir das ganze langsam zum Hals raushängt, (Blasen an den Füssen, Einblutungen ins Gewebe, Zahnfleisch, Nasen bluten auch, so wie im Gesicht  und am Kopf, Körperschmerzen, vor allem frühmorgens, dass ich mir schon fast einen Rolator mit Blindenhund her wünsche, sowie zum Teil taube Hände, und auch steife Finger einer gichtkranken 90-jährigen) lenkt er überraschend ein.

Was ist mit Onki los? Wenn Onki medizintechnisch nett wird, ist Vorsicht geboten, höchste Vorsicht. Dann ist die Lage ernst. Weil ich doch sehr lange sehr brav alles immer mitgemacht habe und brav geschluckt usw. (ja, 3 1/2 Jahre Chemo ist kein schlechter Schnitt, finde ich), meint er, zwei Wochen Päusschen mit dem Gift. Ja, so einen Onki hat man doch glatt wieder gerne. Einzig bei den Magenschonern geht er mit dem Spiegeldokti nicht einig. Während dieser meinte, ich kann auf ein viertel runter reduzieren, sagt mir Onki zwei Mal, ich soll diese weiter nehmen, denn „Spiegeldokti weiss nicht, wie lange sie schon darunter leiden). Nein, natürlich weiss das nur Onki, und natürlich hat er nicht Spiegeldokti gesagt.

Es läuft eigentlich immer gleich ab. Irgendwann erzähle ich Onki von einem Beblie. Atemnot und Husten, starke Blutungen, oder so wie in diesem Fall Magenschmerzen. Er notiert es immer mit im Gesprächsprotokoll. Und diese Jammerei von mir zieht sich dann so zwei, drei Monate hin, bis es mir reicht, und ich ihn bitte, mir einen Termin bei dem betreffenden Spezialisten zu arrangieren. Noch nie hat mir Onki ein solches Anliegen ausreden wollen, nicht ernst genommen, mir versucht einzureden, dass sei nun doch etwas übertrieben. Im Gegenteil, wenn ich Klartext rede, geht es ruck-zuck mit den Terminen. Noch nie über eine Woche gewartet.

Er hat mir sogar mal gesagt, ich kenne doch meinen Körper am besten, und weiss, was wann nötig ist. Wenn er mir da nur nicht zuviel zutraut.

Wobei er schon auch mit hinterlistigen Sachen gekommen ist. PetCt’s kommen immer von ihm, die Schilddrüsenpunktion ebenso wie der Hirnscan. Er bringt dann meist Sachen ins Spiel, an die ich noch gar nicht gedacht habe. Ich bin wohl eher für den Hausgebrauch die Ideengeberin…

Auf jeden Fall nehme ich nun brav zwei Mal täglich die Magenschoner und es geht recht gut. Internet sagt, so ein Geschwür braucht schon länger, um abzuheilen. Und wenn es bakteriell ist, dann wird noch mit einem Antibiotika drauf geschossen. Auf diesen Test warte ich noch, wobei mir Spiegeldokti sagte, dass dies bei mir eher nicht der Fall sei. Ja was, ehrlich, es gibt etwas, dass ich mir nicht zu 100% eingefangen habe? Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Ich kriege noch Besuch, welcher mir den Rest des Tages wunderbar vertreibt. Wunderbar, und wie gesagt, so eine Magenspiegelung ist recht beschaulich.

 

 

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Spiegeln

Mein Magen zickt rum, und ich beginne nun doch, meine 16 Minz mit vier zusätzlichen pro Tag aufzuwerten. Kommt ja nun auch nicht mehr drauf an. Magenschoner und Schmerzmittel. Habe die Nase voll vom aufstehen in  der Nacht und Bananen und Joghurt essen. Das tut meinem Mäglein irgendwie gut. Meiner Nachtruhe hingegen nicht.

Ich bitte Onki, mir raschestmöglich einen Termin beim Spiegeldokti zu organisieren, und zack, die Woche drauf. Wenn ich manchmal höre, wie lange jemand auf eine Untersuchung warten muss, kann ich nicht klagen. Ok, wenn ein Onkologe einen Termin anfragt, kann dies evtl. schon dringender behandelt werden wie von einem Hausarzt. Auch wieder so ein Privileg, auf welches ich gerne verzichten würde. Schiebe den Termin doch noch aus arbeitstechnischen Gründen. Dank den Medis kann ich auch wieder durchschlafen, also ist ein bisschen später auch ok.

Mein Port wird auch wieder mal, eigentlich alle drei Monate, mit Rohr frei durchgeputzt. Er funktioniert immer noch tadellos. Biete bei der Terminschiebung an, meinen Port in der Onkologie anstechen zu lassen und verweise auf meine lausigen Venen. So wie es aussieht, wird dies gewünscht. Vermutlich nimmt man einer Langzeitkranken ab, wenn sie sagt, sie hätte schlechte Venen, und das praktisch jeder zwei Mal versucht….

Ich melde in der Onkologie Bedenken an, da ich nun schon bald eine Woche Schmerzmittel und Magenschoner nehme, Bedenken, wegen Abhängigkeit und das ich immer mehr  nehmen muss, damit die Wirkung bleibt. Nun ich werde nicht gerade ausgelacht, aber man gibt mir doch zu verstehen, dass dies nun mein kleinstes Problem ist. Ja, schon klar. Ich weiss, dass es Personen gibt, die jahrelang Schmerzmittel einwerfen, schlimmstenfalls sich nur wohl fühlen, wenn sie was zum jammern haben. Vor meiner Erkrankung habe ich allenfalls eine Schmerztablette genommen am ersten Tag meiner Periode, und das war es. Keine Kopf-Knie-Schulter-Rückenschmerzen, also die üblichen Verdächtigen haben mich nie belastet. Das tun sie auch jetzt nicht.

Und ein Satz bleibt mir ganz gut in Erinnerung – wenn es meine Lebensqualität verbessert, warum nicht nehmen. Ja, das leuchtet auch mir ein, also, Drogen zu mir. Bin mittlerweile doch recht gut ausgestattet mit den kleinen Dingern. Und vor allem, es sind nicht die Hausfrauenvarianten, schon die verschärfte Version, will heissen rezeptpflichtig.

Mein Kopf juckt wie verrückt, und ich stelle fest, da sind recht viele kleine, schwarze Punkte. Also hat mein Halsverschluss wieder mal ein bisschen vor sich hingeblutet. Im Gesicht sehe ich es ohnehin täglich, meist morgens nach der Dusche. Es gibt Schlimmeres. Und wenn immer ich ein neues Problem auftauchen sehe, reisst es mich nieder. Und mit der Zeit sage ich mir dann, was solls, noch keine Schmerzen, also alles gut.

Bei meinem Magen mache ich mir schon Sorgen, und dachte mir, evtl. Ableger. Aber nein, Ableger im Magen tun lange nicht weh. Prima. Also nur ein Magengeschwür, oder eine gereizte Magenschleimhaut. Oder hypochondermässig gar nix zum finden? Auch habe ich gelernt, dass man Menschen mit schweren Unfällen automatisch Magenschoner gibt. Schlichtweg weil Sorgen und Ängste auch die Schleimhaut reizen kann. Ja, es wäre möglich, dass ich mich manchmal mit ein bisschen Sorgen und Ängste herum schlage. Aber warum beschwert sich mein Magen erst nach dreieinhalb Jahren?

Manchmal finde ich, es wäre schon praktisch, wenn man wie beim Auto auch beim menschlichen Körper einen Compi anschliessen kann, die Fehlermeldung feststellt, und dann eine Sicherung z. B wechseln, und fertig. Aber nein, wir sind natürlich etwas komplizierter gestaltet.