Spiegeln

Mein Magen zickt rum, und ich beginne nun doch, meine 16 Minz mit vier zusätzlichen pro Tag aufzuwerten. Kommt ja nun auch nicht mehr drauf an. Magenschoner und Schmerzmittel. Habe die Nase voll vom aufstehen in  der Nacht und Bananen und Joghurt essen. Das tut meinem Mäglein irgendwie gut. Meiner Nachtruhe hingegen nicht.

Ich bitte Onki, mir raschestmöglich einen Termin beim Spiegeldokti zu organisieren, und zack, die Woche drauf. Wenn ich manchmal höre, wie lange jemand auf eine Untersuchung warten muss, kann ich nicht klagen. Ok, wenn ein Onkologe einen Termin anfragt, kann dies evtl. schon dringender behandelt werden wie von einem Hausarzt. Auch wieder so ein Privileg, auf welches ich gerne verzichten würde. Schiebe den Termin doch noch aus arbeitstechnischen Gründen. Dank den Medis kann ich auch wieder durchschlafen, also ist ein bisschen später auch ok.

Mein Port wird auch wieder mal, eigentlich alle drei Monate, mit Rohr frei durchgeputzt. Er funktioniert immer noch tadellos. Biete bei der Terminschiebung an, meinen Port in der Onkologie anstechen zu lassen und verweise auf meine lausigen Venen. So wie es aussieht, wird dies gewünscht. Vermutlich nimmt man einer Langzeitkranken ab, wenn sie sagt, sie hätte schlechte Venen, und das praktisch jeder zwei Mal versucht….

Ich melde in der Onkologie Bedenken an, da ich nun schon bald eine Woche Schmerzmittel und Magenschoner nehme, Bedenken, wegen Abhängigkeit und das ich immer mehr  nehmen muss, damit die Wirkung bleibt. Nun ich werde nicht gerade ausgelacht, aber man gibt mir doch zu verstehen, dass dies nun mein kleinstes Problem ist. Ja, schon klar. Ich weiss, dass es Personen gibt, die jahrelang Schmerzmittel einwerfen, schlimmstenfalls sich nur wohl fühlen, wenn sie was zum jammern haben. Vor meiner Erkrankung habe ich allenfalls eine Schmerztablette genommen am ersten Tag meiner Periode, und das war es. Keine Kopf-Knie-Schulter-Rückenschmerzen, also die üblichen Verdächtigen haben mich nie belastet. Das tun sie auch jetzt nicht.

Und ein Satz bleibt mir ganz gut in Erinnerung – wenn es meine Lebensqualität verbessert, warum nicht nehmen. Ja, das leuchtet auch mir ein, also, Drogen zu mir. Bin mittlerweile doch recht gut ausgestattet mit den kleinen Dingern. Und vor allem, es sind nicht die Hausfrauenvarianten, schon die verschärfte Version, will heissen rezeptpflichtig.

Mein Kopf juckt wie verrückt, und ich stelle fest, da sind recht viele kleine, schwarze Punkte. Also hat mein Halsverschluss wieder mal ein bisschen vor sich hingeblutet. Im Gesicht sehe ich es ohnehin täglich, meist morgens nach der Dusche. Es gibt Schlimmeres. Und wenn immer ich ein neues Problem auftauchen sehe, reisst es mich nieder. Und mit der Zeit sage ich mir dann, was solls, noch keine Schmerzen, also alles gut.

Bei meinem Magen mache ich mir schon Sorgen, und dachte mir, evtl. Ableger. Aber nein, Ableger im Magen tun lange nicht weh. Prima. Also nur ein Magengeschwür, oder eine gereizte Magenschleimhaut. Oder hypochondermässig gar nix zum finden? Auch habe ich gelernt, dass man Menschen mit schweren Unfällen automatisch Magenschoner gibt. Schlichtweg weil Sorgen und Ängste auch die Schleimhaut reizen kann. Ja, es wäre möglich, dass ich mich manchmal mit ein bisschen Sorgen und Ängste herum schlage. Aber warum beschwert sich mein Magen erst nach dreieinhalb Jahren?

Manchmal finde ich, es wäre schon praktisch, wenn man wie beim Auto auch beim menschlichen Körper einen Compi anschliessen kann, die Fehlermeldung feststellt, und dann eine Sicherung z. B wechseln, und fertig. Aber nein, wir sind natürlich etwas komplizierter gestaltet.

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