Archiv | Mai 2019

Vierter Versuch

Mittlerweile habe ich das zweite Mal Wasser von der Lunge absaugen lassen. Diesmal waren es 1.3lt. Plömi ist etwas überrascht, dass es nach einer Woche schon wieder soviel ist. Musste Onki ein wenig in Schwung bringen, damit er mir einen Termin organisiert. Erst als ich hinterher schickte, es sei kein Witz mit der Atemnot kam der Termin mit Plömi am nächsten Tag.

So Wasser absaugen ist eigentlich keine grosse Sache. Im Rücken wird ein bisschen herumgestochert, ein Röhrchen rein, und raus mit dem Plunder. Das ganze wurde eingeschickt und – oh Wunder – auch hier, Krebszellen mit Her2 Überexpression. Was sonst. Was mich überraschte war, dass mir mein Plömi erzählte, dass es in Ländern ein Spitalsaufenthalt von zwei Nächten bedeuten kann, wenn man sich ein wenig Wasser absaugen lässt. Ambulant bezahle es die Krankenkasse im Land nicht. Ist für mich eigentlich sinnlos. Treibt doch die Kosten in die Höhe. Ich entschwinde zur Arbeit, denn es geht nicht so gut, einen Tag krank zu machen wenn man den nächsten Tag in eine Stadt will. Man erhält keine Narkose, also, nur lokal, da ist man in keiner Weise eingeschränkt.

Habe ein beisschen auf Plömi eingeredet, und er hat mir seine Direktnummer gegeben. Er bietet mir an,  direkt bei ihm den Termin anzufragen, ober bei seinen Vorzimmerdamen, wie auch immer. Anständigerweise frage ich Onki, ob er sich übergangen fühlt, wenn ich es selber in die Hand nehme mit den Terminen bei Plömi. Er schmunzelt. Klar, hätte ich doch wissen müssen, über so etwas steht er. Er meint, spätestens wenn er den Bericht erhält weiss er, dass ich wieder mal habe absaugen lassen. Und ganz sicher werde ich es ihn wissen lassen, wenn bei mir wieder in den Rücken gestochert wird. Vermutlich wird er sowieso der Erste sein, der von einer evtl. Atemnot von mir erfährt.

Wir versuchen es wieder mal mit einer anderen Chemo. Die erste Sitzung hat mich gleich mal in die Knie gezwungen, allergische Reaktion. Wie ich das hasse. Hilflos wie ein Pfund Dreck dazuliegen, und warten, bis die gespritzten Medis helfen. Auch Onki wird bemüht. Und er kommt im gestreckten Galopp, und dass erste Mal sehe ich in ein wirklich erschrockenes Gesicht. Die Chemodame spritzt allerlei, Onki misst Puls und Blutdruck, Beides ist durch die Decke. Mir ist warm, mir kommen die Tränen. Es ist erbärmlich zu merken, überhaupt keinen Einfluss auf seinen Körper zu haben.

Die zweite Chemo hingegen verlief problemlos, wohl auch, weil ich andere Mittel erhielt, bzw. das allergieauslösende nur jedes zweite Mal reingetrichtert wird. Das nächste Mal muss ich wieder mit Kortison dahinter, am Tag zuvor geschluckt. Dieses Mal ist es keine zielgerichtete Chemo sondern eine herkömmliche, will heissen, diese macht auch gesunde Zellen platt. Es ist zu erwarten, dass vor allem mein Blutbild verrückt spielt.

Mein Körper wird schwächer, Onki hat es bestätigt. Das begründet vielleicht auch meine ständige Müdigkeit, meine Schmerzen, die sich irgendwo im Körper ausbreiten, das Wasser, und all die kleinen Bebelie. Weil ich ja wieder Blutverdünner spritze nehme ich brav Magenschoner, weil wir nicht wollen, dass mein 12-Finger-Darm-Geschwür wieder zu bluten beginnt. Es wird mehr, immer mehr, und ich weiss, es wird nicht besser werden.

Mit einer neuen Chemo wird es am Anfang wohl ein wenig Besserung geben, aber es ist mehr ein Yo-yo-Effekt, wie beim abnehmen. Die Tumorzellen gehen zurück, und wenn die Dinger resistent werden legen sie wieder los. 10kg abgenommen, und zum Schluss wieder 15kg drauf, sozusagen.

 

Dieser Eintrag wurde am 29. Mai 2019 veröffentlicht. 2 Kommentare

Es lottert

Der Hirnscan hat gute Neuigkeiten zu Tage gebracht (noch immer) keine Ableger.

Dafür legt der Rest meines Luxuskörper los. Wasser auf der Lunge, was meine Atemnot erklärt. Ok, Wasser am Herzen und im Bauch auch. Das Wasser rund um die Lunge drückt diese langsam zusammen, und dann kann man Luft holen wie man will, man schafft es nicht, genug Sauerstoff ranzuschaufeln, und so kommt schon mal das schräge Gefühl des Erstickens. Die Leber lässt es krachen, Ableger sind hochaktiv. Und so wie Plömi (mein Lungendokti) meinte, seien da auch am Zwerchfell oder so neu Ableger hinzu gekommen.

Wir saugen mal 1.4lt Lungenflüssigkeit ab, und das Atmen geht tatsächlich wieder besser. Ich nutze die Chance und verschwinde in eine südliche Stadt. Allerdings ist dieses Luder mit Treppen gespickt, und so habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder komme ich top trainiert nach Hause oder mit zerbröselt die Lunge. Manchmal dachte ich wirklich, es jagt sie (die Lunge) jetzt raus.

Eine Woche vorher war ich in einer anderen Stadt, mit ohne Treppen. Geschnauft habe ich trotzdem wie ein Walross. Da wussten wir aber auch noch nicht, dass meine Lunge im Wasser schwimmt, quasi. Weil mein Reiseziel in südlichen Gefilden liegt, sind auch Moskitos schon unterwegs. Wer liebt es nicht, dieses leise, hohe Gesumse, wenn man kurz vorm einschlafen ist. Ich überlege kurz und komme auf drei Lösungen. Erschlagen mit einer Zeitung, wie man es schon immer machte und sich bewährte. Oder ich lass‘ diesen kleinen Blutsauger mal ein Tröpfchen Blut saugen und hoffe, dass noch genügend Gift in mir rumschwimmt, damit der kleine Vampir das Zeitliche segnet? Oder, schlimmer, das kleine Miststück hat auch Krebs, und meine restliche Chemo im Blut würde das Ding heilen? Wäre schön blöd…

Meine Magenschoner nehme ich immer noch. Mal Onki fragen, was er davon hält.

Und dann hatte ich noch eine kleine Thrombose an der Portspitze. Das hat alle ein bisschen in Schwung gebracht. Wenn ich nicht zufällig genau jetzt geröhrt hätte, hätte dies vermutlich keiner bemerkt. Und wenn so ein kleines Gerinsel einen auf Freischwimmer macht, dann kann es schon dumm gehen, wenn so ein Brösel in die Windungen des Hirns, Herzen oder Lunge kommt. Also, was heisst das für mich? Genau, die tägliche Spritzerei geht wieder los. Onki hetzt mich sogar von der Arbeit weg, die erste Spritze bei meinem Hausi zu holen und gleich rein damit. Jawohl. Nur die schwache Version, weil ich am nächsten Tag eben das Wasser auf der Lunge absaugen lasse. Also nur ein bisschen verdünnen, drei Tage später geht es mit der vollen Dröhnung los.

Meine Minz (=20 Tabletten täglich als Chemo) lassen wir ganz weg. Ich bringe die angebrochene und Reservepackung in die Onkologie. Erstens finde ich es nicht gescheit, Medis in den Abfall zu werfen, und zweitens kosten diese einen schönen vier-stelligen Betrag. Allerdings, jetzt kommt es mir in den Sinn, hätte ich die Dinger auf dem Schwarzmarkt verticken können / sollen? Es gibt eine neue Chemo, dass wäre dann die vierte. Habe den Eindruck, die Dinger werden immer rabbiater, oder mein Körper schwächelt vor sich hin.

Was mich am meisten nervt an dem schnezteln, spritzen, veröden, absaugen, durchspülen, wegschneiden ist, dass, egal was ich mache, was am Ende auf mich wartet, steht in Stein gemeiselt.

Planen

Wie ich schon sagte, Onki ist medizintechnisch handzahm, trotz meiner wieder auftredenten Knoten am Hals, lassen wir die Chemo erst mal weg. Ist die momentane Chemo stärker – oder ist mein Körper schwächer geworden.

Werde bei Onki einen Termin für PetCt und Hirnscan anfragen. Und wenn die Krankenkasse klemmt aus einem mir unergründlichen Grund, zahle ich den Mist selber.

Je nachdem werde ich die Behandlung abbrechen. Ich mag nicht mehr. Finde es so erbärmlich, wenn man abgemagert am Stock rum humpelt. Aus fertig – endlich fertig.

Dieser Eintrag wurde am 6. Mai 2019 veröffentlicht. 6 Kommentare