Vierter Versuch

Mittlerweile habe ich das zweite Mal Wasser von der Lunge absaugen lassen. Diesmal waren es 1.3lt. Plömi ist etwas überrascht, dass es nach einer Woche schon wieder soviel ist. Musste Onki ein wenig in Schwung bringen, damit er mir einen Termin organisiert. Erst als ich hinterher schickte, es sei kein Witz mit der Atemnot kam der Termin mit Plömi am nächsten Tag.

So Wasser absaugen ist eigentlich keine grosse Sache. Im Rücken wird ein bisschen herumgestochert, ein Röhrchen rein, und raus mit dem Plunder. Das ganze wurde eingeschickt und – oh Wunder – auch hier, Krebszellen mit Her2 Überexpression. Was sonst. Was mich überraschte war, dass mir mein Plömi erzählte, dass es in Ländern ein Spitalsaufenthalt von zwei Nächten bedeuten kann, wenn man sich ein wenig Wasser absaugen lässt. Ambulant bezahle es die Krankenkasse im Land nicht. Ist für mich eigentlich sinnlos. Treibt doch die Kosten in die Höhe. Ich entschwinde zur Arbeit, denn es geht nicht so gut, einen Tag krank zu machen wenn man den nächsten Tag in eine Stadt will. Man erhält keine Narkose, also, nur lokal, da ist man in keiner Weise eingeschränkt.

Habe ein beisschen auf Plömi eingeredet, und er hat mir seine Direktnummer gegeben. Er bietet mir an,  direkt bei ihm den Termin anzufragen, ober bei seinen Vorzimmerdamen, wie auch immer. Anständigerweise frage ich Onki, ob er sich übergangen fühlt, wenn ich es selber in die Hand nehme mit den Terminen bei Plömi. Er schmunzelt. Klar, hätte ich doch wissen müssen, über so etwas steht er. Er meint, spätestens wenn er den Bericht erhält weiss er, dass ich wieder mal habe absaugen lassen. Und ganz sicher werde ich es ihn wissen lassen, wenn bei mir wieder in den Rücken gestochert wird. Vermutlich wird er sowieso der Erste sein, der von einer evtl. Atemnot von mir erfährt.

Wir versuchen es wieder mal mit einer anderen Chemo. Die erste Sitzung hat mich gleich mal in die Knie gezwungen, allergische Reaktion. Wie ich das hasse. Hilflos wie ein Pfund Dreck dazuliegen, und warten, bis die gespritzten Medis helfen. Auch Onki wird bemüht. Und er kommt im gestreckten Galopp, und dass erste Mal sehe ich in ein wirklich erschrockenes Gesicht. Die Chemodame spritzt allerlei, Onki misst Puls und Blutdruck, Beides ist durch die Decke. Mir ist warm, mir kommen die Tränen. Es ist erbärmlich zu merken, überhaupt keinen Einfluss auf seinen Körper zu haben.

Die zweite Chemo hingegen verlief problemlos, wohl auch, weil ich andere Mittel erhielt, bzw. das allergieauslösende nur jedes zweite Mal reingetrichtert wird. Das nächste Mal muss ich wieder mit Kortison dahinter, am Tag zuvor geschluckt. Dieses Mal ist es keine zielgerichtete Chemo sondern eine herkömmliche, will heissen, diese macht auch gesunde Zellen platt. Es ist zu erwarten, dass vor allem mein Blutbild verrückt spielt.

Mein Körper wird schwächer, Onki hat es bestätigt. Das begründet vielleicht auch meine ständige Müdigkeit, meine Schmerzen, die sich irgendwo im Körper ausbreiten, das Wasser, und all die kleinen Bebelie. Weil ich ja wieder Blutverdünner spritze nehme ich brav Magenschoner, weil wir nicht wollen, dass mein 12-Finger-Darm-Geschwür wieder zu bluten beginnt. Es wird mehr, immer mehr, und ich weiss, es wird nicht besser werden.

Mit einer neuen Chemo wird es am Anfang wohl ein wenig Besserung geben, aber es ist mehr ein Yo-yo-Effekt, wie beim abnehmen. Die Tumorzellen gehen zurück, und wenn die Dinger resistent werden legen sie wieder los. 10kg abgenommen, und zum Schluss wieder 15kg drauf, sozusagen.

 

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Dieser Beitrag wurde am 29. Mai 2019 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare

2 Kommentare zu “Vierter Versuch

  1. Gehst du noch immer Vollzeit arbeiten? Klappt das gut und tut dir das so gut? Ich bin schon seit einer Weile beim ambulanten Hospizdienst, hier in meiner Stadt, angemeldet. Unregelmäßig nehme ich da schon mal ein Beratungsgespräch in Anspruch. Die sind so positiv und freundlich, dass jede Angst vergeht. Die werden mich irgendwann auch zuhause beim Sterven begleiten oder, wenn ich möchte, mir eknen Hospizplatz besorgen. Hast du so etwas auch?

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    • Hallo 5Phasen
      Nein, seit letzten Juni arbeite ich 80%, und ab diesen Juli werde ich auf 50% runter gehen.
      Bei uns heisst das Onkocare, die Pflege zu Hause. Gespräche, wenn ich sie denn brauche, habe ich mit meinem Onki. Für mich ist er ziemlich der einzige, welche meine Aussagen verkraftet, und auch noch eine Antwort drauf weiss. Bin seit letzter Woche bei einer Sterbehilfeorganisation angemeldet, möchte nicht wochenlang bettlägrig sein und nicht mal alleine aufs WC können. Wenn es eng wird kann ich auf meine Familie zählen um Händchen zu halten. Sterben ist kompliziert, habe ich festgestellt. 🙂
      Mach’s gut, Heidi

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