Richtig stellen

Sitze bei Onki im Wartezimmer, und warte. Was auch sonst. Langsam komme ich mit einer Dame ins Gespräch. Sie hat heute die letzte Chemo, dann OP und anschliesend Bestrahlung. Ob ich denn jemanden abhole? Hallo? Sie hat doch gesehen, dass ich meine Unterlagen am Empfang abgegeben habe, also bin ich wohl Patientin. So ganz sanft lässt sie durchblicken, wie schlimm sie dran ist, und dass ich wohl schon über dem Berg bin. Auf Grund meines Aussehen findet sie, mir geht es ja sicher gut. Och, da kann ich nicht an mich halten, ist, wie wir bei mir zu Hause sagen „eine gemähte Wies’n“ für mich. Ich gebe kurz einen Statusbericht meines Zustandes. Oh! Ja, dann sei ich übel drann, meint sie. Danke, weiss ich auch. Ich erzähle Onki von meinem Gespräch, dass Lächeln verschwindet auf seinem Gesicht und er meint leise „Ja, sie können mit den meisten mithalten“. Bin ich nicht wirklich stolz darauf. Und ich mag es nicht, wenn Onki ernst wird, oder sogar Sorgenfalten auf seiner Denkerstirn (nicht Stirndenker!, ein paar hier wissen, was ich meine), erscheinen. Also schnell mit einer Geschichte abgelenkt. Wir plaudern ein wenig.

Irgendwann frage ich, was denn der Tumormarker Test ergeben hat. Tja, die neue Chemo schlägt nicht so gut zu Buche, wie es die letzten drei gemacht haben. Prima, mein Blut demoliert das Ding, die Haare gehen aus, meine Tumorzellen schütteln sich vermutlich ein wenig und lachen darüber. Aber für Schmerzen reicht es dann doch. Körperschmerzen, irgendwie, kann es gar nicht richtig beschreiben. Als ich Onki erzähle, dass ich fleissig am Schmerztabletten schlucken bin wird er wieder ernst, will wissen warum, wieviele und notiert es flugs in seinem Gesprächsprotokoll. Ja, ich kann es nicht immer vermeiden, dass wir ernste Themen haben.  Dann kommen wir wieder zu meinem Blut. Onki findet es bedenklich. So gut kenne ich ihn schon. Er muss es nicht ausdrücklich erwähnen, schon dass er immer darüber laut nachdenkt, nunmehr seit etwa zwei Monaten, zeigt mir, wieder mal etwas, das ernst zu nehmen ist. Mist, elender. Dann würde sich noch Xzflikfondgt anbieten, meint Onki. Also, irgend so ein Zungenbrecher, welchen ich nicht mal wiederholen kann, geschweige denn mir merken. Vermutlich schau‘ ich etwas blöd aus der Wäsche, und er erklärt es blondinentauglich. Radfahrer nehmen es als Doping. Ja, von Blutdoping habe ich schon mal gehört. Wau, werde ich auf meine alten Tage noch eine Sportskanone? Anmeldung zur Tour de France, evtl.?Auf jeden Fall würde das heissen, alle drei Wochen eine Infusion. Kommt ja nun auch nicht mehr darauf an. Bin sowieso wöchtentlich bei Onki, ein Infusionsbeutel mehr oder weniger? Rein damit. Soviel ist mir klar, dass schlechte Blutwerte gefährlich sein können oder werden.

Ich frage mich, sind jetzt kranke Menschen Nutznieser von den Forschungen des Dopings, oder sind die Sportler frech genung, eigentliche Medis zur Leistungssteigerung zu nehmen.

Und dann meint Onki noch, jetzt sollte ich kein Fieber kriegen, sonst ….., habe ich ja schon ein paar Mal geschrieben. Das bringt mich ins Grübeln. Er weiss, dass ich das weiss, schlussendlich spaziere ich seit dreieinhalb Jahren mit Chemo herum. Und trotzdem sagt er es mir. Hm?? Allerdings, meine Blutwerte waren nicht mal bei der ersten Chemo so lausig. Kuck ich mal, wie das weiter geht mit dem Saft des Lebens. Oder aber es ist nur ein Zeichen für etwas, das mir Onki schon gesagt hat: Mein Körper wird schwächer, er sieht es wohl in den Laborwerten, dass ich die ganzen Medis nicht mehr wie Gummibärchen wegstecke. Ja, da weiss ich nun auch nicht, was ich da machen soll. Hoffen? Glauben? Sich damit abfinden? Wahrscheinlich das Letztere.

 

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