Archiv | Juli 2019

Bisphosphonat assoziierte Kiefernekrose

Ich finde, diese Überschrift macht doch mal richtig was her.

Wie kam ich dazu? Meine Zähne schmerzen, eigentlich mein Kiefer. Meist links oben, aber auch mal auf den anderen Seiten. Schmerzt so sehr, dass ich keine Chance habe, darauf zu beissen. Bevor wir damals mit dem dritten Antikörper los legten, Onki und ich, hatte ich eine sogenannte Herdabklärung. Und seither war ich selbstverständlich nie mehr beim Zahni. Eine löchrige Beissschiene finde ich persönlich etwas vom ungepflegteren, und Schmerzen sind sowieso eklig, also auf zum Zahni.

Bei der Anmeldung gebe ich vorsichtshalber durch, dass dem betreffenend Arzt (es handelt sich um eine Gemeinschaftspraxis) vielleicht mitgeteilt werden sollte, dass ich CA Partientin bin (Karzinom), unter Chemo stehe, Blutverdünner nehme und von Zeit zu Zeit auch Kortison sowie Bisphoshonate (=Antikörper). Dann kann er sich vorher schon ein wenig Gedanken machen, was er mit meinen Beisserchen anstellt.

Lange muss ich im Wartezimmer nicht sitzen, und schon lande ich auf dem geliebten Stuhl, ein Lätzchen um den Hals. Er wirft einen Blick in meinen Mund und meint, so auf den ersten Blick sieht das alles gut aus, ein Rundumröntgen sei angesagt. Ja, dass dachte ich mir schon. Das Röntgenbild bringt meinen Zahni auch nicht weiter.

Er fragt, ob ich auf die Zähne beisse, mit diesen knirsche? Tja, weiss ich nicht, bewusst nicht. Vielleicht stehe ich unter Stress? Hm, ja, dass könnte sein, so die letzten 3 1/2 Jahre, z. B. Als er beim Abschluss seines Studiums war, dachte er, rund fünf Zähne bei ihm seien kaputt, er hätte feste geknirscht. So so, also ist er mein kleiner Knirscher. Da könnte bei mir eine Beissschiene helfen. Immer her damit, lasse ich ihn wissen.

Und nun kommt wieder mal Krustentierchen dazwischen. Er möchte vorher auf der Uniklinik abgeklärt haben ob ich nicht unter meiner „Überschrift“ leide. In diesem Fall müsste man schlimmstenfalls etwas vom Kiefer raus nehmen, kommt es ganz übel, auch mit den Zähnen. Ja, dass meine Bisphosponhate eine Kiefernekrose „kreieren“ könnten, wusste ich, wie ich eigentlich von all den Nebenwirkungen meiner Globulis recht gut Bescheid weiss. Wozu gibt es das Arzneimittelcompendium online? Aber natürlich hoffe ich meist, dass die ganzen schönen Sachen bei mir nicht eintreffen.

Wie es denn mit dem Zahnstein aussieht, frage ich. Da kommt meinem Knirscher doch tatsächlich ein Lacher aus. Ja, ich weiss, ich habe anderen Sorgen, aber wenn ich schon mal hier bin kann er doch mal einen Blick riskieren. So gut meine Zäne im Schuss sind, so wenig ist etwas vom Zahnstein zu sehen, tadellose Mundhygiene, murmelt er. Damit hatte ich noch nie Probleme, dachte aber, evtl. würden die Globulis die Zusammensetzung des Speichels verändern, welche ja für Zahnstein oder auch nicht, zuständig ist. Aber nein. Alles gut bei mir.

Mir fällt auf, dass sehr rücksichtsvoll in meinem Mund herumgestochert wird. Während früher mit einem Metallhaken an den Zähnen gerupft und gezerrt wurde, dass ich manchmal dachten, die fallen nun von selber aus, wird jetzt fast darüber gestreichelt. Auch als er mein Zahnfleisch nach Entzündungen absucht ist er mehr als rücksichtsvoll. Danke, liebe Blutverdünner. Denke mir, er will kein Blutgemetzel in meinem Mund anrichten. Brav so.

Nun denn, er gibt noch eine Überweisung für die Uniklinik in Auftrage, und die Röntgenbilder werden auf eine CD gebrannt. Er kann nicht wissen, dass Onki keine Überweisungen schreibt, dass wird telefonisch, und zwar ruck zuck, erledigt. Ich sagte es wohl schon ein paar Mal, Patienten, welche von Onkis angemeldet werden, werden grundsätzlich wohl auch ernst genommen und erhalten schnell mal einen Termin.

Als wir uns verabschieden, mein Knirscher und ich, wünscht er mir gute Besserung. Jetzt kommt mir ein Lacher aus.

Wenn man zu einem Artz geht, sei es mein Plömi, zur Magenspiegelung, oder jetzt eben mein Knirscher, und man kommt mit mehr als einen Schnupfen als Begleiterscheinung daher, wird man stets sehr zuvorkommend und rücksichtsvoll behandelt, stelle ich fest. Anders rum wäre es mir trotzdem irgendwie lieber.

 

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Dieser Eintrag wurde am 17. Juli 2019 veröffentlicht. 2 Kommentare

So nicht

Nachdem ich überall rumposaunte, dass ich ein zukünfitger Anwärter auf die Tour de France „wäre“, kommt heute die überraschende Meldung von Onki. Meine Blutwerte sind nicht top, aber doch besser, und so lassen wir das allseits bekannte EPO EPO sein, und ich / wir verlassen uns auf meinen Körper, dass er dies mit dem Blut auch in Zukunft selber eingiermassen geregelt kriegt. Wobei, heute wieder den ersten Zyklus der dritten Chemo, schauen wir mal, wie das in einer Woche aussieht.

Nach ein bisschen Plauderei hier und da, zwangsläufig kennt man sich untereinander, Mitarbeiter sowie Patienten, schwinge ich mich ins Auto. Dank ausreichender Prämedikamentation (Kortison, Antisusppresivum usw.) war die Chemo kein Problem. Als ich das Dach öffne sehe ich einen Mann, von der Onkologie kommend, wie er irgendwas in meine Richtung murmelt. Ich rufe ihn zurück, was er gesagt hätte? Ja, ich stehe doch mit dem Heck meines Autos in die Strasse, ob ich dass nicht sehe, dass ich die Fahrbahn blockiere. Ich bin verwirrt. Das ist ein offiziell eingezeichneter Parkplatz, jedes Auto steht hier in die Strasse, in diesem Fall müsste er es machen wie alle, auch ich, über den Randstein ausweichen. (1. ist es ja nicht so, dass dies ein 20cm hoher Randstein ist und 2. handelt es sich nicht um eine reguläre Strasse, einzig eine Zufahrt zu Parkplätzen und 3. sieht man an Spuren sehr gut, dass dies regelmässig genutzt wird.) Da hält der Herr gar nix davon. Dann müsste ich halt ins Parkhaus, und dies hier sei für maximal Smart ein Platz, und da vorne seien Ärzteparkplätze, ob ich denn auf der Autobahn auch so fahre. Häää? Nö, da hat man ja auch keine eingeengten Platzverhältnisse (und Baustellen schaffte ich bis jetzt auch immer ohne Zwischenfälle). Oh, ist der Herr etwa Arzt, wenn er sich für die Ärzteparkplätze so einsetzt? Muss er etwa täglich Leben retten und kommt mit 120 km/h in einer 30-er Zone zu Notfällen, denke ich mir? Frage noch, ob er auch gesehen habe, dass die Parkplatzmarkierung sogar bis in die Strasse hinaus reicht? Das war nicht sonderlich intellegent, tut er noch seine Meinung kund. Oh, ich bin sicher kein Einstein, aber so wie die meisten sehe ich mich doch über einem Wimperntierchen stehen….. Wir verabschieden uns herzlich mit „das nützt nichts bei ihnen, dass ist hoffnungslos“. „So wie sie ein hoffnungsloser Fall sind“ kontere ich.

Zwefel überkommen mich, die grosse Klappe die ich hatte, war der Herr doch im Recht? Also, in der Onkologie angerufen, mit all den Begründungen des Herrn und unserem  demzufolge recht rasanten Sprachwechsels. Nein, sei alles in Ordnung, ich, also mein fahrbarer Untersatz,  und auch andere normal grosse Autos dürfen da stehen. Ich frage im Laufe des Gesprächs drei Mal nach, ob es auch sicher keine Probleme gibt? Nein, ganz sicher nicht. Der Herr war auch kein Arzt, (hm, falsche Schlussfolgerung meienerseits, oder hat er es doch behauptet??), sondern ein Patient. Aha. Kann schon sein, dass er schlechte Nachrichten verarbeiten muss, aber, seien wir ehrlich, dass muss früher oder später jeder, wenn er Patient einer Onkologie ist. Rechtfertigt meiner Meinung nach nicht einen solchen Auftritt. Oder hat er irgendwas tiefer gelegtes, Ferrari usw., dann ist jeder Randstein ein persönlicher Feind des Lenkers, oder musste ER mit seinem Smart in das Parkhaus, weil kein Parkplatz mehr frei wahr? Dumm für ihn, ich musste es auch schon.

Die Menschen sind verschieden. Als ich bei Ankunft das Dach geschlossen hatte, blieb auch ein Herr stehen, gleiches Alter, würde ich mal sagen. Er findet die Technik imposant, und ob das der Neue sei? Nein, mein Silberlöwe ist zehnjährig. Das überrascht ihn. Wir plaudern noch ein wenig über Autos, Cabrios, usw. und machen uns Beide auf den Weg. Ein netter Zeitgenosse.

Kürzlich bin ich bei Kollegen zu Besuch. Und zu etwas fortgeschrittener Stunde kommt noch ein Herr dazu, tätowiert, Vollbart, ein harter Kerl, auf den ersten Blick.  Irgendwann meinte er, er müsse nach Hause, hätte morgen Termin. Er soll nicht hetzen, ich hätte auch einen, wende ich ein. Er hätte einen „hässlichen“ Termin, ja, ich auch. Nicht so hässlich wie er, meint er. Genug Selbstvertrauen, stelle ich fest. Ich glaube nicht, wende ich ein. Doch er sei ganz sicher, da wette er drauf. (Ja, zu fortgeschrittener Stunde, wenn der Alkoholpegel im gleichen Mass steigt wie das Nievau sinkt, kommen schon die grossen Fragen des Lebens aufs Tapet..) Ich warne ihn, weil ich ja nett bin, dass ich an seiner Stelle nicht wetten würde, er soll es sein lassen. Sturschädel. 1:0 für mich. Ich hatte ihn gewarnt.