So nicht

Nachdem ich überall rumposaunte, dass ich ein zukünfitger Anwärter auf die Tour de France „wäre“, kommt heute die überraschende Meldung von Onki. Meine Blutwerte sind nicht top, aber doch besser, und so lassen wir das allseits bekannte EPO EPO sein, und ich / wir verlassen uns auf meinen Körper, dass er dies mit dem Blut auch in Zukunft selber eingiermassen geregelt kriegt. Wobei, heute wieder den ersten Zyklus der dritten Chemo, schauen wir mal, wie das in einer Woche aussieht.

Nach ein bisschen Plauderei hier und da, zwangsläufig kennt man sich untereinander, Mitarbeiter sowie Patienten, schwinge ich mich ins Auto. Dank ausreichender Prämedikamentation (Kortison, Antisusppresivum usw.) war die Chemo kein Problem. Als ich das Dach öffne sehe ich einen Mann, von der Onkologie kommend, wie er irgendwas in meine Richtung murmelt. Ich rufe ihn zurück, was er gesagt hätte? Ja, ich stehe doch mit dem Heck meines Autos in die Strasse, ob ich dass nicht sehe, dass ich die Fahrbahn blockiere. Ich bin verwirrt. Das ist ein offiziell eingezeichneter Parkplatz, jedes Auto steht hier in die Strasse, in diesem Fall müsste er es machen wie alle, auch ich, über den Randstein ausweichen. (1. ist es ja nicht so, dass dies ein 20cm hoher Randstein ist und 2. handelt es sich nicht um eine reguläre Strasse, einzig eine Zufahrt zu Parkplätzen und 3. sieht man an Spuren sehr gut, dass dies regelmässig genutzt wird.) Da hält der Herr gar nix davon. Dann müsste ich halt ins Parkhaus, und dies hier sei für maximal Smart ein Platz, und da vorne seien Ärzteparkplätze, ob ich denn auf der Autobahn auch so fahre. Häää? Nö, da hat man ja auch keine eingeengten Platzverhältnisse (und Baustellen schaffte ich bis jetzt auch immer ohne Zwischenfälle). Oh, ist der Herr etwa Arzt, wenn er sich für die Ärzteparkplätze so einsetzt? Muss er etwa täglich Leben retten und kommt mit 120 km/h in einer 30-er Zone zu Notfällen, denke ich mir? Frage noch, ob er auch gesehen habe, dass die Parkplatzmarkierung sogar bis in die Strasse hinaus reicht? Das war nicht sonderlich intellegent, tut er noch seine Meinung kund. Oh, ich bin sicher kein Einstein, aber so wie die meisten sehe ich mich doch über einem Wimperntierchen stehen….. Wir verabschieden uns herzlich mit „das nützt nichts bei ihnen, dass ist hoffnungslos“. „So wie sie ein hoffnungsloser Fall sind“ kontere ich.

Zwefel überkommen mich, die grosse Klappe die ich hatte, war der Herr doch im Recht? Also, in der Onkologie angerufen, mit all den Begründungen des Herrn und unserem  demzufolge recht rasanten Sprachwechsels. Nein, sei alles in Ordnung, ich, also mein fahrbarer Untersatz,  und auch andere normal grosse Autos dürfen da stehen. Ich frage im Laufe des Gesprächs drei Mal nach, ob es auch sicher keine Probleme gibt? Nein, ganz sicher nicht. Der Herr war auch kein Arzt, (hm, falsche Schlussfolgerung meienerseits, oder hat er es doch behauptet??), sondern ein Patient. Aha. Kann schon sein, dass er schlechte Nachrichten verarbeiten muss, aber, seien wir ehrlich, dass muss früher oder später jeder, wenn er Patient einer Onkologie ist. Rechtfertigt meiner Meinung nach nicht einen solchen Auftritt. Oder hat er irgendwas tiefer gelegtes, Ferrari usw., dann ist jeder Randstein ein persönlicher Feind des Lenkers, oder musste ER mit seinem Smart in das Parkhaus, weil kein Parkplatz mehr frei wahr? Dumm für ihn, ich musste es auch schon.

Die Menschen sind verschieden. Als ich bei Ankunft das Dach geschlossen hatte, blieb auch ein Herr stehen, gleiches Alter, würde ich mal sagen. Er findet die Technik imposant, und ob das der Neue sei? Nein, mein Silberlöwe ist zehnjährig. Das überrascht ihn. Wir plaudern noch ein wenig über Autos, Cabrios, usw. und machen uns Beide auf den Weg. Ein netter Zeitgenosse.

Kürzlich bin ich bei Kollegen zu Besuch. Und zu etwas fortgeschrittener Stunde kommt noch ein Herr dazu, tätowiert, Vollbart, ein harter Kerl, auf den ersten Blick.  Irgendwann meinte er, er müsse nach Hause, hätte morgen Termin. Er soll nicht hetzen, ich hätte auch einen, wende ich ein. Er hätte einen „hässlichen“ Termin, ja, ich auch. Nicht so hässlich wie er, meint er. Genug Selbstvertrauen, stelle ich fest. Ich glaube nicht, wende ich ein. Doch er sei ganz sicher, da wette er drauf. (Ja, zu fortgeschrittener Stunde, wenn der Alkoholpegel im gleichen Mass steigt wie das Nievau sinkt, kommen schon die grossen Fragen des Lebens aufs Tapet..) Ich warne ihn, weil ich ja nett bin, dass ich an seiner Stelle nicht wetten würde, er soll es sein lassen. Sturschädel. 1:0 für mich. Ich hatte ihn gewarnt.

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