Bisphosphonat assoziierte Kiefernekrose

Ich finde, diese Überschrift macht doch mal richtig was her.

Wie kam ich dazu? Meine Zähne schmerzen, eigentlich mein Kiefer. Meist links oben, aber auch mal auf den anderen Seiten. Schmerzt so sehr, dass ich keine Chance habe, darauf zu beissen. Bevor wir damals mit dem dritten Antikörper los legten, Onki und ich, hatte ich eine sogenannte Herdabklärung. Und seither war ich selbstverständlich nie mehr beim Zahni. Eine löchrige Beissschiene finde ich persönlich etwas vom ungepflegteren, und Schmerzen sind sowieso eklig, also auf zum Zahni.

Bei der Anmeldung gebe ich vorsichtshalber durch, dass dem betreffenend Arzt (es handelt sich um eine Gemeinschaftspraxis) vielleicht mitgeteilt werden sollte, dass ich CA Partientin bin (Karzinom), unter Chemo stehe, Blutverdünner nehme und von Zeit zu Zeit auch Kortison sowie Bisphoshonate (=Antikörper). Dann kann er sich vorher schon ein wenig Gedanken machen, was er mit meinen Beisserchen anstellt.

Lange muss ich im Wartezimmer nicht sitzen, und schon lande ich auf dem geliebten Stuhl, ein Lätzchen um den Hals. Er wirft einen Blick in meinen Mund und meint, so auf den ersten Blick sieht das alles gut aus, ein Rundumröntgen sei angesagt. Ja, dass dachte ich mir schon. Das Röntgenbild bringt meinen Zahni auch nicht weiter.

Er fragt, ob ich auf die Zähne beisse, mit diesen knirsche? Tja, weiss ich nicht, bewusst nicht. Vielleicht stehe ich unter Stress? Hm, ja, dass könnte sein, so die letzten 3 1/2 Jahre, z. B. Als er beim Abschluss seines Studiums war, dachte er, rund fünf Zähne bei ihm seien kaputt, er hätte feste geknirscht. So so, also ist er mein kleiner Knirscher. Da könnte bei mir eine Beissschiene helfen. Immer her damit, lasse ich ihn wissen.

Und nun kommt wieder mal Krustentierchen dazwischen. Er möchte vorher auf der Uniklinik abgeklärt haben ob ich nicht unter meiner „Überschrift“ leide. In diesem Fall müsste man schlimmstenfalls etwas vom Kiefer raus nehmen, kommt es ganz übel, auch mit den Zähnen. Ja, dass meine Bisphosponhate eine Kiefernekrose „kreieren“ könnten, wusste ich, wie ich eigentlich von all den Nebenwirkungen meiner Globulis recht gut Bescheid weiss. Wozu gibt es das Arzneimittelcompendium online? Aber natürlich hoffe ich meist, dass die ganzen schönen Sachen bei mir nicht eintreffen.

Wie es denn mit dem Zahnstein aussieht, frage ich. Da kommt meinem Knirscher doch tatsächlich ein Lacher aus. Ja, ich weiss, ich habe anderen Sorgen, aber wenn ich schon mal hier bin kann er doch mal einen Blick riskieren. So gut meine Zäne im Schuss sind, so wenig ist etwas vom Zahnstein zu sehen, tadellose Mundhygiene, murmelt er. Damit hatte ich noch nie Probleme, dachte aber, evtl. würden die Globulis die Zusammensetzung des Speichels verändern, welche ja für Zahnstein oder auch nicht, zuständig ist. Aber nein. Alles gut bei mir.

Mir fällt auf, dass sehr rücksichtsvoll in meinem Mund herumgestochert wird. Während früher mit einem Metallhaken an den Zähnen gerupft und gezerrt wurde, dass ich manchmal dachten, die fallen nun von selber aus, wird jetzt fast darüber gestreichelt. Auch als er mein Zahnfleisch nach Entzündungen absucht ist er mehr als rücksichtsvoll. Danke, liebe Blutverdünner. Denke mir, er will kein Blutgemetzel in meinem Mund anrichten. Brav so.

Nun denn, er gibt noch eine Überweisung für die Uniklinik in Auftrage, und die Röntgenbilder werden auf eine CD gebrannt. Er kann nicht wissen, dass Onki keine Überweisungen schreibt, dass wird telefonisch, und zwar ruck zuck, erledigt. Ich sagte es wohl schon ein paar Mal, Patienten, welche von Onkis angemeldet werden, werden grundsätzlich wohl auch ernst genommen und erhalten schnell mal einen Termin.

Als wir uns verabschieden, mein Knirscher und ich, wünscht er mir gute Besserung. Jetzt kommt mir ein Lacher aus.

Wenn man zu einem Artz geht, sei es mein Plömi, zur Magenspiegelung, oder jetzt eben mein Knirscher, und man kommt mit mehr als einen Schnupfen als Begleiterscheinung daher, wird man stets sehr zuvorkommend und rücksichtsvoll behandelt, stelle ich fest. Anders rum wäre es mir trotzdem irgendwie lieber.

 

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Dieser Beitrag wurde am 17. Juli 2019 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare

2 Kommentare zu “Bisphosphonat assoziierte Kiefernekrose

    • Hallo Micha
      Das hoffe ich auch – schwer!
      Mache momentan einen Wald- und Wiesenversuch in Eigenregie in Absprache mit Onki. Entzündungswerte gleich null, also schone ich mal eine Seite meines Mundes. Die andere schaufelt immer noch genug Futter ran. Vielleicht wird es so besser. Ich lasse mir auf keinen Fall Kiefer entfernen. Sieht ja grässlich aus!!
      Liebe Grüsse
      Heidi

      Liken

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