Archiv | November 2019

Riskant

Und einmal mehr staune ich. Staune über die Eigenwilligkeit von Menschen.

Ein Bekannter von mir schlägt sich auch mit einem Krustentierchen rum. Auf die gängige Schulmedizin pfeift er, soviel ich weiss, und macht auf alternativ. Die Untersuchungen muss er ja trotzdem bei den herkömmlichen Weisskitteln machen, ein Naturheiler wird dich nie in die Röhre schupfen können. Auf jeden Fall war wohl wieder mal eine Untersuchung geplant, und während ihn die Narkose noch nicht ganz ausgeschaltet hatte, nach meinen Erfahrungen eine Magen- oder Lungenspiegelung, auf jeden Fall etwas mit Schlauch von oben, hört er, wie sich die Mitarbeiter um ihn rundherum über Privates unterhalten. Wie gesagt, alles wartet, bis die Narkose ihre Dienste tut. Tja, das war es dann auch schon, dass er sich dazu aufgerufen fühlt, einen Beschwerdebrief dorthin und dahin zu schicken. Mir ist es allemal lieber, es wird über den neuen Freund der Tochter geredet und nicht z. B., was müssen wir anders machen, damit wir nicht wieder aus versehen die Luft- und nicht die Speiseröhre erwischen. Für mich zeugt es von Entspanntheit und somit Erfahrung, wenn über alltägliches gesprochen wird. Ist ja nicht unbedingt bemannte Raumfahrt, so eine Untersuchung. Ich hatte schon eine summenden und singenden Arzt während einer Behandlung, (hier habe ich mir erlaubt zu fragen, dass er schon daran denkt, dass er an meiner Lunge rum macht? – Aber sicher!) mir Familiengeschichten abgehört, während mir die Narkose gesteckt wurde, der berufliche Werdegang wurde mir mitgeteilt, bis ich in die Röhre durfte usw. usf. Irgendwie finde ich es so persönlicher. Von mir muss ich nicht gross erzählen, mein Befund, welcher ja, wenn nötig rum gereicht wird, erklärt ohnehin das meiste.

Es kommt mir ungefähr so vor, wie wenn ich mich mit dem Pizzaboten anlege. Ist für mich auch nicht wirklich clever, wenn ich mich mit Personen anlege, welche mir mein Essen bringen.

Könnte sein, dass ich mal als Bericht in einer Zeitung lande. Diese ewigen Mittelspurfahrenden auf der Autobahn nerven mich bis auf meine mit Ablegern verseuchten Knochen. Fährst rechts vorbei ist es illegal, und du wirst noch dämlich angemacht, überholst links, bist nur am Zick-Zack fahren, was mich auch nervt. Wenn wenigstens noch die erlaubte Geschwindigkeit gefahren werden würde, aber nein, schön vorsichtig eher zu langsam. Die Strafe für den nicht sehr höflichen Autofahrergruss unter zuhilfenahme eines Fingers zahle ich dann gerne. Vielleicht stupse ich so ein Vehikel auch mal an. Wie es kürzlich eine Kollegin formulierte, dann werde ich mit einem fetten Grinsen einsitzen und mir denken, dass war es mir wert.

Schallmauer

Es ist geschehen, nun schiebe ich auch einen 5-er bei meinem Alter vorne dran. Igitt! So alt waren doch immer nur die Andern, oder? Früherszeiten war doch eine 50- jahre alte Verwandte, oder Bekannte, schon mit einem Bein im Grab. Ok, bei mir stimmt dies vielleicht sogar. Habe Onki schon vorgewarnt, er muss mir dann auf Kosten Krankenkasse einen Rollator besorgen, von mir auch aus Krückstock oder / und Blindenhund. Fünfzig! Ich fasse es nicht. Ist das wirklich nötig? Sollte ich mal Ahnenforschung betreiben? Und wer weiss,  vielleicht wurde bei der Ausstellung meiner Geburtsurkunde geschlampt und man hat sich im Jahrzehnt verhauen. Soll ja alles schon vorgekommen sein. Andererseits, ich will nicht rummosern, hat Zeiten gegeben, da dachte ich ernsthaft, dass ich die 50 nicht mehr schaffe. Von rundherum trudeln guten Wünsche ein, Miami, Thailand, auch Australien ist dabei. Und ich, ich hocke zu Hause.

Und das Alter bringt auch gute Sachen mit sich. Man verrenkt sich nicht mehr so, um es allen recht zu machen. Wobei, so wirklich habe ich das nie gemacht. Weil mir das Verstellen nicht liegt, bzw. weil ich es eh nie lange durchhalte. Auch das an mir oft und gerne immer wegen dem gleichen rumgemäkelt wird ignoriere ich erfolgreich. Es sind meine Profilphotos im WhatsApp die nicht immer Gefallen finden. Es sind keine Katzen und Hunde, weil ich selbige nicht habe. Und auch kein Bildnis meines Gesichtes. Wer mit mir in Kontakt steht weiss hoffentlich, wie ich ungefähr aussehe. Momentan ist es eine sehr schlanke Dame auf einem Fahrrad. Passt auch wieder nicht. Egal, ich lasse es. Wie gesagt – die Gelassenheit des Alters.

War bei einem lieben Kollegenpaar zu Besuch. Sie sind beneidenswert. Geniessen ihren Ruhestand, sind immer noch fit, Gott sei dank, und erzählen wirklich unterhaltsam von ihrem Leben, ohne dabei wichtig rüber zu kommen. Lustige Anekdoten, die mich fast ersticken lassen vor lachen.. Sie sind mehrsprachig, klar, sonst kannst nicht im Ausland arbeiten, so vier- fünf sprachig sicherlich, sie haben Kollegen aus jedem Religionskreis, jeder Hautfarbe, und verstehen wohl ziemlich gut, wie es läuft. Im Unterschied zu den Revolverblatt-Nachrichten-Schlagzeilen-Lesern. Von ihnen geht man leicht beschwingt nach Hause mit der Gewissheit, das Leben ist schön. Im Gegensatz zu den Energiesaugern. So nenne ich Leute, die einem irgendwie den eigenen Saft absaugen. Man streitet nicht, man führt nicht mal eine heftige Diskussion, aber wenn sie weg sind fühlt man sich kaputt und erschlagen. Ich gebe es zu, dass tue ich mir je länger je weniger an und meide wenn immer möglich den Kontakt zu solchen Zeitgenossen. Sie dürfen gerne schwarz malen und jammern, aber halt nicht neben mir.

So, wird Zeit, dass ich die zweite Hälfte des Jahrhunderts in Angriff nehme.

 

Dieser Eintrag wurde am 21. November 2019 veröffentlicht. 2 Kommentare

Auf ein Neues

Vor ein paar Tagen ging es also wieder los. Diesmal nur mit den Antikörpern. Mein Oki wollte mir doch tatsächlich noch den letzten Zyklus der Chemo, welche ich ja abgebrochen habe, schmackhaft machen. Auf keine Fall. Nun weiss ich aber auch, woher meine pauschalen Körperschmerzen kommen, es sind diese mistigen Antikörper. Während ich, wie schon mal geschrieben, in der therapiefreien Zeit eigentlich keine körperlichen Beschwerden habe, geht es jetzt wieder los. Es könnte Menschen geben, die es Verspannung nennen, weil es aber zeitlich so gut passt, sind meine Schulterschmerzen wohl den Medis zu verdanken. Muss ich mal Onki fragen, ob es dort, wo es weh tut, besonders viele Ableger hat, oder so…? Und damit ich wieder einen akzeptablen Pegel an Medis habe, wurde mir gleich mal die doppelte Dosis reingetrichtert.

Momentan schleudert es mich ein wenig durch die Tage. Soviel ich mir immer auf meine Menschenkenntnis eingebildet habe, musste ich feststellen, dass ich mich über Jahre getäuscht habe, dermassen getäuscht, dass es jetzt richtig nahrhaft ist. Momentan komme ich mir vor wie ein Maulwurf, welcher ein wenig mit seinen Pfoten in der Asche rudert, und nicht vom Fleck kommt. Hoffe aber schwer, nach ausreichend langer Zeit, auch damit umgehen zu können, und mich wieder erheben, quasi wie Phönix aus der Asche, und nicht mehr mit dem lächerlichen, geprügelten Blick eines weidwunden Tieres herum zu schleichen. Das muss aufhören.

Irgendwann glaubt man, es kann nicht mehr viel kommen, dass einem zu schaffen macht. Doch, es kann immer noch was kommen. Und, man lernt, damit umzugehen, weil man eben keine Wahl hat, weil man den letzten Rest von Stolz noch zusammen kratzt, weil man nicht möchte, dass irgendwer mal sagen könnte, warum stellt sie sich so an.

Und jeder von uns weiss es: Enttäuschungen sind das Produkt falscher Erwartungen. Somit ist man selber dran schuld.

Schlimm?

Nicht erst einmal habe ich gehört, dass es dem einen oder andern zu hart geschrieben ist hier. Hm?? Zu hart? Bei nachfragen erfahre ich, nein, es geht nicht darüber, dass irgendwer das Gefühl hätte, dass ich ihn hier gegen seinen Willen „veröffentlicht“ hätte, oder vertrauliche Sachen rein schreibe. Dann muss es wohl darum gehen, wie ich über mein Krustentierchen & Co. schreibe. Ich versuche hier mit Zuckerguss zu kommunizieren. Ich erlebe es, oder zumindest habe ich es schon recht oft erlebt, dass das Gespräch verstummt, wenn ich auch nur annähernd den Ton anschlage, welchen Onki und ich pflegen, wenn es um meine Krankheit, die Behandlung derselben, um meine Zukunft geht, usw. Es ist halt schon kein Geschreibsel über einen Zoo Besuch.

War bei lieben Kollegen eingeladen und treffe dort auf eine junge Frau, welche sich seit rund zehn Jahren ebenfalls mit einer unheilbaren Krankheit durch das Leben kämpft. Wir tauschen Erfahrungen aus. Im Gegensatz zu mir hatte sie bereits mehr als schlimme Zeiten, schmerzhaft und lebensbedrohend, hinter sich. Momentan ist sie medikamentös eingestellt und lebt nicht schlecht. Nur, sie weiss, ihre Krankheit kann lange ruhen, oder in Schüben wieder richtiggehend über sie herfallen. Was für ein Lebensgefühl, wenn man noch nicht mal ein viertel Jahrundert hinter sich hat. Und was sagt diese durch und durch bewundernswerte Frau zum Abschluss?? „Es gibt Schlimmeres“! Mein Spruch. Ich bin platt, sie ist mir gedanklich gut dreissig Jahre voraus.

Mit einer Kollegin komme ich erstmals näher ins Gespräch. Bei ihr war es eine Kindheit und Jugend, welche alles schlimme ausser sexuellen Missbrauch mit sich brachte. Heute ist sie einer erwachsene Frau, welche ihr Leben im Griff und bestens geregelt hat. Auf meine Frage, wie sie das schaffte meinte sie lapidar „Man kann viel wenn man will und muss“. Auch ihr zolle ich Respekt.

Ich bin sehr gerne und Menschen wie oben beschrieben. Weil sie mir zeigen, das man fast alles er- und durchleben kann, dass es Kopfsache ist, eine Willenssache, und dass einem niemand dazu zwingen kann, sich schlecht zu fühlen. (Ich hoffe mal, Krustentierchen fühlt sich jetzt nicht provoziert). Ich orientiere mich lieber nach oben.

Dieser Eintrag wurde am 11. November 2019 veröffentlicht. 2 Kommentare

Offen sein

Bin im Gespräch mit einer langjährigen Kollegin. Irgendwann landen wir doch mal wieder bei meinem Krustentierchen. Ich verrate ihr, dass ich sehr viel öfter als sich auch nur irgendjemand vorstellen kann, an meinen Untermieter denke. Verliebte denken beim Einschlafen und Aufwachen an die aktuelle Person der Begierde, ich an meinen Krabbler. Auch sonst. In früheren Jahren habe ich bei meiner Arbeit gelernt an zwei Stellen gleichzeitig zuzuhören (drei wird etwas kritisch). Und so kann ich auch über etwas reden und meine Gedanken schweifen zu etwas anderem ab. Meine Kollegin sieht mich mehr als verständnislos an, dass bringe doch nichts. Ja, dass weiss ich selber auch. Was denke ich mir nur dabei, anzunehmen, dass „Gesunde“ die Gedankenwelt einer lebensbedrohend kranken (Zitat Onki)  Person nachvollziehen können? Manchmal wundere ich mich über meine eigene Dummheit. Ich lenke das Gespräch in eine andere Richtung, und es wird ein vergnüglicher Abend.(!?!?)

Wieder etwas gelernt, ach was, eigentlich wusste ich es schon. Ein nützliches Gespräch über meinen Krabbler ergibt sich mit Onki, und das war’s dann auch schon. Auch wenn unser Kontakt die letzten Wochen praktisch nicht vorhanden war, ich bin mir ziemlich sicher, daran hat sich nichts geändert.

Der Besuch in der Hauptstadt der Briten war lohnenswert. Ein Augen- und auch Ohrenschmaus. Selten mal so viele Sixpacks auf einmal gesehen. Bei den Damen sind zum Teil mehr Muskeln vorhanden, immer noch sehr ästhetisch, als bei manchen Männern, die ich kenne. Bei drei Tänzerinnen sehe ich einen Knieverband. Vielleicht ist der Beruf des Musicaldarstellers doch nicht so ein ganz leichter und relaxter. Auf jeden Fall können sich die Damen und Herren nach zwei Stunden Tanz und somit Arbeit auf der Bühne  den Besuch eines Fitessstudiums vermutlich sparen.

Öfters fällt mir auf, dass in Hotelbädern ein böses, böses, böses Ding vorhanden ist. Der Schminkspiegel. Mit einer Vergrösserung, die es einem Blinden ermöglichen würde, sich ohne Krückstock zu schminken. Nur, die Falten, die man auf einmal hat, also, zu Hause habe ich die nicht, ganz sicher nicht. Und das Licht leuchtet auch noch alles aus. Ggggrrr

Am Abreisetag schlurfen wir noch ein wenig durch die Stadt, der Ausdruck gehen wäre für unser Tempo doch sehr schmeichelhaft, und mit rund 14.000 Schritten habe ich das Gefühl, es denn Tänzer/innen gleich getan zu habe – genug Fitness für heute.

Auch heute wieder ein Kompliment für meine Haare (kurz und kalt), und dass ich immer hübscher werde – ich werde eine spitzenmässige Leiche abgeben!

Fragen

Bringe meinen Silberlöwen in die Werkstatt, damit er die kalte Zeit auch mit Winterstiefeln übersteht. Während ihn ein Mitarbeiter auf die Hebebühne fährt bugsiert mich ein anderer in einen Nebenaum und schliesst ruckzuck die Türe. Was wird das jetzt? Schnell wird es klar. Er will wissen, wie es mir geht. Noch von meiner Lesung her kennt er mich, bzw. hat davon in der Zeitung gelesen. Ich frage ihn, wie ich aussehe. Er schmunzelt, eigentlich gut, findet er. Alles gut, wenn da nicht „eigentlich“ dabei wäre. Ein kurzer Abriss wo ich momentan stehe. Und dann erzählt er  von sich, dass bei ihm auch der Verdacht bestand, dass er dachte, er sei „nicht so“, aber die Zeit zwischen Verdacht, Untersuchung, und schlussendlicher Diagnose (welche nichts Bösartiges hervorbrachte) hätte ihn mehr mitgenommen als irgend etwas anderes. Was soll ich sagen? Kann es nicht verhindern, dass sich meine Lippen zu einem Schmunzeln kräuseln und ein „Ich weiss“ über selbige kommt. Grundsätzlich finde ich es grob fahrlässig, wenn die Weisskittel einem schon einreden „vermutlich Krebs“, wenn sie nicht zu 100% sicher sind. Mir wurde es klar gesagt nach Ultraschall, Mammographie und drei Röhren. Aber natürlich, die Zitterei hat auch bei mir mit der ersten Untersuchung trotzdem begonnen. Bei der Verabschiedung meint er, wir sehen uns nächstes Jahr wieder? Ich kapier’s nicht? Warum fragt er? Ich habe doch meine Räder hier eingelagert. Und dann klingelt es. Ja, meine ich lachend, und wenn nicht, wird Frau…., welche er auch kennt, mit meinem Auto kommen. Ihr darf er die Räder auch geben, sie wird das Auto nicht gestohlen habe. Nein, dass will er nicht, er will, dass ich wieder komme.  „Ich versuch’s“, und fahre lachend davon.Er winkt mir nach. Ein lieber Mensch.

Ein Kollege läuft mir in die Finger. Von einem früheren Gespräch her weiss ich, er muss nächstens einen Eingriff machen lassen. Meiner Meinung nach ein kurze Sache. Versuche ihn zu trösten und meine, das geht schnell vorbei, und schon ist er wieder zu Hause. Das geht gar nicht, stelle ich fest! Er spricht darüber, als ob es sich um eine doppelte Bypass-OP handelt, und die ganzen Laborbefunde, und die Rechnungen, und die ganzen Briefe von Arzt und Krankenkasse…,  und so passe auch ich meine Redensweise an. Ich werde ganz fest an ihn denken, ihm die Daumen halten und nur das Beste hoffen (reicht das? Oder was tut man noch in solchen Situationen?) Armer Kerl, wenn er sich sowas so zu Herzen nimmt.

Morgen also früh raus und auf zum Flughafen. Hoffe ich, dass ich es wenigstens auf zwei Stunden Schlaf bringe. Ich will nicht täglich Schlafmittel  nehmen, ich will einfach nicht. Zu schnell ist man von dem Zeug abhänging, und dann meinem Onki die Schuld zu geben wäre billig und unverantwortlich. Dann lieber morgen – einmal mehr – einen Tag durchbeissen.

 

Nicht so schlimm

Ich wühle mich durch meinen Schreibstisch. So einmal im Monat muss das sein, weil die Post immer d’rauf segelt, und wenn es nicht super wichtig ist, wird alles in einem „Monatsputz“ erledigt. Obwohl ich mich die letzten paar Wochen von Onki & Co. fern gehalten habe ist es wie immer, die meisten Briefe habe ich meinem Krustentierchen zu verdanken. Abrechnungen der Krankenkasse, Arbeitszeugnisse, Rezepte, Befunde,…, immer noch schwemmts mir so Zeug in meinen Briefkasten. Da hat die Auszeit nicht viel gebracht.

Körperlich hingegen ist die Auszeit nicht schlecht. Ausser Probleme mit schlafen kann ich nicht jammern, alles gut bei mir. Nur kommt mir von Zeit zu Zeit in den Sinn, was mir mal ein Arzt sagte: Man muss keine Angst haben vor Krankheiten mit Schmerzen, die Krankheiten ohne Schmerzen sind die gefährlichen.

In einer guten Woche geht es mit der Giftlerei wieder los. Ein klein wenig nervt mich das, eigentlich schäme ich mich hierfür. Vermutlich werde ich vor Onki sitzen und mich wie ein Bittsteller fühlen. Ich weiss, ich weiss, dass ist sein Job, und er kriegt gutes Geld dafür. Trotzdem, lieber hätte ich mein Leben alleine im Griff. Aber der Wunsch ist ja vor rund vier Jahren flöten gegangen. Onki ist nicht dämlich und er wird es merken. Mag sein, dass ich vielen etwas vorflunkern kann, Onki braucht nicht mal einen zweiten Blick für mein Befinden. Wie absolut durch und durch mir das alles zuwider ist. In die Onkologie – nicht die Leute und die Behandlung, die Umstände, die mich so dermassen in die Knie zwingen finde ich erbärmlich. Und ich krieg’s nicht weg, da kann ich mich drehen und wenden wie ich möchte.

Auf einer dämlichen Webseite ist ein Video aufgeschaltet, in welchem eine Frau von ihrem kreisrunden Haarausfall erzählt, und dass sie schlussendlich Alles abrasierte. Aber nur mit Glatze rum zu laufen geht gar nicht. Sie hätte nicht damit umgehen können, dass Alle glaubten, sie sei totkrank. Darum hat sie sich Perücken besorgt. Ein bisschen muss ich schmunzeln, ja, Mädchen, du bist vorbereitet für die harten Sachen des Lebens, kannst es dann auch in’s Netz stellen.

So im grossen und ganzen habe ich Schreibarbeiten & Co. für mein Ableben vorbereitet. Muss ja nicht sein, dass hinter mir ein Riesenchaos herrscht. Und so weiss ich nun auch, was eine Apostille ist, warum eine Vollmacht nicht reicht, sonder eine Vollmacht mit Substitutionsbefugnis her muss usw. Ja, krank sein bildet, sterben auch, schaut. aus.

Muss nicht sein

Jetzt weiss ich es wieder, warum ich in letzter Zeit abends nicht wirklich viel unterwegs war. Irgendwo was essen ist nicht das Problem, nur der Schlummerbecher danach nervt. Kann mir mal jemand verraten, warum in Bars die Musik bis zum Erbrechen laut aufgedreht wird? Wenn es sich nicht um eine Zappelstube (Dancing/Disco/Danceclub) handelt, dürfte man doch davon ausgehen, dass man neben trinken vor allem auch miteinander reden möchte. Meine Begleitung und ich sehen uns um. Nein, da ist nichts unter zwanzig zu sehen, also niemand im Alter, in welchem man laut mit guter Stimmung gleich stellt. Die ewige Schreierei in das jeweilige Ohr des Anderen brechen wir bald ab und suchen uns ein ruhigeres Plätzchen.

Wir haben etwas gleich viel Jahre auf dem Buckel und schwelgen von früher. Und Beide sind wir froh, dass wir unsere Sturm- und Drangjahre vor der digitalen Zeit erlebten. Wäre nicht so prickelnd, wenn das eine oder andere heute noch im Internet zu sehen wäre, nein, besser, wenn es unter Verschluss gehalten wird. Wir zweifeln, ob der Satz „Das Internet vergisst nicht“ jedem bewusst ist. Aber nicht wirklich unser Problem.

Mein Krabbler bremst mich ziemlich, bremst mich in meinen Gedanken, meinen Hoffnungen und Wünschen, und auch in meiner Planung. Die ist eigentlich nicht mehr existent. Lebe von einem Tag in den nächsten, (Konzert- usw.) Karten werden für max. sechs Monate im voraus gebucht. Ich traue meinem Untermieter nicht.

Aber für meinen nächsten Städtetrip sollte es reichen. Ein Musical muss her in der Zentrale des Commenwealths. Kurzfristig muss ich noch eine Reisebegleitung auftreiben, die ursprünglich geplante wollte oder konnte doch nicht. So oder so, ich freue mich. Höchste Zeit, dass ich mal wieder los ziehe, schon zu lange klebte ich zu Hause fest.

Gedankenspinnerei V

Unverständnis macht sich in mir breit, wenn ich höre, wie von Laien Tips abgegeben werden in Sachen medizinischer Behandlungen. Da wird die Medikation ebenso in Frage gestellt wie die grundsätzliche medizinische Versorgung, (unbedingt eine Zweitmeinung einholen, hat man mir auch mal gesagt, worauf ich kund tat, dass bereits eine Differenzialdiagnose erstellt wurde – Ruhe war die Folge!) nach einer Narkose dürfte man 2 Wochen nicht arbeiten usw. usf. Was heisst in Frage gestellt, richtiggehend  Angst versucht man zu verbreiten. (Man wird abhängig, die Organe werden geschädigt…)Warte ich mal drauf, bis ich das selber erleben darf. Da könnte mir schon der eine oder andere treffende Satz, oder Aussage, über mein Zäpfchen perlen und das Gedankengut des Hobbyarztes in Frage stellen. Es macht mich schlichtweg wütend, wenn man Leute verunsichert, welche ohnehin schon im Zweifel sind, ob und wie es mit ihnen weiter geht.

Stelle auch fest, andere Länder, andere Sitten. Für mich wäre es doch sehr mühsam, müsste ich mit meinen Befunden unter dem Arm von Arzt zu Arzt pilgern, (Onki verschickt diese verschlüsselt an den betreffenden Mediziner), Termine selber durchboxen, nö, Onki greift zum Telefon, und innert fünf Tage (spätestens), werde ich geröngt, angestochen, biopsiert, in die Röhre geschupft, was auch immer, und da gibt es auch kein wochenlanges Warten auf Neuigkeiten, ruckzuck wird mir mehr oder weniger direkt gesagt, wo es zusätzlich ein wenig mehr harzt….  Da habe ich doch schon viel Übles gelesen und auch gehört, wie es manchmal zu- und her geht.

Öfters fällt mir auch auf, wie negativ Leute eingestellt sind, in einem Alter, von welchem ich aus Überzeugung sagen kann, es war die tollste Zeit meines Lebens. Nur mir selber verplichtet, gesund, genug Geld zum Unsinn machen, wunderbar. Wenn man sich dabei schon selber im Wege steht, kann ich mir gut vorstellen, dass es unter Umständen recht problematisch werden kann, wenn nicht vorhergesehens mit einem passiert. Und manchmal passierts dann einfach….

Dieser Eintrag wurde am 1. November 2019 veröffentlicht. 2 Kommentare