Anderer Länder, andere Sitten

Ein kleiner Plausch mit MPi, und irgendwie kommen wir auf England zu sprechen. Er lässt mich wissen, dass in England sämtliche Krebsbehandlungen abgebrochen worden sind. Auch Neuuntersuchungen, nichts zu machen. Und zwei Tage später lese ich eine – natürlich – reisserische Schlagzeile, x-tausend Krebstode in England befürchtet. Und natürlich – man gibt dem COVID-19 die Schuld. Ich sehe das etwas anders, aber mich fragt ja auch keiner.

Bei meiner kleinen Plauscherei mit MPi ist auch etwas anderes raus gekommen. Etwas nicht ganz so Tolles. Meine Studie wird abgebrochen. Während die meisten Ableger schrumpfen, wachsen diese in der Lunge munter vor sich hin. Grund hierfür ist, dass diese den Her2 Faktor verloren habe. Wusste ich bis vor kurzem auch nicht, dass dies sein kann. so Krebszellen sind lernfähig, kleine, clevere Biester. Wie man früher oder später eine Antibiotikaresistenz sich quasi ranzüchtet, ist es das gleiche mit diesem Her2 Faktor. Seit gut vier Jahren schiesen wir auf diesen mittels Antikörper nonstop. Und nun scheint es dem Luder zu reichen, und hat sich auf der Lunge verabschiedet. Die Ableger sind geblieben und wachsen. Und mit ganz ohne Lunge lebt es sich schlecht.

Wie mir schon zu Beginn der Studie zugesichert wurde, nach sechs Wochen wird und wurde getestet, ob und wie die Studie wirkt. Und das ist eben dabei heraus gekommen. Die ganze Litanei an Blut abzapfen, Röhren, EKG, Ultraschall und so weiter. Und weil ich hier in einem Spital bin, und nicht in einer Onkologiepraxis sind auch Blutwerte & Co. ruckzuck, nämlich noch am selben Tag hier.

Und nun sitze ich ziemlich in der Patsche. MPi bietet zwei weitere Studien an. Bei einer handelt es sich um ein Medikament, CB103 (wieder kein Name), noch nicht offiziell auf dem Markt, in der Testphase. Grosser Nachteil ist, dass ich den Magenschoner absetzten  müsste. Seit meiner Tablettenchemo, damals, mit rund 20 Tabletten am Tag, habe ich ein kleines, feines 12-Finger-Darm-Geschwür. Und weil ich bereits drei Thrombosen in meinem Leben hatte, muss ich Blutverdünner nehmen. Und eben darum nehme ich den Magenschoner, um zu verhindern, dass dieses wieder zu bluten beginnt. Spätestens auf dem WC würde ich dies merken. Und die Studie wäre auch in Tablettenform. Die Unterlagen sind recht umfangreich, diesesmal 30 Seiten. Und die Nebenwirkungen zwei A4 Seiten. Mal was Ordentliches.

Zweite Möglichkeit wäre auch eine Studie. Eine bereits auf dem Markt befindliche Chemo. Diese wäre wieder als Infusion, aber irgendwie ein bisschen anders in der Darreichungsform. Das Molekül (oder so irgendwie) in Fett eingebett. Also, ich nehme nicht an, dass die Infusionsflüssigkeit mit Fettaugen oben auf rumschwimmt. Nebenwirkungen wären mein geliebtes Hand-Fuss-Syndrom und entzündete Schleimhäute, vor allem im Mund. Da kommt Freude auf. Endlich haben sich meine Geher erholt, schon geht es wieder los. Dokumentation umfasst nur 15 Seiten. Ob das was G’scheites sein kann??

Werde mir das ganze von MPi und seiner Kollegin genauer erklären lassen. Weil eigentlich für die erste Studie seine Kollegin zuständig ist. Wie ich festgestellt habe, sind an „meinem“ Spital rund fünfzig Studien am laufen. Da bildet man sich ein etwas Besonderes zu sein. Pustkuchen. Eine von vielen halt.

Dritte Möglichkeit wäre zurück zu Onki und wieder Chemo mit den Antikörpern. Da könnte ich z. B. obengenannte Chemo in der herkömmlichen Form zusammen mit den Antikörpern schlucken. Und das ist mit grosser Wahrscheinlichkeit neben den üblichen Verdächtigen sehr, sehr garstig zu meinem Herzen. Das würde dann heissen, Chemo weiter und den Antikörper weg lassen, bis sich das Herz wieder erholt hat. Somit könnte ich ja von Anfang an bei der Studie mitmachen.

Wie schon mal geschrieben, MPi, Onki und ich, wir bemailen uns im Dreieck, manchmal. Und Beide haben mir schon mal klar gemacht, was sie evtl. für gut befinden. Selbstredend, dass sie nicht für das gleiche sind. Wenn ich nun mit der Kollegin von MPi spreche habe ich vielleicht eine dritte Meinung, und dann kann ich eine Münze werfen.

Da  haben es die Leute in England wieder einfacher – die Entscheidung wurde ihnen radikal abgenommen. Zu die Türe, und dann kann man schauen, wie man damit fertig wird. Auch wieder blöd.

 

 

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