Verwirrend

Manchmal überraschen mich Fragen. Als ich vor kurzem einer Kollegin erzählte, dass da wieder Chemo in mich reingetrichert wird, und diese auch schon geholfen hat, kommt doch tatsächlich die Frage zurück, ob mein Port (der unter der Schulter eingesetzte Infusionskatheder) immer noch brav seine Dienste tut? Ich verstehe zuerst gar nicht, worum es geht? Erst beim Nachfragen stelle ich fest, sie will tatsächlich wissen, ob mein Port noch tut wie er soll. Ja, tut er. Eigenartig, dass wurde ich noch nie gefragt. So ein Port ist schon eine feine Sache. Meine Venen sind für die Tonne. Es ist nicht so lässig, wenn am Fuss Blut abgezapft werden muss, weil die Venen davonrollen, platzen, was auch immer, auf jeden Fall nicht zu gebrauchen sind. Ich denke, wären meine Chemos immer über die Venen am Arm gelaufen, wären diese nach viereinhalb Jahren wohl komplett verbrannt, kaputt, aus und fertig damit. Aber so bin ich da fein raus.

Kann es sein, dass es irritierend ist, wenn ich sage, dass es mir seit Beginn der Chemo wieder besser geht? Vermutlich klingt es eher anders, wenn sich jemand mit Gift regelmässig auffüllen lässt? Nun ist es tatsächlich so, dass die Schmerzen zurück gegangen sind, die Knoten am Hals, bis auf Silberrücken, bereits weg und  der Husten momentan recht selten geworden ist, und auch die Schmerzen im allgemeinen verschwunden sind. Am Telefon plausche ich mit einer Kollegin, und ebendies erzähle ich ihr. Sie verstummt und meint dann schliesslich „Ich lass‘ das mal so stehen“. Ja, eine andere Möglichkeit hat das Mädchen auch nicht. Ich bin kein Held, wenn es mir schlecht geht, sage ich dies, und wenn es mir (wieder) besser geht, auch. Da sehe ich keinen Grund hin und her zu flunkern, warum auch?

Eine Bloggerei ist manchmal doch eine recht praktische Sache. So darf ich feststellen, dass ich mir ewiges Gerede über mein Krustentierchen bei Kollegen ersparen kann, auch wenn ich diese schon länger nicht mehr gesehen habe. Sie lesen hier mit, und so können wir uns den schöneren, lustigeren, unterhaltsameren Themen widmen. Weil es ja halt doch recht oft immer die gleiche Leier bei mir ist, wie schon ein paar Mal geschrieben. Wieder mal Chemo, Antikörper nontstop, da und dort ein Zipperlein mehr, Ableger  und das Beigemüse, was soll’s. Und ja, mittlerweile bin ich tatsächlich soweit, dass ich schneller bin, wenn ich aufzähle, welche Organe, Körperregionen bei mir noch nicht betroffen sind. Krustentierchen hat die Überhand gewonnen. Das ich manchmal ganz leichte Kopfschmerzen habe, verdränge ich erst Mal. Ich will nocht keine Kopfmetas, ich will einfach nicht. Weiss gar nicht, ob ich es Onki erzählen soll. Und ich weiss auch nicht, ob er hier mitliest. Was auch egal ist, er weiss ja eh meist vor mir und meinem Körper, was als Nächstes ansteht. Hirnmetas – Endstadium bei Brustkrebs, bitte (noch) nicht. Andererseits, ich bin schon recht lange ziemlich fix unterwegs für die Art von Untermieter. Und ich gebe es zu, mittlerweile bin auch ich überrascht, dass es mir doch verhätlnismässig lange so gut geht. Da habe ich zu Beginn was ganz anderes erwartet.

Ein Bekannter von mir hat es mal auf den Punkt gebracht. War bei ihm zu Besuch, wir waren eine recht fröhliche Runde am Tisch, nur war er für seine Verhältnisse ziemlich schweigsam. Da helfe ich ihm auf die Sprünge, finde ich, und frage, ob er denn heute nichts zu sagen hätte? Da meint er doch in seiner allseites bekannten, charmanten Art „Nein, dir nicht, weil so etwas wie du normalerweise schon lange tot ist“. Und das reicht nicht, eigentlich geben ihm alle am Tisch Recht. Da hat er Pech, noch bin ich hier ihn zu ärgern, lasse ich ihn wissen. Alle am Tisch, incl. mir, verstanden, dass es für seine Verhältnisse ein ordentliches Kompliment war, so im Stil “ Es freut mich aufrichtig, dass es Dir immer noch so gut geht, auch wenn es fast nicht zu glauben ist“. Seine Aussagen kommen bei ihm nie im herkömmlichen Stil über die Lippe, nein, er packt es immer in schmissige Sätze, was er zu sagen hat. So ist es mir auch lieber.

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