Probleme

Wir alle haben sie, kleine und grosse Probleme. Für manche ist es ein Problem, wenn „die Töchter“ eines Landes in der Hymne nicht erwähnt werden, sondern nur „die Söhne“. Also wird dies mittels Gesetzesbeschluss geändert. Oder ein Schaumgebäck, hier Mohrenkopf genannt, im Ausland auch Schwedenbombe, muss aus dem Regal, damit sich niemand diskriminiert fühlt. Wie gesagt, jeder hat sie, die Probleme.

Mein Vordringliches sind momentan Kopfschmerzen. Und das hatte ich nun wirklich nie in meinem Leben. Mit einer Schmerztablette, und so um fünf Uhr morgens auch gerne mal eine Schlaftablette geht es auch mit schlafen. Ich hoffe inständig, dass ich nur wetterfühlig geworden bin, sprich, dass ich mich aufs Wetter raus reden kann. Machen ja genug andere Erdenbewohner auch. Meist sind es Frauen, wenn ich so darüber nachdenke. Warum eigentlich? Hirnmedas sind Endstadium. Mir geht wieder Mal der Reis wie es im Buche steht. Man kann auch sagen, in der Summe pfeifts. Aber wie!

Onki hat mir zugesichert (welch ein tolles Versprechen), dass spätestens nach Ende der Chemo wieder Mal ein PetCt ansteht. Verflixt und zugenäht, ich muss es bis zum Dez. schaffen, ich muss! Damit ich aufrecht vor Onki hinstehen kann und sagen – ha, noch lebe ich! Die fünf Jahre sind rum, ich habe es geschafft. Wenn nötig, meinte Onki, können wir mich auch früher in die Röhre schicken. Das Gammaknife (eine Bestrahlunsmethode) sehe ich über meinem Kopf kreisen. Ehrlich, muss ich denn alles erfahren. Darf es nicht auch mal nur was Gewöhnliches sein?

Es kann ja wohl auch nicht sein, dass so ein Hirn wächst und plötzlich gegen die Schädeldecke drückt, oder? Die, die mich kennen, werden jetzt wohl ziemlich laut lachen, ja, ja, schon klar, MEIN Hirn wächst ganz sicher nicht.

Kürzlich bin ich tatsächlich auf einen Zeitgenossen gestossen, welcher mich mal fragte, was denn nun bei mir eigentlich los sei. Brustkrebs, war meine Antwort. Ja, aber jetzt sei gut, meint er. Das sind schon manchmal die Momente wo ich vermutlich ziemlich belämmert aus der Wäsche schaue. Nein, es sei nicht gut, meine ich. Ob man nicht operieren könnte, meint er. Alles gemacht, ratzfatz weg. Er will mehr wissen. Also gut, ich beginne aufzuzählen. Ich kann nicht mal alle acht Stellen mit den Ablegern aufzählen, von den Gallensteienen, 12-Finger-Darm-Geschwür, den Nierenzysten usw. gar nicht zu reden. Beim sechsten Ableger winkt er ab wie es normal gemacht wird, wenn man dem Gegenüber seine Plaudereien nicht abnimmt. Man glaubt mir nicht? MAN GLAUBT MIR NICHT? Nun, ich bin ja nicht bei einem Bewerbungsgespräch wo ich meine Glaubwürdigkeit schon eher vertreten würde. Also reden wir halt über etwas anderes.

Und manchmal würde ich mir auch wünschen, dass mich in meinem Leben nur stört, dass der Mohrenkopf Mohrenkopf heisst.

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