Lernen

Nun kommt mir wieder langsam in den Sinn, warum ich bei der vorletzten Chemo den achten Zyklus nicht mehr reintrichtern lies. Sie macht mich kaputt, sie schafft mich. Und nun bin ich eben wieder an dieser Chemo dran und muss mir diese hart verdienen. Nach jedem Zyklus etwas mehr. Momentan sind es Gliederschmerzen, welche ich mit Schmerzhelferchen niederknüppel. Das doofe daran ist, dass entweder diese kleinen, weissen Helferchen auf meine Nieren gehen, oder, wenn ich andere einnehme, auf mein 12-Finger-Darm-Gschwür. Irgendwas wird immer gefordert, je nachdem, welcher Wirkstoff vertreten ist. Die Knoten am Hals sind fast verschwunden und schmerzen nicht mehr. Der Kopf hingegen zickt unregelmässig rum. Der Magen meldet sich auch von Zeit zu Zeit, irgendwas ist immer, und zwar immer mehr. Und dank Chemo nun Gliederschmerzen, nur noch müde und platt bringe ich die Tage hinter mir.

Von Zeit zu Zeit schmökere ich immer noch im Internet rum. Also, nicht Börsendaten sind es, die mich anziehen, sondern Geschreibsel über mein Krustentierchen. Und überraschend stelle ich fest, dass ich nicht mehr jedes zweite Wort googeln muss, so vereinzelt verstehe ich ich schon beim ersten Mal, was da steht. Das Wasser auf der Lunge ist z. B. ein lupenreiner Beweis, dass mein Krabbler aktiv ist. In meinem Fall hochaktiv, daher musste ich auch zum Teil innerhalb einer Woche zwei Mal abziehen. Aber natürlich muss Onki mir fachlich noch ein wenig auf die Sprünge helfen. (Wund) Wasser wird im Körper normalerweise über die Lymphbahnen abgeleitet. Die Lymphknoten sind aufgefädelt wie Perlen auf einer Schnur und sind quasi der Filter, welche Giftstoffe usw. rausfiltern. Auch Tumorzellen erzeugen Wundwasser, Exsudat genannt, welches sich einen Platz in meinem Körper gesucht hat. Und dies war die Körperhöhle zwischen Lungen- und Rippenfell, was zum Pleuraerguss führte. Hat man Wasser auf der Lunge kann diese sich beim atmen nicht mehr entsprechend entfalten und man hat das stete Gefühl, zu wenig Luft zu kriegen. Das ist nicht schön.

Hier ist auch der Grund, warum ich nonstop in Behandlung sein muss. Mir würde ein Krustentierchen reichen mit, sagen wir, Chemo, OP und Bestrahlung, und dann ist mal gut für ein halbes Jahr, oder sogar ein Jahr. Bei mir wird mindestens alle drei Wochen Gift in den Körper geleitet. Einzig warten auf die Studie hat zwei Mal vier Wochen behandlungsfreie Zeit gebracht. Und dafür auch Wasser auf der Lunge.

Es ist ein ewiges drehen im Hamsterrad, und manchmal habe ich das Gefühl, es dreht immer schneller.

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