Archiv | Oktober 2020

Gut und auch böse

Seit einer guten Woche schaffe ich es ohne Sauerstoffschlauch. Das ist schon ein sehr weiter Fortschritt für mich. Und sehr befreiend. Der Chemo habe ich es zu verdanken. Ja, es mag wohl eigenartig klingen, MIR helfen meine Chemos meist aus einer mehr als misslichen gesundheitlichen Situation heraus, damit es mir wieder besser geht. Andere Personen leiden unter der Chemo. Wobei, die momentane Chemo ist ein hinterhältiges Luder. Zuerst hat sie mir doch mal geholfen. Sogar Silberrücken ist geschrumpft. Und nun? Die Haare sind nun zum dritten Mal weg, dämlich, dass es wieder zur kalten Jahreszeit passierte, aber das ist ok. Und die Mundschleimhäute sind zutiefst beleidigt. Zuckerbrot und Peitsche. Zuerst helfen, und damit ich ja nicht zu übermütig werde, dort und da noch im höchsten Grad unerwünschtes verursachen. So spielt sich die Chemo mit mir. Auf die Schnelle zeigen, wer das Sagen hat. Es ist ein persönlicher Kampf zwischen ihr und mir.

Onki war mit mir, bzw. meinem „Zustand“ auch nicht wirklich zufrieden und meinte „Sie gefallen mir gar nicht“. Mit der mir angeborenen Zurückhaltung stellte ich es klar „Sie müssen mich auch nicht heiraten“. Ja, weil es wahr ist. Und ich musste mich ordentlich zusammen nehmen mit reden, weil ich auch in der Onkologie Sauerstoff aus der externen Lunge erhielt. Onki hat es wohl bemerkt, und sich dementsprechend verhalten. Mit dem Gespür eines Trüffelschweines merkt er ohne grosse Worte, wenn ein verbaler Schlagabtausch nichts bringt – dieser macht nur Spass, wenn Beide auf der Höhe sind.

Kürzlich sass ich mal zu Hause und fragte mich, kann Onki ausser reden auch noch was? Ok, er hat mir schon die Lunge abgehört und abgeklopft, aber grundsätzlich erlebe ich ihn ja redend. Nehme mir also vor, dass nächste Mal zu fragen. Gedacht, getan. Er schmunzelt. Vielleicht habe ich den falschen Tag erwischt um so was zu fragen. Zwischen Tür und Angel habe ich mitgekriegt, dass er vor dem Gespräch mit mir eine Knochenmarkpunktion durchführte. Bleibt mir nur zu hoffen, dass er seine Fähigkeiten – neben der Gesprächsführung – bei mir nie unter Beweis stellt. (stellen muss).

Heute hatte ich ausnehmend netten Besuch. Meine Besucher sind immer nett. Der Heutige kam unangemeldet und habe ich vor Jahren das letzte Mal gesehen. So kenne ich es von zu Hause, man geht vorbei, hat man Zeit geniest es, und ist auch nicht beleidigt, wenn nicht. Unkompliziert und spontan, spricht nichts dagegen.

Dieser Eintrag wurde am 9. Oktober 2020 veröffentlicht. 3 Kommentare