Vierter Versuch

Mittlerweile habe ich das zweite Mal Wasser von der Lunge absaugen lassen. Diesmal waren es 1.3lt. Plömi ist etwas überrascht, dass es nach einer Woche schon wieder soviel ist. Musste Onki ein wenig in Schwung bringen, damit er mir einen Termin organisiert. Erst als ich hinterher schickte, es sei kein Witz mit der Atemnot kam der Termin mit Plömi am nächsten Tag.

So Wasser absaugen ist eigentlich keine grosse Sache. Im Rücken wird ein bisschen herumgestochert, ein Röhrchen rein, und raus mit dem Plunder. Das ganze wurde eingeschickt und – oh Wunder – auch hier, Krebszellen mit Her2 Überexpression. Was sonst. Was mich überraschte war, dass mir mein Plömi erzählte, dass es in Ländern ein Spitalsaufenthalt von zwei Nächten bedeuten kann, wenn man sich ein wenig Wasser absaugen lässt. Ambulant bezahle es die Krankenkasse im Land nicht. Ist für mich eigentlich sinnlos. Treibt doch die Kosten in die Höhe. Ich entschwinde zur Arbeit, denn es geht nicht so gut, einen Tag krank zu machen wenn man den nächsten Tag in eine Stadt will. Man erhält keine Narkose, also, nur lokal, da ist man in keiner Weise eingeschränkt.

Habe ein beisschen auf Plömi eingeredet, und er hat mir seine Direktnummer gegeben. Er bietet mir an,  direkt bei ihm den Termin anzufragen, ober bei seinen Vorzimmerdamen, wie auch immer. Anständigerweise frage ich Onki, ob er sich übergangen fühlt, wenn ich es selber in die Hand nehme mit den Terminen bei Plömi. Er schmunzelt. Klar, hätte ich doch wissen müssen, über so etwas steht er. Er meint, spätestens wenn er den Bericht erhält weiss er, dass ich wieder mal habe absaugen lassen. Und ganz sicher werde ich es ihn wissen lassen, wenn bei mir wieder in den Rücken gestochert wird. Vermutlich wird er sowieso der Erste sein, der von einer evtl. Atemnot von mir erfährt.

Wir versuchen es wieder mal mit einer anderen Chemo. Die erste Sitzung hat mich gleich mal in die Knie gezwungen, allergische Reaktion. Wie ich das hasse. Hilflos wie ein Pfund Dreck dazuliegen, und warten, bis die gespritzten Medis helfen. Auch Onki wird bemüht. Und er kommt im gestreckten Galopp, und dass erste Mal sehe ich in ein wirklich erschrockenes Gesicht. Die Chemodame spritzt allerlei, Onki misst Puls und Blutdruck, Beides ist durch die Decke. Mir ist warm, mir kommen die Tränen. Es ist erbärmlich zu merken, überhaupt keinen Einfluss auf seinen Körper zu haben.

Die zweite Chemo hingegen verlief problemlos, wohl auch, weil ich andere Mittel erhielt, bzw. das allergieauslösende nur jedes zweite Mal reingetrichtert wird. Das nächste Mal muss ich wieder mit Kortison dahinter, am Tag zuvor geschluckt. Dieses Mal ist es keine zielgerichtete Chemo sondern eine herkömmliche, will heissen, diese macht auch gesunde Zellen platt. Es ist zu erwarten, dass vor allem mein Blutbild verrückt spielt.

Mein Körper wird schwächer, Onki hat es bestätigt. Das begründet vielleicht auch meine ständige Müdigkeit, meine Schmerzen, die sich irgendwo im Körper ausbreiten, das Wasser, und all die kleinen Bebelie. Weil ich ja wieder Blutverdünner spritze nehme ich brav Magenschoner, weil wir nicht wollen, dass mein 12-Finger-Darm-Geschwür wieder zu bluten beginnt. Es wird mehr, immer mehr, und ich weiss, es wird nicht besser werden.

Mit einer neuen Chemo wird es am Anfang wohl ein wenig Besserung geben, aber es ist mehr ein Yo-yo-Effekt, wie beim abnehmen. Die Tumorzellen gehen zurück, und wenn die Dinger resistent werden legen sie wieder los. 10kg abgenommen, und zum Schluss wieder 15kg drauf, sozusagen.

 

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Dieser Eintrag wurde am 29. Mai 2019 veröffentlicht. 2 Kommentare

Es lottert

Der Hirnscan hat gute Neuigkeiten zu Tage gebracht (noch immer) keine Ableger.

Dafür legt der Rest meines Luxuskörper los. Wasser auf der Lunge, was meine Atemnot erklärt. Ok, Wasser am Herzen und im Bauch auch. Das Wasser rund um die Lunge drückt diese langsam zusammen, und dann kann man Luft holen wie man will, man schafft es nicht, genug Sauerstoff ranzuschaufeln, und so kommt schon mal das schräge Gefühl des Erstickens. Die Leber lässt es krachen, Ableger sind hochaktiv. Und so wie Plömi (mein Lungendokti) meinte, seien da auch am Zwerchfell oder so neu Ableger hinzu gekommen.

Wir saugen mal 1.4lt Lungenflüssigkeit ab, und das Atmen geht tatsächlich wieder besser. Ich nutze die Chance und verschwinde in eine südliche Stadt. Allerdings ist dieses Luder mit Treppen gespickt, und so habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder komme ich top trainiert nach Hause oder mit zerbröselt die Lunge. Manchmal dachte ich wirklich, es jagt sie (die Lunge) jetzt raus.

Eine Woche vorher war ich in einer anderen Stadt, mit ohne Treppen. Geschnauft habe ich trotzdem wie ein Walross. Da wussten wir aber auch noch nicht, dass meine Lunge im Wasser schwimmt, quasi. Weil mein Reiseziel in südlichen Gefilden liegt, sind auch Moskitos schon unterwegs. Wer liebt es nicht, dieses leise, hohe Gesumse, wenn man kurz vorm einschlafen ist. Ich überlege kurz und komme auf drei Lösungen. Erschlagen mit einer Zeitung, wie man es schon immer machte und sich bewährte. Oder ich lass‘ diesen kleinen Blutsauger mal ein Tröpfchen Blut saugen und hoffe, dass noch genügend Gift in mir rumschwimmt, damit der kleine Vampir das Zeitliche segnet? Oder, schlimmer, das kleine Miststück hat auch Krebs, und meine restliche Chemo im Blut würde das Ding heilen? Wäre schön blöd…

Meine Magenschoner nehme ich immer noch. Mal Onki fragen, was er davon hält.

Und dann hatte ich noch eine kleine Thrombose an der Portspitze. Das hat alle ein bisschen in Schwung gebracht. Wenn ich nicht zufällig genau jetzt geröhrt hätte, hätte dies vermutlich keiner bemerkt. Und wenn so ein kleines Gerinsel einen auf Freischwimmer macht, dann kann es schon dumm gehen, wenn so ein Brösel in die Windungen des Hirns, Herzen oder Lunge kommt. Also, was heisst das für mich? Genau, die tägliche Spritzerei geht wieder los. Onki hetzt mich sogar von der Arbeit weg, die erste Spritze bei meinem Hausi zu holen und gleich rein damit. Jawohl. Nur die schwache Version, weil ich am nächsten Tag eben das Wasser auf der Lunge absaugen lasse. Also nur ein bisschen verdünnen, drei Tage später geht es mit der vollen Dröhnung los.

Meine Minz (=20 Tabletten täglich als Chemo) lassen wir ganz weg. Ich bringe die angebrochene und Reservepackung in die Onkologie. Erstens finde ich es nicht gescheit, Medis in den Abfall zu werfen, und zweitens kosten diese einen schönen vier-stelligen Betrag. Allerdings, jetzt kommt es mir in den Sinn, hätte ich die Dinger auf dem Schwarzmarkt verticken können / sollen? Es gibt eine neue Chemo, dass wäre dann die vierte. Habe den Eindruck, die Dinger werden immer rabbiater, oder mein Körper schwächelt vor sich hin.

Was mich am meisten nervt an dem schnezteln, spritzen, veröden, absaugen, durchspülen, wegschneiden ist, dass, egal was ich mache, was am Ende auf mich wartet, steht in Stein gemeiselt.

Planen

Wie ich schon sagte, Onki ist medizintechnisch handzahm, trotz meiner wieder auftredenten Knoten am Hals, lassen wir die Chemo erst mal weg. Ist die momentane Chemo stärker – oder ist mein Körper schwächer geworden.

Werde bei Onki einen Termin für PetCt und Hirnscan anfragen. Und wenn die Krankenkasse klemmt aus einem mir unergründlichen Grund, zahle ich den Mist selber.

Je nachdem werde ich die Behandlung abbrechen. Ich mag nicht mehr. Finde es so erbärmlich, wenn man abgemagert am Stock rum humpelt. Aus fertig – endlich fertig.

Dieser Eintrag wurde am 6. Mai 2019 veröffentlicht. 6 Kommentare

Gespiegelt

Nun habe ich es hinter mir. So eine Magenspiegelung ist ja nun nicht wirklich keine grosse Sache. Frühmorgens flitze ich noch schnell zur Onkologie um eine Portnadel setzen zu lassen. Mein treuer Fahrdienst wartet zu Hause schon auf mich, und los geht es. Pünktlich, also eigentlich eine viertel Stunde zu früh, stehe ich bei der Praxis vor verschlossenen Türen. Teamsitzung sei angesagt. Aha! Kontrolliere nochmals meinen Terminkalender, und es scheint, als ob ich am rechten Ort zur rechten Zeit bin. Also ganz Ladylike mit weisser Hose auf die Treppe gesessen und warten. Es kommen Leute rauf, und wieder runter, manche bleiben auch vor der Türe stehen, und schlussendlich sind wir eine fröhliche Runde, welche sich Gedanken macht, ob eine eineinhalbstündige Teamsitzung Anlass zur Sorge sein kann oder auf ein besonders fideles Team hinweist.

Die Türe geht auf, und wir marschieren alle rein. Bin mit Gipfeli bewaffnet. Mir wurde nach der Spiegelei ein Kaffee zugesagt, und weil mein telefonischer Vorschlag nach Brunch keinen Anklang gefunden hat, grösstenteils aus zeittechnischen Gründen, bringe ich halt Gipfeli für die Runde mit – die gut ankommen.

Rein ins Untersuchungszimmer, wo ich verkabelt werde. Still und leise frage ich mich, wie oft ich die ganze Litanei wohl schon hatte. Je länger ich friedlich auf auf der Britsche liege, umso besser wird mein Blutdruck, geradezu vorbildlich. Und die Sauerstoffsättigung liegt bei 100%. Mehr geht nicht. Meine, von Ablegern durchzogene Lunge, arbeitet immer noch top. Langsam bin ich mit der Funktionsweise meines Körpers überfordert.

Die überaus hübsche und nette Arzthelferin (hierfür gibt es sicher einen fachlicheren Ausdruck, welcher mir aber nicht einfällt) und ich plaudern vor uns hin und lachen viel. Schliesslich kommt auch mein Spiegeldokti, erzählt mir noch dies und das über die Spiegelung, und ob ich noch Fragen habe. Nö, wäre ja alles in den Unterlagen, welche sie mir zugesandt haben, gestanden. Einzig, als ich mich auf die Seite drehen musste, fragte ich warum. Falls man hustet, und oder die Zunge sonst verschlucken könnte. Ja dann. Kriege noch etwas in den Mund, um diesen offen zu halten, eine Maulsperre, oder so. Und da ist fertig mit reden. Als ich noch etwas sagen wollte, lalle ich rum wie mit 3 Promille, also schweige ich für einmal.

Die Infusion hängt an meiner Portleitung, und wir sehen uns in die Augen, mein Spiegeldokti und ich. Mir scheint, er wartet, dass ich weg trete, und ich denke, so einfach liege ich nicht flach. Aber natürlich, er hat da noch etwas in der Hinterhand. Spritzt noch ein wenig vom Narkosemittel nach, und schon war es um mich geschehen.

Irgendwie habe ich das Gefühl, ich spüre die Rumstocherei trotz Narkose. Weh tut auf jeden Fall nix. Nach ca. 10 Minuten bin ich wieder wach, werde entkabelt und torkle von der Britsche runter. Der Kaffee mit einem Gipfeli steht schon bereit. Mein treuer Fahrdienst auch.

Nun noch warten, ob und was er gesehen hat. Wenn er nix gesehen hat, wäre es das erste Mal, dass ich quasi umsonst und hypochondermässig beim Arzt war. Aber natürlich nicht. Habe mir ein Zwölf-finger-darm-geschwür eingeheimst. die gereizte Magenschleimhaut geht im Vorbeiweg mit. Es liegt im Bereich des möglichen, dass meine 20 Minz, welche ich seit einem runden halben Jahr schlucke, da nicht ganz unschuldig waren.

Mein treuer Fahrdienst bringt mich zur Onkologie, die Portnadel muss raus. Muss immer wieder schmunzeln, wie so „Laien“ doch Respekt vor einem Port und dessen Handhabe haben. Ich erzählte der Chemodame, was man raus gefunden haben, und flugs huscht sie in Onkis Büro, weil „das muss er wissen und mit ihnen besprechen“. Dann halt. Wobei, das Geschwür habe ich ja schon….

Die Nadel ist raus, und ich sitze und warte vor mich hin im Wartezimmer. Onki kommt und bittet mich in sein Büro. Er weiss schon, was los ist mit mir. Und weil ich ihm die anderen Bebelie, welche mich schon länger nerven, noch um die Ohren schlage, und das mir das ganze langsam zum Hals raushängt, (Blasen an den Füssen, Einblutungen ins Gewebe, Zahnfleisch, Nasen bluten auch, so wie im Gesicht  und am Kopf, Körperschmerzen, vor allem frühmorgens, dass ich mir schon fast einen Rolator mit Blindenhund her wünsche, sowie zum Teil taube Hände, und auch steife Finger einer gichtkranken 90-jährigen) lenkt er überraschend ein.

Was ist mit Onki los? Wenn Onki medizintechnisch nett wird, ist Vorsicht geboten, höchste Vorsicht. Dann ist die Lage ernst. Weil ich doch sehr lange sehr brav alles immer mitgemacht habe und brav geschluckt usw. (ja, 3 1/2 Jahre Chemo ist kein schlechter Schnitt, finde ich), meint er, zwei Wochen Päusschen mit dem Gift. Ja, so einen Onki hat man doch glatt wieder gerne. Einzig bei den Magenschonern geht er mit dem Spiegeldokti nicht einig. Während dieser meinte, ich kann auf ein viertel runter reduzieren, sagt mir Onki zwei Mal, ich soll diese weiter nehmen, denn „Spiegeldokti weiss nicht, wie lange sie schon darunter leiden). Nein, natürlich weiss das nur Onki, und natürlich hat er nicht Spiegeldokti gesagt.

Es läuft eigentlich immer gleich ab. Irgendwann erzähle ich Onki von einem Beblie. Atemnot und Husten, starke Blutungen, oder so wie in diesem Fall Magenschmerzen. Er notiert es immer mit im Gesprächsprotokoll. Und diese Jammerei von mir zieht sich dann so zwei, drei Monate hin, bis es mir reicht, und ich ihn bitte, mir einen Termin bei dem betreffenden Spezialisten zu arrangieren. Noch nie hat mir Onki ein solches Anliegen ausreden wollen, nicht ernst genommen, mir versucht einzureden, dass sei nun doch etwas übertrieben. Im Gegenteil, wenn ich Klartext rede, geht es ruck-zuck mit den Terminen. Noch nie über eine Woche gewartet.

Er hat mir sogar mal gesagt, ich kenne doch meinen Körper am besten, und weiss, was wann nötig ist. Wenn er mir da nur nicht zuviel zutraut.

Wobei er schon auch mit hinterlistigen Sachen gekommen ist. PetCt’s kommen immer von ihm, die Schilddrüsenpunktion ebenso wie der Hirnscan. Er bringt dann meist Sachen ins Spiel, an die ich noch gar nicht gedacht habe. Ich bin wohl eher für den Hausgebrauch die Ideengeberin…

Auf jeden Fall nehme ich nun brav zwei Mal täglich die Magenschoner und es geht recht gut. Internet sagt, so ein Geschwür braucht schon länger, um abzuheilen. Und wenn es bakteriell ist, dann wird noch mit einem Antibiotika drauf geschossen. Auf diesen Test warte ich noch, wobei mir Spiegeldokti sagte, dass dies bei mir eher nicht der Fall sei. Ja was, ehrlich, es gibt etwas, dass ich mir nicht zu 100% eingefangen habe? Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Ich kriege noch Besuch, welcher mir den Rest des Tages wunderbar vertreibt. Wunderbar, und wie gesagt, so eine Magenspiegelung ist recht beschaulich.

 

 

Spiegeln

Mein Magen zickt rum, und ich beginne nun doch, meine 16 Minz mit vier zusätzlichen pro Tag aufzuwerten. Kommt ja nun auch nicht mehr drauf an. Magenschoner und Schmerzmittel. Habe die Nase voll vom aufstehen in  der Nacht und Bananen und Joghurt essen. Das tut meinem Mäglein irgendwie gut. Meiner Nachtruhe hingegen nicht.

Ich bitte Onki, mir raschestmöglich einen Termin beim Spiegeldokti zu organisieren, und zack, die Woche drauf. Wenn ich manchmal höre, wie lange jemand auf eine Untersuchung warten muss, kann ich nicht klagen. Ok, wenn ein Onkologe einen Termin anfragt, kann dies evtl. schon dringender behandelt werden wie von einem Hausarzt. Auch wieder so ein Privileg, auf welches ich gerne verzichten würde. Schiebe den Termin doch noch aus arbeitstechnischen Gründen. Dank den Medis kann ich auch wieder durchschlafen, also ist ein bisschen später auch ok.

Mein Port wird auch wieder mal, eigentlich alle drei Monate, mit Rohr frei durchgeputzt. Er funktioniert immer noch tadellos. Biete bei der Terminschiebung an, meinen Port in der Onkologie anstechen zu lassen und verweise auf meine lausigen Venen. So wie es aussieht, wird dies gewünscht. Vermutlich nimmt man einer Langzeitkranken ab, wenn sie sagt, sie hätte schlechte Venen, und das praktisch jeder zwei Mal versucht….

Ich melde in der Onkologie Bedenken an, da ich nun schon bald eine Woche Schmerzmittel und Magenschoner nehme, Bedenken, wegen Abhängigkeit und das ich immer mehr  nehmen muss, damit die Wirkung bleibt. Nun ich werde nicht gerade ausgelacht, aber man gibt mir doch zu verstehen, dass dies nun mein kleinstes Problem ist. Ja, schon klar. Ich weiss, dass es Personen gibt, die jahrelang Schmerzmittel einwerfen, schlimmstenfalls sich nur wohl fühlen, wenn sie was zum jammern haben. Vor meiner Erkrankung habe ich allenfalls eine Schmerztablette genommen am ersten Tag meiner Periode, und das war es. Keine Kopf-Knie-Schulter-Rückenschmerzen, also die üblichen Verdächtigen haben mich nie belastet. Das tun sie auch jetzt nicht.

Und ein Satz bleibt mir ganz gut in Erinnerung – wenn es meine Lebensqualität verbessert, warum nicht nehmen. Ja, das leuchtet auch mir ein, also, Drogen zu mir. Bin mittlerweile doch recht gut ausgestattet mit den kleinen Dingern. Und vor allem, es sind nicht die Hausfrauenvarianten, schon die verschärfte Version, will heissen rezeptpflichtig.

Mein Kopf juckt wie verrückt, und ich stelle fest, da sind recht viele kleine, schwarze Punkte. Also hat mein Halsverschluss wieder mal ein bisschen vor sich hingeblutet. Im Gesicht sehe ich es ohnehin täglich, meist morgens nach der Dusche. Es gibt Schlimmeres. Und wenn immer ich ein neues Problem auftauchen sehe, reisst es mich nieder. Und mit der Zeit sage ich mir dann, was solls, noch keine Schmerzen, also alles gut.

Bei meinem Magen mache ich mir schon Sorgen, und dachte mir, evtl. Ableger. Aber nein, Ableger im Magen tun lange nicht weh. Prima. Also nur ein Magengeschwür, oder eine gereizte Magenschleimhaut. Oder hypochondermässig gar nix zum finden? Auch habe ich gelernt, dass man Menschen mit schweren Unfällen automatisch Magenschoner gibt. Schlichtweg weil Sorgen und Ängste auch die Schleimhaut reizen kann. Ja, es wäre möglich, dass ich mich manchmal mit ein bisschen Sorgen und Ängste herum schlage. Aber warum beschwert sich mein Magen erst nach dreieinhalb Jahren?

Manchmal finde ich, es wäre schon praktisch, wenn man wie beim Auto auch beim menschlichen Körper einen Compi anschliessen kann, die Fehlermeldung feststellt, und dann eine Sicherung z. B wechseln, und fertig. Aber nein, wir sind natürlich etwas komplizierter gestaltet.

Noch nicht

Habe meinen Magen brav geschont, und Onki fragt mich bei unserem Gespräch tatsächlich zwei Mal wie es mir geht. Und zwei Mal antworte ich gut. Er wird doch nicht enttäuscht sein, weil sich so eine Magenspiegelung erübrigt?? Er meint dazu nur, ich möchte ja nicht „in seine Krallen kommen“. So habe ich es nie geschrieben, sondern das es mir lieber ist, wenn ICH meinen Magen in den Griff kriege und nicht Onki mit medizinischem Geschütz. Ja, aber gemeint hätte ich es schon so mit Krallen usw. Da könnte er unter Umständen recht haben, aber ich streite alles ab. Er will ja manchmal auch ein bisschen gebauchpinselt werden, und weil er im grossen und ganzen nett ist, pinsle ich manchmal. Es funktioniert ja auch umgekehrt.

Das Gespräch ist für unsere Verhältnisse ziemlich kurz, was auch an mir liegt. Immer wenn ich mal zehn Minuten später komme, ist Onki natürlich auf der pünktlichen Schiene unterwegs. Bin ich pünktlich, liegen 15 Minuten warten immer drinnen. Und er muss los ins Spital, zu einem Gespräch, oder so irgendwas. Wenn er im Spital erscheint macht er auf Autorität und montiert seinen Arztkittel. Das macht ohne Frage schon was her, sage ihm das auch. Aber irgendwie nimmt er mir das nicht ab. War doch ein Kompliment meinerseits. Er wirft noch einen Blick unter der Türe zurück und grinst. Ja, wir haben für eine Arzt – Patienten – Gespräch wohl ziemlich rumgealbert. Trotzdem, die Blutwerte haben wir besprochen, und er legt mir ans Herz drei Tage länger mit der Chemo zu pausieren, meine Thrombozyten sind wohl besser, aber noch nicht ganz gut. Für meine Verhältnisse bin ich zufrieden, Onki auch.

Irgendwie war er auch der Meinung, wir hätten schon mal in meinen Magen reingespiegelt. Nein, haben wir nicht. Wir, also ich, machte einen Hirnscan, lies die Schilddrüse mit Nadeln durchlöchern,  die Lunge feucht durchwischen und ein bisschen davon für Tests rausschnetzeln, war ca. 10 Mal im PetCt, aber meinen Magen haben wir noch Magen sein lassen. Als ich letztes Jahr so viel, zu viel, in zu kurzer Zeit abgenommen hatte, also kurz vor der Kachexie war, wollte er mich unbedingt auf seine Waage buxieren, was ich vehement verweigerte. Hätte er die kg in Zahlen gesehen, hätte er vermutlich den Schlauch für meinen Magen schon poliert und angespitzt. Da konnte ich gerade noch durchschlüpfen mit ohne Magenspiegelung.

Die Chemo bleibt momentan immer noch die Gleiche. Weil ich ja praktisch nur noch palliativ, und meinem Befinden entsprechend behandelt werde, liegt (noch) kein Grund vor, wieder in die Röhre zu wandern, und das nächste Gift auszuprobieren. Der letzte Wechsel der Chemo hat wegen meiner Husterei und der fortschreitenden Ableger in der Lunge statt gefunden. Und ich glaube auch, mein Körper hat sich an die momentanen Minz‘ schon recht gewöhnt. Der Ausschlag im Gesicht hält sich im Rahmen. Der Haarausfall ist nach wie vor ein Thema, und das Hand-Fuss-Syndrom, aber, wie schon mehrere Male geschrieben, auch dass, kein Grund für eine seriöse Jammerei.

Und manchmal habe ich jetzt schon Angst, wenn der Satz kommt „Wir können nichts mehr machen“. Onki meinte zwar mal, dass werde ich vermutlich selber spüren und nicht überrascht sein, wenn es soweit ist, aber ich will noch nicht….

Änderungen

Nächstens bin ich wieder bei Onki. Wie immer, wenn ich bei ihm bin, bzw. in der Onkologie schicke ich vorher ein Mail betreffend Globuli Bestellung. Wenn man 16 Tabletten (minimum) am Tag als Grundnahrungsmittel einnimmt, sind so Packungen doch relativ schnell leer. Und die Onkologie erhält diese innert ein / zwei Tagen, bei Apotheken dauert es schon mal zehn Tage, bis die betreffenden Krebsmittel eingetroffen sind. Habe ich es schon mal geschrieben? Apotheken Besuche sind lange nicht mehr so unterhaltsam wie sie es mal waren. Während ich früher immer gelöchert wurde, was ich sonst noch nehme, und ob es mein Arzt weiss, und wie ich die betreffenden Mittel einnehmen muss, werden mir nun die Zytostatika über den Tisch geschoben, und ein „Alles Gute“ oder „Viel Glück“ – fast schon beschämend – gemurmelt. Niemand kommt in den Sinn, mir zu sagen, wie ich meine Minz einnehmen muss. Es war immer lustig, mitanzusehen, wie in den Augen der Mitarbeiterinnen die Fragezeichen im Auge aufgeblitzt sind, spätestens, wenn ich von meinen Antikörpern erzählt habe.

Ich nehem die Dinger jetzt doch etwas disziplinierter, also nicht mehr zum Essen, sondern schön brav eine Stunde davor oder eben vier Stunden danach. Wobei, kürzlich, als ich Magenschmerzen hatte, waren es fünf mal Chemo, ein Antibiotika, zwei Schmerzmittel und ein Magenschoner, vom Calcium reden wir nicht, ist ja an sich kein Medikament. Ich erzähle einem Kollegen von meinem Medimix, und er meint, man könnte sich da auch noch eine Linie reinziehen. Das finde ich nun etwas übertrieben. Und ich weiss auch nicht, wo ich dies beziehen könnte.

Mein Magen tut weh, so weh, dass ich bis zu zwei Mal in der Nacht aufwache. Ich schlucke brav Magenschoner, Schmerzmittel auch, welch mir Onki genehmigt hat, und es nützt einen grossen Haufen nichts. Nun heisst es aufpassen. Wenn ich das nicht geregelt kriege, traue ich Onki ungesehen zu, mir eine Magenspiegelung ans Herz zu legen. Und bis jetzt habe ich seine medizinischen Vorschläge immer vorbehaltslos befolgt. Er ist der Akademiker, also der Gescheite von uns Beiden. Es hat auch immer gut geklappt. Ich überlege, und es könnte unter Umständen sein, dass ich meinem Magen ein bisschen zuviel Ungemach zugemutet habe. Orangen spätabends, manchmal Pause mit Essen und trinken über fünfzehn Stunden, Mittagessen Vormittags um zehn, (was ich legitim finde, wenn man seit vier Uhr wach ist, mein Magen eher nicht), zuviel Kaffee mit grässlichem Milchpulver. Aber wozu hat man das Internet, mal schauen, was sich so anbietet in Sachen basischer Lebensmittel. Die Banane, was mir sehr gelegen kommt, weil ich diese gerne habe steht ganz oben. Dann hole ich mir noch ein „basisches“ Rezept aus dem Netz, und siehe da, es wird zusehends besser. Die zweite Nacht ging bereits wieder gut mit schlafen. Magenspiegelung abgewendet. Hoffe ich zumindest. Manchmal mach Onki auch prophylaktische Sachen mit mir, oder lässt machen. Auch diese mache ich mit, manchmal mit Grummeln und Knurren. Onki schmunzelt dazu, und schon hat er mich im Sack.

Meine Geher sind von der Chemo ordentlich beleidigt. Kaum ein Tag, und auch kein Schuh, welcher mir nicht Schmerzen bereitet, wenn ich unterwegs bin. Brav creme ich mir meine Füsse täglich ein, aber trotzdem  – Aua! Onki ist ein Schatz und hat eine teilweise Kostengutsprache bei meiner Krankenkasse für die Podologie erwirkt. Es tut gut zu merken, dass man Unterstützung hat, und noch besser, wenn man um diese nicht ewig betteln muss. Habe da schon von anderen Ärzten gehört, welchen so Sachen ziemlich egal sind.  Man kann Geld dümmer ausgeben, finde ich. Bin also recht gemächlich in den geheiligten Hallen meiner Arbeitsstelle unterwegs. Vielleicht denkt der eine oder andere schon, ein bisschen Gas geben würde nicht schaden. Aber je schneller laufen, umso schneller fahren mir die Blasen auf. Also mache ich auf Faulpelz.

Von einem Kollegen erfahre ich, dass er sich von seinem Burnout ziemlich gut erholt hat, was mich aufrichtig für ihn freut. Von einem anderen hingegen, dass er ernsthaft Sorgen im privaten Umfeld hat, Sorgen, welche nicht in seiner Hand liegen, bzw. er nicht ändern wird können.

Je älter man wird, umso mehr erfährt man von schlimmen, tragischen Sachen, die passieren, und man kann auser zuschauen nichts mache, auch wenn man direkt betroffen ist. Das Leben ist kein Ponyhof stimmt offensichtlich.

Und noch etwas habe (musste?) ich lernen: Der Spruch „Zeit heilt alle Wunden“ ist Müll. Manchmal arbeite die Zeit gegen einem.