Hatten wir schon

Die Entscheidung ist gefallen. Die Chemo mit Antikörper wird es werden. Nächste Woche geht es los, wieder bei Onki.  Und erfahrungsgemäss legt mein Krabbler zu wenn da nichts an Gift in mich hinein getrichtert wird. Dies ist nun schon fünf Wochen der Fall und üblicherweise meldet sich die Lunge. Und mein Schnauforgan lässt mich auch jetzt nicht im Stich, will heissen  das Atmen wird zusehends schwieriger. Erfahrungsgemäss geht es schnell, wenn es los geht. Also, MPi muss her. Und zwar MPi deswegen weil er mich dort kann anmelden, wo das abziehen des Wassers für meine Begriffe etwas schmerzfreier funktioniert. Die Herrschaften kenne ich dort bereits, zur Corona Zeit haben wir begonnen uns fusselnd zu begrüssen während wir uns fröhlich anlachen. Auf jeden Fall geht dort eine Anmeldung ruchzuck, Anruf bei MPi, Anruf der Disposition der Pneumologie und am nächsten Tag steht der Termin, Blutverdünner absetzten nicht vergessen. Eigentlich könnte ich mich auch direkt anmelden. Herr Disponent und ich kennen uns von einer kleinen Plauscherei, und er hat versprochen, ich darf jederzeit und immer anrufen für einen Termin. Jedenfalls wird der Ultraschall ans Licht bringen, ob es Wasser ist, welches mich tief schnaufen lässt – oder doch die wachsenden Ableger. Wasser abziehen wäre sofort die Lösung. Für die Ableger hoffe ich auf die Chemo.

Manchmal denke ich mir schon, irgendwo sitzt da oben einer, der will mir ganz fürchterlich eines auswischen. Was ich wohl angestellt habe, dass ich nie vergessen werden, wenn es wieder schlechter wird? Neben meiner Lunge ist es mittlerweile auch Silberrücken, der sich bemerkbar macht. Für die Desinteressierten und sporadisch Mitleser, mein Silberrücken ist der mittlerweile rund 5 cm grosse Lymphknoten linksseitig an meinem Hals, und steinhart. Er wird treu begleitet von vier weiteren Knoten, dafür kleiner. Gut sichtbar und auch spürbar. Auf jeden Fall ist Silberrücken nun gut spürbar, auch im sitzen, wenn ich mich nicht bewege. Das ist neu. Und nach rund fünf Minuten gehen oder laufen beginnt er enorm weh zu tun, so weh, dass ich mir die Schulter hochziehe und den Kopf schräg lege. Das dies total bescheuert aussieht, damit kann ich leben, aber ich frage mich, wann chronische Rückenschmerzen treue Begleiter werden, wenn ich immer so verbogen rum laufe. Bis anhin kenne ich keine Rückenschmerzen, worüber ich ziemlich froh bin. Und natürlich, allwissend wie ich bin, weiss ich auch warum dies so ist. Ich habe im grossen und ganzen immer einen weiten Bogen um High Heels gemacht. Mit meiner Grösse schaffe ich die Durchschnittsgrösse des Mannes, mit High Heels bewaffnet reduziert sich ein für mich in Frage kommender Mann grössentechnisch gesehen trastisch. Also habe ich diese Dinger meist weg gelassen. Falls die Chemo keinen Einfluss auf die Grösse von Silberrücken hat werde ich Onki mal anfragen, ob man diesen auch raus nehmen kann. Meine Erklärung für die Schmerzen ist, dass er mittlerweile zu viel Platz braucht oder/und irgendwo auf einen Nerv drücken. Man wird sehen.

Covid-19 ist meinen Finanzen zuträglich. Schaffe es momentan nicht, gleich viel Geld wie normalerweise üblich auszugeben. Aber ich bin erfinderisch und investiere das Überbleibsel in Telefongespräche. International, weil es sich sonst ja nicht lohnt. Aber natürlich auch national. Eine liebe Kollegin von mir wohnt sehr idyllisch, praktisch in den Bergen. Das kann ich von mir nicht behaupten. So wie sie mir erzählt hat, wird die Bergregion wochenends praktisch von uns Flachländern überrannt. Das ist noch verständlich, da man endlich mal raus will. Was nun schon eher das wahre Gesicht von uns Menschen zeigt, unseren Egoismus, ist, dass trotz Feuerverbot oft und gerne die Wurst über einem kleinen Feuer gebraten wird. Sieht aus, als ob das offizielle Feuerverbot nur um die eigene Adresse herum einzuhalten wert ist. Passenderweise lese ich auch irgendwo, dass Littering, also das liegen lassen von Abfall, zunimmt. Auch davon erzählt mir meine Kollegin. Ja, so sauber und ordentlich wir es gerne zu Hause haben, sobald wir glauben, niemand sieht uns, verändern wir unser Verhalten dahingehend, dass wir es öffentlich nie zugeben würden. Ausnahmslos jeder, den ich kenne, würde solches Verhalten weit in Abrede stellen. Es sind immer die Anderen.

Mein hochoffizielles Arbeitsverbot würde mir ermöglichen, dass ich losziehen könnte, in die Bergregieon, wo unter der Woche nicht ganz so viele Flachlandindianer rumschleichen. Nur, mit meiner Lunge bin ich schon froh, wenn ich es von der Tiefgarage in meine Wohnung schaffe. Und nun bin ich wieder dort wo ich heute begonnen habe – meine Hoffnung ist die Chemo.

Dieser Eintrag wurde am 2. Mai 2020 veröffentlicht. 2 Kommentare

Anderer Länder, andere Sitten

Ein kleiner Plausch mit MPi, und irgendwie kommen wir auf England zu sprechen. Er lässt mich wissen, dass in England sämtliche Krebsbehandlungen abgebrochen worden sind. Auch Neuuntersuchungen, nichts zu machen. Und zwei Tage später lese ich eine – natürlich – reisserische Schlagzeile, x-tausend Krebstode in England befürchtet. Und natürlich – man gibt dem COVID-19 die Schuld. Ich sehe das etwas anders, aber mich fragt ja auch keiner.

Bei meiner kleinen Plauscherei mit MPi ist auch etwas anderes raus gekommen. Etwas nicht ganz so Tolles. Meine Studie wird abgebrochen. Während die meisten Ableger schrumpfen, wachsen diese in der Lunge munter vor sich hin. Grund hierfür ist, dass diese den Her2 Faktor verloren habe. Wusste ich bis vor kurzem auch nicht, dass dies sein kann. so Krebszellen sind lernfähig, kleine, clevere Biester. Wie man früher oder später eine Antibiotikaresistenz sich quasi ranzüchtet, ist es das gleiche mit diesem Her2 Faktor. Seit gut vier Jahren schiesen wir auf diesen mittels Antikörper nonstop. Und nun scheint es dem Luder zu reichen, und hat sich auf der Lunge verabschiedet. Die Ableger sind geblieben und wachsen. Und mit ganz ohne Lunge lebt es sich schlecht.

Wie mir schon zu Beginn der Studie zugesichert wurde, nach sechs Wochen wird und wurde getestet, ob und wie die Studie wirkt. Und das ist eben dabei heraus gekommen. Die ganze Litanei an Blut abzapfen, Röhren, EKG, Ultraschall und so weiter. Und weil ich hier in einem Spital bin, und nicht in einer Onkologiepraxis sind auch Blutwerte & Co. ruckzuck, nämlich noch am selben Tag hier.

Und nun sitze ich ziemlich in der Patsche. MPi bietet zwei weitere Studien an. Bei einer handelt es sich um ein Medikament, CB103 (wieder kein Name), noch nicht offiziell auf dem Markt, in der Testphase. Grosser Nachteil ist, dass ich den Magenschoner absetzten  müsste. Seit meiner Tablettenchemo, damals, mit rund 20 Tabletten am Tag, habe ich ein kleines, feines 12-Finger-Darm-Geschwür. Und weil ich bereits drei Thrombosen in meinem Leben hatte, muss ich Blutverdünner nehmen. Und eben darum nehme ich den Magenschoner, um zu verhindern, dass dieses wieder zu bluten beginnt. Spätestens auf dem WC würde ich dies merken. Und die Studie wäre auch in Tablettenform. Die Unterlagen sind recht umfangreich, diesesmal 30 Seiten. Und die Nebenwirkungen zwei A4 Seiten. Mal was Ordentliches.

Zweite Möglichkeit wäre auch eine Studie. Eine bereits auf dem Markt befindliche Chemo. Diese wäre wieder als Infusion, aber irgendwie ein bisschen anders in der Darreichungsform. Das Molekül (oder so irgendwie) in Fett eingebett. Also, ich nehme nicht an, dass die Infusionsflüssigkeit mit Fettaugen oben auf rumschwimmt. Nebenwirkungen wären mein geliebtes Hand-Fuss-Syndrom und entzündete Schleimhäute, vor allem im Mund. Da kommt Freude auf. Endlich haben sich meine Geher erholt, schon geht es wieder los. Dokumentation umfasst nur 15 Seiten. Ob das was G’scheites sein kann??

Werde mir das ganze von MPi und seiner Kollegin genauer erklären lassen. Weil eigentlich für die erste Studie seine Kollegin zuständig ist. Wie ich festgestellt habe, sind an „meinem“ Spital rund fünfzig Studien am laufen. Da bildet man sich ein etwas Besonderes zu sein. Pustkuchen. Eine von vielen halt.

Dritte Möglichkeit wäre zurück zu Onki und wieder Chemo mit den Antikörpern. Da könnte ich z. B. obengenannte Chemo in der herkömmlichen Form zusammen mit den Antikörpern schlucken. Und das ist mit grosser Wahrscheinlichkeit neben den üblichen Verdächtigen sehr, sehr garstig zu meinem Herzen. Das würde dann heissen, Chemo weiter und den Antikörper weg lassen, bis sich das Herz wieder erholt hat. Somit könnte ich ja von Anfang an bei der Studie mitmachen.

Wie schon mal geschrieben, MPi, Onki und ich, wir bemailen uns im Dreieck, manchmal. Und Beide haben mir schon mal klar gemacht, was sie evtl. für gut befinden. Selbstredend, dass sie nicht für das gleiche sind. Wenn ich nun mit der Kollegin von MPi spreche habe ich vielleicht eine dritte Meinung, und dann kann ich eine Münze werfen.

Da  haben es die Leute in England wieder einfacher – die Entscheidung wurde ihnen radikal abgenommen. Zu die Türe, und dann kann man schauen, wie man damit fertig wird. Auch wieder blöd.

 

 

Was anderes

Wie geplant wird kontrolliert, ob das neue Mittelchen bei mir seine Dienste tut. Zuerst mal rund zehn Röhrchen mit Blut, EKG ist gut, Vitalwerte sind auch ordentlich. und weiter gehts zu Herzdame- und Bube. Sie ultraschallen wieder ziemlich fest an mir rum, auch ziemlich lang. Wir plaudern während der Untersuchung ein wenig, bzw. Herdame möchte wissen, wie denn das genau bei mir sei von wegen Vorerkrankung usw. Also leiere ich es mal wieder runter. Wie oft habe ich dies schon getan? Und hier, quasi im neuen Spital, kann ich die ganze Leier öfters mal von mir geben, damit die betreffenden Ärzte wissen, wen und „was“ sie vor sich haben. Offensichtlich leiere ich schon recht ordentlich, auf jeden Fall werde ich gefragt, bzw. man geht davon aus, dass ich auch im medizinischen Bereicht tätig bin. Nein, bin ich nicht. Aber nach vier Jahren kriegt man doch einiges mit, da müsste man doch sehr lernresistent sein, wenn da nicht das Eine oder andere hängen bleibt. Das gute an der ganzen Ultraschallerei: Es wird nichts gefunden, was nicht gut ist, bzw. so schlecht, dass man mit Schuldmedizin dazwischen funken müsste. Der, das letzte Mal festgestellte ,“Fehler“ auf meinem Herzen, hat sich nicht vergrössert, Pumpfunktion ist in Ordnung, auch die Herzklappen schliessen ordentlich. Das ist doch mal was. Was ich lustig finde ist, wie diese Klappen aussehen. So kleine, dünne Dinger, die hin und her „schwanken“.  Auf jeden Fall bin ich entlassen, und mein Herzpaar wird mit MPi noch in Kontakt treten.

Next Stop: CT.
Die lange Sache daran ist das Trinken, bzw. bis man den knappen Liter an Flüssigkeit in sich rein geleert hat. Nach einer knappen Stunde werde ich abgeholt. Das CT ist ja eigentlich keine Röhre, die neuen Geräte sind eher ein Bogen. Rein und raus, Luft anhalten und wieder atmen. Zum Schluss noch den Kopf etwas nach hinten dehnen, der Hals wird noch gecheckt. Das habe ich wohl meinen Ablegern in der Schilddrüse und den Knoten, incl. meinen Silberrückens, zu verdanken. Ich bin entlassen.

Wäre doch tatsächlich fast mit der Portnadel nach Hause gezuckelt. also wieder raus aus dem Auto und rein in die Onkologie, das Ding mus raus. Wäre ich  mit diesem Ersatzteil nach Hause gefahren hätten mich wohl eine von Onkis Chemodamen davon befreien müssen. Aber gerade noch mal geschafft.

Aus reiner Gewohnheit schaue ich mal ins Mail. Normalerweise ist MPi ziemlich zackig mit dem senden der Befunde. Vor allem die Blutwerte trudeln zügig rein. Heute nicht. Hat er viel zu tun? Kann wohl auch bei einem in der Forschung tätigen Onkologen der Fall sein. Abends klingelt das Telefon. Ich stehe gerade am Herd, aber MPi ist einer von den Menschen, dessen Anrufe ich stets entgegen nehme.

Ja, also, das Gute zuerst: Grösstenteil schrumpfen die Ableger. Weiter, fordere ich ihn auf. Wie beim Onkel vom Mars fahren meine Antennen aus. Da ist  was im Busch. So gut kenne ich meine Weisskittel schon. In der Lunge sind die Dinger gewachsen, zum Teil auf 2 cm und auch mehr. Innert sechs Wochen.  Aha. Mein Krustentierchen wird selektiv im reagieren auf die Giftlerei. Wie das jetzt? Es ist möglich, dass ein Tumor oder Ableger den Her2 Wachstumsfaktor quasi „verliert“. Und weil MP0274 quasi nur auf diesen Wachstumsfaktor schiesst, berührt das natürlich Tumorzellen, welchen diesen nicht (mehr) haben nicht, und so spriesen diese weiter. Bis anhin wusste ich gar nicht, dass es möglich ist,  das Her2 „verschwindet“. Dämlich, jetzt wo das Herz wieder grünes Licht gegeben hat, kommt doch die Lunge und zickt noch mehr rum, als sie es ohnehin schon immer getan hat.

MPi klingt ernst. Ja, da sind sie sich doch sehr ähnlich, Onki und MPi, wenn es zur Sache geht ist fertig mit der Flachserei. Und jetzt? Ja, er ist am abklären, führt Gespräche mit Kollegen, kontaktiert Tumorboard sowie die Mitglieder des betreffenden Brustkrebszentrums. Es ist beruhigend zu wissen, dass auch er ein Arzt ist, welcher nicht zu stolz ist, Kollegenmeinungen einzuholen anstatt als One-Man-Show einfach etwas aus dem Ärmel schüttelt.

Ganz sicher wird diese Studie abgebrochen. So wie er gehört hat, käme vielleicht noch eine andere Studie in Frage, oder eben wieder Chemo und  Antikörper. Dann wäre wieder Onki gefragt. Er weiss es auch schon und signalisiert Unterstützung. Wüsste nicht was tun, wenn ich an, sagen wir etwas anderen Ärzten, gelandet wäre.

Werde gefragt, ob mich Onki „fallen gelassen“ hat. Nein, natürlich nicht, immer noch ist er für mich da, wenn ich etwas brauche, wissen muss usw. Wobei ich meist schon bei MPi lande.

So nebenher wurde auch festgestellt, dass an meiner Gebärmutter Ableger sind, die Bauchspeicheldrüse verkalkt ist, (kann von einer nicht bemerkten Entzündung kommen, von den Medis, von was auch immer, es ist jetzt da und fertig), und Gallensteine habe ich auch.  Das nur so am Rande.

Gehe mit einer Schlaftablette ins Bett. Die Gedankenmühle lässt micht trotzdem nicht schlafen…

 

 

Selber schuld

Habe spät realisiert, dass mir ein Medi ausgeht. Also habe ich mich auf dem Weg gemacht. Ich lande an meinem Arbeitsplatz. Leer, nur leer. Es krampft sich etwas in mir zusammen. Wenn man etwas nur voll mit Leuten kennt, und nun ist man fast alleine. COVID-19 sei dank.

Wie einfach wäre es nun zu sagen, ja klar, die Chinesen, kein Wunder, so wie die mit der Umwelt umgehen, so wie die leben, kein Wunder, dass da so was kommt. Wir, die westliche Welt, ist meiner Meinung nach ziemlich scheinheilig. Und ich nehme mich da keinenfalls aus. Wir sammeln brav Batterien. Und es gibt hier eine Firma, welche gebrauchte Batterien angeblich aufbereitet, bzw. zerlegt, damit sie wiederverwendet werden können. Ein Schulungsmitarbeiter eines Elektrokonzerns hat mir mal geantwortet, Batterien kommen ins Ausland. Aha, und dort? Irgendwo auf eine Abfallhalde. So, das machen wir doch ganz fein. So auf den ersten Blick ist es sauber bei uns. Als ob Landesgrenzen die Umweltverschmutzung von uns fern hält.

Praktisch kein Tun und Handeln des Menschen, dass nicht Spuren auf unserem Planten hinterlässt. Joghurt zum Frühstück, Plastik. Zähne putzen, mit kleinsten Microplastikteilen in der Zahnpasta. Körperhygiene mit Kosmetika aus der Kunststoffflasche. Es ist endlos. Nun könnte man natürlich im eigenen Garten gesundes Gemüse ziehen. Und man giesst es mit Oberflächenwasser mit was? Genau, Microplastik. Und weil wir Frauen jahrelang Hormone in uns reinpumpen, haben wir auch diese bereits im Wasser, von Spuren von Antibiotika ganz zu schweigen. Genug Hormone, dass es schon Gewässer gibt, in welchen das Geschlecht der dortigen „Bewohner“ ändert. Ausser Steinsalz sei angeblich schon jede Art von Salz mit Microplastic durchzogen. Fleur de Sel, Meersalz sowieso, auch Himalayasalz…..

Nach meiner ersten Thrombose habe ich vor zwanzig Jahren die Pille abgesetzt. Mein Partner hat mich voll unterstützt. So wie ich von Frauen gehört habe, gibt es da jedoch auch andere Sichtweisen von Männer…  Bis zu meiner Erkrankung war ich praktisch medikamentenfrei.

Und nun, nun bin ich der Gifthaufen wie er im Buche steht. Ich habe es glaube ich schon geschrieben, was mich richtlich nachdenklich stimmte war die Feststellung, dass eine Blutdruckmanschette auf der Intensivstation weg geworfen wurde. Ich trug diese vielleicht zwei Stunden? Scheeren im Spital? Einmal gebraucht und fort damit. Nicht mehr sterilisiert wie früher und wieder verwendet. Nein, weg geworfen, weil es wohl unter dem Strich billiger ist. Medizinischer Abfall, und nicht nur in meinem Fall, hochgiftig, wird wohl als Gefahrengut „entsorgt“, aber wohin? Wo kommt es hin, bzw. kommt es tatsächlich in eine Verbrennungsanlage mit speziellen Filter? Wer kontrolliert das? Schon alleine meinen Port anstechen produziert Abfall ohne Ende. Handschuhe, vier Tupfer mit Desinfektionsmittel, die Portnadel mit entsprechender Kabelei, vier Spritzen mit Spüli, zwei vor und zwei nach Behandlung, zum durchspülen des Ports, zum Schluss noch ein Pflaster.

Da mache ich mir Gedanken über das Gift, dass ich auf dieser Welt hinterlasse. Und hätte absolut keine Skrupel, wenn immer möglich in den nächsten Flieger zu steigen und irgendwas besuchen. Auch ich bin scheinheilig. Zumindest gebe ich nicht hochbesorgt den beliebten Satz von mir „Ja, so geht es nicht weiter, es muss sich schon etwas ändern“. Klar muss sich was ändern, Aber bitte nicht bei mir. Den Wäschetrockner möchte man nicht hergeben, er ist ja so bequem, das Auto sowieso nicht, und in die Ferien möchte man natürlich auch fahren.

Mein bequemes Leben soll bitteschön bleiben wie es ist. Die andern sollen mal tun…. Bin ich auf den Malediven möchte ich nicht auf die Insel, welche extra für den Abfall dieses Inselstaates geplant wurde. Auf Hawai will ich mir nicht den Plastikstrand anschauen gehen, dass wäre doch lästig. Die seit Jahren anhaltende Ölpest in Nigeria, wie uncool, darüber berichten die Medien schon gar nicht mehr. Atommüll, welcher offen in der ehemaligen Udssr steht. Ist ja typisch, die Russen kümmern sich gar nicht um die Umwelt. Das es vor  allem, oder auch westlicher Atommüll ist, wen kümmert es. Hauptsache wir haben genug und jederzeit Strom. Wie ärgerlich ist das denn, wenn man Stromschwankungen hätte, immerhin zahle ich ja wohl genug für den Strom.

Ich habe kein Studium und ganz sicher fehlt mir ein grosser Haufen Wissen. Aber so rein gefühlsmässig würde ich sagen, wir kommen aus diesem Strudel nicht mehr raus. Unser Lebensstandard fordert seinen Tribut, egal wo und wie man lebt. Und die Erde wird sich zu wehren wissen, irgendwann wird sie uns, salopp gesagt, platt machen, so das wir gar nicht verstehen, wie uns geschieht. Weil wir selber schuld sind.

Zeit, meinen Fisch für das Abendessen aus dem Tiefkühler zu nehmen, mit MSC Siegel. Wer’s glaubt. Microsplastik incl.

Seltsam

Die zweite Dosis meines Studienmittelchen kommt rein. Und es ist wie schon eim ersten Mal das gleiche Prozedere. Zuerst mal Blutspende, danach kommt Kortison rein. Mein Vorschlag, um Zeit zu sparen, ich könnte doch das Kortison mittels Tabletten nehmen, wie ich es während den Chemos immer machte, wird abgewimmelt. Warum? Die Studie schreibt vor, das Kortison muss unmittelbar vor dem Mittelchen reingetrichtert werden. Eine Stunde warten, und los geht es. Der Venflon wird gelegt, und sitzt auf Anhieb. Es ist die gleiche Vene wie schon vor drei Wochen, und sie ist immer noch ein bisschen beleidigt, sprich schmerzt, wenn man drauf drückt. Ich weiss es ja schon ewig, meine Venen lassen zu wünschen übrig. Aber wie gesagt, dieses Mal hat es geklappt. MPi zeigt sich mit schöner Regelmässigkeit. Wir plaudern friedlich vor uns hin. Dieses Mal muss ich nur noch vier Stunden  zwecks Überwachung bleiben. Blut spenden, Vitalwerte. Immer wieder. Irgendwann kommt auch mal Essen, Kaffee kommt auch auf Wunsch und Tee, Mineralwasser, was man sich wünscht. Einzig bei Bacardi Cola wird gestreikt.Obwohl ich da schon flexibel wäre, Gin Tonic wäre auch ok. Aber nix zu machen.

Irgendwann kann ich nach Hause. Mein Fahrdienst ist bereit, und so geht es heimwärts. Vorher noch schnell etwas kaufen, essen muss der Mensch. Schon im Laden wird es irgendwie komisch. Die Einkaustasche wird unsäglich schwer, eine liebe Nachbarin trägt sie mir die Treppe hoch. Und wir sprechen hier von einem Stockwerk. Mit unglaublicher Geschwindigkeit geht es mit mir bergab. Sitzen, nur noch sitzen möchte ich. Meine lieben Nachbarn bieten mir an, für mich mitzukochen. Gerne, sehr gerne, eine ganz kleine Portion. Melde mich bei MPi. Er meint, es sei eigentlich gleich wie das letzte Mal. Ja, stimmt wohl, nur war ich damals schon im Spitalbett, und gefühlsmässig hatten wir früher mit den Medis begonnen. Er gibt mir durch, was ich wann schlucken soll, und das Fieber im Auge zu behalten. Und ja, Corona schliessen wir Beide aus. Weil es halt irgendwie nicht passt. Ich lasse ihn wissen, dass ich noch Kortison in Tablettenform zu Hause hätte. Ob ich evtl. hier noch nachlegen sollte??? Er verneint, ich hätte heute schon eine ordentliche Dosisi Kortison gefasst. Muss ihm noch versprechen, ihn später am Abend noch zu bemailen, wie es mir geht. Irgendwie schaffe ich es, meine Einkäufe weg zu räumen. Und beginne mit der Tabletteneinnahme. Normalerweise nehme ich es nicht so genau mit der Zeit wie ich die kleinen Helferlein schlucke. Nun bin ich vorbildlich. Sechs verschiedene an der Zahl sind es, welche ich im vorgegebenen Zeitabstand schlucke. MPi bemaile ich noch. Lasse ihn wissen, dass die Temperatur rauf und runter geht. Das Essen der Nachbarn ist wunderbar und in der Grösse einer Kleinkindportion, gerade richtig. Und ich torkle ins Bett.

Ein paar Mal wache ich auf und merke, wie ich schwitze. MPis Zeug hat mich richtig ausser Gefecht gesetzt, ich schlafe weiter. Relativ früh am Morgen klingelt das Telefon. MPi will wissen, wie es mir geht. Ja, scheint so, als ob er sich richtig Sorgen machte. Ich kann ihn beruhigen, es geht mir sehr viel besser, eigentlich schon fast wieder wie immer. Wir werden uns einig, wie wir die nächste Dosis überlisten werden. Ich werde früher mit den Medis beginnen, bzw. mit den Immunsuppresia beginnen. Das Kortison, lässt mich Onki wissen, wirkt sechs Stunden, und so liegt es fast auf der Hand, was mich nieder gemacht hat, und wann mit was Gegensteuer gegeben werden kann.

Vereinzelt werde ich gefragt, ob ich jetzt aufhöre mit der Studie. Nein, warum sollte ich? Wenn man doch weiss, man kann diese missliche Reaktion unterbinden, dann ist doch gut. Werde mal MPi fragen, wie es den anderen zwei Versuchskaninchen ergeht?

Habe mal in die Runde gefragt, wie die allgemeine Meinung ist, wer sich in meinem Fall noch am Herz herumoperieren liese. Eine sehr schmissige Antwort erschien mir ziemlich logisch. „Da kann alles andere in Fetzen liegen, die Pumpe muss funktionieren“. Stimmt schon. Andererseits, wer kauft für ein 15-jähriges Auto noch einen Satz neue Felgen? Also, vermutlich wäre ich für eine Stentimplantation zu haben, für komplizierteres nicht, so von wegen Schnetzlereien am offenen Herzen usw. Aber das ist alles noch nicht ganz spruchreif. Es ist auch nicht so das ich Angst davor hätte, da wurden schon üblere Sachen mit mir gemacht. Die Sinnfrage stellt sich mir.

So Coronazeiten bringen ganz eingenartige Sachen zum Vorschein. Heute z. B. habe ich das erste Mal in Nachbars Garten Kinder und Erwachsene gleichzeitig bemerkt. Na ja, ich bin ja auch nicht immer am Fenster, gut möglich das es schon öfter der Fall war.

Wenn nicht mein Handy automatisch die Zeit umgestellt hätte, wäre dies doch glatt ein paar Tage an mir vorbei gegangen. Die täglichen Medien tue ich mir schon länger nicht mehr an, da sind meiner Meinung nach viel zu viele Fachleute die ihr Wissen zum Besten geben. Und, ganz wunderbar, kein einziges Whatsapp, in welchem wieder einer seine Uhr von Tisch zu Tisch verstellt hat. Und nicht ein einziger 1.Aprilscherz trudelt rein. Und, oh Wunder, die Zeit geht auch so vorbei.

Und das man angeblich die ersten an HIV – Erkrankten heilen konnte, war auch nur ein kleiner Abschnitt unter den Nachrichten. Unter anderen Umständen wäre das vielleicht eine richtig grosser Schlager geworden, aber he, wir haben Corona, wen interessieren da HIV-positiv-Erkrankte??

 

 

Kontrollen

stehen jetzt zwei Mal die Woche an. Jedesmal wird mir Blut gezapft, jedesmal über den Port. Die Haut darüber schimmert schon ein bisschen blau. Armer Kerl. So oft in so kurzer Zeit wurde er noch nie gefordert. Aber er tut brav seinen Dienst.

Mein Herz wird auch wieder beultraschallt. Irgendwann sage ich zu meiner Herzdame, dass sie doch einen recht langweiligen Job hat. Sie findet es hingegen sehr aufregend, könnte ewig an einem Herzen rum schallen. Ich weiss nicht, was die Weisskittel immer auf den Ultraschallbildern sehen. Für mich ist dies nur grau in grau wie ein verregneter Novembertag. Sie verschwindet mit den Bildern, um diese mit einem Kollegen zu besprechen. Zuerst sitzte ich noch auf der Liege rum, aber es wird mir zu langweilig und wieder hingelegen und fast gelingt es mir, einzudösen. Und natürlich, gerade als ich wegschlummere kommt sie wieder rein und kündet noch ein EKG an. In einem anderen Zimmer werde ich verdrahtet und ruckzuck gibt es noch ein Echokardiogramm. Es gibt noch etwas zu besprechen, denn ich werde in ein Zimmer mit rundem Tisch und sechs Stühlen geführt. Ich setzte mich nicht sondern werfe mal einen Blick auf die aufgelegten Broschüren. Meine Nerven, wusste gar nicht, dass ein Herz so dermassen viel Zickereien auf Lager hat. Nicht nur Herzinfarkt, Kammerflimmern. Da sind rund zehn Wehwehchen zu belesen.

Meine Herzdame kommt mit ihrem Vorgesetzten. Ich lasse die Beiden wissen, dass ich überrascht bin über all die Bebelie, mit welchen einem das Herz das Leben schwer machen kann.

Beide stecken sie hinter Masken, und so kann ich sie nicht recht einschätzen. Herzbube beginnt zu sprechen und ich erlaube mir, ihn zu unterbrechen. Name und wer er ist? Er stellt sich vor und meint, ich hätte ihn vor zwei Wochen schon kennen gelernt. Ups! Aber zu meiner Verteidigung, ich sehe ja nur seine Augen.

Er beginnt mit Grabesstimme zu sprechen. Seine Augen sind nicht von Schalk durchzogen. Ob ich das Gefühl von Herzrasen hätte? Oder unregelmässigen Herzschlag? Oder? Oder? Oder? Nichts von alledem. Atembeschwerden, ja, aber diese führe ich auf meine Lunge zurück.

Auf jeden Fall, man hätte da ein kleines Zipfelchen an meinem Herzen gefunden, welches nicht recht tut wie es soll. Und weil vor drei Wochen mein Puls mehr als hoch war, kann man nicht genau sagen, ob dieser kleine Fehler schon das letzte Mal da war, oder ob es schlichtweg nicht sichtbar war.

Wenn es mir recht wäre, bzw. wenn ich damit einverstanden wäre, würden sie mich gerne in zwei, drei Wochen nochmals kontrollieren. Klar, kein Problem, bin ohnehin im Spital wegen meiner Studie. Ja, es sei eben dank Corona so, dass sie nicht mehr aufbieten dürfen, wenn es nicht unbedingt nötig sei. Also Besprechungen usw. wenn immer möglich via Telefon, Mail, was auch immer. Wie gesagt, ich bin ohnehin hier, und so kann ich nach der Onkologie auch noch einen Schwenker zu Herr und Frau Kardiologie machen. (Wenn ich so weitermache, habe ich gute Chancen, mal jeden Facharzt abgegrast zu haben….).

Herzbube meint, er kenne sich nicht aus mit den Zytostatiken, dem Studienmittel und was diese Globulis alles anrichten können, und werde daher mit MPi Kontakt aufnehmen. Er darf doch nie  sagen, dass er etwas nicht weiss! Er muss doch als Arzt stets allwissend und überzeugend auftreten, teile ich ihm mit. Sehen kann ich es nicht, aber ich höre ihn lachen, und auch seine Augen tun es.

Wir reden darüber was sein könnte. Ich erzähle, wie es bei mir gesundheitlich aussieht. Eine Operation am Herzen kommt für mich nicht in Frage. Ja, wenn mein Körper ansonsten fit wäre würde ich grünes Licht geben für alles, was nötig ist, damit meine Pumpanlage auch 1a funktioniert. Aber so? Nein. Meine Aussage, dass ich mich schon länger darauf gefasst mache, dass irgendwann mein Verdauungstrakt auch Scherereien macht lässt ihn ziemlich konsterniert dreinschauen. Aber so ist es nun mal. Wie lange funktoniert es noch? Wie oft habe ich mich das schon gefragt?

Ob ich wisse, bzw. informiert worden bin, bei welchen Beschwerden ich mich melden müsste,  und ob ich eine Kontaktnummer hätte, und auch, ob ich informiert worden wäre, wie das mit meinem Studienmittel sein „könnte“. Ja und ja. (Seit vier Jahren ist das so). Und ja, in den Unterlagen zum Studienmittel war eine halbe A4 Seite mit möglichen Nebenwirkungen welche mit dem aussagekräftigen Satz geendet haben „kann auch bis zum Tod führen“. Herzbube- und Dame sehen sich an, und ich merke, sie wissen nicht, wie reagieren. Still frage ich mich, sind wir Tumorpatienten so viel anders wie Menschen mit Herzproblemen? Oder reden wir offener über Probleme usw.?

Zum Schluss werde ich noch gefragt, ob ich damit einverstanden bin, wenn mich die Beiden weiter behandeln würde. Aber ja. Sehr oft werde ich gefragt, überall, ob ich mit den geplanten Sachen, Vorgängen usw. einverstanden bin. Es käme mir wirklich nicht in den Sinn, einen Arztwechsel zu verlangen. Warum auch? Und wenn immer ich noch Fragen habe oder Probleme, ich solle unbedingt anrufen.

Noch nicht mal eine Corona Krise bringt meine behandelten Ärzte soweit, mir zu sagen, bleib zu Hause, wir machen später weiter. Ist es wirklich so ernst? Das stinkt mir, ehrlich gesagt.

Nachdenklich

Corona überall.

Ich beginne wie damals bei der Vogelgrippe, Leute zu fragen (am Telefon!!), ob schon jemand einen betroffenen Fall in seinem Bekannten-Verwandten-Kreis hat. Eine Kollegin bejaht dies, ein Lehrerehepaar, mittlerweile genesen.  Irgendwie habe ich das Gefühl, die Medien wollen uns klar machen, wir werden dahingeraft. Seriöse Internetseiten zeigen es klar auf, 80% der Erkrankungen verlaufen leicht bis sehr leicht.

Es ist brutal ausgedrückt, aber ich schreibe es trotzdem. Nun kommt natürliche Selektion zum Tragen. Und ja, auch ich gehöre dazu. Wäre ich fünf Jahre früher erkrankt, wäre ich vermutlich nicht mehr hier, weil meine Medis zum Teil noch gar nicht zugelassen waren. Und Dank dieser Medis bin ich noch hier. Mit grösster Wahrscheinlichkeit.

Wir leben mit einer Selbstverständlichkeit, dass uns die Medizin durchschleppt, bis ins hohe Alter, bis ins sehr hohe Alter.  Und natürlich, niemand, ich auch nicht, will mit dem Gedanken leben, man lässt mich sterben, weil ich alt bin, weil ich medizinisch gesehen ein rettungsloser Fall bin. Ist mein Gedanke so abwegig? Mir wird ein, dank Krebs, bevorzugte Behandlung auch nichts nützen. Meine Lunge ist angeschrammt, ob sie COVID-19 einfach überstehen wird? Ich weiss es nicht. Auch frage ich nicht beim MPi nach. Woher soll er es wissen?

Gehe immer noch davon aus, wenn es mich erwischt, dass auch dies vorbei gehen wird. Warum glaube ich daran? Weil anderes Gedankengut mir nicht gut tun würde, weil Angst nicht hilft, weil es keine Hilfe ist, wenn ich mir ausmale, was wenn.

Die wirtschaftlichen Folgen werden enorm sein, keine Frage. Trotzdem frage ich mich, ob es wirklich sein kann, dass so viele Menschen nach nur einem Monat ohne Ennahmen bereits in seriöse Geldschwirigkeiten kommt? Hier sage ich mal ganz provozierend, so lange der Mensch darüber noch jammern kann, ist es wohl nicht so schlimm.

Ich verbringe den Tag lieber mit Gedanken, wen könnte ich wohl wieder mal treffen, anrufen? Was könnte ich nach der Krise machen? Solange ich keinen Grund habe, mich seriös zu Sorgen, mache ich es auch nicht. Machen, was ich kann, nämlich zu Hause bleiben und fertig und aus. Und wenn es doch sweit kommt, dann hat es wohl so sein sollen.

Aber nein, ich glaube nicht daran. Ich habe vier Chemos gut überstanden,  die fünfte abgebrochen zugunsten Studie, mehrere OPs überstanden die Bestrahlung war ein Luder, ist aber auch vorbei gegangen, zwei Thrombosen, Magengeschwür, usw. usf.

Und, ganz wichtig, ich erspare mir grösstenteils die Neuigkeiten, Medien. Was soll ich daraus noch „lernen“? Mit meinem Arbeitgeber bin ich im Kontakt, aber auch hier ist es mehr Informationsaustausch, aktiv etwas beeinflussen kann ich nicht.

Ich igle mich zu Hause ein, lasse die böse Welt draussen, und glaube und hoffe – es wird wieder besser werden.

 

 

Weiter

Wie die meisten sitze ich zu Hause. Nicht besonders prickelnd. Vielleicht habe ich da ein wenig mehr Übung Aber da müssen wir durch. Und zwar alle!

Die reisserischen Schlagzeilen der dritt-klassigen-möchte-gern-Nachrichten-Zeitungen erspare ich mir. Mit ein bisschen Grütze im Hirn sollte es mittlerweile doch jedem klar sein, dass zu Hause bleiben momentan nicht ganz das Schlechteste ist. Man kann nun noch ewig vor sich hinjammern, ändern wird das auf die Schnelle nichts. Mein Vorschlag wäre doch, lieber mal zu überlegen, was machen, wenn wieder die Normalität einkehren wird. Und sie wird. Nicht heute oder morgen, aber sie wird.

Vereinzelt komme ich auch ins Schmunzeln. Es gibt Frauen, welche mir ihren Mann offerieren, um mit mir ins Spital zu fahren. „Dann ist er mal ausser Hause“. Ja, ich gehe davon aus, es wird Scheidungen geben, oder aber Babyboom.

Mein prickelndes Leben wir momentan aufgepeppt von den Spitalbesuchen. Immer noch sind diese zwei Mal wöchentlich. Blut wird immer gezapft, ziemlich viel, da ja auch das Zentrallabor wissen möchte, wie es mir geht. Heute war noch EKG dran, nächstens kommt ein Herzultraschall. Dieser muss innert sieben Tagen vor einer Dosis gemacht werden. Blutdruck ist gut, aber mein Puls. Zu hoch. Sehr viel zu hoch. Ich grüble. Weil ich ein zu grosses Herz habe? Die Sauerstoffsättigung ist ok. Also, warum pumpt das Teil wie blöde? Mal MPi fragen. Er ist bei unschönen Sachen etwas direkter als Onki. Onki hat oft und gerne verbal noch drei Geschenksmascherl drum herum gebunden, bevor er etwas raus lies. MPi meinte heute ganz locker, ja, liegt absolut im Bereich des möglichen, dass dort, wo meine Ableger in den Knochen auftreten, dass sich da mal ein pathologischer Bruch ergibt. Super! So wie ich vom PetCt her weiss, schleichen diese ziemlich dicht in meinen Knochen rum. Wenn das nicht Freude macht.

Ich muss MPi versprechen, dass ich ihm „früh genug sage“, wenn die Lunge wieder Ungemach macht und ich entweder Wasser abziehen lassen möchte oder eben doch Pleurodese. Also, so, drei, vier Tage würde er schon brauchen, um alles zu organisieren. Das finde ich mehr als aufmerksam. Und ich beruhige ihn, dass mir das schon klar sei. Wie ich schon ein paar Mal geschrieben habe, als Krebspatient sind die Wartezeiten bei jedwelchen medizinischen Eingriffen und / oder Behandlungen doch sehr kurz.

Habe mich heute nochmals schlau gemacht wegen Studie und Dosis. Begonnen wurde  bei verschiedenen Teilnehmern mit 0.5gr pro kg Gewicht. Bei mir ist man nun bei 8gr pro kg Gewicht. Ziel wird sein 8 – 12 gr. Es wird bei mir ausgeschlossen sein, dass ich mal 12gr erhalte, ist verboten. Wenn man I-Phasen-Patient ist, und dies aus einem Grund abgeschlossen wird, werden muss, kann man nicht an III-Phasen teilnehmen. Ist ausgeschlossen. Habe recht schnell gemerkt, dass es nichts nützt, wenn ich mir meinen Mund bei MPi fusslig rede. Er ist seit über zehn Jahren in der Forschung, und scheint ziemlich sicher zu sein, bei dem, was er tut. Einerseits gut für mich, andererseits, da ist nichts zu machen, ich habe da null und nix Einfluss drauf.

Entmündigt, quasi.

Keine Pleurodese

So wirklich was Neues habe ich nicht zu schreiben.Das Mittelchen scheine ich immer noch gut zu vertragen, dort und da einen misslich juckenden Ausschlag, welchen ich mit einer Kortisonsalbe niederschmiere. Aber sonst ist gut. Auch mit meiner Lunge geht es wieder gut, will heissen, kein Wasser mehr absaugen. Also, Wasser haben wir natürlich schon drauf, aber einfach nur so reinstochern, wenn es mit dem Atmen noch recht gut geht – nein, dass lasse ich nicht zu. Und alle sind sie sehr verständnisvoll. Wenn ich sage, brauchen wir nicht, da wird dies nicht hinterfragt. Und ich könnte jeder Zeit Meldung machen, wenn es doch nötig ist, oder wird. Der Eine oder Andere war recht überrascht, dass ich die Pleurodese abgesagt habe, immerhin habe ich bereits das schriftliche Aufgebot zu Hause. Zuallererst bin immer noch ich diejenige, die das Ok gibt, geben muss, wenn wieder mal irgendwo geschnetzelt und geschnitten, gestochert und gestochen, was weggeschnitten, was eingesetzt, was verödet, verklebt oder und wird.  Momentan passt dies schon mit meiner Lunge.

Ein Mail meines MPis hat mir schriftlich klar gemacht, dass ich Hochrisikopatient bin (ist ja nun nichts Neues), und nun offiziell nicht mehr zur Arbeit darf. Nicht das ich noch sehr oft im Büro anzutreffen war. Auf jeden Fall sind Menschen wie ich entweder mit Homeoffice (wenn das nicht das Wort 2020 wird….) zu beschäftigen, oder freizustellen, bei vollem Lohnausgleich. Das ist mein liebster Satz. Aber ich muss schon sagen, meine Firma ist sehr besorgt um ihre Mitarbeiter. Da hört man in den Medien schon andere Sachen.

Aber die Medien. Wenn sie nur die Stimmung anheizen können. Ungefiltert könnte man tatsächlich glauben, es handelt sich um einen absolut tödlichen Virus, und jeder und alles stirbt daran. Ja, natürlch, es sterben anteilmässig viele daran, aber absolut oder relativ gesehen, das sin doch zwei ganz verschiedene Betrachtungsweisen.

Nun schieben also recht viele Panik. Schiebt auch jemand Panik, wenn die Forschung sagt, dass man noch zwei, drei Antibiotika in Reserve hat? Wenn die Menschheit auch dagegen  ressistent wird, dann, ja dann sterben wir wieder an einer bakteriellen Lungenentzündung, an all die Sachen, welche wir heute mit den kleinen Helfern niederwälzen, mit einer Selbstverständlichkeit, die schon unglaublich anmutet. Und immer noch kenne ich Menschen, welche bei einer Erkältung Antibiotika schlucken, weil man es sich doch als Selbstständiger nicht leisten kann, krank zu sein. Und es gibt Ärzte, die es verschreiben. Bei einer Kollegin habe ich mal Medis auf dem Tisch gesehen, für mich sehr bekannt aussehende Medis. Es war Penicilin. Der Kollegin war gar nicht bewusst, was sie da hatte. Und ich bezweifle, dass sie weiss, dass sie es bis zum Schluss nehmen muss. So züchtet man sich gezielt eine Resistenz, und ist das nächste Mal wohl überrascht „das ja eh nichst nützt“.

Bei COVID-19 nützt das so oder so nicht, weil es ja viral bedingt ist.

Sind wir wirklich überrascht, dass da mal was kommen kann, dass uns ein wenig in die Knie zwingt? Gehen wir immer noch davon aus, dass uns die Medizin vor allem schützen kann. So naiv kann man doch nicht sein, oder? Gerne auch schieben wir die Eigenverantwortung ab, in diesem Fall an den Staat, der Weisungen raus geben soll. Muss ich wirklich auf die offizielle Ausgangssperre warten, bis ich entgültig zu Hause bleibe und mir selber genug bin?

Na ja, auf die Gefahr hin, dass das ziemlich grossspurig klingt, so wirklich Sorgen macht mir COVID-19 nicht. Das positive daran sehe ich auch, die Autobahn ist frei, wenn ich ins Spital muss (Krebsbehandlungen werden nicht ausgesetzt), Parkplatz ist auch genügend vorhanden, das ist doch schon mal angenehm.

Einzelzimmer gesichert

Rechtzeitig liege ich wo ich soll, um mit der Studie zu beginnen. Zuerst mal wird, was sonst, Blut genommen. Über den Port, dass geht 1a. Mein lieber, guter Port, erst einmal hat er mich im Stich gelassen. Nun warten, ob meine Blutwerte stimmen. Wir beginnen mit dem Kortison, intranvenös, und in ausreichender Menge. Und wieder warten. MPi kommt und meint, ich ess‘ zu wenig, man sehe es im Blut. Und flugs kommt er mit hochkalorischen, (nein, nicht cholerisch!) Eiweiss angereicherten, medizinischen Drinks daher. Ich versuche einen und es ist einfach nur widerlich. Wir beginnen mit dem Studienmittel

Alles ruhig, alles gut. Nichts passiert. Muss noch sechs Stunden bleiben, und mir wird stündlich Blut genommen und Blutdruck gemessen. Weil mir gar langweilig ist, laufe ich auf dem Gang ein wenig hin und her. Auf der anderen Seite des Ganges ist die reguläre Onkologie wo die Chemopatienten aufgereit liegen. Sind schon einige mehr wie bei Onki. Und zum Teil sind sie sehr, sehr aggressiv, kriege ich mit. Ich plaudere mit einer  Chemodame, und sie bestätigt mir, ja, Aggressivität kann schon sein. Ist meist auch Ausdruck von Hilflosigkeit. Mir muss auch noch ein zweiter intravenöser Zugang gelegt werden, da das Blut an zwei verschiedenen Stellen abgenommen werden muss. Kann man mich nicht schütteln wie einen Cocktailshaker, damit sich alles gut durchmischt in meinem Körper? Und hier kommen meine Rollvenen wieder ins Spiel. Die erste Dame versucht es mutig an zwei Stellen, negativ. Die zweite Dame sieht sich das Ganze an und ruft schlussendlich eine ehemalige Mitarbeiterin der Anästhesie zur Hilfe. Nach nur drei Versuchen sitzt der Venflon.

Nach den besagten sechs Stunden kann ich aufs Zimmer. Eigentlich fühle ich mich absolut fit zum Laufen. Einzig, der Christbaumständer mit der NaCl Infusion überzeugt mich, doch einen Transport in Anspruch zu nehmen. Und doch, ich komme mir ziemlich dämlich vor in so einem Rollstuhl. Unterirdisch geht es zügig dahin. Mein Rollstuhl wird von hinten praktisch eingeklemmt, und mit einem kleinen Fahrzeug geht es hurtig in ein anderes Gebäude. Zu Fuss hätte ich nach draussen gemusst, und so ist es doch sehr viel praktischer.

Ich werde bereits erwartet. Überrascht mich auch nicht, habe gehört, wie „meine“ Chemodame etwa fünf Mal mit der Station telefoniert hat und mich angekündigt hat, was ich für eine Behandlung hätte, was man mit mir machen muss und und und. Als Tumorerkrankter hat man ohnehin schon eine Vorzugsbehandlung, wie ich in den letzten Jahren festgestellt habe. Nun bin ich irgendwie ganz oben angekommen. Da muss nicht mehr gewartet werden, nein, man wartet auf mich.

Auf dem Einzelzimmer kommt ein schnukeliger Pfleger und checkt mich durch, will heissen, Vitalwerte, Puls, Blutdruck, Herzschlag, Sauerstoffsättigung, Blutentnahme und Temperatur. Und die Temperatur bringt die Maschinerie richtig zackig zum laufen. Verdacht auf  COVID-19. Hui, hui, hui, ein Wagen kommt ins Zimmer mit Schutzmäntel, (zum Einweg Gebrauch), Schutzbrille und Schutzmasken. Ein Abstrich wird genommen, hoch in die Nase, dass man das Gefühl hat, das Ding kommt im Hirn wieder raus. Meine Zimmertüre wird aussen mit „Isolation“ markiert, und ich muss im Zimmer bleiben, bis zum Ergebnis des Testes. Sobald jemand ins Zimmer kommt setzte ich mir eine Schutzmaske auf. Blut muss mir auch genommen werden, und zwar an zwei Stellen, Port und über den Venflon. Dieser tut aber nicht mehr wie er soll, rein kann man Zeugs spritzen, raus kommt nichts mehr. Mein Pfleger versucht es an zwei Stellen, negativ, seine Kollegin stochert auch noch rum, wieder nichts. Und plötzlich schielt sie auf meine Beine, bzw. Fuss. Ob sie da mal dürfte…..?? Am Fuss? Seit wann das denn?? Ja, dass hätte sie schon öfters gemacht. Weil ich nicht davon ausgegangen bin, dass man sich an meinem Körper von oben bis ganz nach unten durcharbeitet sind meine Beine mit einem gepflegten Winterpelz bedeckt. Wie peinlich ist das denn! Nun, Blut müssen sie haben, meine Venen sind für die Tonne, also los, dann halt am Fussrücken mal angezapft. Und es klappt.

Teilweise piepst der Automat neben mir – zu hoher Puls, wohl schon gefährlich hoch. Manchmal piepst es aber auch, da die Sauerstoffsättigung zu niedrig ist, gefährlich niedrig.  Mein Pfleger bietet mir Sauerstoff an, und, ja bitte. Weil ich ja weiss, dass ich wieder Wasser auf der Lunge habe weiss ich auch, dass es mit dem atmen mühsamer wird. So Sauerstoff in die Nase geblasen, dass kann einen schon die Illusion von einem Bergsee an einem Frühlingsmorgen bringen. Es ist ganz wunderbar.

Irgendwann kommt noch was zum Essen. Alles in allem wird drei Stunden an mir rumgetestet, gestochen, Infusion ran, stündlich testen. Ich habe zu gegebener Zeit einfach mal hingehalten und mitgemacht, diskutieren bringt ja nun gar nichts.  Meine Medis kommen auch zur Zeit. Und MPi zeigt sich auch noch, bevor er nach Hause geht.

Die Nacht ist wunderbar. Trotz Kortison. Es war so ziemlich das einzige, worauf ich beharrte. Gebt mir was zum Schlafen, egal was. Und irgendwie haben sie mich richtig ausgeschaltet. Zusätzlich der Sauerstoff. Schon lange nicht mehr so gut geschlafen.

Am Morgen kommt das Frühstück und gleich dazu mein MPi. Ja, also, eigentlich geht es mir gut. Ok, das mit dem atmen, aber das ist ja nun ein alter Hut. Und ich glaube auch nicht das mich COVID-19 erwischt hat. Nicht nur er, eigentlich alle, sind der Meinung, dass es mit 99%-iger Wahrscheinlichkeit negativ ist. Und wenn auch positiv. Ich habe andere Sorgen. Nützt das Studienmittel etwas? Werde ich es vertragen? Und wenn nicht, zurück zu Onki und wieder Chemo? Wenn, bzw., da wieder Wasser auf der Lunge, wann kann ich eine Pleurodese machen. Vorher muss nochmals punktiert werden. So kann ich nicht nach Hause, dass Wasser muss weg.  Und schlussendlich auch noch, wann wird mich mein Krabbler in die Knie und zu Boden zwingen?

Mittlerweile hänge ich an Penicillin. Weil ich Fieber habe, vermutet man irgendwo eine Entzündung. Bakteriell oder viral, egal, bei Leuten wie mir fackelt man nicht lange, klärt nicht lange ab, da gibt man Mittel, von denen man annimmt, sie (könnten) helfen. Das wäre dann die vierte Anntibiotika – Kur in zwei Jahren. Krabbler sei Dank. Mein Leben davor hat praktisch ohne statt gefunden. Ich gelte als Hochrisikopatient, und da läuft es dann schon ziemlich wie am Schnürchen, kann man nicht anders benamsen.

Eine Visite, bestehend aus dem leitenden Arzt und noch ein Weisskittel, kommt auch mal am Vormittag. Es ist etwas mühsam mit jemanden zu sprechen, wenn drei viertel des Gesichtes bedeckt sind. Aber, was soll’s. Ich lasse wieder verlautbaren, dass es mir eigentlich gut geht, dass ich nicht glaube, mir den Virus eingefangen zu haben, und wenn auch, dass es mir nicht so grosse Sorgen macht. Weisskittel der Zweite lacht, und meint, ich nehme dies aber locker. Ja, ich habe und hatte andere Sorgen. Sie ziehen ab.

Mittagessen rollt an. Ist schon etwas öde, wenn das Essen die einzige Abwechslung ist, die man im Tag hat. Zwischendurch döse ich ein wenig vor mich hin. Plötzlich steht jemand im Zimmer und meint, wir könnten uns zur Lungenpunktion auf den Weg machen, ob ich laufen könnte? Ja, kann ich, so trotten wir los. Es ist mittlerweile das vierte Mal, und so weiss ich ja, was auf mich zukommt. Allerdings ist es das erste Mal, dass vor mir jemand steht, und mit die Pfötchen hält. Narkosespritze rein, und mein rechtes Bein zuckt aus. Scheint so, als ob sich da ein Nerv vor die Spritze geschummelt hat. Wasser kommt raus, und irgendwann ist wieder fertig. Die betreffende Dame kommt mich abholen und betritt den Raum mit dem Satz „Sie sind negativ“. Ich antworte nicht, ich streife mir die Maske ab. Reicht auch so.

Ich bleibe noch eine zweite Nacht. Mein schnuckeliger Pfleger vom Abend vorher kommt auch wieder, und wir plauschen ein wenig miteinander. Irgendwann muss er doch wieder an die Arbeit, und ich horche am Kopfkissen.

Der leitende Arzt der Station kommt mit meinen Austrittspapieren. Ob ich ein Arbeitszeugnis brauche, er hätte eines dabei. Danke, ist nett, aber das mache ich dann monatlich mit MPi. Und dann hätte er mir noch ein Rezept für Medis die ich nehmen muss, und Medis für auf Reserve. Das hingegen nehme ich gerne an. Einen Austrittsbericht hat er auch noch, welchen er an meinen Hausarzt schickt. Dann blauschen wir noch ein wenig über die Corona – Welle und er verabschiedet sich. Ich ziehe mich an, verabschiede mich im Schwesternzimmer und mache mich auf den Weg zur Apotheke. Ja, also, das Penicillin reicht nicht für die nötigen Tage. Doch, tut es, weil wir letzte Nacht um vier Uhr damit intravenös begonnen haben. Und den Magenschoner sollte ich auf einen reduzieren. Kaum, weil ich ein 12-Finger-Darm-Geschwür habe, ich zusätzlich noch Blutverdünner nehme, wir so verhindern wollen, dass dieses wieder zu bluten beginnt, und ich vermutlich noch einen stillen Reflux so wie eine gereizte Magenschleimhaut habe. Aha! Als sie mir noch erklären will wie das mit den Blutverdünnern läuft lehne ich mich nach vor und meine, ich will jetzt nicht wichtig tun, aber seit rund vier Jahren weiss ich schon was ich wie nehmen muss, und dass ich froh wäre, wenn sie mir einfach meine Medis gibt. Oh, ja dann, sie sei dankbar für den Hinweis, aber sie müsse die Patienten halt aufklären. Ja,weiss ich schon, schätze ich auch, aber irgendwann ist es genug der Aufklärung. Wir verabschieden uns friedlich.

Eine liebe Kollegin kommt mich holen. Zu Hause packe ich nicht alles aus, weil ich weiss, dass ich in ein, zwei Wochen wieder ins Spital muss, für die Pleurodese. Für die Studie ohnehin alle vier Tage.

Mal schauen, wie die nächsten Wochen, Monate vergehen….