So nicht

Nachdem ich überall rumposaunte, dass ich ein zukünfitger Anwärter auf die Tour de France „wäre“, kommt heute die überraschende Meldung von Onki. Meine Blutwerte sind nicht top, aber doch besser, und so lassen wir das allseits bekannte EPO EPO sein, und ich / wir verlassen uns auf meinen Körper, dass er dies mit dem Blut auch in Zukunft selber eingiermassen geregelt kriegt. Wobei, heute wieder den ersten Zyklus der dritten Chemo, schauen wir mal, wie das in einer Woche aussieht.

Nach ein bisschen Plauderei hier und da, zwangsläufig kennt man sich untereinander, Mitarbeiter sowie Patienten, schwinge ich mich ins Auto. Dank ausreichender Prämedikamentation (Kortison, Antisusppresivum usw.) war die Chemo kein Problem. Als ich das Dach öffne sehe ich einen Mann, von der Onkologie kommend, wie er irgendwas in meine Richtung murmelt. Ich rufe ihn zurück, was er gesagt hätte? Ja, ich stehe doch mit dem Heck meines Autos in die Strasse, ob ich dass nicht sehe, dass ich die Fahrbahn blockiere. Ich bin verwirrt. Das ist ein offiziell eingezeichneter Parkplatz, jedes Auto steht hier in die Strasse, in diesem Fall müsste er es machen wie alle, auch ich, über den Randstein ausweichen. (1. ist es ja nicht so, dass dies ein 20cm hoher Randstein ist und 2. handelt es sich nicht um eine reguläre Strasse, einzig eine Zufahrt zu Parkplätzen und 3. sieht man an Spuren sehr gut, dass dies regelmässig genutzt wird.) Da hält der Herr gar nix davon. Dann müsste ich halt ins Parkhaus, und dies hier sei für maximal Smart ein Platz, und da vorne seien Ärzteparkplätze, ob ich denn auf der Autobahn auch so fahre. Häää? Nö, da hat man ja auch keine eingeengten Platzverhältnisse (und Baustellen schaffte ich bis jetzt auch immer ohne Zwischenfälle). Oh, ist der Herr etwa Arzt, wenn er sich für die Ärzteparkplätze so einsetzt? Muss er etwa täglich Leben retten und kommt mit 120 km/h in einer 30-er Zone zu Notfällen, denke ich mir? Frage noch, ob er auch gesehen habe, dass die Parkplatzmarkierung sogar bis in die Strasse hinaus reicht? Das war nicht sonderlich intellegent, tut er noch seine Meinung kund. Oh, ich bin sicher kein Einstein, aber so wie die meisten sehe ich mich doch über einem Wimperntierchen stehen….. Wir verabschieden uns herzlich mit „das nützt nichts bei ihnen, dass ist hoffnungslos“. „So wie sie ein hoffnungsloser Fall sind“ kontere ich.

Zwefel überkommen mich, die grosse Klappe die ich hatte, war der Herr doch im Recht? Also, in der Onkologie angerufen, mit all den Begründungen des Herrn und unserem  demzufolge recht rasanten Sprachwechsels. Nein, sei alles in Ordnung, ich, also mein fahrbarer Untersatz,  und auch andere normal grosse Autos dürfen da stehen. Ich frage im Laufe des Gesprächs drei Mal nach, ob es auch sicher keine Probleme gibt? Nein, ganz sicher nicht. Der Herr war auch kein Arzt, (hm, falsche Schlussfolgerung meienerseits, oder hat er es doch behauptet??), sondern ein Patient. Aha. Kann schon sein, dass er schlechte Nachrichten verarbeiten muss, aber, seien wir ehrlich, dass muss früher oder später jeder, wenn er Patient einer Onkologie ist. Rechtfertigt meiner Meinung nach nicht einen solchen Auftritt. Oder hat er irgendwas tiefer gelegtes, Ferrari usw., dann ist jeder Randstein ein persönlicher Feind des Lenkers, oder musste ER mit seinem Smart in das Parkhaus, weil kein Parkplatz mehr frei wahr? Dumm für ihn, ich musste es auch schon.

Die Menschen sind verschieden. Als ich bei Ankunft das Dach geschlossen hatte, blieb auch ein Herr stehen, gleiches Alter, würde ich mal sagen. Er findet die Technik imposant, und ob das der Neue sei? Nein, mein Silberlöwe ist zehnjährig. Das überrascht ihn. Wir plaudern noch ein wenig über Autos, Cabrios, usw. und machen uns Beide auf den Weg. Ein netter Zeitgenosse.

Kürzlich bin ich bei Kollegen zu Besuch. Und zu etwas fortgeschrittener Stunde kommt noch ein Herr dazu, tätowiert, Vollbart, ein harter Kerl, auf den ersten Blick.  Irgendwann meinte er, er müsse nach Hause, hätte morgen Termin. Er soll nicht hetzen, ich hätte auch einen, wende ich ein. Er hätte einen „hässlichen“ Termin, ja, ich auch. Nicht so hässlich wie er, meint er. Genug Selbstvertrauen, stelle ich fest. Ich glaube nicht, wende ich ein. Doch er sei ganz sicher, da wette er drauf. (Ja, zu fortgeschrittener Stunde, wenn der Alkoholpegel im gleichen Mass steigt wie das Nievau sinkt, kommen schon die grossen Fragen des Lebens aufs Tapet..) Ich warne ihn, weil ich ja nett bin, dass ich an seiner Stelle nicht wetten würde, er soll es sein lassen. Sturschädel. 1:0 für mich. Ich hatte ihn gewarnt.

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Richtig stellen

Sitze bei Onki im Wartezimmer, und warte. Was auch sonst. Langsam komme ich mit einer Dame ins Gespräch. Sie hat heute die letzte Chemo, dann OP und anschliesend Bestrahlung. Ob ich denn jemanden abhole? Hallo? Sie hat doch gesehen, dass ich meine Unterlagen am Empfang abgegeben habe, also bin ich wohl Patientin. So ganz sanft lässt sie durchblicken, wie schlimm sie dran ist, und dass ich wohl schon über dem Berg bin. Auf Grund meines Aussehen findet sie, mir geht es ja sicher gut. Och, da kann ich nicht an mich halten, ist, wie wir bei mir zu Hause sagen „eine gemähte Wies’n“ für mich. Ich gebe kurz einen Statusbericht meines Zustandes. Oh! Ja, dann sei ich übel drann, meint sie. Danke, weiss ich auch. Ich erzähle Onki von meinem Gespräch, dass Lächeln verschwindet auf seinem Gesicht und er meint leise „Ja, sie können mit den meisten mithalten“. Bin ich nicht wirklich stolz darauf. Und ich mag es nicht, wenn Onki ernst wird, oder sogar Sorgenfalten auf seiner Denkerstirn (nicht Stirndenker!, ein paar hier wissen, was ich meine), erscheinen. Also schnell mit einer Geschichte abgelenkt. Wir plaudern ein wenig.

Irgendwann frage ich, was denn der Tumormarker Test ergeben hat. Tja, die neue Chemo schlägt nicht so gut zu Buche, wie es die letzten drei gemacht haben. Prima, mein Blut demoliert das Ding, die Haare gehen aus, meine Tumorzellen schütteln sich vermutlich ein wenig und lachen darüber. Aber für Schmerzen reicht es dann doch. Körperschmerzen, irgendwie, kann es gar nicht richtig beschreiben. Als ich Onki erzähle, dass ich fleissig am Schmerztabletten schlucken bin wird er wieder ernst, will wissen warum, wieviele und notiert es flugs in seinem Gesprächsprotokoll. Ja, ich kann es nicht immer vermeiden, dass wir ernste Themen haben.  Dann kommen wir wieder zu meinem Blut. Onki findet es bedenklich. So gut kenne ich ihn schon. Er muss es nicht ausdrücklich erwähnen, schon dass er immer darüber laut nachdenkt, nunmehr seit etwa zwei Monaten, zeigt mir, wieder mal etwas, das ernst zu nehmen ist. Mist, elender. Dann würde sich noch Xzflikfondgt anbieten, meint Onki. Also, irgend so ein Zungenbrecher, welchen ich nicht mal wiederholen kann, geschweige denn mir merken. Vermutlich schau‘ ich etwas blöd aus der Wäsche, und er erklärt es blondinentauglich. Radfahrer nehmen es als Doping. Ja, von Blutdoping habe ich schon mal gehört. Wau, werde ich auf meine alten Tage noch eine Sportskanone? Anmeldung zur Tour de France, evtl.?Auf jeden Fall würde das heissen, alle drei Wochen eine Infusion. Kommt ja nun auch nicht mehr darauf an. Bin sowieso wöchtentlich bei Onki, ein Infusionsbeutel mehr oder weniger? Rein damit. Soviel ist mir klar, dass schlechte Blutwerte gefährlich sein können oder werden.

Ich frage mich, sind jetzt kranke Menschen Nutznieser von den Forschungen des Dopings, oder sind die Sportler frech genung, eigentliche Medis zur Leistungssteigerung zu nehmen.

Und dann meint Onki noch, jetzt sollte ich kein Fieber kriegen, sonst ….., habe ich ja schon ein paar Mal geschrieben. Das bringt mich ins Grübeln. Er weiss, dass ich das weiss, schlussendlich spaziere ich seit dreieinhalb Jahren mit Chemo herum. Und trotzdem sagt er es mir. Hm?? Allerdings, meine Blutwerte waren nicht mal bei der ersten Chemo so lausig. Kuck ich mal, wie das weiter geht mit dem Saft des Lebens. Oder aber es ist nur ein Zeichen für etwas, das mir Onki schon gesagt hat: Mein Körper wird schwächer, er sieht es wohl in den Laborwerten, dass ich die ganzen Medis nicht mehr wie Gummibärchen wegstecke. Ja, da weiss ich nun auch nicht, was ich da machen soll. Hoffen? Glauben? Sich damit abfinden? Wahrscheinlich das Letztere.

 

Beobachten

Die Chemo nimmt ihren Lauf, und ich beobachte. Beobachte, wie mir die Haare wieder vermehrt ausgehen, (ein kümmerliches Schwänzchen ist noch da), die Haut ist dank Kortison wieder einwandfrei, die Geher sind auch in einem sehr guten Zustand, die Knoten weg, aber Schmerzen da. Sind es Schmerzen wegen der Chemo oder wegen Krustentierchen? Eigentlich egal. Und ich kann auch gar nicht sagen seit wann, aber auf jeden Fall, lebe ich nun mit Schmerztabletten – täglich. Kann schon mal sein, dass ich um vier Uhr morgens noch solche nehme, einfach, damit ich endlich schlafen kann. Es wird einem gar nicht richtig bewusst, aber man wird zum Patienten, zum Tabletten Junkie, zum Drogenkonsument. Aber ich habe schlichtweg keine Lust mehr, mit Schmerzen rum zu laufen. Und ein Held war ich ohnehin nie. Also, wenn mir etwas hilft, her damit.

Irgendwas stimmt mit meinen Blutwerten nicht. Onki hält den Test in den Händen und murmelt, ob mir irgendwas fehlt? Eisen ist es nicht. Ja, keine Ahnung. Natürlich gibt es Sachen, die einem fehlen, (ein neues Auto, eine grössere Wohnung, der Privatjet….), aber das ist es wohl nicht, was er meint. Wir suchen, und finden nix. Vielleicht sollte ich mal im Monatstakt Vitamine schlucken, und mal sehen, ob sich etwas ändert? Und dann gibt es noch die Spurenelemente. Ich glaube, so viele Monate werde ich nicht mehr schaffen, dass ich den ganzen Karsumpel durch kriege. Und einfach nur Zeugs auf Verdacht schlucken ist auch doof. Hm, was tun?

Eine neue Mitarbeitern schlägt in meinem Büro auf und bringt Süssigkeiten mit, quasi als Einstand, Alkohol wäre wohl üblicher, wird aber nicht wirklich wertgeschätzt. Von den Mitarbeitern schon, von den Vorgesetzten eher weniger. Ich will mich erkenntlich zeigen und biete ihr das erstbeste, was ich auf meinem Tisch habe, an – meine Thrombosespritze. (Ich muss die Dinger vor Augen haben, sonst vergesse ich sie). Es wird dankend abgelehnt. Was ist gegen ein bisschen dünnes Blut einzuwenden? Werden die Rohrleitungen wieder mal durchgespült. Dann nicht, was anderes kann ich nicht anbieten, ausser ein paar Tabletten. Nichts von mir findet Anklang.

Dieser Eintrag wurde am 22. Juni 2019 veröffentlicht. 2 Kommentare

Weiter machen

War ein paar Tage unterwegs, wieder zu Hause werde ich netterweise mit Rose und Luftballon in Herzform in Empfang genommen. Auf dem Weg zum Parkhaus kommen mir zwei Frauen mit einem kleinen Menschen entgegen, ich schätze mal so zwei Jahre? Rund zwei Meter vor mir bleibt er stehen, schaut mich mit grossen Kulleraugen an und hebt die linke Hand zum Gruss. Ich mache mir nichts vor, nicht mich himmelt er an, schon eher meinen Luftballon. Ich halte ihm diesen hin, und er grapscht mit seinem Patschhändchen danach. Süss, einfach nur süss. Die Rose behalte ich. Die kleinen Freuden des Lebens.

Ich mache mich auf zum zweien Zyklus meiner Chemo. Wir fahren mit der Dosis runter, mit dem Kortison wieder rauf, meiner Allergie zuliebe. Dann noch wie schon gesagt drei, oder waren es vier, Tabletten rein, und los geht es. Das Sauerstoffgerät wird in die Nähe gerückt, genauso wie ein Infusionsbeutel mit was weiss ich, wenn die Allergie wieder los legt. Und die Chemodamen belauern mich. Als ich mich aufrichte,  um meinen Kaffee zu trinken, kommen sie schon, und frage, ob alles i. O. sei. Ja! Ich sei schon wieder rot im Gesicht, ja, mir ist warm. Brütende Gluckhennen sind ein Dreck gegen meine Chemodamen, wenn sie auf „Obacht“ getrimmt sind! Auch Onki kommt vorbei und meint, alles gut? Ja!!! „Brav“, findet er. Ja bin ich denn ein kleines Kind? Aber bei Onki bin ich eigentlich – medizinisch – immer handzahm. Auch wenn ich rummaule nützt es nicht viel.

Auf dem nach-Hause-Weg lege ich noch einen Kaffeehalt ein. Der wird ein bisschen länger, und so köcheln meine Thrombosespritzen vermutlich im Auto, welches an der Sonne steht, ein bisschen vor sich hin. Ich beichte bei Onki, und er meint, es sei nicht so optimal. Und ich meine, was soll schon passieren, wenn sie nichts mehr nützen, so eine Thrombose ist ja nun nicht gerade das Neueste für meinen Körper, dass passt schon. Er sieht das anders, ich beruhige ihn – wird schon gut gehen. Ich will auch gar nicht wissen, was alles in die Hose gehen kann, er weiss vermutlich fast zuviel von all den Komplikationen. Ich lenke ihn ab, so gut es geht.

Einen Tumormarkertest machen wir auch. Der letzte war ein bisschen eigenartig. Es gibt hiervon immer zwei Werte, während einer erwartungsgemäss mit neuer Chemo sinkt, ist der zweite in die Höhe, ab durch die Decke. Da stimmt etwas nicht, aber wir warten mal ab, was der nächste sagt.

Meine neue Chemo hat nicht nur meine Lymphknoten zum verschwinden gebracht, auch das atmen geht viel besser, nichts mehr mit Wasser abziehen. Und auch keine Verschnaufpause vom Parkhaus zum Büro, so gefällt mir das. Onki auch!

 

Knoten

am Hals sind bereits nach der zweiten Chemo wieder weg. Also wird es wohl etwas mehr als Globuli sein, was mir Onki da schönes reintrichtern lässt. Reintrichtern, weil es, wie schon erwähnt, wieder intravenös ist, also via Port. Er arbeitet immer noch tadellos, muss aber dazu sagen, wir haben diesen auch immer brav nach drei Monaten – während meiner Tablettenchemo – hingebungsvoll gespült – Rohr frei marsch!

Bin zur Blutkontrolle, und da schaue ich mal ziemlich blöd drein. Meine Blutwerte sind im Keller. Meine Abwehrstoffe sind mit einem Wert von 0.1 praktisch nicht mehr vorhanden, schlimmer als bei der allerersten Chemo. Das ist nun nicht übertrieben gut. Onki erzählt mir, was alles passieren kann. Abgesehen davon, dass mich ein Husten schon nieder machen kann, ist es  möglich, dass die körperinternen Bakterien es bunt treiben und dies kann bis zu einer Blutvergiftung führen, Fieber ab 38.5 treibt mich in die Notaufnahme und zwingt mich zu Antibiotika, ziemlich egal, ob es bakteriell oder viral bedingt ist. Was tun?

Klar, auch da hat Onki ein Wässerchen dagegen – in spritzenform. Natürlich sagt er mir nicht, dass ich das Zeugs nehmen MUSS, aber wenn einem so ausführlich erklärt wird, was alles passieren kann, selbst wenn man brav alleine zu Hause hockt, dann, ja dann, sagt man gerne, her mit dem Gift. Die erste Spritze wird mir gleich in der Praxis verabreicht, am nächsten Tag mache ich mit der Thrombosespritze zusammen eine Junkie – Tour, quasi.

Und die Schmerzen gehen los, irgendwie hinten an den Nieren. Das hat mir Onki auch vorher gesagt. Ich weiss, Ibuprofen ist besser für die Nieren, schlecht für den Magen, bei Paracetamol ist umgekehrt. Dann habe ich noch ein Schmerzmittel für „Erwachsene“, also verschreibungspflichtig. Da steht auch netterweise unter anderem in der „Gebrauchsanleitung“, man sollte es nicht nehmen, wenn man schlechte Blutwerte hat, oder Blutverdünner nimmt, oder unter Chemo steht, und sonst noch ein paar Sachen. Warum muss ich den Schrott auch immer lesen. Onki muss helfen, schreibe ihn an, was ich denn schlucken darf, Antwort kommt postwendend: Im Prinzip alles, auch das rezeptpflichtige, wenn es sein muss. Ich bin verwirrt, und lasse ihn das wissen. Ja, er sieht das wohl anders, es sei alles i. O.. Vor allem, weil ich ja die Dinger nicht wochenlang schlucke. Ja dann, runter damit. Der Magen schmerzt auch schon wieder länger. Ich bin kein Held und bin recht grosszügig mit den Medis, ich will doch nur wieder mal schlafen können. Und das gelingt mir dann auch. Ok ok, ein Schlafmittel hat nachgeholfen.

Nach zwei Tagen muss ich wieder in die Blutkontrolle. Und siehe da, mehr oder weniger alles besser, nicht gut, aber doch besser Bin zufrieden, Onki auch. In drei Tagen gibt es wieder Chemo, und ich habe scho drei verschiedene Medis als Imunsuppressiva zu Hause, die ich nehmen muss. Wird schon gehen, muss ja auch.

Wenn ich ehrlich bin habe ich noch zwei Wünsche an mein Leben. Erstens, bitte, bitte, keine Hirnmetas und zweitens, keinen neuen Krebs, die Ableger reichen auch. Bescheiden bin ich geworden, finde ich.

 

Vierter Versuch

Mittlerweile habe ich das zweite Mal Wasser von der Lunge absaugen lassen. Diesmal waren es 1.3lt. Plömi ist etwas überrascht, dass es nach einer Woche schon wieder soviel ist. Musste Onki ein wenig in Schwung bringen, damit er mir einen Termin organisiert. Erst als ich hinterher schickte, es sei kein Witz mit der Atemnot kam der Termin mit Plömi am nächsten Tag.

So Wasser absaugen ist eigentlich keine grosse Sache. Im Rücken wird ein bisschen herumgestochert, ein Röhrchen rein, und raus mit dem Plunder. Das ganze wurde eingeschickt und – oh Wunder – auch hier, Krebszellen mit Her2 Überexpression. Was sonst. Was mich überraschte war, dass mir mein Plömi erzählte, dass es in Ländern ein Spitalsaufenthalt von zwei Nächten bedeuten kann, wenn man sich ein wenig Wasser absaugen lässt. Ambulant bezahle es die Krankenkasse im Land nicht. Ist für mich eigentlich sinnlos. Treibt doch die Kosten in die Höhe. Ich entschwinde zur Arbeit, denn es geht nicht so gut, einen Tag krank zu machen wenn man den nächsten Tag in eine Stadt will. Man erhält keine Narkose, also, nur lokal, da ist man in keiner Weise eingeschränkt.

Habe ein beisschen auf Plömi eingeredet, und er hat mir seine Direktnummer gegeben. Er bietet mir an,  direkt bei ihm den Termin anzufragen, ober bei seinen Vorzimmerdamen, wie auch immer. Anständigerweise frage ich Onki, ob er sich übergangen fühlt, wenn ich es selber in die Hand nehme mit den Terminen bei Plömi. Er schmunzelt. Klar, hätte ich doch wissen müssen, über so etwas steht er. Er meint, spätestens wenn er den Bericht erhält weiss er, dass ich wieder mal habe absaugen lassen. Und ganz sicher werde ich es ihn wissen lassen, wenn bei mir wieder in den Rücken gestochert wird. Vermutlich wird er sowieso der Erste sein, der von einer evtl. Atemnot von mir erfährt.

Wir versuchen es wieder mal mit einer anderen Chemo. Die erste Sitzung hat mich gleich mal in die Knie gezwungen, allergische Reaktion. Wie ich das hasse. Hilflos wie ein Pfund Dreck dazuliegen, und warten, bis die gespritzten Medis helfen. Auch Onki wird bemüht. Und er kommt im gestreckten Galopp, und dass erste Mal sehe ich in ein wirklich erschrockenes Gesicht. Die Chemodame spritzt allerlei, Onki misst Puls und Blutdruck, Beides ist durch die Decke. Mir ist warm, mir kommen die Tränen. Es ist erbärmlich zu merken, überhaupt keinen Einfluss auf seinen Körper zu haben.

Die zweite Chemo hingegen verlief problemlos, wohl auch, weil ich andere Mittel erhielt, bzw. das allergieauslösende nur jedes zweite Mal reingetrichtert wird. Das nächste Mal muss ich wieder mit Kortison dahinter, am Tag zuvor geschluckt. Dieses Mal ist es keine zielgerichtete Chemo sondern eine herkömmliche, will heissen, diese macht auch gesunde Zellen platt. Es ist zu erwarten, dass vor allem mein Blutbild verrückt spielt.

Mein Körper wird schwächer, Onki hat es bestätigt. Das begründet vielleicht auch meine ständige Müdigkeit, meine Schmerzen, die sich irgendwo im Körper ausbreiten, das Wasser, und all die kleinen Bebelie. Weil ich ja wieder Blutverdünner spritze nehme ich brav Magenschoner, weil wir nicht wollen, dass mein 12-Finger-Darm-Geschwür wieder zu bluten beginnt. Es wird mehr, immer mehr, und ich weiss, es wird nicht besser werden.

Mit einer neuen Chemo wird es am Anfang wohl ein wenig Besserung geben, aber es ist mehr ein Yo-yo-Effekt, wie beim abnehmen. Die Tumorzellen gehen zurück, und wenn die Dinger resistent werden legen sie wieder los. 10kg abgenommen, und zum Schluss wieder 15kg drauf, sozusagen.

 

Dieser Eintrag wurde am 29. Mai 2019 veröffentlicht. 2 Kommentare

Es lottert

Der Hirnscan hat gute Neuigkeiten zu Tage gebracht (noch immer) keine Ableger.

Dafür legt der Rest meines Luxuskörper los. Wasser auf der Lunge, was meine Atemnot erklärt. Ok, Wasser am Herzen und im Bauch auch. Das Wasser rund um die Lunge drückt diese langsam zusammen, und dann kann man Luft holen wie man will, man schafft es nicht, genug Sauerstoff ranzuschaufeln, und so kommt schon mal das schräge Gefühl des Erstickens. Die Leber lässt es krachen, Ableger sind hochaktiv. Und so wie Plömi (mein Lungendokti) meinte, seien da auch am Zwerchfell oder so neu Ableger hinzu gekommen.

Wir saugen mal 1.4lt Lungenflüssigkeit ab, und das Atmen geht tatsächlich wieder besser. Ich nutze die Chance und verschwinde in eine südliche Stadt. Allerdings ist dieses Luder mit Treppen gespickt, und so habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder komme ich top trainiert nach Hause oder mit zerbröselt die Lunge. Manchmal dachte ich wirklich, es jagt sie (die Lunge) jetzt raus.

Eine Woche vorher war ich in einer anderen Stadt, mit ohne Treppen. Geschnauft habe ich trotzdem wie ein Walross. Da wussten wir aber auch noch nicht, dass meine Lunge im Wasser schwimmt, quasi. Weil mein Reiseziel in südlichen Gefilden liegt, sind auch Moskitos schon unterwegs. Wer liebt es nicht, dieses leise, hohe Gesumse, wenn man kurz vorm einschlafen ist. Ich überlege kurz und komme auf drei Lösungen. Erschlagen mit einer Zeitung, wie man es schon immer machte und sich bewährte. Oder ich lass‘ diesen kleinen Blutsauger mal ein Tröpfchen Blut saugen und hoffe, dass noch genügend Gift in mir rumschwimmt, damit der kleine Vampir das Zeitliche segnet? Oder, schlimmer, das kleine Miststück hat auch Krebs, und meine restliche Chemo im Blut würde das Ding heilen? Wäre schön blöd…

Meine Magenschoner nehme ich immer noch. Mal Onki fragen, was er davon hält.

Und dann hatte ich noch eine kleine Thrombose an der Portspitze. Das hat alle ein bisschen in Schwung gebracht. Wenn ich nicht zufällig genau jetzt geröhrt hätte, hätte dies vermutlich keiner bemerkt. Und wenn so ein kleines Gerinsel einen auf Freischwimmer macht, dann kann es schon dumm gehen, wenn so ein Brösel in die Windungen des Hirns, Herzen oder Lunge kommt. Also, was heisst das für mich? Genau, die tägliche Spritzerei geht wieder los. Onki hetzt mich sogar von der Arbeit weg, die erste Spritze bei meinem Hausi zu holen und gleich rein damit. Jawohl. Nur die schwache Version, weil ich am nächsten Tag eben das Wasser auf der Lunge absaugen lasse. Also nur ein bisschen verdünnen, drei Tage später geht es mit der vollen Dröhnung los.

Meine Minz (=20 Tabletten täglich als Chemo) lassen wir ganz weg. Ich bringe die angebrochene und Reservepackung in die Onkologie. Erstens finde ich es nicht gescheit, Medis in den Abfall zu werfen, und zweitens kosten diese einen schönen vier-stelligen Betrag. Allerdings, jetzt kommt es mir in den Sinn, hätte ich die Dinger auf dem Schwarzmarkt verticken können / sollen? Es gibt eine neue Chemo, dass wäre dann die vierte. Habe den Eindruck, die Dinger werden immer rabbiater, oder mein Körper schwächelt vor sich hin.

Was mich am meisten nervt an dem schnezteln, spritzen, veröden, absaugen, durchspülen, wegschneiden ist, dass, egal was ich mache, was am Ende auf mich wartet, steht in Stein gemeiselt.